8.7/10

Kritik: Wednesday – Staffel 1

Die Addams Family lässt grüßen

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Genres: Horror, Komödie, Mystery, Startdatum: 23.11.2022

Interessante Fakten für…

  • Jenna Ortega hat nicht nur Cello spielen gelernt, sondern auch Fecht-, Bogenschieß-, Kanu-, Deutsch- und Boxunterricht genommen, um sich auf ihre Rolle vorzubereiten.
  • Die Bergamotte-Handlotion, die Wednesday an Thing zu riechen glaubt, ist dieselbe, die auch Hannibal Lecter in Schweigen der Lämmer bevorzugt.
  • Die Nevermore Academy ist nach dem Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe benannt, in dem der Vogel immer wieder „Nevermore“ zitiert.

Die Addams Family ist zurück! Genauer gesagt, Tochter Wednesday mit eigener Spin-Off Serie auf Netflix. Die Horrorkomödie wird von keinem Geringeren als Regisseur Tim Burton an den Start gebracht. Die Erwartungen sind groß, doch wird die Serie den Wünschen der Fans entsprechen?

Darum geht’s

Ihr kleiner Bruder Pugsley (Isaac Ordonez) wird in der Schule gemobbt und die große Schwester Wednesday (Jenna Ortega) nimmt die Beseitigung der Mobber selbst in die Hand. Kurz darauf sorgt der bissfeste Zwischenfall mit Piranhas für ihre Suspension. Diese zeigt keinerlei Gewissensbisse und wird daher an die alte Schule ihrer Eltern wechseln: Die Nevermore-Akademie für Außenseiter aller Art. Ihre Eltern Morticia (Catherine Zeta-Jones) und Gomez Addams (Luis Guzmán) haben sich dort kennengelernt. Wednesday hat kein Interesse daran, in die Fußstapfen ihrer Mutter Morticia zu treten und plant bereits bei der Einschulung durch Schulleiterin Larissa Weems (Gwendoline Christie), eine alte Schulkameradin der Addams, ihre Flucht. Bereits in ihrer ersten Schulwoche stellt sich Wednesday einem Fechtkampf mit Queen-Bee Bianca (Joy Sunday), wird von einem Monster im Wald angegriffen, beobachtet einen Mord und erfährt über den Mord ihres Vaters Gomez. Entzückt über die geheimen Machenschaften entscheidet sich Wednesday, an der Akademie für Vampire, Werwölfe und allerhand anderer Kreaturen zu bleiben.

Wiedersehen mit Wednesday

Die Charaktere sind ein großer Pluspunkt der gesamten Serie. Zum einen finde ich die Besetzung mit Jenna Ortega als Wednesday absolut fantastisch, denn sie bringt die dunkle Persönlichkeit der Rolle wunderbar zur Geltung. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass sie niemals blinkt, was Wednesdays, an Autismus erinnernden Charakter umso glaubhafter macht.

Doch auch der Rest des Casts ist teilweise sehr gut gelungen. Hier haben wir zum einen Gwendoline Christie als Schulleiterin. Sie kommt in ihrer Rolle schön zur Geltung und wirkt wie eine starke Frau mit viel Tiefgang und Geschichte.

Dann haben wir noch einen wahren Wirbelwind: die Mitbewohnerin Enid Sinclair (Emma Myers). Als regenbogenfarbener Kontrast zu dem Wednesday ist die junge Werwölfin stets bemüht, den Horizont Wednesdays zu erweitern und eine gute Freundin für sie zu sein. Die beiden haben Startschwierigkeiten, aber nach und nach erweicht sie Wednesdays Herz (zumindest ein bisschen).

Für mich persönlich ist jedoch Onkel Fester (Fred Armisen) zum Lieblingscharakter der Show geworden. Der skurrile, aber witzige Charakter wird von Fred Armisen perfekt verkörpert und es ist unheimlich unterhaltsam ihn in der Show zu sehen.

Und als letzte Preisung noch ein kleiner Fan-Fact: Die (Neu-)Besetzung von Christina Ricci in der Rolle der ersten „Normie Lehrerin“ an der Nevermore-Akademie ist Wednesday aus Die Addams Family von 1991.

Doch wie bereits angedeutet sind nicht alle Rollen gut besetzt und inszeniert. Morticia und Gomez Addams kann man nicht mit der vorherigen Addams Familie aus dem Jahr 1991 vergleichen. Die Chemie der beiden fühlt sich falsch an, bzw. existiert nicht. Vor Allem Luis Guzmán stinkt gegenüber seinem Vorgänger Raúl Juliá ab. In diesem Fall bin ich froh, dass Wednesday der Hauptcharakter ist, denn eine längere Staffel mit Gomez und Morticia würde ich nicht ertragen und ich hätte wahrscheinlich aufgehört zu schauen.

