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Kritik: The Umbrella Academy – Staffel 3

DIE UMBRELLAS BEKOMMEN KONKURRENZ

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Genres: Comic, Drama, Mystery, Startdatum: 23.06.2022

Interessante Fakten für…

  • Nach den X-Men-Filmen ist dies die dritte Comic-Verfilmung von Elliot Page.

Die „Umbrella Academy“ ist zurück, doch sie wurden ersetzt! Und eine neue Apokalypse steht auch noch an. Können Sie sich auch in der dritten Staffel durchsetzen, oder strahlt Netflix demnächst die Abenteuer der „Sparrow Academy“ aus?

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

Nach zwei Apokalypsen und einer Zeitreise in die 60er Jahre sind die sechsköpfigen Hargreeves-Geschwister endlich in ihre Zeit zurückgekehrt. Doch willkommen sind sie dort nicht. Fremde haben sich in ihrem Anwesen breit gemacht – und unter ihnen ist ihr sehr lebendiger Bruder Ben (Justin H. Min). Ihr ebenfalls lebendiger Adoptivvater Reginald Hargreeves (Colm Feore) erklärt ihnen die Hintergründe: Als sie ihn in der Vergangenheit aufgefunden haben, haben sie so einen schlechten Eindruck auf ihn gemacht, dass er stattdessen andere besondere Kinder adoptiert und eine andere Akademie gegründet hat: Die Sparrow Akademie.

  • Nummer 1 – Marcus: Der Aufmerksamkeit heischende Anführer der Sparrow-Teams mit übermenschlicher Stärke.
  • Nummer 2 – Ben (Justin H. Min): Kann wie der Umbrella-Ben Tentakel beschwören, doch das wars auch mit den Gemeinsamkeiten
  • Nummer 3 – Fei: Sie ist blind, doch sie kann Krähen manifestieren, durch die sie sehen kann.
  • Nummer 4 – Alphonso: Kann erlittenen Schaden an den Angreifer zurückwerfen, was ihn jedoch physisch entstellt hat.
  • Nummer 5 – Sloane: Ausgestattet mit Intelligenz und Gravitationskräften ist sie das moralische Gegenstück zu ihren militanten Geschwistern
  • Nummer 6 – Jayme: Kann eine schwarze Substanz absondern, die halluzinogene Effekte hervorruft.
  • Nummer 7 – Christopher: Ein lebendiger Kubus, der über psychische Fähigkeiten verfügt.

Anderes als die Umbrellas, sind die Sparrows auch im Erwachsenenalter immer noch ein aktives Superhelden-Team. Das zeigen sie, indem sie mit den undisziplinierten Umbrellas schnell mal den Boden aufwischen. Diese müssen fliehen und finden in dem naheliegenden Hotel Obsidian Zuflucht. Nun müssen sie überlegen wie es weitergeht. Sollen sie eine Revanche planen, in der Zeit zurückkehren oder einfach versuchen, ein normales Leben zu führen.

Doch unter dem Hargreeves-Anwesen droht ein neues Unheil: Ein „Kugelblitz“ breitet sich aus und fängt an, nach und nach alles zu verzehren. Und die Umbrella-Geschwister haben wieder etwas damit zu tun.

Aller guten Apokalypsen sind drei

Die Umbrella-Geschwister sind zurück, doch zu Hause fühlen sie sich lange nicht. Stattdessen finden sie Unterkunft in dem unheimlichen Hotel Obsidian, wo sie ihre weiteren Schritte überlegen. Allen voran Luther (Tom Hopper), dem es bestimmte Mitglieder der Sparrow Academy sehr angetan haben. Doch vor allem möchte jeder von ihnen Dinge tun, zu denen sie bisher nie die Zeit hatten: Klaus (Robert Sheehan) möchte seine leibliche Mutter auffinden, Vanya (Elliot Page) möchte als Viktor seine neue Identität ausleben (ein Verweise auf Pages Geschlechtsumwandlung im echten Leben) und Fünf (Aidan Gallagher) möchte endlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Klar, dass daraus nichts wird und die nächste Apokalypse ansteht und diese soll größer ausfallen denn je…

