7.5/10

Kritik: Onward: Keine halben Sachen

JÄGER DES VERLORENEN OBERKÖRPERS

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Genres: Abenteuer, Animation, Familie, Fantasy, Startdatum: 06.11.2020

Interessante Fakten für…

  • Das Burger Shire, ein Fastfood-Restaurant, hat ein Schild mit der Aufschrift „Now serving 2nd breakfast“. In den Herr der Ringe-Büchern und -Filmen ist das zweite Frühstück eine Mahlzeit, die von den Hobbits eingenommen wird, die alle im Auenland leben.
  • Der kultige Pizza-Planet-Truck von Pixar erscheint in der Mautszene auf der Trollbrücke.
  • Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist dies der erste Disney-Film, der noch während des Kinobesuchs zum digitalen Download freigegeben wird.

Viele Filme fanden 2020 ihren Weg, statt ins Kino, auf verschiedensten Streaming-Plattformen. So auch ‚Onward‘, der neuste Streich des Animationsstudios Pixar. Ob es schade ist, dass Pixars neues Fantasy-Abenteuer nicht auf der großen Leinwand stattfindet, oder ob ‚Onward‘ zwischen den Massen anderer exklusiven Streaming-Filmen nicht groß auffällt, erfahrt ihr in dieser Kritik.

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#ILikeToMoveIt #Mindfuck #Klassikernerd

Darum geht’s

Geflügelte Einhörner ziehen majestätisch über riesige grüne Landschaften hinweg durch welche zahlreiche Zentauren galoppieren. Zauberer ziehen durch das Land auf der Suche nach sagenhaften Schätzen oder um die Bewohner kleiner Dörfer mit ihren magischen Fähigkeiten zu unterstützen. Eine Welt voller Wunder und Abenteuer. Und vor allem: voller Magie. So muss die Welt von Onward mal ausgesehen haben. Doch davon ist schon längst keine Spur mehr. Denn mit der Zeit hat sich das Universum aus Pixars neuem Werk stark verändert. Die fantastischen Wesen, die es bevölkern verloren das Verlangen nach dem großen Abenteuer und die Magie wich allmählich dem technischen Fortschritt. So entstand eine Welt, die unserer gar nicht so unähnlich scheint, und zwischen Elektrizität und Schnellstraßen ging der magische Glauben langsam verloren.

In dieser Welt lernen die Zuschauer den schüchternen Highschooler Ian Lightfoot (Christian Zeiger) und seinen älteren Bruder Barley (Leonhard Mahlich) kennen. Beide leben alleine mit ihrer Mutter in der Stadt New Mushroom. Ian’s Vater verstarb kurz vor seiner Geburt, weshalb beide Geschwister keine oder kaum Erinnerungen an ihn haben. Als Ian jedoch an seinem 16. Geburtstag einen alten Zauberstab von seinem Vater erbt, besteht plötzlich die Möglichkeit ihn durch einen Zauberspruch zurück ins Leben zu rufen. Dieser Versuch gelingt allerdings nur halb, denn der Zauber bricht in der Mitte ab und Ian und Barley’s Vater kehrt, zwar lebendig, aber nur von den Füßen bis zur Hüfte zurück. Zusammen mit dem Unterkörper ihres Vaters stürzen sich die beiden Brüder in ein Abenteuer, um den Zauberspruch zu vollenden und ihren Vater endlich richtig kennenzulernen.

Pixars neue Welten

Ob die gigantischen Brücken aus goldenen Blättern vor der bunten Stadt der Toten in Coco, die fantasievolle Gedankenwelt in Alles steht Kopf oder das malerische Paris in Ratatouille. Wenn Pixar eines kann, dann ist es kreative Welten schaffen und diese atemberaubend in Szene setzen. Auch Onward lädt erneut in eine bunte, schrille Welt ein, die sich im Laufe der Reise der beiden Brüder von vielen verschiedenen Seiten zeigt. Besonders viel Spaß macht dabei der Kontrast zwischen den alten magischen Zeiten und der neuen Zivilisation. Onward spielt hier gekonnt mit verschiedenen Klischees und stellt diese amüsant auf den Kopf. Einhörner fressen wie Straßenköter aus Mülltonnen und die einst so friedlichen und gutmütigen, kleinen Feen gehören ruppigen Motorradbanden an. Es entsteht eine beeindruckend detailverliebte Fantasy-Welt, welche reich an solchen kleinen Analogien ist.

Auf ihrer Reise kämpfen sich die Brüder durch die verschiedensten Ecken ihrer Welt.

