Kritik: Extraordinary – Staffel 1
BESONDERS NORMAL
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Die 25-jährige Jen (Máiréad Tyers) lebt in einer Welt, in der Superkräfte alltäglich sind. Jeder erhält ungefähr mit seinem 18. Geburtstag sein ganz besonderes „Talent“. So gut wie jeder außer Jen. Eine Tatsache, die sie sehr belastet. Doch sie hat die Hoffnung auch nach sieben Jahren noch nicht aufgegeben und kämpft mit Hilfe ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Carrie (Sofia Oxenham), deren Freund Kash (Bilal Hasna) und später auch ihrer Zufallsbekanntschaft Jizzlord (Luke Rollason) darum, ihre Superkräfte doch noch zu entwickeln.
Ist Extraordinary „extraordinary“? Ja und nein. Allein von der groben Handlung her, klingt das aktuell nicht neu. Serien wie der Anime My Hero Academia oder die Realserie The Boys werfen Helden mit Superkräften ebenfalls in Alltagssituationen oder Superkräfte sind dort alltäglich. Trotzdem bleiben die Hauptcharaktere immer Helden oder Schurken. Extraordinary ist da tatsächlich anders, da sich die Serie nicht auf die Superkräfte selbst fokussiert, sondern viel mehr darauf, was sie im Alltag mit den Menschen anstellen, wie sie sich dadurch entwickeln und in Jens Fall auch, was für ein Problem es darstellt eben keine zu haben, wenn das die Norm ist. Die unterschiedlich nützlichen Superkräfte werden auf wirklich geniale Weise in den Alltag eingebunden, ohne dass es zumeist aufgesetzt wirkt. Extraordinary ist daher keine echte Superheldenserie, sondern eine Komödie mit schwarzem britischem Humor und eine Alltagsstudie.
Das Entscheidende in Extraordinary ist, wie die Charaktere mit ihren Superkräften oder deren Abwesenheit umgehen. Jen ist tatsächlich auf ihre Weise extraordinary, da sie nicht unbedingt wie 90 von 100 Befragten auf der Straße reagiert. Anstatt zum Beispiel alles vorzubereiten, um in einer Klinik ihre Kräfte doch noch entwickeln zu können, klaut sie lieber einen Hund auf einer Beerdigung, um einem Freund zu helfen. Obwohl sie ganz genau weiß, dass das eine dumme Idee ist.
Sie trifft oft nicht die moralisch korrektesten Entscheidungen oder die intelligentesten, bleibt jedoch immer menschlich und nachvollziehbar. Genauso wie ihre Mitbewohnerin Carrie oder deren Freund Kash, der sich oft seinen Problemen entzieht, indem er die Zeit zurückdreht. Zusätzlich gibt es banale Momente, in denen Superkräfte zur Unterhaltung genutzt werden oder im Job. Daneben wird es aber auch sehr tiefgründig, wenn man die ganzen Probleme sieht, die plötzlich auftretende Superkräfte verursachen können.
Mit Jen als Protagonistin wird es niemals langweilig, auch wenn der Hauptplot in wenigen Zeilen erzählt ist. Sie reagiert oft unerwartet und die Handlung lebt von der Interaktion und den nicht aufgesetzt wirkenden Dialogen ihrer Charaktere. Oft führt das zu absurden, tragikomischen Situationen. Genauso wie die Handlung ist auch der Humor nicht klinisch sauber, sehr viel dreht sich tatsächlich um Nichtjugendfreies.
Wer damit aber kein Problem hat oder sehr zum Fremdschämen neigt (die Charaktere sind keine Gewinnertypen und machen sehr viele Fehler), für den kann die Serie sehr unterhaltsam sein.
Die Superkräfte werden alle sehr alltäglich dargestellt und oft kommt die Serie ohne großartige Effekte aus. Das macht das ganze menschlich. Carrie als Medium spricht beispielsweise mit der Stimme des jeweiligen Toten, der gerade durch sie spricht oder wenn Cash die Zeit zurückdreht, läuft alles wie ein Videotape rückwärts.
Bei Verwandlungen sieht man nicht die Verwandlung direkt, sondern in der Regel nur ein vorher/nachher. Das unterstützt gerade das Gefühl von Normalität.
In Extraordinary geht es um den Alltag mit Superkräften, Menschen und ihre Probleme. Die Herangehensweise an das Superheldenthema ist sehr erfrischend, unterhaltsam und wer den britischen Humor dieser Comedyserie nicht scheut, der kann in den ersten acht Folgen auf jeden Fall gut unterhalten werden. Zugleich lässt sie aber auch genug Raum zum Nachdenken über die Charaktere, ihre Welt und ihren großen Haufen Fehler.
Artikel vom 30. Juni 2023
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