Kritik: Sex Education – Staffel 1

Wenn Hormone übersprudeln
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Titelbild für Kritik Sex Education Staffel 1 mit Emma Mackey, Asa Butterfield und Ncuti Gatwa
  • Scheinbar jeden Tag kommt Netflix mit einem neuen Original um die Ecke. Die britische Coming-of-Age-Dramedy 'Sex Education' ist eine der neusten hauseigenen Produktionen des Streaming-Giganten. Ob sie sich als Nischen-Hit oder peinliche Sex-Comedy entpuppt, erfährst du in unserer Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Jungfrau und Sextherapeut Otis Milburn (Asa Btterfield), seines Zeichens Nerd und Jungfrau, genießt sein Leben abseits des Mittelpunktes der Aufmerksamkeit an der Moordale Secondary School. Doch als herauskommt, dass seine Mutter Jean (Gillian Anderson) eine bekannte Sex-Therapeutin ist und Otis trotz null Erfahrung in Sachen Sex einem seiner Mitschüler bei einem heiklen Problem aushelfen kann, ändert sich…
    Kritik: Sex Education – Staffel 1 tba
    1
    Handlung
    85%
    Schauspiel
    95%
    Tiefgang
    90%
    Emotionen
    90%
    Dialoge
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 11.01.2019
    Episoden: 8 in 1+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: 2019 Netflix

Gesamtbewertung:

Sehr gut
89%

Scheinbar jeden Tag kommt Netflix mit einem neuen Original um die Ecke. Die britische Coming-of-Age-Dramedy 'Sex Education' ist eine der neusten hauseigenen Produktionen des Streaming-Giganten. Ob sie sich als Nischen-Hit oder peinliche Sex-Comedy entpuppt, erfährst du in unserer Kritik.

Jungfrau und Sextherapeut

Otis Milburn (Asa Btterfield), seines Zeichens Nerd und Jungfrau, genießt sein Leben abseits des Mittelpunktes der Aufmerksamkeit an der Moordale Secondary School. Doch als herauskommt, dass seine Mutter Jean (Gillian Anderson) eine bekannte Sex-Therapeutin ist und Otis trotz null Erfahrung in Sachen Sex einem seiner Mitschüler bei einem heiklen Problem aushelfen kann, ändert sich sein Leben schlagartig. Auf Drängen der Außenseiterin Maeve Wiley (Emma Mackey) gründet Otis eine geheime Sex- und Beziehungsklinik und wird langsam aber sicher zum Liebesguru wider Willen.

Coming-of-Hä?

Das Teenager-Alter mit all seinen Irrungen und Wirrungen ist eine Thematik, die schon seit gefühlten Ewigkeiten von Filmen und Serien aufgegriffen wird. Es gibt Filme wie Eis am Stiel (1978) und American Pie (1999), die sich weniger auf echte Emotionen, sondern vielmehr auf Witze auf Kosten der von Sexualhormonen getriebenen Protagonisten fokussieren.

Aber es gibt eben auch Titel wie Skins (2007-2013),  The Breakfast Club (1985) oder Lady Bird (2017), die mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail zeigen, wie schwer und schön zugleich das Erwachsenwerden sein kann. Beide Arten von Filmen sind Auslegungen des Coming-of-Age-Genres, dass sich hauptsächlich mit jungen Charakteren und deren Suche nach den Antworten auf die großen Fragen des Lebens befasst. Doch in welche Schiene fällt Sex Education? Tiefsinnige Dramedy oder doch eher Flachwitz-Parade?

Therapiesitzung mit Tiefgang

Wenn es eine Sache gibt, die man an Sex Education definitiv loben muss, dann sind es die Drehbücher. Schon zahlreiche Serien und Filme haben sich mit dem Thema Sex befasst und bei mindestens der Hälfte dieser Serien und Filme versinkt man vor Fremdscham in der Couch oder im Kinosessel. Nicht so bei Sex Education, die auf dem Mienenfeld der Peinlichkeiten nahezu jede Falle gekonnt umschifft.

Die verschiedenen Probleme der Teenager werden mit erstaunlichem Feingefühl und einer idealen Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit behandelt. Dadurch trifft die Erzählung oftmals den Nagel auf den Kopf und lässt Momente entstehen, die das Publikum nicht nur berühren, sondern auch zum Nachdenken anregen. Zu kaum einem Punkt wirkt die Serie kitschig, peinlich, unangenehm oder klischeebeladen. Und wenn die Crew um Serienschöpferin Laurie Nunn doch mal in die Klischeekiste greift, fällt das meistens nicht unangenehm auf und fügt sich stimmig in die Geschehnisse ein.

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Doch die Story des Netflix Originals ist nicht perfekt. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, Sex Education erzählt bis zum Finale eine mitreißende Geschichte über das Erwachsenwerden auf einem sehr hohen Niveau. Doch besonders gegen Ende nimmt die Handlung einige wenig nachvollziehbare Wendungen oder endet stellenweise sehr abrupt, was beim Publikum einige Fragezeichen hinterlassen dürfte. Ob besagte Entwicklungen in der zweiten Staffel, die von Netflix bereits bestätigt wurde, näher beleuchtet werden, bleibt abzuwarten. Einen Hauch von bitterem Nachgeschmack hinterlassen sie aber trotzdem.