Vor allem fällt auf, dass die Familie zum Anfang der Staffel endlich zusammen ist. Obwohl sie anfangs eigene Ziele verfolgen, sind sie nicht mehr darauf versessen, ständig von den anderen loszukommen und agieren tatsächlich wie eine Familie. Man merkt dass die Chaoten eine deutliche Charakterentwicklung hinter sich haben, die in dieser Staffel noch zusätzlich betont wird. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass ausgerechnet Diego (David Castañeda) das Zeug zu einem (verhältnismäßig) guten Vater hat?

Gleichzeitig durchleben einige der Charaktere auch negative Entwicklungen. Wie Allison (Emmy Raver-Lampman), die nun sowohl ihre Tochter als auch ihren Mann aus der Vergangenheit verloren hat und nun in ihrem Verhalten immer rücksichtsloser wird. Wie sich das auf die Familie auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Spatzenhirne

Doch vergessen wir bei all dem eines nicht: The Sparrow Academy. Der Konflikt zwischen den Umbrellas und den Sparrows funktioniert vor allem deshalb so gut, weil die Sparrows der perfekte Gegenpart zu ihren Vorgängern sind. Auf den ersten Blick wirken sie, als wären sie dort erfolgreich gewesen, wo die Umbrellas versagt haben: Sie sind nach wie vor ein Team, agieren diszipliniert und koordiniert und bringen Erfolge ein. Zusammengefasst eine echte Superheldenfamilie.

Doch schon sehr bald bröckelt die Fassade und man sieht, wie dysfunktional diese Familie tatsächlich ist. Die Geschwister haben eine strenge Rangordnung und interne Verschwörungen zur Machtergreifung stehen an der Tagesordnung. Außerdem scheinen sie viel eher an Macht, Ruhm und Gefälligkeiten interessiert zu sein, statt an tatsächlichem Altruismus.

Wenn man also rein vom Resultat ausgeht, hat Reginald ganze Arbeit geleistet, auch wenn er dadurch eine weitere Familie gnadenlos verkorkst hat.

Und bei keinem sieht man diesen extremen Einfluss so sehr, wie bei dem alternativen Ben.

Ben oder nicht Ben, das ist hier die Frage

Von den Hargreeves Geschwistern wurde Ben am wenigsten beleuchtet. Verständlich, immerhin war er zu Beginn der Serie tot und agierte lediglich als Geist an der Seite von Klaus. Dennoch war seine Wirkung in der Akademie nicht wegzudenken: Er war das Herz der Teams und mit seinem Tod zerfiel auch das Team.

In dieser Zeitlinie hat er überlebt, doch von dem freundlichen Ben ist nichts mehr übrig: Er ist arrogant, streitlustig und besessen davon, die Nummer 1 des Teams zu werden. Selbst wenn das buchstäbliche Ende der Welt bevorsteht, will er immer noch Dominanz gegenüber den Umbrellas und auch seiner Familie beweisen. Mit dem toten Ben verglichen zu werden, hasst er wie die Pest. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass etwas vom alten Ben noch in ihm ist, versteckt unter ewigen Machtkämpfen und dem ständigen Wunsch nach Anerkennung. Ein Arschloch, aber ein faszinierendes.

Doch was die Sparrows angeht, bekommen wir leider nicht bei allen einen so tiefen Einblick wie bei Ben. Obwohl einige von ihnen auf ihre eigene Weise faszinierend sind, so werden sie nicht so richtig beleuchtet und verschwinden mal mehr mal weniger schnell aus dem Blickfeld. Und bei einigen ist es sehr schade.

Ich meine, einer der Geschwister ist ein lebendiger Kubus!

