Kritik: Zack Snyder’s Justice League

Superheldenspektakel im neuen Gewand
Spoilerfrei!
Lesedauer: 7 Mins.
  • Mit dem Erscheinen von 'Zack Snyder's Justice League' fand eine der beispiellosesten Entstehungsgeschichten der Filmwelt ihr Ende. Drei Jahre lang kämpften Comic-Fans weltweit um die sagenumwobene, ursprüngliche 'Justice League'-Version, die nun endlich als vierstündiges Epos auf den heimischen Streamingdiensten erscheint. Ob der Film seinem gigantischen Hype gerecht werden kann oder ob die Entstehungsgeschichte das Interessanteste daran bleibt, erfahrt ihr in dieser Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Werbung Worum geht's? Zack Synder’s Justice League folgt in etwa demselben Grundgerüst, auf dem die Handlung der Kinofassung auch schon aufbaute. Nach Supermans Tod in Batman v Superman: Dawn of Justice erscheint der finstere Steppenwolf (Ciaran Hinds) auf der Erde, der im Auftrag des allmächtigen Darkseid (Ray Porter) auf der Suche nach drei mysteriösen Mutterboxen ist. Kombiniert sollen die Boxen die Macht haben, die ganze Erde dem Willen Darkseids zu unterwerfen. Nur Bruce Wayne (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) scheinen die aufkommende Gefahr zu spüren, weshalb sie sich auf die Suche nach weiteren Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten begeben, die die Erde vor der drohenden Invasion verteidigen könnten. So stoßen sie auf den blitzschnellen Barry Allen aka The Flash (Ezra Miller), Arthur Curry aka Aquaman (Jason Momoa) und den jungen Victor Stone (Ray Fisher), der durch eine tragische Hintergrundgeschichte zu einem Hybrid aus Mensch und Maschine wurde. Gemeinsam bilden die Helden die Justice League und stellen sich Steppenwolf und einer düsteren Zukunft der Erde gegenüber. Aus alt mach neu? Um kaum einen Film entstand in den letzten Jahren ein derartiges Geheimnis, wie um Zack Snyder’s Justice League aka den Synder Cut. Anfangs noch als rätselhafte und idealisierte Schnittfassung, von der die tatsächliche Existenz ein großes Fragezeichen war, bekannt, entwickelte sich um den Film allmählich ein immer größer werdender Hype, der von Fans, Cast-Mitgliedern und Synder selbst regelmäßig angefeuert wurde. So jagte bald eine große Ankündigung der nächsten nach und Schlagzeilen wie „Der Snyder Cut existiert“, „Die Fans erwartet ein 4-stündiges Epos der Extraklasse“ und „Ben Affleck kehrt für Nachdrehs zurück, obwohl er die Rolle des Batman schon aufgegeben hat“ verschleierten bald komplett, was wir denn tatsächlich vom Snyder Cut erwarten können. Auch Trailer mit fast ausschließlich neuem Bildmaterial und Neuigkeiten wie die Integration von Jared Leto’s Joker Interpretation in die Handlung, erzeugten die Illusion eines komplett neuen Filmes. Nun, da wir endlich die Möglichkeit haben den Snyder Cut mit eigenen Augen zu sehen, sollte diese Erwartungshaltung von vornherein neu ausgerichtet werden. Denn der Film ist wie schon erwähnt keine komplett neue Geschichte! Immer noch geht es um die drei Mutterboxen und Gegenspieler Steppenwolf, der alles daransetzt, diese in die Finger zu bekommen. Der große finstere Strippenzieher Darkseid ist dabei keinesfalls ein neuer Hauptantagonist, sondern huscht ab und an auf der anderen Seite eines Portals vorbei oder zeigt sich in den wenigen Rückblenden. Immer noch machen sich Batman und Wonder Woman auf die Suche nach Verbündeten, um Steppenwolf Einhalt zu gebieten. "Ich hatte einen Traum, fast wie eine Vorahnung, dass ein Angriff bevorsteht." Bruce Wayne in Zack Snyder's