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Kritik: Single All the Way

UNTER’M WEIHNACHTSBAUM LIEGT EIN BLIND DATE

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Genres: Komödie, Romanze, Startdatum: 02.12.2021

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Wie jedes Jahr stellt Netflix pünktlich zur Weihnachtszeit einen riesigen Haufen an Rom-Coms für das Weihnachten-liebenden Publikum bereit. Diesmal ist auch die romantische Komödie ‚Single All the Way‘ mit dabei. Doch tritt der Film in die Genre-üblichen Fettnäpfchen oder macht er sich besser als ‚A Christmas Prince‘ und Co.?

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Gefühlschaos an Weihnachten

Ich mag weder Weihnachten noch Weihnachtsfilme. Und doch setze ich mich alle Jahre wieder vor ein Werk, das mich davon überzeugen soll, dass diese Filme doch besser sind, als von mir angenommen. Und dieses Jahr fiel die Wahl auf Netflix’ neustes Werk Single All the Way.

Sicherlich gibt es bessere Weihnachtsfilme, aber eine Sache machte mich neugierig: Eine Christmas-Rom-Com mit einem homosexuellen Hauptcharakter! So viele potentielle Mienenfelder, sind die Darstellung von Homosexuellen und ihre Geschichten besonders in Rom-Coms doch oft sehr stereotypisch. Aber was, wenn Single All the Way alles besser macht?

Darum geht’s

Peter (Michael Urie) ist es leid, an Weihnachten von seiner Familie auf sein ewiges Single-Dasein angesprochen zu werden. Deshalb beschließt er kurzerhand, seinen besten Freund Nick (Philemon Chambers) zu den Feierlichkeiten mitzunehmen und ihn als seinen Partner auszugeben. Doch womit Peter nicht rechnet: Seine Mutter Carole (Kathy Najimy) hat ihm ein Blind Date mit ihrem neuen Fitnesstrainer James (Luke Macfarlane) organisiert.

Während Peter von dem freundlichen und obendrein auch noch attraktiven James ganz überrascht ist, regt sich innerhalb der Familie und bei Nick und Peter selbst langsam der Verdacht, dass zwischen zwischen den beiden Männern mehr als nur eine enge Freundschaft besteht.

Peter (Michael Urie) ist vom von seiner Mutter Carole (Kathy Najimy) organisierten Blind Date mit James (Luke Macfarlane) plötzlich ganz begeistert.

Michael Urie, Kathy Najimy und Luke Macfarlane in Single All the Way.

Same old, same old

Allein anhand der Beschreibung und des Trailers lässt sich schon feststellen: Single All the Way erfindet das Weihnachtsfilme-Rom-Com-Rad nicht neu. Und das ist, auch wenn es erstmal komisch klingt, sowohl gut als auch schlecht.

Schlecht ist es, weil man alles so oder so ähnlich schon mal gesehen hat: Eine kleine verschneite Stadt zur Weihnachtszeit, eine sich anbahnende Romanze, super-süße Montagen und pseudo-emotionale Gespräche, in denen Gefühle eher angedichtet als gezeigt werden. Ihr merkt, der Kitsch-Zuckerguss trieft aus jeder Szene des Films.

Leider sind trotz eigentlich tollem Cast die meisten Charaktere in ‚Single All the Way‘ wie es für Rom-Coms üblich ist eher eindimensional.

Philemon Chambers, Jennifer Coolidge und Michael Urie in Single All the Way.

Und lasst mich erst gar nicht von den mehr als eindimensionalen Charakteren anfangen, von denen man die Hälfte ohne Probleme hätte streichen können. Da fällt es doppelt ins Gewicht, dass die Schauspielleistung bei so gut wie jede:r Darsteller:innen überdreht wirkt. Einzig Jennifer Coolidge (The White Lotus), die leider auch nur für ein paar Punchlines verwendet wird, bleibt aus der erweiterten Familienbande im Gedächtnis.

Single All the Way ist nicht schlechter als andere Genre-Vertreter und bietet genau das, was man erwartet und keinen Deut mehr. Für viele wird das ausreichen, schließlich schaut man doch zur Weihnachtszeit auch gerne mal Filme mit wenig Tiefe und viel Kitsch. Ist ja vollkommen in Ordnung, macht ja auch ein warmes Gefühl. Für alle anderen, die vielleicht nicht so viel mit dem Genre anfangen können, hat der Film allerdings wenig zu bieten.

Eine ganz normale Rom-Com

Und was soll jetzt an Single All the Way gut sein, fragt ihr euch? Um darauf zu sprechen zu kommen, müssen wir kurz über homosexuelle Figuren in Filmen reden. Wenn es um Geschichten über Homosexuelle geht, fallen diese in 90% der Fälle höchst dramatisch und traurig aus: Probleme mit der Identitätsfindung, Familien und Umfelder, die die Sexualität der Charaktere nicht akzeptieren, sehr viel Trauer und so weiter.

Natürlich gehören diese Momente auf der Reise bis hin zur Akzeptanz der eigenen Sexualität für viele dazu. Aber Homosexuell sein bedeutet eben nicht nur das! Oftmals ist der Prozess ein sehr schöner und befreiender, so laufen Coming-Outs zum Beispiel bei vielen Menschen weitaus friedlicher und schöner ab, als es uns die Masse der Filme mit dieser Thematik zeigt.

Nicks (Philemon Chambers) und Peters (Michael Urie) Geschichte ist endlich mal eine , die endlich mal nicht in Trauer und Drama ausartet. Toll!

Philemon Chambers und Michael Urie in Single All the Way.

Und genau das gefällt an Single All the Way: Er ist im besten und im schlechtesten Sinne eine ganz normale Rom-Com, die einen homosexuellen Mann als Protagonisten hat. Drama entsteht wenn überhaupt durch die aufkeimenden Gefühle zwischen Peter und Nick, nicht aber, weil irgendwer wegen seiner Sexualität diskriminiert wird. So eine Story wäre hier auch vollkommen Fehl am Platz: Schließlich passt sie nicht in das leichtherzige, warme Rom-Com-Genre und würde der ernsten Thematik gar nicht gerecht werden können.

Und auch wenn der Plot des Films mit Sicherheit keinen Oscar gewinnen wird und auch mehr als einmal tief in die Klischeekiste greift, ist es schön zu sehen, dass ein weitestgehend homosexueller Cast und Kreativ-Team sich wohl gedacht haben „Was wäre, wenn wir für die Weihnachtszeit eine kitschige Rom-Com mit Schwulen machen, die das Schwul-Sein nicht zum Thema macht?“

Fazit

5/10
Schwach
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 4.5/10
Schauspiel 5/10
Charaktere 5.5/10
Emotionen 5.5/10
Humor 4.5/10

08/15 Rom-Com

Single All the Way erfindet das Rom-Com-Rad nicht neu und macht Vieles nicht unbedingt besser als andere Genre-Vertreter. Was allerdings gut gefällt: Trotz homosexueller Protagonisten, wird keine dramatische Geschichte aus der Sexualität der Charaktere gesponnen. Eine angenehme Abwechslung, wenn auch der ein oder andere Griff in die Klischeekiste nicht ausbleibt.

Artikel vom 16. Dezember 2021

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