Kritik: The Umbrella Academy – Staffel 2

Zurück in die Zukunft
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Die 7 Hauptcharakter der Serie "The Umbrella Academy" stehen auf einem Schrottplatz und schauen alle in die Kamera
    © 2020 Netflix
  • Mit 'The Umbrella Academy‘ hat Netflix den richtigen Comicbuch-Weg eingeschlagen. Die Geschichte um sieben Superheldengeschwister inmitten einer Apokalypse brachte uns eine fantastische Kombination aus Humor, Drama und jeder Menge Verrücktheit. Doch kann ein zweiter Weltuntergang genauso viel Spannung einbringen, oder sitzt man den lieber aus. Wenig Zeit? Zum Fazit! Ein explosives Familientreffen Als Vanya (Elliot Page) mit ihren neu entdeckten Superkräften den Weltuntergang hervorruft, schafft es Nummer Fünf (Aidan Gallagher) im letzten Moment sich und seine sechs Geschwister in die Vergangenheit zu schicken. Doch etwas geht schief und sie landen im Dallas der 60er Jahre zu verschiedenen Zeitpunkten. Als Fünf 1963 auftaucht, trifft er seine Familie wieder – mitten im Krieg gegen die sowjetische Armee. Schließlich endet es mit einer Atomexplosion, der Fünf nur knapp durch einen weiteren Zeitsprung entkommen kann. Fünfs neue Ziele sind klar: Seine Familie finden, die über ganz Dallas verstreut ist, und mit Ihnen in die Zukunft zurückzureisen, bevor sie den Weltuntergang herbeirufen…schon wieder! Nach dem Superheldenzeitalter Mit der Comic-Adaption über die dysfunktionale Superheldenfamilie hat Netflix eine überaus clevere Entscheidung getroffen. Vor allem im aktuellen "Comic-Krieg", worin nun sogar Amazon mit The Boys mitmischt, behält Netflix hier seine Originalität. Bereits der "Dark Horse Books"-Comic von Gerard Way zeichnete sich durch einen schrägen Zeichenstil, noch schrägeren Figuren und einem unverkennbaren Flair aus, der an die früheren Jahre der Comic Bücher anspielt. Eben diese Elemente wurden genutzt, um daraus einen hervorragenden Familienkonflikt zu inszenieren: Eine scheinbar ideale Superheldenfamilie, die sich voneinander entfremdet hat und aufgrund besonderer Umstände wieder zueinander finden muss. Doch nun sind sie in Dallas und wieder voneinander getrennt. Ein Rückschritt? Werbung Here we go again? Die Truppe ist getrennt, Fünf muss alle zusammenbringen und ein Weltuntergang steht bevor. Klingt fast so, als ob man versucht die erste Staffel nachzuerzählen. Will man uns wirklich, trotz der ganzen Charakterentwicklungen, wieder dieselbe Geschichte auftischen? Doch genau hier herrscht massive Entwarnung: Die zweite Staffel zeigt eindeutig, wie sehr sich die Charaktere weiterentwickelt haben. Die Reise in die Vergangenheit bot nämlich jedem von ihnen die Möglichkeit, sich abseits ihrer Familie neu zu erfinden, zum Besseren oder zum Schlechteren: Luther (Tom Hopper) kämpft sich im Ring durch, Diego (David Castañeda) will JFK retten und landet daher in der Psychiatrie, Allison (Emmy Raver-Lampman) heiratete den Bürgerrechtsaktivisten Raymond Chestnut (Yusuf Gatewood), Klaus (Robert Sheehan) hat seine eigene Sekte gegründet und Vanya hat ihr Gedächtnis verloren und verdient sich Geld als Babysitterin für eine Familie, die sie aufgenommen hat. Auch Ben (Justin H. Min), der als Geist bis jetzt nur als Klaus bessere Hälfte an ihm hing, entwickelt jetzt eigene Vorlieben. Dies ist ein hervorragender Ausgangspunkt, denn so können sie sich als eigenständige Individuen ausleben und sich mit ihren eigenen, inneren Dämonen auseinandersetzen. Das macht die schrittweise Wiedervereinigung umso überzeugender, da diese nicht mehr hauptsächlich von Konflikt geprägt ist. Eine Auszeit war also doch eine erstaunlich clevere Entscheidung für Staffel 2. Gib mir Fünf! Doch in all dem Chaos darf natürlich