Justice League Die Handlung folgt dementsprechend denselben schwachen Grundpfeilern, wie die Kinofassung. Für all diejenigen, die mit der Jagd nach den austauschbaren Mutterboxen schon 2017 absolut nichts anfangen konnten, bedeutet das wahrscheinlich, dass sich das mit dem Snyder Cut nicht bedeutend ändern wird. Wie der Fantitel des Filmes schon verrät, ist der Snyder Cut eben eine erweiterte/ stark veränderte Version eines bestehenden Filmes und kein komplett neues Werk. Doch für alle anderen sei gesagt, dass Handlung nicht allein über die Qualität eines Filmes entscheidet, sondern die Art und Weise, wie diese erzählt wird, genau so viel, wenn nicht sogar mehr, wiegt. Und hier übertrifft Zack Snyder’s Justice League die Kinofassung um Lichtjahre. Come Together Der entscheidende Vorteil des Snyder Cuts liegt dabei tatsächlich in der abschreckend gigantischen Lauflänge, die die der ersten Fassung locker verdoppelt. Wo die 2017er Version sich anfühlte, als würde man eine austauschbare Superheldengeschichte auf Zeitraffer schauen, nimmt sich Zack Snyder alle Zeit der Welt, um den Konflikt des Filmes sorgfältig Schritt für Schritt aufzubauen. Dadurch gelingt es ihm, einerseits der Geschichte ein episches Ausmaß anzueignen, was dem Kampf gegen Steppenwolf mehr Gewicht verleiht und weniger austauschbar macht. Andererseits (und das ist die größte Stärke des Snyder Cuts) nimmt sich der Film durch die Laufzeit unglaublich viel Zeit für seine Figuren, beleuchtet jedes Mitglied der Justice League und deren Hintergrundgeschichten und macht uns unsere Helden nahbarer als je zuvor. Während die 2017er Version es eilig hatte, die Justice League möglichst schnell zusammen zu bringen, um die Handlung weiterhetzen zu können, nimmt sich der Snyder Cut so viel Zeit, dass es möglich wäre, die Kinofassung in Gänze zu schauen, bevor sich in Snyder’s Version das erste Mal alle Helden zusammenfinden. Von allen Mitstreitern der Justice League profitiert besonders Neuzugang Cyborg (Ray Fisher) von der extra Dosis Charakterisierung. Zack Snyder gab selbst an, dass Cyborg das Herzstück seiner Version sei, was nun endlich erkennbar ist. Der von seiner Vergangenheit verfolgte und von Selbsthass zerfressene Mensch-Maschinen Hybrid bekommt im Snyder Cut kurzerhand eine Origin-Story spendiert und wird dadurch von der blassen, austauschbaren Figur, die lediglich als Plot-Device verwendet wird, zu einer greifbaren und tragischen Figur, die sich locker neben Größen wie Batman und Wonder Woman behaupten kann. "Du weißt eine Menge über Monster, nicht wahr? Besonders wie man sie erschafft." Cyborg in Zack Snyder's Justice League Aber auch Barry Allen aka. The Flash verkommt endlich nicht mehr zur absoluten Witzfigur und der dunkle Ritter Batman ist ebenfalls keine deplatzierte Gag-Schleuder mehr. So ist es eine wahre Freude, mehr über die Figuren zu erfahren und sie und ihre tollen Schauspieler in der gemeinsamen Interaktion zu erleben. Selbst Gegenspieler Steppenwolf, der in der Kinofassung kaum mehr als ein müdes Gähnen wert war, bekommt von Snyder eine mehrdimensionale Charakterzeichnung. Dabei ist der Film zwar immer noch weit von einer Figurentiefe wie in Logan oder The Dark Knight entfernt, aber nach den vier Stunden fühlt sich die Justice League nahbarer an denn je. Zac Snyder und die Liebe für Effekte Leider ist der Film jedoch nicht ausschließlich problembefreit. Wie schon in der 2017er Version ist Zack Snyder's Justice League eine computeranimierte CGI-Bombardierung für alle Sinne. In