5.3/10

Kritik: Bros

IST DAS DIE ROMCOM-REVOLUTION?

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Genres: Komödie, Romanze, Startdatum: 27.10.2022

Interessante Fakten für…

  • Bros macht sich häufig über die berühmt berüchtigten Hallmark-Weihnachtsfilme lustig. Hauptdarsteller Luke Macfarlane spielte bereits in 14 Hallmark-Filmen mit.
  • Bros gilt als erste US-amerikanische LGBTQIA+ RomCom von einem der großen Filmverleiher, die einen groß-angelegten Kino-Release bekommt.

Billy Eichner und Universal bringt die erste große LGBTQIA+ RomCom in die Kinos dieser Welt. Aber versteckt sich hinter diesem wichtigen Meilenstein für die Community auch tatsächlich ein guter Film?

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Bobby (Billy Eichner), seines Zeichens erfolgreicher Podcaster und zukünftiger Direktor des ersten LGBTQIA+ Museums in New York, hält nicht viel von Beziehungen. Tagtäglich swipet er sich von One-Night-Stand zu One-Night-Stand, während er tagsüber versucht, mit seinen Kolleg:innen die Eröffnung des Museums vorzubereiten.

Doch Bobbys Welt wird auf den Kopf gestellt, als er eines Nachts in einem Club auf Aaron (Luke Macfarlane) trifft. Was zunächst als harmloser Flirt beginnt, birgt für beide beziehungsscheuen Männer die Chance auf die sagenumwobene wahre Liebe. Doch sind Bobby und Aaron wirklich bereit dafür?

Ein Film für LGBTQIA+ Bros?

Zunächst mal Vorweg: Bros ist nicht DIE nächste große RomCom. Drehbuchautoren Billy Eichner und Nicholas Stoller halten sich in ihrer Geschichte rund um Bobby und Aaron sehr an das ABC der romantischen Komödien, mit all den Vorteilen und Nachteilen, die das so mit sich bringt. Im besten Fall heißt das, lustige Momente und einen Hauch von kitschig-charmanter Romanze, im schlechtesten Fall flache Charaktere, merkwürdige Dramaturgie und Pacing. Naja, RomCom eben. 

Das, was Bros jedoch besonders macht ist, dass der Film durch und durch von seiner LGBTQIA+ DNA lebt. All die Stereotype, die man schon aus zig RomComs kennt, werden hier, teilweise besser, teilweise schlechter, mit einem LGBTQIA+ Twist versehen oder neu interpretiert.

Für Menschen, die Teil der LGBTQIA+ Community sind, ist das großartig. Endlich ein Film mit Witzen, Insidern und Referenzen aus der eigenen Community im klassischen RomCom-Gewand! Dass Bros sich an einigen Stellen wenig kontrovers mit den Diskursen rund um LGBTQIA+ auseinandersetzt und noch die Extra-Meile hätte gehen können, fällt auf, mag aber vielleicht auch dem Genre geschuldet sein.

Heraus gekommen ist also ein Film, der vielleicht nicht so frisch und herzlich wirkt wie der kurz vorher erschienenen Fire Island, die RomCom-Klaviatur aber weitaus besser und sicherer zu bedienen weiß als Single All the Way, in dem Luke Macfarlane lustigerweise auch eine der Hauptrollen spielte.

Hier stimmt die Chemie nicht

Trotz allem, was man an Bros positiv und wohlwollend hervorheben kann, gibt es doch den ein oder anderen Mangel. Da wäre zum Beispiel der Schnitt: Ein guter Schnitt macht sich dadurch bemerkbar, dass man ihn eben nicht bemerkt oder dieser bewusst als künstlerisches Mittel eingesetzt wird.

Bei Bros fühlt sich der Schnitt leider oftmals eher wirr und unfokussiert an, sodass dieser einen im schlimmsten Fall komplett aus der Szene reißt. Der Film ist keinesfalls eine schnitttechnische Katastrophe, aber hier hätte sicherlich die ein oder andere weitere Bearbeitungsschleife für ein runderes Endergebnis gut getan.

Das viel größere Problem sind aber die Hauptcharaktere Bobby und Aaron. Denn beide Protagonisten machen es dem Publikum nicht wirklich einfach, mit ihnen und ihrer aufkeimenden Beziehung mitzufiebern. Das liegt zum einen daran, dass Bobby und Aaron nicht sonderlich spannend geschrieben sind. Natürlich müssen Protagonist:innen nicht sympathisch sein, aber sie müssen – auch in einer RomCom – zumindest so viel Tiefe und Ausarbeitung erfahren, dass ich als Zuschauer:in an ihnen interessiert bin. Das gelingt Bros leider zu selten.

Zum anderen mag auch die Chemie zwischen den beiden Figuren nicht so recht funktionieren. Bros nimmt sich nicht ausreichend Zeit, um die Beziehung der Figuren zu etablieren und auszuarbeiten. Zwar gibt es auch einige zugegeben starke Momente. Meist folgt auf diese jedoch ein mehr oder weniger funktionierender Gag, welcher der Szene jegliches emotionales Gewicht raubt. 

Natürlich bewegen wir uns mit Bros im Genre der RomCom – tiefsinnige Charakter- und Beziehungsstudien sollte man hier also nicht erwarten. Der Film sollte es aber zumindest schaffen das Publikum davon zu überzeugen, dass Bobby und Aaron gut miteinander funktionieren. Ich habe daran aber selbst nach knapp zwei Stunden Laufzeit noch meine Zweifel.

Leere Kinosäle, inhaltliche Schwächen und trotzdem ein Gewinn

Im Vorfeld gab es viel Berichterstattung rund um Bros und die Erwartungen von Eichner und Universal waren hoch, trotzdem performte der Film nicht allzu gut an den Kino-Kassen. Das kann viele verschiedene Gründe haben, bei der anhaltenden Pandemie angefangen, über das Genre bis hin zur Qualität des Films ist vieles denkbar. Aus manchen Ecken kam der Einspruch, LGBTQIA+ RomComs seien einfach nicht gewollt. Und hier muss vehement widersprochen werden.

‚Bros‘ ist trotz inhaltlicher schwächen ein Gewinn für die Kinolandschaft und die LGBTQIA+ Community.

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Denn Fakt ist: Geschichten über Menschen aus benachteiligten Gruppen haben es genauso verdient erzählt zu werden wie Geschichten aus privilegierten Gruppen. Es ist für die gesamte Gesellschaft ein Gewinn, wenn mehr dieser Geschichten erzählt werden, mehr Menschen Gehör finden und sich und ihre Lebensrealitäten auf der Leinwand wiederfinden können.

Und sollte so eine Geschichte, sei es eine RomCom, ein Thriller oder was auch immer, kein Kassenschlager werden, hat das mit vielem zu tun, aber definitiv nichts damit, dass die Protagonisten schwul sind.

Fazit

5.3/10
Enttäuschend
Community-Rating:
Handlung 5/10
Charaktere 5/10
Schauspiel 6/10
Humor 6.5/10
Emotionen 4/10
Details:

Bros erzählt eine klassische RomCom-Geschichte über zwei schwule Protagonisten, nicht mehr und nicht weniger. Trotz der Freude über mehr LGBTQIA+ Repräsentation hinterlassen technische und inhaltliche Schwächen einen bitteren Beigeschmack, hier hätte man mehr rausholen können.

Artikel vom 3. November 2022

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