einer nicht fehlen: Fünf ist zurück und nach wie vor das zweifellos Beste an der Serie. Es ist immer noch erstaunlich, wie es der nun 16-jährige Aidan Gallagher es so glaubwürdig schafft, als klügster Mann in einem Raum voller Erwachsener aufzutreten. Während die anderen weiterhin versuchen, sich in ihren neuen Leben zurechtzufinden, ist der alte Mann im Körper eines Jungen stets am Handeln: Hier schmiedet er Pläne, da schleicht er sich irgendwo rein und dann wieder schließt er geheime Abkommen mit der Kommission. Wie bereits in der ersten Staffel, bindet Fünf die Handlungsstränge zusammen und hält die Spannung aufrecht. Zudem erkennt man in Staffel 2 eine Entwicklung in Fünf: Der ursprüngliche Einzelgänger ist nun willig, aktiv mit seinen Geschwistern zusammenzuarbeiten und lässt sich sogar von Ihnen helfen. Dass Fünf zudem einige der einprägsamsten Momente hat, ist natürlich ein hervorragender Bonus. Bekloppt, aber mit Herz Bei all der zunehmenden Familiendynamik könnte man jetzt einwenden, dass die zweite Staffel nicht mehr ganz so hervorsticht, wie die erste. Es gibt nicht mehr so viele einprägsame Momente, der actionorientierte Aufwand wurde etwas heruntergeschraubt und Dallas als Veranstaltungsort ist nun einmal...naja, Dallas. Zudem sind die schweigsamen, schwedischen Brüder, die von der Kommission geschickt wurden, nicht wirklich ein Vergleich zu den herrlich abgedrehten Hazel und Cha-Cha. Doch vergessen wir das mal und richten uns stattdessen auf die Besonderheiten, die uns Staffel 2 bietet. Auch hier gibt es genügend Verrücktheiten, die für sich sprechen. Seien es die durchtriebene und machthungrige Handler (Kate Walsh) oder Fünfs sehr drastische Ideen für die Rückfahrt in die Zukunft. Zu tun gibt es auf jeden Fall haufenweise. Und reden wir erst gar nicht vom AJ Carmichael (Robin Atkin Downes), dem Oberhaupt der Kommission: Die einfallsreichen Charaktere und Szenerien sind ebenso ein Teil der Umbrella Academy wie die Retro-Soundtracks, die mit Ihren 60er Jahren Hits perfekt an die aktuelle Prämisse abgestimmt sind. Ich meine, wie kann man das Ende der Welt besser einführen als mit Frank Sinatras My Way. Langweilig wird es garantiert nicht! Fazit: 'The Umbrella Academy - Staffel 2' ist Superhelden-Spektakel mal anders Die Familie der Umbrella Academy ist wieder da - und das mit einem Einschlag. Auch wenn die Prämisse anfänglich wie eine Kopie der ersten Staffel erscheint, bietet sie als Ausgangspunkt hervorragende Möglichkeiten zur Charakterentwicklung. Die Familiendynamik ist weniger konfliktreich, die Spannung ist auf der Höhe und Fünf ist nach wie vor das Beste an der Serie. Durch eine richtige Portion an Humor, Abgehobenheit, Emotionen und dem nötigen Retro-Flair sticht die Serie auch von dem pompösesten Superhelden-Adaptionen hervor. Netflix hat hier alles richtig gemacht. Jetzt gilt nur noch eines: Zurück in die Zukunft!
    Kritik: The Umbrella Academy – Staffel 2
    Handlung
    85%
    Emotionen
    90%
    Charaktere
    95%
    Action
    80%
    Visuelle Umsetzung
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 31.07.2020
    Episoden: 20 in 2+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , , ,
    Showrunner: ,
    Besetzung: , , , , , , , , , , , ,
    Bildrechte: @Netflix 2020
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Gesamtbewertung:

Sehr gut
87%

Mit 'The Umbrella Academy‘ hat Netflix den richtigen Comicbuch-Weg eingeschlagen. Die Geschichte um sieben Superheldengeschwister inmitten einer Apokalypse brachte uns eine fantastische Kombination aus Humor, Drama und jeder Menge Verrücktheit. Doch kann ein zweiter Weltuntergang genauso viel Spannung einbringen, oder sitzt man den lieber aus.