der einen Szene schwirren geflügelte Alien-Wesen durch den von einem gigantischen Lichtstrahl erleuchteten Himmel, während sich kurze Zeit später ganze Massen an CGI-Kreaturen in Herr der Ringe artigen Schlachten die Köpfe einschlagen. Dabei ist das CGI leider sehr Hit or Miss. Während manche Szenen wie Slow-Mo's von The Flash (mit Ausnahme der fliegenden Hotdog Wurst) wirklich toll inszeniert sind, fühlt sich der Film leider zu oft an, als würde ein Videospiel über die Leinwand jagen, was regelmäßig aus der Handlung rausreißt. Die neue Version ist zwar eine deutliche Verbesserung (siehe Steppenwolf) aber immer noch weit entfernt davon, perfekt zu sein. Neben der optischen Inszenierung fallen auch ein paar Fehltritte in der musikalischen Richtung deutlich auf. Manche Szenen driften durch bizarre Songauswahl tief in den Kitsch ab und einige neue Themen werden derartig oft genutzt, dass man sie nach spätestens drei der vier Stunden nicht mehr hören kann. Nach der Genialität eines Wonder Woman Motivs sucht man hier vergeblich. #ContinueTheSnyderCut Auch von den typischen DCEU Krankheiten, die sich durch fast alle Filme des Universums ziehen, bleibt Zack Snyder's Justice League nicht verschont . Denn DC's komplettem Filmuniversum fehlt es an Zeit und Aufbau. Stellt man den nachvollziehbaren Vergleich zwischen den Mutterboxen und Marvel's Infinity Stones an, fällt auf, wie wenig Zeit in die Etablierung dieser wichtigen Objekte gesteckt wurde. Sie verkommen zu bedeutungslosen McGuffins. Auch Darkseid, der nur einen Film später als großer Bösewicht seine Bühne bekommen sollte, verblasst neben der Präsenz und Backstory eines Thanos vollkommen. Nun, da wir nie eine Fortsetzung des Films sehen werden, bleibt der Snyder Cut ein Film voll ungenutztem Potenzial und Handlungssträngen, die ins Nichts führen. Das zeigt sich besonders in dem deplatzierten Epilog, der wie eine halbstündige Post-Credit Szene daherkommt und jeden Nicht-Comic-Fan in die absolute Verwirrung stürzten wird. Die Tatsache, dass Snyder für diesen extra nachdrehte und komplett neue Handlungsstränge erfand, obwohl er von dem Sackgassen-Charakter seines Filmes wusste, ist ein großes Fragezeichen. Außer natürlich, wenn uns doch noch mehr erwartet, als wir aktuell ahnen können... #ContinueTheSnyderCut? Fazit: Ein liebevolles Geschenk an DC-Fans Zack Snyder’s Justice League fand durch die Fans ins Leben und ist für eben diese Fans wie zugeschnitten. Natürlich ist der Film nicht das Meisterwerk, dass sich viele erträumten: Die Laufzeit könnte locker eine halbe bis Stunde kürzer sein, die Handlung strotzt noch immer nicht vor Originalität und das Ende kann unbefriedigend zurücklassen. Doch für diejenigen, die Jahre lang für diese Version kämpften, ist der Film wie ein episches Versöhnungsgeschenk voller tollen Charaktermomenten, explosiver Action und kleinen liebevollen Comic-Querverweisen. Fans können nun endlich die maue Kinofassung aus ihren Köpfen streichen und sich an Snyder’s kompletter Vision des Filmes erfreuen. Und wer weiß, vielleicht ist das noch nicht das Letzte, was wir von der Justice League gesehen haben.
    Kritik: Zack Snyder’s Justice League
    Handlung
    60%
    Charaktere
    85%
    Visuelle Umsetzung
    70%
    Action
    70%
    Schauspiel
    75%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 18.03.2021
    Filmlänge: 242 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , , , , ,
    Bildrechte: HBO Max
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Gesamtbewertung:

