Kommentar: MCU-Marathon mit einem Marvel-Neuling

Eine Super-Reise ins Unbekannte
Achtung: Spoiler!
Lesedauer: 6 Mins.

Wie muss es wohl für jemanden sein, der nichts mit Marvel-Filmen am Hut hat, das gesamte Marvel Cinematic Universe durchzuschauen? Anstrengend, enttäuschend, oder vielleicht sogar... ganz cool? Wir haben es ausgetestet und kamen zu einem überraschendem Ergebnis!

Das Marvel Cinematic Universe (MCU) hat sicherlich schon Milliarden von Menschen in seinen Bann gezogen. Als 2008 Robert Downey Jr. erstmals in seinem rot-goldenen Iron Man Anzug über die Kinoleinwände flog, ahnte weder das Publikum noch das Team hinter dem Film, was da gerade losgetreten wurde.

Im Jahre 2021 blicken wir auf 23 Spielfilme und 13 Serien zurück und können uns bereits auf insgesamt 23 weitere Filme und Serien freuen. Sehnlichst erwartet werden diese neuen Projekte von Fans weltweit, die sich an den Abenteuern der Avengers, Guardians of the Galaxy und Co. nicht mehr satt sehen können. Die scheinbar unmögliche Aufgabe, Comics und Superheld:Innen im Mainstream wieder cool zu machen, ist also geglückt.

Ausschnitt des Kinoplakats zu Marvel's Avengers Infinity War

Die wohl bekanntesten Kino-Held:Innen der letzten Jahrzehnte haben überall auf der Welt Fans.

Die Reise beginnt...

Und doch gibt es immer noch einige Menschen, die es bisher geschafft haben, wenige oder sogar gar keine Filme aus dem unvergleichbaren Popkulturphänomen namens MCU gesehen zu haben. Daran ist erstmal absolut nichts falsch, hinsichtlich des unglaublichen Erfolges der Filmreihe ist es aber doch irgendwie etwas Besonderes.

Wie es dann für so einen Menschen ist, sich alle 23 Filme des MCUs anzuschauen, habe ich jetzt live miterleben dürfen. In den kalten und grauen Wintermonaten 2020, die sich dank globaler Katastrophen besonders kalt und grau anfühlten, war es bei mir wieder Zeit für Superheld:Innen. Das bedeutete erstmals auch für meine Freundin, nennen wir sie mal Maria (wie in Agentin Maria Hill), dass sie die Reise in das MCU antreten würde.

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Also setzten wir uns mehr oder weniger regelmäßig vor meinen oder ihren Fernseher und schauten uns an, wie Iron Man und Co. den verschiedensten Schurk:Innen und schlussendlich dem Big Baddie Thanos (Josh Brolin) eins auf die Mütze gaben. Und bis wir schließlich zu dem Moment des letzten Schnipsens kamen, durchlebte Maria ein wahres Wechselbad der Gefühle.

The First Avenger: Civil War Team Stark

Mit Tony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.) hatte Maria anfänglich so einige Probleme.

Während der ersten Filme konnte sie sich so gar nicht mit dem arg von sich selbst überzeugten Tony Stark anfreunden. Die Sorge, dass ich sie heimtückisch dazu gebracht hatte, 23 Guilty-Pleasure-Filme zu schauen, in denen „coole Typen“ sich gegenseitig bis zum Geht-Nicht-Mehr prügeln, während hilflose Frauen gerettet werden müssen, ploppte kurz in ihrem Kopf auf. Doch das änderte sich, als die blonde Schönheit mit wallendem Haar namens Thor (Chris Hemsworth) den Bildschirm betrat. Der sympathische Draufgänger aus Asgard, insbesondere aber die freche Darcy Lewis (Kat Dennings) konnten ihr Herz schnell erobern.

Die mächtigsten Helden der Welt!

Nach Captain America: The First Avenger, der für sie der schlechteste MCU-Film ist (laut ihr ein langweiliger Kriegsfilm, in dem es nur darum geht, dass Männer sich beweisen müssen), kamen wir dann endlich zu dem ersten Kronjuwel: Marvel's The Avengers. Zum ersten Mal sah Maria, wie all die Held:Innen zusammenkamen und erste Anzeichen, worum es denn im großen Ganzen gehen würde, wurden sichtbar. Mit dabei waren natürlich auch ihre Lieblinge: Thor, Tony (der sich dank eines gut funktionierenden Redemption-Arcs aus der Scham-Ecke befreien konnte) und Natasha Romanoff aka Black Widow (Scarlett Johansson), die bis dato einzige weibliche Heldin des MCU.

Mit The Avengers (2012) hatte das MCU Maria endlich in seinen Bann gezogen.

