4.3/10

Kritik: Windfall

HITCHCOCK LÄSST GRÜßEN

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Genres: Krimi, Thriller, Startdatum: 11.03.2022

Interessante Fakten für…

  • Windfall ist der erste Film, an dem Lily Collins gemeinsam mit ihrem Ehemann Charlie McDowell arbeitete.
  • Die Idee des Films stammt von Jason Segel, der die Handlung während eines Zoom-Calls inmitten der COVID-19 Quarantäne pitchte. 

Ein Thriller und Kammerspiel in der Tradition Hitchcocks mit vielversprechender Prämisse und starkem Cast – Hört sich doch eigentlich perfekt für den nächsten Filmabend an, oder? Falsch gedacht! Wir verraten euch, warum ihr euch Netflix‘ ‚Windfall‘ sparen könnt.

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Ein wunderschönes Ferienhaus irgendwo im US-amerikanischen Nirgendwo. Dorthin hat es einen scheinbar mittellosen Mann (Jason Segel) verschlagen, der sich durch das Hab und Gut der eigentlichen Besitzer der Anlage wühlt. Als diese, ein erfolgreicher CEO (Jesse Plemons) und seine Frau (Lily Collins), dann aber unerwartet auf der Matte stehen, wird aus einem an sich harmlosen Diebeszug eine bitterböse Geiselnahme.

Verschenktes Potential

Schon von Sekunde eins wird klar, woran sich Regisseur und Drehbuchautor Charlie McDowell sowie Co-Autoren Jason Segel, der nebenbei auch eine der namenlosen Hauptrollen übernimmt, und Justin Lader für ihren Thriller Windfall orientiert haben: Der neuste Netflix-Film ist eine klare Hommage an die großen Thriller von Alfred Hitchcock, die bis heute mit ihren packenden (und aus aktueller Perspektive sicherlich auch problematischen) Handlungen und Wendungen Filmliebhaber:innen begeistern. Doch was als stimmig inszeniertes Kammerspiel startet, artet ziemlich fix in eine zähe Geschichte aus, die keinem von Hitchcocks Werken das Wasser reichen kann.

Dass Windfall ca. ab der Hälfte plötzlich die Puste ausgeht, liegt nicht an der Prämisse, die durchaus Optionen für eine spannende Inszenierung bietet. Eine mittelloser Niemand, der ein reiches Paar um Lösegeld erpresst, ist als Handlungsansatz zwar nicht revolutionär gedacht, hätte aber theoretisch reichlich Zündstoff für spannende anderthalb Stunden. Und auch die eingewobene Thematik der Machtverhältnisse, sei es zwischen Arm und Reich oder Mann und Frau, eignet sich ideal für einen spannenden Thriller, der nicht nur schockt, sondern auch eine wichtige Botschaft mitgibt.

Nur leider, und das ist das große Problem, scheint man sich nicht ganz sicher gewesen zu sein, wo man mit der Handlung enden mag. Das Resultat: Die drei Hauptfiguren dümpeln lange durch die spontane Geiselsituation und diskutieren. Es gibt den ein oder anderen guten Dialog zwischen den Figuren, aber so richtig in Fahrt kommen will das Ganze nicht, Spannung sucht man hier vergebens. Und dann geht plötzlich alles ganz schnell und zack, die Credits laufen über den Screen. Man weiß gar nicht so recht, was denn jetzt passiert ist, spannende Twists oder eine gut rübergebrachte Botschaft sucht man vergebens und bleibt recht enttäuscht vor dem Bildschirm zurück. Hier wurde mehr als eine Chance liegen gelassen.

Ein Cast, der nichts zu tun hat

Was man an Windfall allerdings nicht bemängeln kann, ist der Cast. Jason Segel, allen noch als liebenswürdiger Marshall Eriksen aus der Hit-Sitcom How I Met Your Mother (2005 – 2014) bekannt, kann als überforderter Geiselnehmer überzeugen, auch wenn man sich wünscht, das Skript hätte ihm etwas mehr und Tiefsinnigeres zu tun gegeben. In dem angelegten Machtkampf zwischen dem mittellosen Zufallskriminellen und dem reichen, im Rahmen des schwachen Skriptes toll von Jesse Plemons (The Power of the Dog) verkörperten CEO liegt eine spannende Story, die aber nicht ausreichend erforscht und zu Ende erzählt wird.

Genau das gleiche Problem findet sich auch in Lily Collins Charakter der Ehefrau des CEOs wieder, denn auch hier verschwendet Windfall den nächsten spannenden Handlungsstrang. Man hätte einen ganzen Film über das komplexe Machtverhältnis zwischen einer erfolgreichen Frau und ihrem erfolgreichen Mann machen, mal richtig in die Tiefen solcher Beziehungen eintauchen können. Stattdessen wird dieser Teil der Handlung nur halbgar abgehandelt und endet auf eine Art und Weise, die einiges zu wünschen übrig lässt.

Schöne Visuals reichen nicht aus

Und so zeigt sich: Man kann aus einem mittelmäßigen Drehbuch keinen guten Film machen, egal wie viel Mühe sich der Cast gibt, egal wie spannend die eingebettete Thematik sein mag und egal wie viel Herzblut der Regisseur und das Kreativ-Team in die Realisierung der Geschichte stecken. Zugegeben, das hört sich jetzt alles drastischer an, als es vielleicht sein mag. Rein optisch ist die Hitchcock-Hommage nämlich durchaus gelungen und die Bilder und Schnitte wirken wie aus der Hochzeit der klassischen Thriller gegriffen.

Aber wenn man spätestens ab der Hälfte des Filmes sieht, wie viel Potential immer wieder auf der Strecke bleibt, der Film aber eben gleichzeitig rein visuell immer wieder an Hitchcock-Meisterwerke erinnert und das Hirn so immer wieder zu unterbewussten Vergleichen anregt, kann man gar nicht anders, als frustriert dreinzuschauen und dem Film hinterherzutrauern, der Windfall hätte sein können.

Fazit

4.3/10
Schwach
Community-Rating:
Handlung 4.5/10
Spannung 4/10
Tiefgang 3.5/10
Dialoge 5/10
Charaktere 4.5/10
Details:
Regisseur: Charlie McDowell,
FSK: 16 Filmlänge: 92 Min.
Besetzung: Jason Segel, Jesse Plemons, Lily Collins, Omar Leyva,

Windfall ist ein klassischer Thriller, der nicht nur in Sachen Handlung, sondern auch in Sachen Optik und Schnitt ganz klar in den Fußstapfen von Großmeistern wie Alfred Hitchcock wandeln will. Das gelingt allerdings nur in der ersten Hälfte und artet gegen Ende in einem zu langatmigen und inkonsequenten Finale aus, das die Höhen, Twists und Schocker großer Thriller-Klassiker nicht annähernd erreichen mag. Schade um den tollen Film, der in der an sich tollen Prämisse schlummert.

Artikel vom 23. April 2022

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