7.0/10

Kritik: Jack Ryan – Staffel 2

NICHT SO ERNST!

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Genres: Action, Krimi, Thriller, Startdatum: 31.10.2019

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Seit Ende Oktober kann man auf Amazon Prime die zweite Staffel über den patriotischen Spion-Analyst-Uniprofessor und rundum Good Guy Jack Ryan anschauen. Die einstündigen Folgen werden wieder mit einem großen Werbeaufgebot angepriesen, denn man hat offensichtlich wieder viel Geld in die Hand genommen. Die Serie sieht entsprechend toll aus und hört sich dank Ramin Djawadis Score fantastisch an. Außen hui, innen pfui? Unsere Meinung.

Darum geht’s

Vom Hörsaal in den Dschungel – Der Einstieg beginnt mit einem Blick auf den achso intellektuellen Professor, der seinen Studenten in einem Vortrag die kritische Situation in Venezuela beschreibt, das rohstoffreichste Land und dennoch bitterarm und von Korruption gebeutelt. Als er die Studenten befragt, von welchem Land die größte Kriegsgefahr ausgeht, werden nacheinander die üblichen Verdächtigen genannt, Russland, China usw. Insgeheim wartet man als Europäer natürlich darauf, dass auch die USA genannt werden, aber das wäre in einer Tom Clancy-Geschichte natürlich ein Unding.

James Greer (Wendell Pierce), Jack Ryans früherer Boss ist in Moskau und ein bisschen angesäuert, dass Jack nicht mit ihm mitgegangen ist. Als er durch einen Herzanfall an den Schreibtisch beordert wird, lässt er sich nicht wie ein vernünftiger Mensch im Krankenhaus der notwendigen Operation unterziehen, sondern trifft Jack in Venezuela. Für ihn ist der Auslöser ein geheimer Satellitenstart von einem Schiff aus, dessen Spur er in das südamerikanische Land verfolgt. Für Jack sind es Hinweise, dass im Dschungel ein illegales Waffenlager sein soll.

Vor Ort schließen sie sich dem dortigen CIA-Boss Mike November (Michael Kelly) an. Der schickt ein Special-Op Team in den Dschungel, es kommt zu Problemen, als diese auf feindliche Milizen stoßen, einer wird von der Gruppe getrennt und irrt im Dschungel umher. Und von da an wird’s unübersichtlich.

Die Handlungsstränge – ein löchriges Netz

Während Staffel 1 noch eine klare Struktur hatte zwischen der amerikanischen und arabischen Gruppe, gewürzt mit Flashbacks für die Hintergrundinfos, werden hier mehrere Fässer aufgemacht und ruckzuck wird es unlogisch und verwirrend wie in einem James-Bond-Film. Wer hat nochmal was herausgefunden und warum macht er jetzt genau das? Ach egal – Hauptsache die Action stimmt und der Zuschauer braucht sich keine Gedanken darüber zu machen, wer die Guten und wer die Bösen sind. Schwarz und Weiß sind coole Farben, wer braucht da schon grau?

Ein brutales Attentat auf einen Freund von Ryan bringt die Handlung ins Rollen, von nun an ist er nicht mehr zu stoppen und will den oder die Schuldigen finden.

Eigentlich hätte es ausgereicht, das Geheimnis des Dschungellagers aufzudröseln, das nicht nur ein Waffenlager, eine geheime Schürfstation von seltenen Erden und ein Gefangenenlager von politischen Widersachern des Präsidenten ist. Man hat ja auch noch die Präsidentenfamilie darzustellen, Jordi Mollà als Nicolás Reyes und Francisco Denis als sein Berater Miguel Ubarri und ihre Frauen, die so gar keinen Schimmer von den Machenschaften der Männer haben. Dann gibt es noch den Wahlkampf und die Herausforderin Cristina Umaña als Gloria Bonalde. Sie ist die Frau eines Aktivisten, der vor Jahren verschwunden ist, auch sein Schicksal wird noch aufgelöst werden.

Aber nein, irgendwie muss man noch die deutsche BND-Spionin Noomi Rapace (Verblendung) als Harriet “Harry” Baumann unterbringen sowie ihren ehemaligen Geliebten und jetzt völlig durchgeknallten Killerfreund Tom Wlaschiha (Game of Thrones) als Max Schenkel.

Pulverfass Venezuela

Ryan verfolgt eine Spur nach London und trifft dort Harry, was genau aber das alles mit der Venezuela-Geschichte zu tun hat, verliert sich schnell im allgemeinen Wirrwar der nur lose zusammenhängenden Handlungsstränge. Irgendwann ist der Killer mit der sehr fragwürdigen Erpressung über seine Tochter in die Ecke gedrängt und erledigt und die Rolle von Noomi bleibt einfach so im Nirvana der Drehbuchschreiber hängen. Wahrscheinlich greift man noch in Staffel drei auf sie zurück, so hätte das Ganze einen Sinn.

Die besten Eindrücke, die die am meisten überzeugen, waren die Darstellungen des undurchsichtigen Präsidenten, der einerseits sehr skrupellos sein kann, um seine Machtstellung zu bewahren, andererseits aber auch als Mensch mit Familienbindung und einer tiefen Freundschaft zu seinem Berater verbunden ist. Beide haben sich aus dem Ghetto hochgearbeitet und müssen nun damit umgehen, dass das Volk bei ihrem Kurs nicht mehr mitmacht.

