7.5/10

Episodenguide: Ms. Marvel – Staffel 1 (Kritik)

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Genres: Comic, Coming-Of-Age, Startdatum: 08.06.2022

Interessante Fakten für…

  • Das erste MCU-Projekt, bei dem die Hauptrolle mit einer Schauspielerin besetzt wird, die keine vorherige Schauspielerfahrung hat.
  • Ms. Marvel (Kamala Khan) ist die erste muslimische Live-Action-Heldin von Marvel.

Mit Ms. Marvel als erste muslimische Superheldin des MCU bringt das Studio eine neue Perspektive ein und spricht dabei explizit eine jüngere Zielgruppe an. Ob das aber für alle Altersgruppen funktioniert und sich lohnt? Wir finden es heraus!

Dieser Artikel wurde in Ko-Produktion durch folgende Autoren erstellt:

Folge 1: ‚Avengercon‘

Originaltitel: Generation Why

Erscheinungsdatum: 08.06.2022

Darum geht’s

Die amerikanisch-pakistanische Teenagerin Kamala Khan (Iman Vellani) steckt genau in dem Alter, worin man kein Kind, aber irgendwie auch noch nicht erwachsen ist. Ihre Eltern teilen und verstehen ihre Interessen nicht, in der Schule soll sie sich Gedanken über ihre Zukunft machen und mit ihren Mitschüler:innen ist es auch nicht einfach. Halt und Ablenkung von dem Chaos in ihrem Teenager-Leben bieten ihr bester Freund Bruno (Matt Lintz) und ihre Liebe zu den Avengers, insbesondere Captain Marvel. Bruno und Kamala sitzen bereits an ihren Cosplays für die erste „Avengercon“. Das einzige Problem: Kamalas Eltern. Da sie den Cosplay-Wettbewerb am Ende als Party interpretieren, lassen sie sie nicht gehen. Dennoch schleicht sie sich davon und gibt ihrem Cosplay noch in letzter Minute einen persönlichen Touch: ein Armreif ihrer Oma. Als sie diesen vor dem Wettbewerb anlegt, bekommt sie unerwartet Kräfte, die sie auf der Bühne nicht kontrollieren kann. Im verursachten Durcheinander, verlassen Bruno und Kamala die Convention. Zuhause angekommen wartet bereits ihre Mutter (Zenobia Shroff) auf sie. Kamala wird dazu ermahnt, aufzuhören in ihrer Traumwelt zu leben und endlich in der Realität anzukommen.

In der Mid-Credit-Scene sehen wir die Detectives P. Cleary (Arian Moayed) und Sadie Deever (Alysia Reiner), die ein Video von Kamalas Auftritt auf der Avengercon ansehen und daraufhin beschließen, sie aufzusuchen und festzunehmen.

Süß, süßer, Kamala

Erste Folgen, wenn der:die Held:in neu etabliert werden muss, sind immer verflucht. Handlung muss meistens Erklärungen und Herleitungen, sowie der Etablierung neuer Charaktere weichen. Manche Serien schaffen es, die ersten Folgen so zu gestalten, dass man direkt weiß, wohin die Serie führen wird und man tolle Einblicke in die Handlung bekommt. Zwar gehört diese Pilotfolge nicht zu den Besten ihrer Art, doch wir kriegen direkt einen Geschmack von der visuellen Schlagkraft der Serie.

Graffities, die Worte bilden und die Nachrichten auf Kamalas Handy darstellen, fliegende Comicfiguren auf Papier die durch das Bild fliegen und unterstreichen, was gerade gesagt wird: das Kreativteam hat ganze Arbeit geleistet, Ms. Marvel möglichst bunt und abwechslungsreich zu gestalten. Zwar wirkt die Serie dadurch auch teilweise überladen, aber es fühlt sich nahezu gewollt an. Als würden die Macher:innen versuchen, das Chaos in Kamalas Kopf auf den Bildschirm zu bringen.