Ordentlich
72%

Mit dem Erscheinen von 'Zack Snyder's Justice League' fand eine der beispiellosesten Entstehungsgeschichten der Filmwelt ihr Ende. Drei Jahre lang kämpften Comic-Fans weltweit um die sagenumwobene, ursprüngliche 'Justice League'-Version, die nun endlich als vierstündiges Epos auf den heimischen Streamingdiensten erscheint. Ob der Film seinem gigantischen Hype gerecht werden kann oder ob die Entstehungsgeschichte das Interessanteste daran bleibt, erfahrt ihr in dieser Kritik.

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Worum geht's?

Zack Synder’s Justice League folgt in etwa demselben Grundgerüst, auf dem die Handlung der Kinofassung auch schon aufbaute. Nach Supermans Tod in Batman v Superman: Dawn of Justice erscheint der finstere Steppenwolf (Ciaran Hinds) auf der Erde, der im Auftrag des allmächtigen Darkseid (Ray Porter) auf der Suche nach drei mysteriösen Mutterboxen ist. Kombiniert sollen die Boxen die Macht haben, die ganze Erde dem Willen Darkseids zu unterwerfen. Nur Bruce Wayne (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) scheinen die aufkommende Gefahr zu spüren, weshalb sie sich auf die Suche nach weiteren Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten begeben, die die Erde vor der drohenden Invasion verteidigen könnten. So stoßen sie auf den blitzschnellen Barry Allen aka The Flash (Ezra Miller), Arthur Curry aka Aquaman (Jason Momoa) und den jungen Victor Stone (Ray Fisher), der durch eine tragische Hintergrundgeschichte zu einem Hybrid aus Mensch und Maschine wurde. Gemeinsam bilden die Helden die Justice League und stellen sich Steppenwolf und einer düsteren Zukunft der Erde gegenüber.

Aus alt mach neu?

Um kaum einen Film entstand in den letzten Jahren ein derartiges Geheimnis, wie um Zack Snyder’s Justice League aka den Synder Cut. Anfangs noch als rätselhafte und idealisierte Schnittfassung, von der die tatsächliche Existenz ein großes Fragezeichen war, bekannt, entwickelte sich um den Film allmählich ein immer größer werdender Hype, der von Fans, Cast-Mitgliedern und Synder selbst regelmäßig angefeuert wurde. So jagte bald eine große Ankündigung der nächsten nach und Schlagzeilen wie „Der Snyder Cut existiert“, „Die Fans erwartet ein 4-stündiges Epos der Extraklasse“ und „Ben Affleck kehrt für Nachdrehs zurück, obwohl er die Rolle des Batman schon aufgegeben hat“ verschleierten bald komplett, was wir denn tatsächlich vom Snyder Cut erwarten können. Auch Trailer mit fast ausschließlich neuem Bildmaterial und Neuigkeiten wie die Integration von Jared Leto’s Joker Interpretation in die Handlung, erzeugten die Illusion eines komplett neuen Filmes.

Bilder von DC-Oberbösewicht Darkseid und unzählige weitere Neuerungen scheinen nichts mehr mit der Kinofassung zu tun zu haben.

Nun, da wir endlich die Möglichkeit haben den Snyder Cut mit eigenen Augen zu sehen, sollte diese Erwartungshaltung von vornherein neu ausgerichtet werden. Denn der Film ist wie schon erwähnt keine komplett neue Geschichte! Immer noch geht es um die drei Mutterboxen und Gegenspieler Steppenwolf, der alles daransetzt, diese in die Finger zu bekommen. Der große finstere Strippenzieher Darkseid ist dabei keinesfalls ein neuer Hauptantagonist, sondern huscht ab und an auf der anderen Seite eines Portals vorbei oder zeigt sich in den wenigen Rückblenden. Immer noch machen sich Batman und Wonder Woman auf die Suche nach Verbündeten, um Steppenwolf Einhalt zu gebieten.

"Ich hatte einen Traum, fast wie eine Vorahnung, dass ein Angriff bevorsteht."

