8.3/10

Kritik: JoJo’s Bizarre Adventure: Stone Ocean

DAS ENDE EINER ÄRA?

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Genres: Abenteuer, Animation, Comic, Startdatum: 01.12.1992

Interessante Fakten für…

  • Der Teil „Stone Ocean“ findet zwar in den Jahren 2011 bis 2012 statt, doch Araki schrieb den originalen Manga ab 1999. Daher sehen die verwendeten Computer und Handys veraltet aus.

Araki’s legendärer Manga „Jojo’s Bizarre Adventure“ erhält mit „Stone Ocean“ endlich seine verdiente Fortsetzung auf Netflix. Kann Teil 6 seinen Höhenflug halten, oder ist es doch mittlerweile zu bizarr, um gut zu sein?

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

2011 im US-Staat Florida: Jolyne Cujoh (Fairouz Ai) muss sich vor Gericht verantworten. Ihr Freund geriet bei Autofahren in einen tödlichen Unfall und sie half ihm, die Leiche des Passanten loszuwerden. Ihr Anwalt rät ihr zum kompletten Geständnis für mindernde Umstände. Doch das stellt sich als mieser Trick heraus und Jolyne Cujoh muss für 15 Jahre ins Green Dolphin Gefängnis.

Alles was ihr noch bleibt, ist ein mysteriöser Anhänger mit einer Pfeilspitze drin, den ihr Vater, der legendäre Jotaro Kujo (Daisuke Ono), ihr zuschicken ließ. Als sie sich an dieser Pfeilspitze schneidet, passiert etwas Übernatürliches: Fäden kommen aus ihrem Finger, die sie nach Belieben kontrollieren kann. Schon bald wird klar, was es damit auf sich hat: Wie schon die früheren Mitglieder der Joestar-Familie, hat auch Jolyne ihren Stand manifestiert, eine physische Verkörperung ihrer Seele, die sich als eine spezielle Fähigkeit zeigt. Ihren Stand tauft sie Stone Ocean (Original: Stone Free).

Und den wird sie mehr als nötig haben, denn die Lage ist viel ernster als gedacht. Als Jotaro, den Jolyne so gut wie nie zu Gesicht bekam, selbst im Gefängnis auftaucht, hat er erschreckende Neuigkeiten: Der Unfall war geplant. Jemand hat den Vorfall organisiert, um Jolyne ins Gefängnis bringen zu lassen. Eine dubiose Gestalt hat es auf die Familie Joestar abgesehen. Und diese kann zu allem Überfluss Stands verleihen – oder diese wegnehmen…

Die Rückkehr des ORAORA!

Vor über 30 Jahren hat Hirohiko Araki mit dem Anime-Meisterwerk JoJo’s Bizarre Adventures angefangen und es zeigt nach wie vor keine Anzeichen von Müdigkeit. Und das ist auch kein Wunder: Die Kombination aus einem hyper-detaillierten Zeichenstil, übertriebener Dramatik und absurden aber unvergesslichen Momenten dürften eigentlich nicht funktionieren. Ich meine, versucht mal einem normalen Menschen zu erklären, was Stands sind und wieso diese nach Musikern benannt sind.

Und dennoch funktioniert es. Die Generationen überspannende Geschichte rund um die Familie Joestar wird unnachahmlich einfallsreich in verschiedenen Genres erzählt, weshalb diese nie ermüdend wirken. Und nun ist es Zeit für die Geschichte der neuesten Joestar: Jolyne Cujoh ist die erste weibliche Protagonistin und hat in Teil 6 (Staffel 5 im Anime) ihren großen Auftritt.

Gelingt ihr der Durchbruch – oder eher Ausbruch?

Die freundliche Jolyne aus der Nachbarschaft

Es ist nicht leicht, ein Joestar zu sein. Und Jolyne Cujoh lernt das auf die harte Tour. Sie wird zum Ziel, weil es jemand auf ihren Vater abgesehen hat und das obwohl sie nichts mit diesem zu tun haben will. Immerhin war er nicht da, weder als sie krank war, noch straffällig wurde. Das zeigt sich auch in ihrer Persönlichkeit: Vor allem am Anfang ist sie grob, streitlustig und kann erstaunlich brutal sein, wenn sie mit ORAORA-Schlägen den Gegner ordentlich zurichtet – ganz wie ihr alter Herr.

Doch mit der Zeit entwickelt sie sich weiter. Sie schafft es nicht nur ihre spinnenartige Entfädelungs-Fähigkeiten clever zu meistern, sondern sie wird weiser und auch empathischer. Schlussendlich schafft sie es mit ihrer inspirierenden Entschlossenheit ein verrücktes Team zusammenzustellen. Dazu gehören unter anderem eine Frau, die alles duplizieren kann, ein Junge, der offenbar in den Gefängniswänden lebt und sogar intelligentes Plankton in Form einer verstorbenen Insassin. Mehr überzeugend geht nicht.

Kurzum macht sie eine bemerkenswerte Entwicklung durch: Von einer Göre, die lieber Isolationshaft hinnehmen würde, als mit ihrem Vater zu sprechen, zu einer entschlossenen jungen Frau, die alles daran setzt, diesen zu retten.