The Avengers beschreibt Maria gerne als Turning-Point. Aus ganz netten Action-Filmen wurde plötzlich etwas Größeres, etwas stellenweise sogar Tiefsinnigeres, und im Mittelpunkt standen Charaktere, die sie inzwischen ins Herz geschlossen hatte. Der Weg für die weitere Reise war geebnet.

Das Ende naht

Fast Forward zum Anfang Februar, 2021: Nach 21 Filmen war es endlich soweit. Das Endgame stand nicht nur für die Avengers, sondern auch für Maria an. Auf dem Weg zu diesem Punkt hatte sie mit Gamora (Zoe Saldana), Wanda (Elizabeth Olsen) und Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) noch weitere Lieblinge eingesammelt, Stunden über Darcys „Mew Mew“-Witz in Thor: The Dark Kingdom gelacht und den emotionalen Schock, den Infinity War bei ihr hinterließ, halbwegs verarbeitet.

Mit Endgame erlebte Maria hunderte von Emotionen gleichzeitig. Nachdem die Credits (erstmals ohne die inzwischen heiß geliebte Post Credits Scenes!) über den Fernseher liefen, empfand sie, und ich zitiere, eine Leere und Trauer. So richtig bereit für das Ende dieser Reise, die sie im Schnelldurchlauf durchlebt hatte, war sie noch nicht. Zu lieb gewonnen hatte sie die Charaktere, von denen sie sich teilweise auch schon verabschieden musste. Zu investiert war sie in das Schicksal der verschiedenen Held:Innen, die sie durch den grauen und kalten Winter begleitet hatten. Endgame ist neben Marvel's The Avengers und Guardians of the Galaxy Vol. 2 übrigens auch einer ihrer MCU-Lieblingsfilme.

Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth) und weitere Avengers kämpfen ihre letzte Schlacht gegen Thanos.

Das spektakuläre Finale des MCU sorgte für eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle.

Und doch war sie glücklich darüber, dass sie sich dem Projekt „MCU“ gewidmet hatte. Die „Marvel-Formel“, also die Mischung aus starken Charakteren, Comedy, Action und Tiefe, gingen bei ihr voll auf. Endlich hat sich für sie das Mysterium rund um den MCU-Hype gelöst - jetzt verstand sie, warum alle auf diese Superheld:Innen-Filme abgehen wie auf frische Brötchen am Sonntag. Ändern würde sie an der Filmreihe, die die Kinolandschaft in den letzten Jahren maßgeblich prägte, im Nachhinein erstmal nichts. Das Projekt ist also geglückt. Puh.

"Ich wusste, dass das MCU existiert. Aber ich wusste nicht, dass es so cool ist!"

Maria während des MCU-Marathons

Und wie geht es weiter?

Doch wie sieht es mit der Zukunft der Reihe aus? Auf die Frage, die sich täglich Millionen von Fans stellen, hat auch Maria, die sich jetzt auch als MCU-Fan bezeichnen würde, keine Antwort. Doch einen Vorschlag hat sie trotzdem: Wie sähe es zum Beispiel damit aus, ein paar Geschichten über die weiblichen Held:Innen des MCU zu erzählen? Über 23 Filme ist das Filmfranchise nach wie vor noch sehr männerdominiert, einzig Captain Marvel (Brie Larson) schaffte es im Jahr 2019 zu einem Solo-Film.

Captain Marvel (Brie Larson) mit leuchtenden Augen

Captain Marvel (Brie Larson) ist bisher die einzige Heldin mit Solo-Film. Das soll sich gerne ändern!

Wenn in Zukunft auch die weiblichen Held:Innen in den Fokus rücken sollen, und das würde nicht nur sie freuen, dann aber bitte auch mit spannenden Geschichten. Weibliche Figuren sind nicht nur für Lovestories da, das hat Marvel an der ein oder anderen Stelle schon gezeigt. Und wenn sie hier jetzt weitermachen, dann ist die Zukunft gesichert. Ach ja, und wenn die Avengers in der ein oder anderen Form mal wieder über den Bildschirm wandern, hätte sie da auch absolut nichts gegen einzuwenden.

Ich bin mir jedenfalls sicher, dass ich nicht alleine an der Kasse stehen werde, wenn Black Widow es dieses Jahr tatsächlich in die Kinos schaffen sollte. Das MCU hat also nicht nur einen neuen Fan gewonnen, ich habe auch einen weiteren Menschen gefunden, mit dem ich meine Leidenschaft für Superheld:Innen-Filme teilen kann. Und Teilen bringt ja bekanntlich viele Vorteile. Maria ist in jedem Fall froh darüber, diese große Popkultur-Lücke geschlossen zu haben und ich schwöre hoch und heilig: Wenn der Kate-Winslet-Marathon ansteht, bin ich der Letzte, der Nein sagt.

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