7.3/10

Kritik: Damaged Goods – Staffel 1

EIN BLICK IN DIE MILLENNIAL-SEELE

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Genres: Drama, Komödie, Startdatum: 11.07.2022

Interessante Fakten für…

  • Über Monate begleitete Sophie Passmann, die in der Serie Nola spielt, die Dreharbeiten auf Instagram.
  • Ihre Premiere hatte die Serie auf dem Filmfest München 2022.

Therapiebedürftige Freund:innen, Erwachsen werden, München und ein Podcast: Das sind die Zutaten, aus denen Prime Videos deutsche Serie Damaged Goods gebraut wurde. Aber wie gut gelingt der Einblick in das Innere des Millennial-Lebens?

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Seit dem sie in ihrer Jugend gemeinsam eine Gruppentherapie gemacht haben, sind Nola (Sophie Passmann), Mads (Tim Oliver Schultz), Hennie (Leonie Brill), Tia (Zeynep Bozbay) und Hugo (Antonije Stankovic) unzertrennlich.

Doch als sich Nolas Zukunftspläne in Luft auflösen, sie plötzlich vor dem Nichts steht und sich alle Freund:innen mit ganz eigenen Problemen konfrontiert sehen, fasst Nola einen folgenschweren Entschluss und veröffentlicht heimlich einen Podcast über die Irrungen und Wirrungen der Freund:innengruppe.

Eine Berg- und Talfahrt

Damaged Goods möchte eine Serie sein, die einen humoristischen und doch ehrlichen Blick auf das Leben als Millennial wirft. Qualitativ lässt sich die Serie dabei relativ gut in zwei Hälften einteilen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Während sich die ersten paar Folgen sehr mit der Etablierung der Charaktere, der Gruppe und der jeweiligen Probleme befassen, mag die Dramedy noch nicht so richtig in Fahrt kommen. Zu oft sitzt das Timing nicht, zu oft wollen eigentlich lustige oder emotionale Momente nicht richtig funktionieren und zu oft wirkt das Schauspiel etwas zu aufgesetzt und hölzern.

Hier ist vielleicht die ein oder andere dazu gewillt zu sagen „Deutsche Serie halt, da schalte ich jetzt ab.“ Aber Achtung: Das nach den etwas ernüchternden ersten Folgen zu tun, wäre ein Fehler!

Wendet man sich nämlich der zweiten Hälfte der Serie zu, erlebt man schon fast eine qualitative 180-Grad-Wende: Abgesehen vom immer noch nicht so 100% sitzenden Schauspiel, das vor allem bei den Nebencharakteren störend auffällt, greifen Handlung, Charaktere, Chemie und Pacing viel besser ineinander. Ehe man sich versieht ist man richtig involviert, fühlt mit und erwartet mit Schrecken, wie Nolas geheimes Podcastprojekt ihr bisheriges Leben unweigerlich für immer verändern wird.

Damaged Goods kann einige Genre- und Charakter-Tropes nicht umschiffen und rutscht das ein oder andere Mal etwas in Kitsch und Heile-Welt ab. Aber vielleicht darf das eine Dramedy auch ab und an mal tun! Am Ende steht aber eine Serie, die dann irgendwie doch ihre Sogwirkung entfaltet, unterhält und den ein oder anderen emotionalen Gut-Punch bereithält.

Es gibt nichts, was sie nicht kann!

Das große Aushängeschild der Serie ist natürlich Sophie Passmann, die sich in den letzten Jahren als eine der Stimmen der deutschen Millennial-Generation etabliert hat. Trotz aller Sorge, die dabei mitschwingt, wenn Menschen ohne Schauspielerfahrung vor die Kamera treten, kann an dieser Stelle Entwarnung gegeben werden. Denn Sophie Passmann ist, was das Schauspiel angeht, wohl eines der stärksten Argumente, das Damaged Goods zu bieten hat und bringt die innere Zerrissenheit ihrer Figur Nola glaubhaft und emotional rüber. Hoffentlich war das nicht Passmanns letzter Ausflug in die Welt des Schauspiels!

Ebenso können Leonie Brill als Hennie und Tim Oliver Schultz als Mads überzeugen, während Zeynep Bozbay als Tia und Antonije Stankovic als Hugo ein wenig abfallen. Das lässt sich aber weniger durch das Schauspiel, sondern mehr durch das Skript erklären: Denn in der ersten Hälfte von Damaged Goods werden zwar die durchaus spannenden und relevanten Probleme von Tia als nach Sinn suchende Künstlerin und Hugo als nach seiner Identität suchendem homosexuellen Mann aufgeworfen, aber nicht mit der nötigen Tiefe erforscht. Schaut man aber auch hier wieder auf die zweite Hälfte der Serie, funktioniert das Skript, die Figuren und das Schauspiel weitaus besser. 

So sind Millennials?

Richtig gute Serien über das Leben von Millennials gibt es kaum, schon gar nicht aus Deutschland. Oft wird sich über die Generation lustig gemacht, selten werden ihre Probleme ernsthaft angesprochen und diskutiert. Damaged Goods versucht eine Brücke zwischen beiden Welten zu bauen und es gelingt… bedingt. 

Damaged Goods macht viele Themen, die Millennials bewegen, zum Kern die Handlung, wie beispielsweise die Erkrankung einer der Protagonistinnen oder die Suche nach dem eigenen Ich in einer Welt voller Stereotype. Das sorgt für ernste Momente und Auseinandersetzungen, aber eben auch lustige Situationen, in denen aber nie über das Problem an sich, sondern vielmehr über den Umgang mit diesem gelacht wird.  

Aber manchmal übertreibt es Damaged Goods auch ein bisschen, was die referenziellen Millennial-Gags angeht. Bestes Beispiel dafür sind die Anglizismen. Diese sind Bestandteil der Sprache der Millennials und aller darauffolgenden Generationen, wirken hier allerdings zu oft zu aufgesetzt und erzwungen, dass man sich stellenweise von dem ein oder anderen unangenehmen Schauer erholen muss.

Fazit

7.3/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Charaktere 7.5/10
Schauspiel 7/10
Humor 7/10
Tiefgang 7.5/10

Damaged Goods kommt in jederlei Hinsicht mit Tiefen und Höhen, kann aber unterm Strich mit einer lustigen und berührenden Geschichte über Freundschaft, dem starken Schauspieldebüt von Sophie Passmann und einem emotional packenden Finale überzeugen.

Artikel vom 30. Juli 2022

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