Der Vater aller Vaterkomplexe

Nun kann er sich nicht aus der Affäre ziehen: Reginald Hargreeves ist nun mit von der Partie. War er bisher entweder tot oder mit den höheren Kreisen unterwegs, ist er nun der quicklebendige Vater des neuen Heldenteams, wenn auch in etwas anderer Verfassung als sonst. Dabei bekommt man endlich einen dauerhaften Eindruck davon, wie er sich auf seine Kinder auswirkt. Zuvor wurde das lediglich in Flashbacks impliziert. Man sieht ganz deutlich einen genialen, aber verschlagenen Mann, der die Menschen um ihn herum in Ballast und in Werkzeuge unterteilt und diesen Umstand kaum verheimlicht.

Und dennoch strahlt er mit seinem Eifer eine unheimliche Anziehungskraft aus, weshalb viele seiner Kinder nach wie vor um seine Aufmerksamkeit buhlen. Vor allem Klaus, der in dieser Staffel besonders strahlen darf, sehnt sich danach, etwas Zeit mit seinem Vater zu verbringen – wobei er das Verständnis von „Ball spielen“ komplett neu definiert und ein wahrlich „einschlagendes“ Erlebnis durchlebt.

Zudem kommen wir den Geheimnissen endlich näher, die Reginald über die letzten zwei Staffeln aufgebaut hat. Eine sehr interessante Entwicklung – Doch nach all der Zeit hätte es auch etwas mehr sein können.

Einen ruhigen Kugelblitz schieben

Ein Paradox droht das Universum zu zerstören. Alles ist am Abgrund. Und dennoch bleibt die dritte Staffel erstaunlich ruhig – Zumindest ruhiger als seine Vorgänger. Zwar passt hier der melancholische Ton. Immerhin ist diese Apokalypse die endgültigste. Doch es mangelt der Serie an den schrägen, aber einprägsamen Momenten und auch die Kämpfe sind rar gesät und haben nicht mehr die übertriebene Wirkung wie zuvor. Seihen es nun gewollte Änderungen oder bedauernswerte Umstände aufgrund der Pandemie – diese Entwicklungen fallen auf.

Und wenn dann das schrägere Zeug kommt, muss man stärker mit Handlungslücken rechnen. Natürlich ist es lächerlich, bei einer Serie wie The Umbrella Academy mit viel Realismus und Vernunft zu rechnen – es ist immerhin die Serie mit einem Goldfisch als Anführer der Kommission – doch ein paar der Wendungen wirken auch für diese Verhältnisse konstruiert.

Genauso zweischneidig ist das Ende. Man bekommt Einblicke in Hargreeves‘ geheime Pläne und in die angespielten Geheimnisse rund um das Hotel. Das daraus resultierende Mysterium ist genauso schräg, wie man es von der Serie kennt. Und dennoch fühlt es sich so an, als kommen die ganzen Erkenntnisse praktisch aus dem Nichts. Einfach weil man in kürzester Zeit mit so viel wagen Informationen bombardiert wird, dass man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Man fragt sich, wie man diese versteckten Absurditäten so lange vor den Zuschauern verbergen konnte. Und kaum hat man sich in all der kosmischen Schrägheit zurecht gefunden, ist die dritte Staffel auch schon vorbei.

Vor allem das WTF-Ende wird zwar nicht jeden sofort mitreißen, doch ein heftiger Cliffhanger ist es allemal.

Fazit

8/10
Gut
Community-Rating: (4 Votes)
Handlung 7.5/10
Emotionen 9/10
Charaktere 10/10
Action 6.5/10
Visuelle Umsetzung 7/10

The Umbrella Academy Staffel 3 geht stark weiter, wenn auch etwas holpriger als in den letzten Staffeln. Es gibt weniger absurd denkwürdige Momente und auch mit den Kämpfen wird bedachter umgegangen.

Das wird jedoch durch die faszinierenden Charaktere, die starke Familiendynamik und die emotionaleren Momente ausgeglichen, dich auch mal ruhiger ausfallen. Immerhin ist die Familie nun auch mal länger zusammen in einem Zimmer als nur fünf Minuten. Und wem das nicht genug ist, der kann über das übertriebene Finale und einen heftigen Cliffhanger staunen.

Von daher lässt sich sagen: Wir haben noch viel Platz für eine vierte Apokalypse!

Artikel vom 7. Juli 2022

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