Ein explosives Familientreffen

Als Vanya (Elliot Page) mit ihren neu entdeckten Superkräften den Weltuntergang hervorruft, schafft es Nummer Fünf (Aidan Gallagher) im letzten Moment sich und seine sechs Geschwister in die Vergangenheit zu schicken. Doch etwas geht schief und sie landen im Dallas der 60er Jahre zu verschiedenen Zeitpunkten. Als Fünf 1963 auftaucht, trifft er seine Familie wieder – mitten im Krieg gegen die sowjetische Armee. Schließlich endet es mit einer Atomexplosion, der Fünf nur knapp durch einen weiteren Zeitsprung entkommen kann.

Fünfs neue Ziele sind klar: Seine Familie finden, die über ganz Dallas verstreut ist, und mit Ihnen in die Zukunft zurückzureisen, bevor sie den Weltuntergang herbeirufen…schon wieder!

Die Hargreeves Familie in einer ihrer seltenen Momente zusammen.

Nach dem Superheldenzeitalter

Mit der Comic-Adaption über die dysfunktionale Superheldenfamilie hat Netflix eine überaus clevere Entscheidung getroffen. Vor allem im aktuellen "Comic-Krieg", worin nun sogar Amazon mit The Boys mitmischt, behält Netflix hier seine Originalität. Bereits der "Dark Horse Books"-Comic von Gerard Way zeichnete sich durch einen schrägen Zeichenstil, noch schrägeren Figuren und einem unverkennbaren Flair aus, der an die früheren Jahre der Comic Bücher anspielt. Eben diese Elemente wurden genutzt, um daraus einen hervorragenden Familienkonflikt zu inszenieren: Eine scheinbar ideale Superheldenfamilie, die sich voneinander entfremdet hat und aufgrund besonderer Umstände wieder zueinander finden muss.

Doch nun sind sie in Dallas und wieder voneinander getrennt. Ein Rückschritt?

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Here we go again?

Die Truppe ist getrennt, Fünf muss alle zusammenbringen und ein Weltuntergang steht bevor. Klingt fast so, als ob man versucht die erste Staffel nachzuerzählen. Will man uns wirklich, trotz der ganzen Charakterentwicklungen, wieder dieselbe Geschichte auftischen?

Doch genau hier herrscht massive Entwarnung: Die zweite Staffel zeigt eindeutig, wie sehr sich die Charaktere weiterentwickelt haben. Die Reise in die Vergangenheit bot nämlich jedem von ihnen die Möglichkeit, sich abseits ihrer Familie neu zu erfinden, zum Besseren oder zum Schlechteren: Luther (Tom Hopper) kämpft sich im Ring durch, Diego (David Castañeda) will JFK retten und landet daher in der Psychiatrie, Allison (Emmy Raver-Lampman) heiratete den Bürgerrechtsaktivisten Raymond Chestnut (Yusuf Gatewood), Klaus (Robert Sheehan) hat seine eigene Sekte gegründet und Vanya hat ihr Gedächtnis verloren und verdient sich Geld als Babysitterin für eine Familie, die sie aufgenommen hat. Auch Ben (Justin H. Min), der als Geist bis jetzt nur als Klaus bessere Hälfte an ihm hing, entwickelt jetzt eigene Vorlieben.

