7.9/10

Kritik: Ready Player One

SPIELBERG ERSCHAFFT DEN ULTIMATIVEN NERDGASM

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Genres: Abenteuer, Action, Science Fiction, Startdatum: 05.04.2018

Interessante Fakten für…

  • In einem Interview sagte Steven Spielberg, dies sei der drittschwerste Film seiner Karriere gewesen, nach Der weiße Hai (1975) und Der Soldat James Ryan (1998).
  • Boba Fett befindet sich in der Bar, in der die Tanznummer aufgeführt wird.

Als Ernest Cline mit ‚Ready Player One‘ ein Roman über die Videospielkultur schrieb, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Verfilmung kommt. Dass dafür ausgerechnet Blockbuster-Urgestein Steven Spielberg beauftragt wurde, klang ja erstmal vielversprechend. Ob ‚Ready Player One‘ die 3D-Brille – geschweige denn die VR-Brille – wert ist, erfährst du in der Bewertung und Kritik.

Avatar-Foto
#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Reise zum Mittelpunkt des Nerdtums 

Im Jahre 2045 sind virtuelle Welten beliebter denn je. Kein Wunder, denn die Welt ist so heruntergekommen, dass sonst nicht viel Lebensqualität übrig geblieben ist. So auch Wade Owen Watts (Tye SheridanX-Men: Apocalypse), der in einer engen Wohnwagensiedlung wohnt und mit seinem Avatar „Parzival“ in die virtuelle Welt OASIS entflieht.

„People come to the Oasis for all the things they can do, but they stay for all the things they can be.“

Wade/ Parzival in Ready Player One

Diese virtuelle Spielwelt wurde vom Genie James Halliday (Mark RylanceBridge of Spies) erschaffen, der vor seinem Tod drei Rätsel einbaute. Derjenige, der alle Rätsel löst, findet das sagenumwobene Easter Egg und erhält die vollständige Macht über OASIS. Wades Ziel ist es, Hallidays Geheimnis zu entschlüsseln, denn dessen Konkurrenzfirma IOI, unter der Leitung von Nolan Sorrento (Ben MendelsohnRogue One), hat es ebenfalls auf das Easter Egg abgesehen.

Easter Egg the Movie

Der ganze Film ist voller Easter Eggs. Das ist auch kein Wunder, wenn man die Vorlage berücksichtigt, die ein wahrer Nostalgie-Trip in die 80er und 90er ist. Spielberg bleibt selbstverständlich diesem Prinzip treu und ergänzt es zudem noch mit Elementen der modernen Popkultur. Ob nun der DeLorean aus Zurück in die Zukunft, Goro aus Mortal Kombat, oder – verdammt, war das gerade Tracer aus Overwatch? (Um nur die Offensichtlichsten zu nennen) Tatsächlich sind es so viele Charaktere und Anspielungen aus so vielen Filmen und Videospielen, dass man daraus ein spaßiges Lizenz-Bingo starten könnte. (Obwohl Warner Bros. selbstverständlich am meisten vertreten ist).

Doch anders als befürchtet, verlässt sich der Film nicht zu sehr auf seine Lizenzen. Ähnlich wie beispielsweise in Wreck-It Ralph, sind diese lediglich eine interessante Ergänzung für Fanboys und Nostalgiker. Nur gelegentlich haben diese Anspielungen einen Handlungsbezug – und natürlich konzentriert sich Spielberg dabei mehr auf Film-, statt Videospiel-Klassiker. Obwohl medienaffine Popkultur-Enthusiasten die klare Zielgruppe sind, ist der Film eigenständig genug, sodass auch „Normalos“auf ihre Kosten kommen.

Achtung, flackernde Lichter!

Dass OASIS ohne Packungsbeilage startet, kann man schon fast als Logikfehler bezeichnen – denn die VR-Welt ist ein Epilepsie-Auslöser in Reinform. Kaum eingeloggt, werden wir durch unzählige virtuelle Welten teleportiert, sodass einem ganz schwindelig wird. Und selbst wenn wir starr in unseren Kinosesseln sitzen, ist das nur temporär. Denn wilde Kamerafahrten erzeugen einen mitreißenden Bilderstrudel fremdartiger Wunderwelten. Auch die bunt angehäuften Charaktere sehen visuell eindrucksvoll aus, sind allerdings künstlich genug um (größtenteils) der Falle des Uncanny Valley zu entgehen. Die OASIS-Welt gehört zum eindrucksvollsten, was mit CGI bisher erschaffen wurde.

