6.2/10

Kritik: Thor: Love and Thunder

VIEL DONNER, WENIG LIEBE

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Genres: Action, Comic, Komödie, Startdatum: 08.07.2022

Interessante Fakten für…

  • Bislang ist Thor der einzige MCU-Charakter, der vier eigenständige Filme hat.
  • Christian Bale hatte es zunächst abgelehnt, nach Nolans Batman Trilogie in weiteren Comic- oder Superheldenfilmen mitzuwirken, da er das Genre aus schauspielerischer Sicht für uninteressant hielt. Er stimmte für diesen Film jedoch zu, nachdem seine Kinder ihn angefleht hatten, die Rolle zu übernehmen.

Nach „Thor: Tag der Entscheidung“ hat Regisseur Taika Waititi mit „Thor: Love and Thunder“ noch Platz für einen weitere Ableger des bekannten nordischen Gottes. Liebe und Donner ist somit das Motto. Doch steckt auch viel Liebe in dem Thor Film selbst?

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

Die Ereignisse in Endgame haben den mächtigen Thor (Chris Hemsworth) körperlich und geistig stark beeinträchtigt – vor allem körperlich. Doch das ändert sich, als er seiner göttlichen Abstammung den Rücken kehrt und stattdessen mit Peter Quill (Chris Pratt) und den Guardians of the Galaxy auf Weltraumabenteuer geht. Kaum ist Thor wieder in Topform, schon beweist er sich in der Galaxie als unschlagbarer Actionheld, der die anderen Guardians im Vergleich dazu erblassen lässt. Doch all diese Abenteuer können nicht davon hinwegtäuschen, dass in Thors Leben etwas fehlt. Könnte es Liebe sein? Wer weiß.

Doch viel Zeit zu grübeln hat Thor nicht: Gorr, der Götterschlächter (Christian Bale) hat allen Göttern den Krieg erklärt und metzelt sie einen nach dem anderen ab. Thor muss nun doch seinen nordischen Wurzeln treu bleiben, weshalb er die Guardians verlässt und nach New Asgard zurückkehrt. Er erscheint gerade rechtzeitig zu Gorrs Anschlag auf die Stadt der verbliebenen Asgardianer. Doch das ist nicht, was ihn schockiert. Denn an vorderster Front kämpft jemand, von dem er es nicht für möglich gehalten hätte. Seine einst große Liebe: Jane Foster (Natalie Portman). Und sie hat seinen Mjolnir!

Es donnert zum vierten Mal

Als die große Zusammenkunft nach Endgame vorbei war, gingen alle Helden ihrer Wege. Umso überraschender war es als Thor New Asgard verließ und sich stattdessen mit den Guardians of the Galaxy einließ. Nun fragt man sich, wie ein buchstäblicher Gott wie Thor in die verhältnismäßig doch gewöhnliche Weltraumtruppe hineinpasst? Die Lösung ist einfach: Gar nicht!

Nicht nur das Thor als eine Ein-Mann-Armee im Alleingang mit ganzen Alientruppen fertig wird (und dabei noch für ordentlich Kollateralschaden sorgt), nach der Mitteilung über den Götterschlächter verlässt er auch gleich die Guardians. Der Film zeigt unverblümt: Nein, das ist kein Crossover. Es geht hier um Thor!

Natürlich tut das gut, Thor wieder auf der Höhe seiner Stärke zu sehen. Und das zeigt sich auch in seinen Kämpfen wieder: Diese sind unterhaltsam chaotisch und mit dem passenden Metal-Cover im Hintergrund spiegeln sie hervorragend sein neu entflammtes Ego wieder. Die Guardians vermisst man aber trotzdem…

Doch wen bekommt man statt den Guardians?

Wer ist Jane Foster?