JoJo is the new Black

Mit einem neuen Teil kommt auch ein neues Genre. Und nach Mafia-Thriller kommt nun der Gefängnis-Thriller. Und tatsächlich bringt es eine neue Dynamik in die Serie. Anders als die anderen Jojos, die entweder gute Beziehungen und/oder die nötige Freiheit für ihre verrückten Stunts hatten, hat Jolyne nur einen sehr begrenzten Freiraum. Sie muss sich ihrer Feinde in dem klaustrophobischen Umfeld entledigen und dabei geschickt und unbemerkt agieren, damit die Wachen und Insassen ihr keine Probleme machen. Da passt auch Ihre Einfädelung-Fähigkeit wie die Faust aufs Auge. Einmal nutzt man einen unsichtbaren Faden um eine Tasse umzuwerfen, ein anderes mal um ein Gespräch ähnlich wie mit einem Bechertelefon mithören – Stone Ocean hat ein paar clevere Tricks drauf.

Auf der anderen Seite ist das Innere eines Gefängnis auch nicht unbedingt die aufregendste Kulisse für die Dramatik. Graue Wände sind kein Vergleich zu Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise ägyptische und italienische Städte. Zwar gibt es hier durchaus Variation, doch man merkt schneller, wenn sich die Handlung in die Länge zieht. Und wer mit einem ausklügelten Gefängnisausbruch à la Prison Break rechnet, der wird leicht enttäuscht sein. Der Hauptfokus liegt darin, die Verschwörung innerhalb des Gefängnisses aufzudecken und die übernatürlichen Feinde auszuschalten. Mit mächtigen Stands ist der Gefängnisausbruch zweitrangig.

Florida Man erreicht den Himmel

Neuer JoJo bedeutet auch ein neuer Feind – und dieser erfüllt seine Rolle mit religiöser Hingabe. Enrico Pucci (Tomokazu Seki) ist ein unscheinbarer Gefängnispriester, der ein düsteres Geheimnis hat: Er ist ein Anhänger des verstorbenen Dio Brando, dem legendären Erzfeind der Familie Joestar. Nun will er nicht nur Rache an den Joestars nehmen, sondern auch Dios geheimes Ziel erfüllen und den Himmel erreichen.

Anders als die ursprünglichen Feinde ist Pucci von Anfang an aktiv dabei. Mit seinem Stand Pale Snake (Original: Whitesnake), der Stands und Erinnerungen stehlen und in Form von Disks konservieren kann, wurde er als düstere Präsenz früh eingeführt. Und auch danach erweist sich der überzeugte Fatalist als charismatischer Ränkeschmied mit seiner eigenen kleinen Heldenreise. Auch sein Plan, den Himmel zu erreichen, wirkt anfangs esoterisch und undurchsichtig, wie das Gebrabbel eines religiösen Wahnsinnigen. Doch gegen Ende wird Puccis Ziel erstaunlich konkret beschrieben. Und wenn man bedenkt, wie nahe Pucci an dieses Ziel kommt, wird klar, welchen erschreckenden Schurken uns Araki präsentiert hat.

„Glaubt ihr an das Gesetz der Anziehung? Schließlich seid ihr nur deswegen an diesen Ort gekommen.“

Enrico Pucci

Neue Stands = Neue Mindfucks

Ein zentraler Teil der Serie war schon immer das Mysterium. Etwas Übernatürliches und Bizarres ereignet sich und die Protagonisten müssen mit cleveren Mitteln rausfinden, was für ein Stand es ist und wie man es besiegen kann. Und für Teil 6 drehte Araki noch mal ordentlich auf, zumal Teil 6 ursprünglich der letzte Teil hätte sein sollen. Kaum hat man sich versehen, schon hat man es mit unsichtbaren Zombies, lebenden Märchenfiguren und einer Schneckenapokalypse zu tun. Und wir sind noch nicht einmal zur wahren Bedeutung von „den Himmel erreichen“ gekommen.

Jedoch muss man hierbei eines beachten: Araki hatte schon immer gewisse Handlungslöcher hingenommen und gelegentlich absurde Erklärungen geliefert, solange er die nötige Spannung und die richtige Portion Dramatik hinkriegen konnte. Doch in Teil 6 fällt es stärker auf. Bestimmte Ereignisse werden nicht ausreichend erklärt während andere lächerlich stark ins Detail gehen und unnötig kompliziert werden. Das gilt vor allem für Puccis rituellen Plan, der unter anderen pflanzliche Opfergaben und ein grünes Baby beinhaltet. Selbst für JoJos bizarre Verhältnisse wirken solche Momente zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Nichtsdestotrotz führt das zu einem schockierenden Final, der alles bisherige toppt und das Ende einer JoJo-Ära ankündigt.

Fazit

8.3/10
Stark
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Spannung 9/10
Charaktere 8.5/10
Action 8/10
Animation 8.5/10
Details:

JoJo’s Bizarre Adventure: Stone Ocean ist ein würdiger Nachfolger des JoJo-Franchise. Jolyne Cujoh kann sich als Protagonistin erfolgreich durchsetzen und das Gefängnis-Genre erweist sich als durchdachtes, wenn auch etwas eintöniges Setting.

Auch die Antagonisten hinken ihren Vorgängern nicht hinterher und das Abenteuer strotz nur so von verrückten Gestalten und noch verrückteren Stands, wobei diese an Absurditäten kaum mehr zu übertreffen sind.

In dem Sinne bleibt eins noch zu sagen: Die Geschichte dieser Joestars ist vorbei und die Adaption von Teil 6 veranschaulicht hervorragend die Tragweite dieses Abschlusses. Ein bizarres und trauriges, aber auch schönes Ende für die Joestars, rund um Jotaro, Jolyne und Co.

Und nachdem das nun geklärt ist: Wer hat Lust auf Teil 7: Steel Ball Run?

Artikel vom 19. Dezember 2022

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