Handfeste Argumente: Thing

Bei den Spezialeffekten gibt es einen großen Pluspunkt: Thing (Victor Dorobantu). Die kleine, untote Hand unterstützt Wednesday jederzeit tatkräftig. Thing ist zunächst Beobachter von Gomez und Morticia, dann aber schnell treuer Wegbegleiter von Wednesday. Die Animation von Thing bringt Persönlichkeit in diese abgetrennte, rechte Hand, was aber auch an Schauspieler Victor Dorobantu liegen kann? Das CGI beim Händchen ist perfekt, aber das bringt mich zum krassen Gegenteil: Monster Hyde.

Dargestellt in den Zeichnungen (unter anderem von Xavier) sieht man das Monster Hyde als gruselige Gestalt. Klassisch im Tim Burton Style mit riesigen Augen und winzigen Pupillen. Erscheint das Monster jedoch öfter in voller Gestalt, wird klar: Ein paar Stunden mehr bei der Animierung hätte nicht geschadet. Es wirkt wie aus einem B-Klasse Horror-Movie. Mehr Liebe zum Detail hätte hier geholfen, denn durch das schlechte Design verliert das Monster sehr schnell den Gruselfaktor und wirkt fast ironisch.

Hau in die Saiten, Wednesday

Musik spielt eine wichtige Rolle in der Show, so beispielsweise auch für Wednesday selbst auf ihrem Cello. Wenn sie in die Saiten haut, spürt man ihre Energie und Gefühle. Sie zieht einen mit ihrem Spiel in den Bann und das Ergebnis ist, dass ich die Cellomusik seit Tagen am laufenden Band rauf und runter höre. Die Rolling Stones mit “Paint it black” sind halt auch einfach gut.

Die Hintergrundmusik versetzt ins Staunen, denn es zeigt sich, dass viel Zeit in die Musik investiert wurde und sie untermalt die Stimmung der Geschichte. Ohne die Musik würde die Show manchmal fast lächerlich wirken – gut gemacht Danny Elfman und Chris Bacon!

Die einprägsamste Szene ist der Schulball. Wednesday tanzt mit Tyler ihre eigene Choreographie und unterstützt die Musik “Goo Goo Muck“ von The Cramps. Dieser Tanz ist einer der Momente, der in der Serie wirklich im Gedächtnis bleiben.

Spannung mit Humor

Die erste Folge war absolut fantastisch für mich, denn sie erinnert mich eher an einen abgeschlossenen Film. Es regt zum Weiterschauen an und auch die zweite und dritte Folge  können sich sehen lassen. Generell hat mich der Spannungsbogen überzeugt und im Verlauf der Folgen lief die Story relativ klar weiter. Die Hinweise deuten klar in eine Richtung, aber nein! Es kommt alles anders. Was ist mit dem Geheimnis der Addams Familie? Wird Wednesday sie lösen? Das Binge-Watching lässt nicht lange auf sich warten.

Wednesday erinnert mich von ihrem Charakter her manchmal an einen Stein und sorgt dafür immer zu einigen Missverständnissen mit ihren Schulkameraden. Das lockert die Serie immer mal wieder auf humorvolle Art und Weise auf.

Fazit

8.7/10
Sehr gut
Community-Rating:
Handlung 8.5/10
Charaktere 9.5/10
Spezialeffekte 8.5/10
Musik 9/10
Spannung 8/10
Details:
Showrunner: Tim Burton,
FSK: 12 Episoden: 8
Besetzung: Christina Ricci, Emma Myers, Hunter Doohan, Jenna Ortega, Joy Sunday, Percy Hynes White,

Wednesday sollte als selbstständiges Spin-Off angesehen und nicht mit dem Vorgänger Die Addams Family (1991) verglichen werden. Ich habe die Show sehr genossen und freue mich auf eine (hoffentlich) zweite Staffel. Trotzdem hatte die Serie etwas von einer klassischen Teens-Show: Ein rebellisches, einzelgängerisches Mädchen hat Probleme mit ihren Eltern und wird auf eine Privatschule geschickt. Dort muss sie sich Abenteuern stellen und langsam lernen, wie wichtig Freundschaften sind. Die Charaktere machen die Show sehenswert und unterhaltsam und der ein oder andere unerwartete Plottwist ist auch dabei. Definitiv ein Wednesday-Weekend wert!

Artikel vom 10. Dezember 2022

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