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Und natürlich sieht all dies atemberaubend aus. Pixar scheint der Konkurrenz im Animationsbereich immer einen Schritt voraus zu sein, was sie bei Onward erneut unter Beweis stellen. Verschiedenste bunte Figuren zeichnen sich durch ein verspieltes und einfallsreiches Design aus und erwachen durch beispiellose Animation sofort zum Leben. Die vielen unterschiedlichen Umgebungen sehen beinahe fotorealistisch aus und die magischen Effekte explodieren in den verschiedensten Farben und Formen. Pixar liefert uns eine Welt, die zwar nicht ganz an die Originalität eines Alles steht Kopf heranreicht, aber dennoch voller Magie steckt und es dem Publikum leicht macht, sich in sie zu verlieben.

Halbe Sachen

Trotz dieser fesselnden Welt kommt Onward zu Anfang leider nicht richtig in die Gänge. Langeweile kommt zwar nicht auf, aber die Geschichte wirkt anfänglich nicht sonderlich originell. Ian’s Schwierigkeiten Anschluss in der Highschool zu finden, die verstorbene Vorbildfigur und das Aufbrechen zu einem bedeutenden Abenteuer sind allesamt keine neuen Elemente. Dazu stößt noch eine stellenweise ungeschickte Exposition, was im Gesamtbild dazu führt, dass der Film nur langsam in Fahrt kommt.

Nichtsdestotrotz wachsen einem Barley und Ian, auch durch die gute deutsche Vertonung, schnell ans Herz. Nur die Liebe, welche die beiden Brüder für ihren Vater empfinden, ist ein wenig schwer nachzuempfinden, da Vater Lightfoot schließlich nur aus einem Unterkörper besteht und somit oft mehr wie ein Objekt als ein Charakter wirkt. Doch auch das hat seine Vorteile, denn durch seine skurrile körperliche Situation sorgt er für viel lockere Body Comedy die, im Gegensatz zu manchen anderen Witzen, wirklich Spaß macht.

„Er hat keinen Oberkörper! Ich bin mir sicher, dass Dad einen Oberkörper hatte.“

Barley Lightfoot

Eine unerwartet magische Reise

Sobald Ian sich jedoch zusammen mit Barley und dessen treuen Bus Guinevere ins Abenteuer stürzt, fängt mit ihnen auch der Film an in allen Hinsichten eine Schippe draufzulegen. Plötzlich reißt Onward das Publikum von einer tollen Szenerie zur Nächsten mit. Vorbei an schrillen Figuren wie einem alten Mantikor, der sich statt Heldentaten nur noch den Kopf über die eigenen Restaurant-Bewertungen zerbricht, und durch mystische Höhlen und Gänge, die sich anfühlen, als wären sie direkt aus einem Indiana Jones Film oder einer Partie Dungeons and Dragons entsprungen . So entsteht ein unterhaltsamer Mittelteil, der dank einer munteren und aufregenden Stimmung einen leicht durch den Film trägt. Und schließlich folgt das letzte Drittel, indem Onward sich plötzlich komplett selbst übertrifft.

Und plötzlich wird Onward unglaublich berührend.

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Ich hatte immer dich

Was vorher wie ein unterhaltsamer, aber doch eher herkömmlicher Abenteuerfilm daherkommt, wird plötzlich zu einer persönlichen und berührenden Geschichte über Familie und die besondere Kraft der Geschwisterliebe. Das Drehbuch beweist hier eine außerordentliche Feinfühligkeit, indem es eine organische Entwicklung zu einem emotionalen und spektakulären Finale findet. Es wirft ein neues Licht auf den ganzen Film, ohne gezwungen oder kitschig zu wirken. Pixar spielt zum Schluss das Ass im Ärmel und bügelt damit viele Fehler der ersten Hälfte aus, indem sie eine wichtige Kernbotschaft schaffen, von der Jung und Alt viel mitnehmen können.

  • Info 1
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  • Info 3

Fazit

7.5/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 6.5/10
Animation 9/10
Emotionen 8/10
Humor 6.5/10
Atmosphäre 7.5/10
Details:
Regisseur: Dan Scanlon,
FSK: 6 Filmlänge: 102 Min.
Besetzung: Anette Frier, Christian Zeiger, Leonhard Mahlich, Martina Treger, Sascha Rotermund,

Auch wenn Onward im Storytelling nicht das Rad neu erfindet und unter dem Niveau von Meisterwerken wie Ratatouille oder Alles steht Kopf bleibt, ist der Film am Ende des Tages doch sehr unterhaltsam. Die Animation ist atemberaubend, die Landschaften und die Welt sind gewitzt und voll mit kreativem Charme. Die Geschichte löst am Ende die bekannte Pixar-Magie aus und wird dadurch nicht wenigen Zuschauern ein paar kleine Tränen in die Augen treiben. Wer die Erwartungen an die erste Hälfte ein wenig senkt und viel mit Fantasy und Abenteuergeschichten anfangen kann, der wird Spaß mit Onward haben und sicherlich etwas davon mitnehmen.

Artikel vom 12. November 2020

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