Dies ist ein hervorragender Ausgangspunkt, denn so können sie sich als eigenständige Individuen ausleben und sich mit ihren eigenen, inneren Dämonen auseinandersetzen. Das macht die schrittweise Wiedervereinigung umso überzeugender, da diese nicht mehr hauptsächlich von Konflikt geprägt ist. Eine Auszeit war also doch eine erstaunlich clevere Entscheidung für Staffel 2.

Vanya (Elliot Page) bündelt Ihre Kräfte

Kann Vanya (Elliot Page) damit klarkommen, wer sie ist?

Gib mir Fünf!

Doch in all dem Chaos darf natürlich einer nicht fehlen: Fünf ist zurück und nach wie vor das zweifellos Beste an der Serie. Es ist immer noch erstaunlich, wie es der nun 16-jährige Aidan Gallagher es so glaubwürdig schafft, als klügster Mann in einem Raum voller Erwachsener aufzutreten. Während die anderen weiterhin versuchen, sich in ihren neuen Leben zurechtzufinden, ist der alte Mann im Körper eines Jungen stets am Handeln: Hier schmiedet er Pläne, da schleicht er sich irgendwo rein und dann wieder schließt er geheime Abkommen mit der Kommission. Wie bereits in der ersten Staffel, bindet Fünf die Handlungsstränge zusammen und hält die Spannung aufrecht. Zudem erkennt man in Staffel 2 eine Entwicklung in Fünf: Der ursprüngliche Einzelgänger ist nun willig, aktiv mit seinen Geschwistern zusammenzuarbeiten und lässt sich sogar von Ihnen helfen. Dass Fünf zudem einige der einprägsamsten Momente hat, ist natürlich ein hervorragender Bonus.

Bekloppt, aber mit Herz

Bei all der zunehmenden Familiendynamik könnte man jetzt einwenden, dass die zweite Staffel nicht mehr ganz so hervorsticht, wie die erste. Es gibt nicht mehr so viele einprägsame Momente, der actionorientierte Aufwand wurde etwas heruntergeschraubt und Dallas als Veranstaltungsort ist nun einmal...naja, Dallas. Zudem sind die schweigsamen, schwedischen Brüder, die von der Kommission geschickt wurden, nicht wirklich ein Vergleich zu den herrlich abgedrehten Hazel und Cha-Cha.

Doch vergessen wir das mal und richten uns stattdessen auf die Besonderheiten, die uns Staffel 2 bietet. Auch hier gibt es genügend Verrücktheiten, die für sich sprechen. Seien es die durchtriebene und machthungrige Handler (Kate Walsh) oder Fünfs sehr drastische Ideen für die Rückfahrt in die Zukunft. Zu tun gibt es auf jeden Fall haufenweise.

Und reden wir erst gar nicht vom AJ Carmichael (Robin Atkin Downes), dem Oberhaupt der Kommission:

AJ Carmichael als Boss der Kommission mit einem Goldfisch als Kopf

Glaubt mir: Der Comic ist noch viel schräger!

Die einfallsreichen Charaktere und Szenerien sind ebenso ein Teil der Umbrella Academy wie die Retro-Soundtracks, die mit Ihren 60er Jahren Hits perfekt an die aktuelle Prämisse abgestimmt sind. Ich meine, wie kann man das Ende der Welt besser einführen als mit Frank Sinatras My Way.

Langweilig wird es garantiert nicht!

Fazit:

'The Umbrella Academy - Staffel 2' ist Superhelden-Spektakel mal anders

Die Familie der Umbrella Academy ist wieder da - und das mit einem Einschlag. Auch wenn die Prämisse anfänglich wie eine Kopie der ersten Staffel erscheint, bietet sie als Ausgangspunkt hervorragende Möglichkeiten zur Charakterentwicklung. Die Familiendynamik ist weniger konfliktreich, die Spannung ist auf der Höhe und Fünf ist nach wie vor das Beste an der Serie. Durch eine richtige Portion an Humor, Abgehobenheit, Emotionen und dem nötigen Retro-Flair sticht die Serie auch von dem pompösesten Superhelden-Adaptionen hervor. Netflix hat hier alles richtig gemacht.

Jetzt gilt nur noch eines: Zurück in die Zukunft!

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