Kritik: Thor: Tag der Entscheidung

Schon wieder einer dieser "Spaß-Filme"...

FSK 12

Spoilerfrei!

Chris Hemsworth als Thor mit kurzen Haaren vor grün-gelbem Hintergrund auf  Plakat zu Thor: Tag der Entscheidung

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.

Worum geht’s?

Thor (Chris Hemsworth) kehrt nach Asgard zurück. Dort regiert Loki (Tom Hiddleston, The Night Manager) unbemerkt in der Gestalt des Allvaters Odin (Anthony Hopkins), bis ihn der Donnergott zur Rede stellt. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach dem echten Odin, der im Zwangsexil seine Kraft einbüßen musste. Das hat Konsequenzen: Hela, die Göttin des Todes, (Cate Blanchett, Der Hobbit) nutzt das fragile Kräfteverhältnis, um Asgard an sich zu reißen.

Skurge (Karl Urban) und Hela (Cate Blanchett) stehen in einer Halle in Asgard in einem Szenenbild für Kritik Thor Tag der Entscheidung
Papa Odin ist nicht da: Skurge (Karl Urban) und Hela (Cate Blanchett) übernehmen Asgard.

Thor und Loki müssen sich wohl oder übel verbünden, denn Ragnarok, der Untergang Asgards, steht vor der Tür. Doch bevor sie Asgard retten können, werden sie von Hela ins kalte Universum gestoßen und finden sich auf dem Müll-Planeten Sakaar wieder. Dort gibt es Sklaverei, Gladiatorenkämpfe und ein großes, grünes Wiedersehen…

Nordische Mythologie…

Warum man sich in Deutschland für den todlangweiligen Alternativ-Titel Tag der Entscheidung entschieden hat, kann nur dadurch erklärt werden, dass man deutschen Zuschauern den exotischen Original-Titel Thor: Ragnarok nicht zugetraut hat. Dabei ist doch gerade das mythologische Element ein Selling Point der Thor-Filme. Umso besser, dass sich der dritte und finale Thor ausgiebiger mit den nordischen Sagen beschäftigt als seine Vorgänger. Götter, Feuerriesen und Walküren – genau das wollen wir sehen!

Walküren reiten auf geflügelten Pferden aus einer Wolke in Richtung von Hela in einer düsteren Umgebung in einem Szenenbild für Kritik Thor Tag der Entscheidung
Episch: Walküren reiten gegen Hela in die Schlacht.

… und stylischer Trash der 80er

Thor war schon immer eine der innovativeren Marvel-Reihen. Ähnlich wie das DC-Pendant Wonder Woman, kombiniert Thor mythische Elemente mit quietschbuntem Comic-Unsinn. Während sich die ersten beiden Thor-Filme noch etwas zurückgehalten haben, macht Thor: Tag der Entscheidung einen auf Guardians of the Galaxy und präsentiert sich als gut gelaunte und total abgedrehte Science-Fiction-Komödie mit Retro-Touch. Da hätte der Soundtrack ruhig etwas mutiger in die Oldies-Mottenkiste greifen können, denn bis auf den Immigrant Song von Led Zeppelin gibt es nicht viel Ohrwurm-Potential.

Heiter und ernst – schön verpackt

Natürlich muss ein Comic-Film mehr können, als nur das Publikum zum lachen zu bringen. Deswegen nutzt Marvel stets Drama-Elemente, um die abgefahrene Geschichte zu erden. Diese Mischung aus komischen und dramatischen Momenten funktioniert hier sogar weitaus besser als in Guardians of the Galaxy 2. Während der sich immer wieder in seinen eigenen Selbstreferenzen verheddert und dadurch an Glaubwürdigkeit einbüßt, hält Thor: Tag der Entscheidung den Genre-Spagat, ohne sich die Hose zu reißen. Idris Elba als Heimdall evakuiert Dorfbewohner in bester Aragorn-Manier, während sich auf einem anderen Planeten Thor und Hulk die Köpfe in einer Alien-Arena einschlagen – und es beißt sich nicht.

Thor (Chris Hemsworth) und Hulk (Mark Ruffalo) kämpfen gegeneinander in einer Arena in einem Szenenbild für Kritik Thor Tag der Entscheidung
Thor (Chris Hemsworth) und Hulk (Mark Ruffalo) sind gezwungen, in einer Gladiatoren-Arena gegeneinander anzutreten.

So vorhersehbar unvorhersehbar

Obwohl Thor: Tag der Entscheidung auf jeden Fall zu den lustigeren Marvel-Filmen gehört und die Gag-Dichte beachtlich ist, zeigen sich hier die Abnutzungserscheinungen des Franchises am deutlichsten. Das liegt weniger an der Qualität der Witze, sondern daran, dass sie vorhersehbar geworden sind. Gags, die eigentlich einen überraschenden Lacher aus dem Publikum gewinnen sollen (z.B. die Hulk vs. Loki Szene aus Die Avengers) wirken hier lange nicht mehr so frisch. Lachen tut man trotzdem.

Allmächtige Besetzung 

Der Blick auf die Cast-Liste ist durchaus beeindruckend. Nicht nur sind Chris Hemsworth, Tom Hiddleston und Mark Ruffalo endlich wieder vereint – auch die Besetzung der Nebencharaktere ist göttlich. Anthony Hopkins kehrt als weiser Odin zurück, Idris Elba als Wächter Heimdall und Cate Blanchett als Todesgöttin Hela, bzw. Frau Galadriel, wenn sie den Ring behalten hätte. Sie hätte vielleicht mehr Screentime verdient, doch erobert sie jede ihrer Szenen mit unverschämt fieser Sexiness. Damit gehört sie zu den besten MCU-Schurken, neben Loki und… naja, eigentlich nur Loki.

Jeff Goldblum als Grandmaster von Sakaar bringt mit seiner tuntigen Art die meiste Komik in den Film. Auch die dauerbetrunkene Walküre (Tessa Thompson) ist eine hervorragende Addition des Casts.

Topaz (Rachel House), Grandmaster (Jeff Goldblum) und Valkyrie (Tessa Thompson) in einer Reihe vor einer Glaswand in einem Szenenbild für die Kritik Thor Tag der Entscheidung
Topaz (Rachel House), Grandmaster (Jeff Goldblum) und Valkyrie (Tessa Thompson) empfangen den gestrandeten Thor auf dem Müllplaneten Sakaar.

Natürlich gibt es auch das ein oder andere erwartete und unerwartete Cameo. Doch dazu verrate ich natürlich nichts.


Weitere Marvel-Filme: 
 

'Thor: Tag der Entscheidung' ist ein weiterer Marvel-Volltreffer – doch der Hype bleibt aus

Zwar setzt das MCU den Trend fort, sich mit jedem Film ein klein wenig neu zu erfinden, doch die Leichtigkeit und viele der Gags wirken mittlerweile etwas abgetreten. Dennoch ist der dritte Thor-Film ein durchgehend unterhaltendes und wunderbar opulentes Comic-Fest, das mit einer (verhältnismäßig) interessanten Geschichte und tollen Schauspielern definitiv interessant genug für einen Kinogang ist. Man kann ohne Zweifel behaupten: Thor, dieses Mal sogar weitgehend ohne Hammer und Haare, war noch nie mächtiger!

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