Die Stars der Moordale Secondary

Ein weiterer Pluspunkt von Sex Education sind die zahlreichen sympathischen und vielschichtigen Charaktere, die man sofort ins Herz schließt. Da gibt es zum Beispiel Otis, der sich mit viel Mühe und Hingabe in seine neue Rolle als Sex-Guru einfindet und dabei lernt, aus seiner Komfortzone herauszutreten. Oder aber auch Maeve, die zu Beginn als geheimnisvolle Außenseiterin auftritt, nur um im Laufe der Serie eine weitaus verletzlichere Seite von sich zu zeigen.

Doch nicht nur die Hauptcharaktere, auch zahlreiche Nebenfiguren wirken erstaunlich authentisch und sind interessanter als so mancher Protagonist aus heutigen Blockbustern. Gerade auf Grund des hohen Grades an Authentizität ist es für das Publikum besonders leicht, sich mit den Charakteren zu identifizieren und gemeinsam mit ihnen zu wachsen.

Maeve (Emma Mackey, links), Otis (Asa Butterfield, Mitte) und Eric (Ncuti Gatwa) in einem Bild für Kritik Sex Education Staffel 1

Maeve (Emma Mackey, links), Otis (Asa Butterfield, Mitte) und Connor (Connor Swindells, rechts) sind lebendig gezeichnete Charaktere mit Tiefgang.

Doch leider ist diese vielschichtige Charakterisierung nicht durchweg gelungen. Einige Nebencharaktere wirken neben anderen Figuren blass und ungenutzt. In anderen Serien wäre das vielleicht nicht allzu sehr aufgefallen, aber gerade weil Sex Education so viele stark geschriebene Charaktere hat, fallen die wenigen Ausnahmen doch besonders ins Gewicht. Vielleicht werden einige der Figuren in der zweiten Staffel zeigen, was noch in ihnen steckt.

Mit Asa Butterfield (Hugo Cabret) und den Newcomern Emma Mackey und Ncuti Gatwa hat die Crew von Sex Education Darsteller gefunden, welche die Gefühlswelt der drei Protagonisten perfekt auf die Bildschirme zaubern. Besonders Gatwa begeistert als scheinbar grenzenlos optimistischer Eric und wird dem Publikum auch wegen seines besonders emotionalen Handlungsstranges lange im Gedächtnis bleiben.

Auch Akte X Ikone Gillian Anderson überzeugt mit ihrem sehr nuancierten Schauspiel als vielleicht etwas zu offene Mutter und Therapeutin Jean, die mit ihren ganz eigenen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Der gesamte Cast beweist ein unglaubliches Level an Feingefühl und schafft es, den emotionalen Wirbelwind der Jugend glaubhaft auf die heimischen Bildschirme zu zaubern. Insgesamt gibt es an der Leistung des Casts nichts auszusetzen – bis in die letzte Nebenfigur sind alle Charaktere passend besetzt und holen das bestmögliche aus der jeweiligen Rolle.

Gillian Anderson und Asa Butterfield in einem Szenenbild für Kritik Sex Education Staffel 1

Jean Milburn (Gillian Anderson) ist eine anerkannte Sextherapeutin. Dennoch hatte ihr Sohn Otis noch kein einziges Mal Sex.

Eine britisch-amerikanische Traumwelt

Doch nicht nur für Fans von guten Geschichten ist Sex Education ein Fest. Mit wunderschönen Sets, einer angenehm kräftigen Farbgebung und tollen Kostümen, die so auch direkt aus den 80er Jahren hätten stammen können, ist die Serie auch eine echte Augenweide. Der bewusste Mix aus Stilelementen der britischen und amerikanischen High School Kultur kommt dabei nicht von ungefähr: Laurie Nunn versteht ihre Serie als eine Hommage an den Coming-of-Age-Gott John Hughes, der mit Filmen wie The Breakfastclub (1985) oder Ferris macht blau (1986) Klassiker des Genres schaffte. Abgerundet wird die durch die Sets und Drehbücher erschaffene High School Stimmung mit einem herrlichen Soundtrack, der sowohl Indie- und Alternative- als auch Oldie-Fans erfreuen dürfte.

Fazit:

„Sex Education“ ist eine der gelungensten Coming-of-Age-Stories der letzten Jahre

Sex Education überzeugt mit einer erstaunlich tiefsinnigen Geschichte, die sich ernsthaft und charmant mit den Problemen des Erwachsenwerdens in der heutigen Zeit auseinandersetzt. Hinzu kommt ein talentierter Cast, der die vielschichtigen Charaktere mit viel Feingefühl auf den heimischen Bildschirmen zum Leben erweckt. Leider werden einige der Handlungsstränge zum Ende der Staffel nicht nachvollziehbar aufgelöst und ein paar Nebencharaktere wirken etwas blass. Doch trotzdem reiht sich Sex Education in die Riege der wirklich empfehlenswerten Netflix Originals ein, bei der man gar nicht lange auf neue Folgen warten will.

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