Jane Foster? Jane Foster? Da war doch was. Allerdings erinnert man sich nur ungern dran: Denn um sich an die Rolle von Natalie Portman zu erinnern, muss man sich auch zwangsweise an Thor: The Dark World erinnern – und da haben nur wenige Lust drauf. Jedenfalls war sie die Astrophysikerin, die als erste auf Thor nach dessen Verbannung nach Midgard (Erde) auf ihn gestoßen ist und sie zu einem Liebespaar wurden. Nach The Dark World gab es jedoch Probleme hinter den Kulissen, weshalb man von Portman neun Jahre lang nichts mehr gehört hat. Und nun ist sie plötzlich als „Mighty“ Thor wieder da. Das funktioniert in etwa so, wie man es sich vorstellt.

Um fair zu sein, es hätte hierbei Potenzial gegeben. Die Idee, dass Jane auch ebenbürtig mit Thor sein wollte und in Anbetracht ihres möglichen Todes Gutes bewirken wollte, kann auf Papier gut klingen. Einen vergessenen Charakter aus dem Nichts zu holen und ihr dann Mjolnir auf dem Silbertablett auszuhändigen, funktioniert einfach nicht.

Die anderen Nebencharaktere werden auch nicht so gut beleuchtet, wie sie es hätten sein können. So ist die Walküre (Tessa Thompson), die sich um eine Stadt kümmern muss, die zu einer Touristenattraktion verkommt, wieder dabei und kann durch die Reise sich endlich mal wieder als asgardische Kriegerin ins Gefecht stürzen. Dennoch ist ihre Anteilnahme nicht wirklich signifikant und bestimmte emotionale Laster, wie beispielsweise ihre Trauer über ihre gefallen Walkürenschwestern, werden nur angedeutet. Ähnlich geht es auch Korg (Stimme: Taika Waititi), der als gutmütiger Steinmensch wieder eine große Portion Humor mitbringt, sich von seinen bisherigen Auftritten allerdings nicht sonderlich hervorsticht.

The Mighty Atheist

Und wer lauert da in den Schatten und möchte alle Götter töten? Christian Bale hat sich ein neues Make-Up zugelegt und möchte als Gorr der Götterschlächter den verzogenen Göttern zeigen, wo wirklich der Hammer hängt.

Gorr selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Die Idee eines Mannes, der alles für den Glauben verloren hat, einschließlich seiner Tochter, und sich nun an den Göttern rächen will, passt hervorragend in diese Thematik rund um Thor. Auch seine Präsentation als furchteinflößende Schattengestalt mit einem Hang zur Verhöhnung und zur unheimlichen Dramatik funktioniert ziemlich gut (auch wenn sie unweigerlich an Gesellen wie Voldemort oder Palpatine erinnern). Jetzt muss nur noch der Ton passen – was er nicht tut…

Damit ein Charakter wie Gorr funktioniert, hätte man ihm deutlich mehr Bildschirmzeit geben sollen. Stattdessen führt man ihn kurz als Schurke ein und verschiebt ihn dann zu einer späteren Filmzeit. Man hätte zumindest zeigen können, wie er einige der Götter niederschlägt, statt es lediglich aufzuzählen. Auch seine Leidensgeschichte wäre deutlich überzeugender gewesen, wäre sie nicht in den ersten fünf Minuten des Filmes abgefrühstückt worden.

Gorrs mangelnde Präsenz lässt sich vor allem auf folgendes Problem des Filmes zurückführen:

Zu witzig, um gut zu sein

Ja, wir wissen es: Thor: Tag der Entscheidung war ein großer Erfolg. Er war bunt, witzig, fantasiereich und chaotisch und damit ein starker Kontrast zu den bisherigen Thor Filmen. Daher wollte Waititi natürlich daran nochmal anknüpfen – und hat es diesmal hemmungslos übertrieben. Der Fokus liegt so stark auf dem Humor, dass es fast schon wie eine Parodie der Thor-Filmen wirkt. In einigen Stellen ist es sogar buchstäblich so: So ist beispielsweise New Asgard zu einer Touristenattraktion für Avenger-Fans verkommen, einschließlich der nachgestellten Geschichte von Thor im Theater, wie es die schon in kürzerer Version in Teil 3 gab. Doch auch so wirkt es als hätte man die Elemente, die früher funktioniert haben ad Absurdum geführt.