Bruce Wayne in Zack Snyder's Justice League

Die Handlung folgt dementsprechend denselben schwachen Grundpfeilern, wie die Kinofassung. Für all diejenigen, die mit der Jagd nach den austauschbaren Mutterboxen schon 2017 absolut nichts anfangen konnten, bedeutet das wahrscheinlich, dass sich das mit dem Snyder Cut nicht bedeutend ändern wird. Wie der Fantitel des Filmes schon verrät, ist der Snyder Cut eben eine erweiterte/ stark veränderte Version eines bestehenden Filmes und kein komplett neues Werk. Doch für alle anderen sei gesagt, dass Handlung nicht allein über die Qualität eines Filmes entscheidet, sondern die Art und Weise, wie diese erzählt wird, genau so viel, wenn nicht sogar mehr, wiegt. Und hier übertrifft Zack Snyder’s Justice League die Kinofassung um Lichtjahre.

Come Together

Der entscheidende Vorteil des Snyder Cuts liegt dabei tatsächlich in der abschreckend gigantischen Lauflänge, die die der ersten Fassung locker verdoppelt. Wo die 2017er Version sich anfühlte, als würde man eine austauschbare Superheldengeschichte auf Zeitraffer schauen, nimmt sich Zack Snyder alle Zeit der Welt, um den Konflikt des Filmes sorgfältig Schritt für Schritt aufzubauen. Dadurch gelingt es ihm, einerseits der Geschichte ein episches Ausmaß anzueignen, was dem Kampf gegen Steppenwolf mehr Gewicht verleiht und weniger austauschbar macht. Andererseits (und das ist die größte Stärke des Snyder Cuts) nimmt sich der Film durch die Laufzeit unglaublich viel Zeit für seine Figuren, beleuchtet jedes Mitglied der Justice League und deren Hintergrundgeschichten und macht uns unsere Helden nahbarer als je zuvor. Während die 2017er Version es eilig hatte, die Justice League möglichst schnell zusammen zu bringen, um die Handlung weiterhetzen zu können, nimmt sich der Snyder Cut so viel Zeit, dass es möglich wäre, die Kinofassung in Gänze zu schauen, bevor sich in Snyder’s Version das erste Mal alle Helden zusammenfinden.

Durch den langen Aufbau bekommen die Momente in denen sich all unsere Helden zusammenschließen endlich das Gewicht, dass sie verdienen.

Von allen Mitstreitern der Justice League profitiert besonders Neuzugang Cyborg (Ray Fisher) von der extra Dosis Charakterisierung. Zack Snyder gab selbst an, dass Cyborg das Herzstück seiner Version sei, was nun endlich erkennbar ist. Der von seiner Vergangenheit verfolgte und von Selbsthass zerfressene Mensch-Maschinen Hybrid bekommt im Snyder Cut kurzerhand eine Origin-Story spendiert und wird dadurch von der blassen, austauschbaren Figur, die lediglich als Plot-Device verwendet wird, zu einer greifbaren und tragischen Figur, die sich locker neben Größen wie Batman und Wonder Woman behaupten kann.

"Du weißt eine Menge über Monster, nicht wahr? Besonders wie man sie erschafft."

Cyborg in Zack Snyder's Justice League

Aber auch Barry Allen aka. The Flash verkommt endlich nicht mehr zur absoluten Witzfigur und der dunkle Ritter Batman ist ebenfalls keine deplatzierte Gag-Schleuder mehr. So ist es eine wahre Freude, mehr über die Figuren zu erfahren und sie und ihre tollen Schauspieler in der gemeinsamen Interaktion zu erleben. Selbst Gegenspieler Steppenwolf, der in der Kinofassung kaum mehr als ein müdes Gähnen wert war, bekommt von Snyder eine mehrdimensionale Charakterzeichnung. Dabei ist der Film zwar immer noch weit von einer Figurentiefe wie in Logan oder The Dark Knight entfernt, aber nach den vier Stunden fühlt sich die Justice League nahbarer an denn je.

