8.9/10

Kritik: Peacemaker – Staffel 1

Peacemaker- What a joke!

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Genres: Action, Comic, Komödie, Startdatum: 13.10.2022

Interessante Fakten für…

  • James Gunn schrieb das Drehbuch zu Peacemaker innerhalb 8 Wochen während der Corona Quarantäne aus Langeweile- ohne überhaupt dran zu glaube, dass dieses mal als Serie umgesetzt wird.
  • Peacemakers Weißkopfseeadeler Eaglie wird vertont von Dee Bradley Baker, welcher in The Suicide Squad bereits der Ratte Sebastian Leben einhauchte.
  • Die Figur des Peacemaker ist stark inspiriert und angelehnt an den Antihelden The Comedian aus dem Watchmen Univerum.

Nach dem hervorragenden „The Suicide Squad“ stellt uns James Gunn sein nächstes DC-bezogenes Werk vor. Ob es wirklich eine gute Idee war einer solch ambivalenten Figur wie „Peacemaker“ gleich eine ganze Serie zu widmen, erfahrt ihr in der Kritik.

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#kinogänger #humorvoll #enthusiastisch

Darum geht’s

Nach den Geschehnissen aus The Suicide Squad wacht Christopher Smith in einem Krankenhaus auf und wird nach einigen Verwirrungen überraschenderweise entlassen. Dass es aber doch nicht so einfach ist, wie er zunächst angenommen hatte, stellt sich relativ schnell heraus: In seinem Wohnwagen wird er von Clemson Murn und seinen Agenten überfallen, von denen wir einige bereits aus dem Vorgängerfilm kennen. Diese berichten direkt an Amanda Waller und haben die Mission, Peacemaker für Project Butterfly zu rekrutieren. Falls er sich weigert kommt er ohne Umwege wieder in den von Waller geleiteten Hochsicherheitsknast zurück. Widerwillig nimmt er an, obwohl ihn seine Taten mittlerweile auf einen anderen Pfad führen wollen und er mit seiner Vergangenheit abschließen will. Und was ist eigentlich überhaupt dieses Project Butterfly?

Gunn, mach es nocheinmal!

Nach zähen neun Monaten hat es nun endlich auch geklappt, Peacemaker nach Deutschland zu bringen. Irgendwo versteckt auf RTL Plus kann man sich den Titel nun ansehen, in den ersten Tagen sogar nur mit englischer Tonspur. Als großer Liebhaber und Freund des 2021 erschienen The Suicide Squad, fühlte sich das beinahe wie eine Ewigkeit an.

Dass dieses Projekt Realität angenommen hat, grenzt schon an ein kleines Wunder. So nischig, so bescheuert. Kann das überhaupt etwas werden? Zu meiner großen Freude: Ja. Gunn schafft es nicht nur, die mitunter interessanteste Figur aus dem Vorgängerfilm extrem aufzuarbeiten und durchzuleuchten, sondern erschafft mit Peacemaker eine Fortsetzung, mit der man wirklich zufrieden sein kann.

Die Serie ist deutlich feinsinniger und charakterbezogener, testet sich in den dramatischeren Gefilden erfolgreich aus und schafft immer wieder den verdammt fummeligen Drahtseilakt zwischen derber, zynischer Komödie und berührender wie verständnisvoller Charakterstudie. Zudem kommt in der zweiten Hälfte die Action nicht zu kurz und die Handlung driftet in ein sehr unterhaltsames und Gunn-typisch absurdes Comicfeuerwerk ab.

Wer zusätzlich noch genervt zu sein scheint, von dem immer gleichen und langweiligen Serien-Intros, sollte hier voll auf seine Kosten kommen. Und vom wahnsinnig stimmungsvollen und launigen Soundtrack habe ich noch gar nicht angefangen…

Die vielen Gesichter des John Cena

Über Humor lässt sich ja bekanntlich ewig lange streiten, daher ist dieser Punkt für mich ein ziemlich kurzer: Wenn man der Art und Weise, wie James Gunn seine Pointen und Figuren, noch nie etwas abgewinnen konnte, wird dies in Peacemaker nicht anders sein. Schnelle Dialoge, absurdes abschweifen in Nebensächlichkeiten, verbale Eskalation. Das wirkt häufig „geschrieben“ und weniger organisch, ist aber fast immer so fantastisch durchgetaktet wie ein mehrstufiger, extrem guter Witz. Das macht die Dialoge und Figuren sehr sympathisch oder zumindest unwiderstehlich unterhaltsam.

John Cena hat für mich ohnehin seine bisherige Rolle des Lebens gefunden: Mit welch einer Selbstverständlichkeit er in diese Rolle schlüpft, die Härte und Schroffheit seiner Figur darstellt, den politisch unkorrekten und schwarzen Humor oder die zerbrechlichen und zarten Akzente: wie auf den Leib geschneidert.

Auch die restliche Darstellerriege macht ihre Sache äußerst gut, alleine Robert Patrick mimt die widerlichste und unausstehlichste Serienfiguren seit langer Zeit. Doch Peacemaker nimmt nicht nur viel Energie und Humor aus seinen spritzigen Dialogen und seinem tollen Hauptdarsteller. Die Handlung entpuppt sich in den weiteren Folgen als herrlich bescheuert mit einigen kleiner Überraschungen und einigen Querverweisen aus dem Sci-Fi-Genre. Dass Gunn diesem Genre sehr zugetan ist, hat er bereits mit Slither mehr als deutlich bewiesen. Dennoch würde ich der Serie ein großes Unrecht tun, sie einfach nur als reine Klamauk-Orgie abzustempeln.