Die Darstellung aus der Perspektive der einfachen Leute, die Gegenkandidatin, die mit ehrlichen Mitteln die Herzen der Menschen gewinnt und der Umsturz am Schluss sind eindrucksvoll und stark. Hier macht es sich bezahlt, viel Wert auf Kulissen und Umgebung zu legen. In Anbetracht der tatsächlichen aktuellen Lage des Landes ist dieses Thema durchaus nicht banal. Nur dass die USA auch eine Mitschuld trägt an der Lage, wird natürlich nicht erwähnt.

Starkes Schauspiel, schwache Charaktere

Was leider total flach abfällt – und das liegt natürlich daran, wie die Rollen ausgelegt sind – sind die beiden „deutschen“ Akteure, Rapace und Wlaschia. Noomi spielt wieder einmal die geheimnisvolle und toughe Spionin, das war sie schon in Sherlock Holmes und anderen Filmen, und Wlaschia ist der typische Bond-Bösewicht, am Ende sogar einäugig, ein Freak und sonst leider nix.

Tom Wlaschiha spielt Superschurken “Max Schenkel”. So würde auch nur ein Amerikaner einen deutschen Filmcharakter nennen.

Tom Wlaschiha in einem Szenenbild für Kritik Jack Ryan Staffel 2

Mir persönlich haben die spanischen Schauspieler Mola und Denis hingegen um einiges besser gefallen. Ihr Spiel ist intensiv, sie sind in ihren Rollen vielschichtig und überzeugend und ihre Frauen und Töchter ergänzen das Bild der Herrscherschicht, die ihren Zenit überschritten, es aber noch nicht mitbekommen hat. Auch die vier Special-Op Akteure, die zwar ein einfaches Klischee der amerikanischen Superhelden-Marines bedienen, die sich füreinander opfern, sind erstaunlich sympathisch.

Auch Michael Kelly als CIA Agent spielt eine Rolle, in der wir ihn schon gefühlt tausendmal gesehen haben. Das Zusammenspiel von Pierce und Krasinski ist uninspiriert und eher langweilig. Kein Biss, kein Konflikt, keine Ironie oder Dialoge. Dass Ryan dann gegen Ende den Präsidentenpalast platt macht, um Greer zu retten, nur „um nicht noch einen Freund zu verlieren“, muss man als Zuschauer dann halt so hinnehmen.

Die beiden Agenten Greer (Wendell Pierce) und Ryan (John Krasinski) sind als Duo relativ uninspiriert.

Wendell Pierce als James Greer und John Krasinski als Jack Ryan in einem Szenenbild für Jack Ryan Staffel 2

James Bond, Mission Impossible – Jack Ryan?

So gern man hier offensichtlich eine TV-Version der legendären Kinofilme produzieren wollte, ganz so einfach funktioniert das leider nicht. Zwar ist das Setting in einem exotischen Land überzeugend, die Details stimmen, die Menschen, die Konflikte und Spannungen und das Drama, das die ganze Handlung in Gang bringt – ganz so wie bei den großen Vorbildern Bond und Impossible.

Doch will die Serie offensichtlich zuviel. Sie will – im Gegensatz zu den Filmen – realistisch und politisch sein. Das passt dann aber am Ende nicht mehr, wenn z.B. der Präsidentenpalast gestürmt wird, zahllose Wächter einfach so abgeknallt werden, nur um einen einzigen CIA-Agenten zu befreien. Diese Szenen waren so amerikanisch-naiv-unpassend und ein Stilbruch, dass es für mich das Ganze, was mich vorher noch unterhalten hatte, kaputt gemacht hat.

Und außerdem ist weder die Figur des Jack Ryan, noch sein Darstellter John Krasinski nur halb so charismatisch, und mit Ecken und Kanten wie ein Daniel Craig oder Tom Cruise. Weder die James Bond noch die Mission Impossible Filme haben einen realistischen Anspruch, es geht nur um Spannung und Action und ironische Untermalung, da kann man auch das ein oder andere Massaker an den Bad Guys akzeptieren.

Fazit

7/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 5/10
Emotionen 6/10
Charaktere 7/10
Action 8/10
Visuelle Umsetzung 9/10
Details:
Showrunner: Carlton Cuse, Graham Roland,
FSK: 16 Epiosden: 16
Besetzung: Abbie Cornish, Ali Suliman, John Krasinski, Noomi Rapace, Wendell Pierce,

Jack Ryan – Staffel 2 nimmt sich etwas zu ernst

Die Serie solltet ihr schauen, wenn ihr farbenfrohe internationale Szenarien mit knallharter und professionell gefilmter Action mögt und nicht zu viel nachdenken wollt über Zusammenhänge und Logik. Tolle Schauspieler, gute Ausstattung und ein Wechsel zwischen ruhigen und actionreichen Szenen bieten gute, leider aber auch nicht außergewöhnliche Unterhaltung. Ein Geheimtipp zu einer israelischen Serie auf Netflix, die auch eine Rettungsaktion im südamerikanischen Dschungel beschreibt, dabei aber viel überzeugender ist und auch vor echten Charakteren und ihren psychischen Konflikten nicht zurückschreckt ist When Heroes fly. Dagegen kann ich auch Jack Ryan – Staffel 3 auch verzichten.

Artikel vom 7. Dezember 2019

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