Versteht mich nicht falsch: Thor 4 ist aufrichtig witzig und hat seine guten Momente. Doch zwischen diesen Momenten gibt es Gags, die einfach nur unnötig sind, oder so lächerlich in die Länge gezogen sind, dass es nur noch nervig ist. Und auch die witzigeren Charaktere wie etwa Korg bleiben davon nicht verschont. Einige der Gags, wie etwa Korgs viel zu langer Versuch, das richtige Pfeifton hinzukriegen, hätte man sich sparen können.

Die Götter werden hier gar nichts richten

Schlimmer wird es jedoch, wenn der humorvolle Ton von der Handlung ablenkt und diese ins Lächerliche führt. Einerseits hat der Film dadurch einen sehr ungleichmäßigen Ton. Der dramatische und seriöse Gorr müsste sich bei all den Albernheiten vorkommen als sei er im falschen Film. Gleichzeitig wurden dadurch Charaktere ins Lächerliche gezogen, die eigentlich einen enormen Wert in diesem Götterkampf einnehmen sollten. Vor allem gilt das für Zeus (Russell Crowe), der als fetter Obergott nur eine einzige Lachnummer ist. Klar kann man Mythen durch den Kakao ziehen, doch man muss den Göttern zumindest abkaufen, dass sie mächtig genug waren, dass man sie tatsächlich angebetet hat. Hier ist es eindeutig nicht der Fall. Eher fragt man sich, wieso sich Gorr überhaupt die Mühe macht.

Doch am Schlimmsten hat es vor allem einen getroffen: Thor.

Törichter Tor

Thor war noch nie die hellste Leuchte. Doch das brauchte er nicht, denn auch so hat er eine ordentliche Portion Charakterentwicklung durchlebt und ist von einem arroganten und heißblütigen Kriegstreiber zu einem waren Helden geworden. Der Tag der Entscheidung Teil gab ihm mehr alberne und komödiantische Momente doch diese fühlten sich nicht fehl am Platz an, zumal sie sein Ego zügelten. Leider hat das zu gut funktioniert. So sehr, dass man sich fragt, was aus Thors Charakterentwicklung wurde.

Die Selbstfindungsreise hat Thor zwar wieder in Form gebracht, doch einiges an Charakterentwicklung ist verloren gegangen und sei es nur die Zurückhaltung und die Vermeidung von Kollateralschaden. Und auch wenn Thor kein Anführer für sein Volk sein wollte, so konnte er dennoch die nötige Autorität und Überzeugungskraft aufbringen. Das fehlt nun auch. Thor hat deutlich mehr alberne und peinlichere Momente, die nach einer Weile einfach nur ermüdend werden.

Und wenn Thor seiner Axt Stormbreaker wie einer eifersüchtigen Freundin versichern muss, dass er keine Gefühle mehr für Mjolnir hat, fühlt man sich, gelinde gesagt – verarscht.

Fazit

6.2/10
Ganz Okay
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 4.5/10
Charaktere 5/10
Action 7/10
Komik 8/10
Visuelle Umsetzung 6.5/10
Details:
Regisseur: Taika Waititi,
FSK: 12 Filmlänge: 119 Min.
Besetzung: Chris Hemsworth, Chris Pratt, Christian Bale, Natalie Portman, Russell Crowe, Tessa Thompson,

Thor: Love and Thunder zeigt gut, dass Humor doch nicht immer die Lösung ist. Ist da zu viel drin, wird der Film schnell zur Parodie seiner selbst. Und das ist schade, denn der Film hat zahlreiche Bruchstücke, die mit der nötigen Aufmerksamkeit funktioniert hätten: Gorrs Rachefeldzug, Thors Suche nach emotionaler Vervollständigung und selbst Jane als Möchtegern-Thor – Sie alle hätten deutlich besser beleuchtet werden können. Doch dafür braucht man eine ausgeklügeltere Handlung, einen gleichmäßigeren Ton und vor allem – einen besseren Thor. Denn sonst bleibt der Film nur Durchschnitt – wenn auch ein Unterhaltsamer.

Marvel braucht deutlich mehr Liebe!

Artikel vom 10. Juli 2022

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