Laut und hart, aber auch still und zart

So stark Peacemaker in seiner witzigen und actionreichen Momenten auch ist, war ich am meisten von den eher ruhigen und charakterspezifischen Momenten beeindruckt und ergriffen. Gunn versäumt es nicht, Cenas extrem paradoxen und schwierigen Figur eine durchgehend ergreifenden Handlungstrang zu widmen. Er gibt ihm mit dieser Serie die Chance, seinen Taten aus The Suicide Squad Absolution zu verschaffen, dem Zuschauer seine Innenleben näherzubringen. Weniger haben wir es nämlich hier mit einem durch und durch wahnsinniger Patrioten zu tun, der willkürlich tötet, sondern viel mehr mit einer geschädigten Persönlichkeit, aufgewachsen zwischen den miesesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Christopher Smith möchte eigentlich nur geliebt werden und findet diese Liebe ausschließlich nur in seinem treuen Haustier Eaglie wieder, einem Weißkopfseeadler. Und das ist genau der Punkt: Egal wie albern manche Sachen auf den ersten Blick wirken mögen oder klingen, im Endeffekt steckt immer eine etwas tiefere Schicht darunter, die viel mehr traurig, als zum Lachen ist. Dass Gunn es schafft, Peacemaker eine tiefe Traurigkeit zu verpassen, die bei all den derben Jokes immer allgegenwärtig im Raum umherschwebt, ist eine ganz große Sache. Und deswegen wollen wir ihn als Zuschauer auch glücklich sehen. Denn nochmal, wie Cena diese Figur verkörpert ist in solchen Momenten einfach so berührend, naiv und liebenswert, dass man ihn einfach nur in den Arm nehmen möchte.

Musik, Figuren, Action, top!

Doch neben dem Fokus auf Peacemaker, punktet die Show auch in anderen Aspekten. Wäre da zum einen der sorgfältig ausgewählte Soundtrack, der immer in die entsprechende Szene passt. Sei es um einen spaßigen und blutigen Action-Moment zu untermalen oder um zu zeigen, wie sehr Peacemaker mit sich und seiner Person im Unreinen ist. Hier wurde sich beinahe ausschließlich auf 90ziger Pop beschränkt, der überraschend gut passt und auch einen gewissen Teil des Charmes ausmacht; ebenso wie die restlichen Charaktere aus Peacemakers Truppe. Anfangs alle ein wenig undurchsichtig, schräg oder gemein, entwickelt sich im Laufe der Folgen ein organisches und wirklich sympathisches Team, dem man gerne beim Zusammenschweißen zuschaut.

Wie eingangs erwähnt, ist die Figur, dargestellt von Robert Patrick, auch essenziell und hat Bedeutung für Peacemakers Unabhängigkeit und Wachstum. Kein durchgehend spaßiger oder unterhaltsamer Story Strang, aber emotional unterfüttert und sinnvoll für die Hauptfigur. Die Action ist lange nicht so ausladend  wie sie in The Suicide Squad war, hat aber einige schicke Choreos zu bieten und dreht in den späteren Folgen auch, was den Gewaltgrad und den Aufwand betrifft, deutlich auf.

Aber das ist, wie man sicher bereits rausgelesen hat, auch gar nicht das Hauptaugenmerk von Peacemaker. Die Figuren, deren Handlungen und Vergangenheit steht im Mittelpunkt, der bissige Humor und Christopher Smiths Suche nach einer wirklichen Familie und einem wahrhaftigen Selbst. All das nicht verpackt als dröge Charakterstudie, sondern als grenzenlos spaßige Comic-Geschichte, die in all ihren selbst angeforderten Aspekten absolut abliefert. Diese vielen Spagate zu schaffen ist gewiss nicht leicht, weshalb mir die erste Staffel von Peacemaker ähnlich stark ans Herz gewachsen ist wie The Suicide Squad.

„Peacemaker…what a joke!“

Rick Flag

Fazit

8.9/10
Sehr gut
Community-Rating:
Handlung 8/10
Schauspiel 8.5/10
Humor 9.5/10
Musik/Soundtrack 9.5/10
Action 9/10
Details:

Unterm Strich ist Peacemaker ein rundum gelungenes Projekt. Anstatt dieser Figur eine schnelle, oberflächliche Serie zu widmen, geht Gunn in die Tiefe und interessiert sich, wie bereits in Guardians of the Galaxy, Super und The Suicide Squad, vielmehr für die Absonderlichkeiten einer Heldenfigur, für ihre Laster und ihrer Suche nach einem Sinn. Gepaart mit einem super getimten Humor, einem perfekten Hauptdarsteller und einem gut aufgelegten Cast entwickelt sich hier eine der besten Serien, die ich seit langem gesehen habe. Der sympathische Soundtrack und die coole Action tun ihr übriges. Ich freue mich sehr auf eine zweite Staffel und bin gespannt darauf, was Gunn mit dieser Figur noch vorhat.

Artikel vom 6. November 2022

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