Genauso intensiv sind die Actionszenen. Ob ein halsbrecherisches Rennen mit King Kong im Nacken, oder eine virtuelle Schlacht; es sieht – pardon – geil aus. Schnell, intensiv und visuell eindrucksvoll. Auch wenn einige Actionszenen zu sehr in die Länge gezogen werden.

Pixel-Protagonisten enttäuschen

Trotz der visuellen Umsetzung wirken die Charaktere selbst weniger gut gezeichnet. Das gilt vor allem für Protagonist Wade, der während des Film eine fast schon Mary-Sue-artige Entwicklung hinlegt. Eine großartige Charakterentwicklung durchlebt er nicht. Er lernt schnell und sagt immer das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Ähnlich blass wirken seine Begleiter. Das mag für Videospiel-Charaktere reichen, nicht jedoch für einen Film, der packen soll.

Interessanter sind da schon die guten und bösen Drahtzieher, die sich hinter den konkurrierenden Firmen verbergen. Zum einen wäre da Sorrento als überraschend gelungener Schurke. Er verkörpert den skrupellosen Geschäftsmann, der erfolglos vorgeben will, sich mit der Popkultur auszukennen, obwohl es für ihn nur ein Mittel zum Zweck ist. Seine wirtschaftliche Motivation und seine Ignoranz gegenüber dem, was die Spielekultur ausmacht, stehen im Kontrast zu seiner Feigheit, tatsächlich aufs Äußerste zu gehen, wodurch er ironischerweise vom Eskapismus (Möglichkeit dem „echten“ Alltag zu entfliehen) der virtuellen Welten abhängig wird. Ebenso interessant ist seine rechte Hand I-R0k (T.J. Miller), die trotz des bedrohlichen Aussehens ein amüsant nerdiges Verhalten an den Tag legt.

Doch vergessen wir dabei nicht den Schöpfer von OASIS: James Halliday. Mark Rylance spielt den genialen aber sozial unfähigen Entwickler auf eine sehr markante und einprägsame Weise. Ebenso bemerkenswert sind seine wenigen aber prägenden Szenen mit seinem Geschäftspartner und Freund Ogden Morrow (Simon PeggStar Trek Beyond), die zugleich eine emotionalere Seite von Hallidays Leben zeigen.

Ist die Realität überhaupt real?

Wieso sollte man in die Realität zurückkehren? Trotz implizierter Moral, die im Endeffekt gegen Eskapismus spricht, schafft der Film es nicht, die reale Welt angemessen zu behandeln. Alleine die Tatsache, dass die Welt in einem miserablen Zustand ist, wird lediglich am Anfang erwähnt und durch die Wohnwagensiedlung betont. Danach jedoch verschwindet dieser Bezug, genauso wie die Realität selbst. Stattdessen werden die Vorteile der virtuellen Welt betont, ohne großartig auf ihre Abgründe einzugehen, wodurch die Moral hohl und nicht nachvollziehbar bleibt. Der Wert der Realität wirkt dabei eher wie ein verpflichtender Hinweis, statt eines überzeugenden Statements.

Eine Liebeserklärung an Popkultur-Klassiker

Ready Player One lässt alles raus, was die Popkultur erschaffen hat und Spielberg kombiniert mit seiner eigenen Handschrift Vergangenheit und Zukunft in einem Film. Doch dieses beeindruckende Erlebnis widerspricht der eigentlichen Moral, die den Wert der Realität betont, denn auf diese wird kaum eingegangen, was für erzählerische Schwächen sorgt. Und ganz in traditioneller Videospiel-Manier bleibt der Hauptcharakter blass, was den VR-Trip jedoch nicht übermäßig trübt. Der durchschnittliche Zuschauer wird bestimmt auf seine Kosten kommen, doch es sind vor allem die Popkultur-Enthusiasten, die bei den Verweisen und Nostalgie-Lobpreisungen mehr als nur einen Nerdgasm verspüren werden.

7.9/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Spannung 8/10
Charaktere 6.5/10
Aktion 8.5/10
Visuelle Umsetzung 9/10
Details:
Regisseur: Steven Spielberg,
FSK: 12 Filmlänge: 140 Min.
Besetzung: Ben Mendelsohn, Lena Waithe, Mark Rylance, Olivia Cooke, Philip Zhao, Simon Pegg, T.J. Miller, Tye Sheridan, Win Morisaki,

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Artikel vom 5. April 2018

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