Zac Snyder und die Liebe für Effekte

Leider ist der Film jedoch nicht ausschließlich problembefreit. Wie schon in der 2017er Version ist Zack Snyder's Justice League eine computeranimierte CGI-Bombardierung für alle Sinne. In der einen Szene schwirren geflügelte Alien-Wesen durch den von einem gigantischen Lichtstrahl erleuchteten Himmel, während sich kurze Zeit später ganze Massen an CGI-Kreaturen in Herr der Ringe artigen Schlachten die Köpfe einschlagen. Dabei ist das CGI leider sehr Hit or Miss. Während manche Szenen wie Slow-Mo's von The Flash (mit Ausnahme der fliegenden Hotdog Wurst) wirklich toll inszeniert sind, fühlt sich der Film leider zu oft an, als würde ein Videospiel über die Leinwand jagen, was regelmäßig aus der Handlung rausreißt.

Henry Cavill als Superman

Wie schon 2017 ist Justice League eine überladenes Effektgewitter.

Die neue Version ist zwar eine deutliche Verbesserung (siehe Steppenwolf) aber immer noch weit entfernt davon, perfekt zu sein. Neben der optischen Inszenierung fallen auch ein paar Fehltritte in der musikalischen Richtung deutlich auf. Manche Szenen driften durch bizarre Songauswahl tief in den Kitsch ab und einige neue Themen werden derartig oft genutzt, dass man sie nach spätestens drei der vier Stunden nicht mehr hören kann. Nach der Genialität eines Wonder Woman Motivs sucht man hier vergeblich.

#ContinueTheSnyderCut

Auch von den typischen DCEU Krankheiten, die sich durch fast alle Filme des Universums ziehen, bleibt Zack Snyder's Justice League nicht verschont . Denn DC's komplettem Filmuniversum fehlt es an Zeit und Aufbau. Stellt man den nachvollziehbaren Vergleich zwischen den Mutterboxen und Marvel's Infinity Stones an, fällt auf, wie wenig Zeit in die Etablierung dieser wichtigen Objekte gesteckt wurde. Sie verkommen zu bedeutungslosen McGuffins. Auch Darkseid, der nur einen Film später als großer Bösewicht seine Bühne bekommen sollte, verblasst neben der Präsenz und Backstory eines Thanos vollkommen.

DCEU Cast

Mit nur wenigen Filmen wollte DC wie Marvel sein. Doch an allen Ecken fehlt die Zeit.

Nun, da wir nie eine Fortsetzung des Films sehen werden, bleibt der Snyder Cut ein Film voll ungenutztem Potenzial und Handlungssträngen, die ins Nichts führen. Das zeigt sich besonders in dem deplatzierten Epilog, der wie eine halbstündige Post-Credit Szene daherkommt und jeden Nicht-Comic-Fan in die absolute Verwirrung stürzten wird. Die Tatsache, dass Snyder für diesen extra nachdrehte und komplett neue Handlungsstränge erfand, obwohl er von dem Sackgassen-Charakter seines Filmes wusste, ist ein großes Fragezeichen. Außer natürlich, wenn uns doch noch mehr erwartet, als wir aktuell ahnen können... #ContinueTheSnyderCut?

Fazit:

Ein liebevolles Geschenk an DC-Fans

Zack Snyder’s Justice League fand durch die Fans ins Leben und ist für eben diese Fans wie zugeschnitten. Natürlich ist der Film nicht das Meisterwerk, dass sich viele erträumten: Die Laufzeit könnte locker eine halbe bis Stunde kürzer sein, die Handlung strotzt noch immer nicht vor Originalität und das Ende kann unbefriedigend zurücklassen. Doch für diejenigen, die Jahre lang für diese Version kämpften, ist der Film wie ein episches Versöhnungsgeschenk voller tollen Charaktermomenten, explosiver Action und kleinen liebevollen Comic-Querverweisen. Fans können nun endlich die maue Kinofassung aus ihren Köpfen streichen und sich an Snyder’s kompletter Vision des Filmes erfreuen. Und wer weiß, vielleicht ist das noch nicht das Letzte, was wir von der Justice League gesehen haben.

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