Sonst sehen wir bereits viele, liebenswerte Charaktere, allen voran Kamala, sowie eine schöne Dynamik innerhalb und außerhalb der Familie Khan. Durch die Mid-Credit Scene wurde der Hauptkonflikt der Serie angedeutet, er ist aber noch nicht ganz ersichtlich. Doch alles in allem kann man sich auf eine neue Folge mit Feel-Good Charakter freuen.

Folge 2: ‚Volltreffer‘

Originaltitel: Crushed

Erscheinungsdatum: 15.06.2022

Darum geht’s

Der erste freudige Schock über die frisch-erwachten Superkräfte ist verdaut und für Kamala geht das chaotische Teenagerinnenleben weiter: Da wäre zum einen die Schule, in der sie auf den neuen Schüler Kamran (Rish Shah) trifft, der sie zum Missfallen von Bruno zu Fahrstunden einlädt.

Nebenbei versuchen Kamala und Bruno, der es ohne Kamalas Wissen in ein besonderes Förderprogramm der Caltech geschafft hat, herauszufinden, was denn genau ihre Kräfte sind und stellen dabei mit Freude fest, dass die Kräfte nicht im Armband, sondern in Kamala selbst ihren Ursprung haben. Doch so richtig unter Kontrolle hat Kamala ihre Kräfte noch nicht. Superheldin wird man eben doch nicht mal eben über Nacht…

Und außerdem wäre da noch das Leben in der bunten, muslimischen Gemeinde. Zwischen Diskussionen mit dem Imam und Tratsch mit den „Illumi-Aunties“ hilft Kamala ihrer besten Freundin Nakia (Yasmeen Fletcher) bei der Kandidatur für den Moschee-Rat. Als bei den Feierlichkeiten zu Eid Mubarak ein kleiner Junge in Lebensgefahr gerät, sieht Kamala kein andere Möglichkeit als ihn mithilfe ihrer neuen Kräfte zu retten. Doch die kleine Rettungsaktion ruft die Detectives Cleary und Deever auf den Plan…

Auch Superheld:innen können Repräsentation

Was vielversprechend angefangen hat, geht vielversprechend weiter: Während man sich in der unterhaltsamen Pilotfolge noch der Etablierung der neuen Charaktere und des neuen visuellen Stils widmete, geht Volltreffer den nötigen nächsten Schritt und zieht das Publikum mit aufkommenden Mysterien rund um Kamalas familiäre Vergangenheit und der zunehmende Bedrohung durch die Detectives Cleary und Deever vollends in die neuste Marvel Serie. Besonders spannend dürfte auch werden, wie Kamala in ihre neue Rolle als Superheldin wächst – das scheint nämlich nicht so glatt zu laufen wie zuvor gedacht.

Darüber hinaus bleibt Ms. Marvel dem zu Beginn etablierten Ton treu und erzählt eine moderne, leichtherzige Coming-of-Age-Geschichte über ein junges Mädchen – Irrungen und Wirrungen mit Familie, Freund:innen und der eigenen Identität inklusive. Unterstrichen wird das Ganze toll von einem frischen visuellen Stil, der sich merkbar an Spider-Man: A New Universe orientiert, und sehr gut mit dem leichteren, fröhlicheren Ton der Serie einhergeht.

Was an Volltreffer aber besonders positiv auffällt, ist die bereits in der ersten Folge gelungene Darstellung von muslimischem Leben abseits von Klischees. Oftmals vermitteln Filme ein sehr restriktives Bild des Islams, der meist auf Terrorismus und Unterdrückung reduziert wird. Ms. Marvel aber zeigt auf, dass der Islam und muslimische Gemeinden eben nicht mit Unterdrückung gleichzusetzen sind, sondern auch Orte der Freude, des Haltes, der Zusammenkunft und Entfaltung sein können. Die Serie zeigt so einen weitaus realitätsnäheren Islam, ohne sich vor Diskussionspunkten wie der Position der Frau innerhalb der Gemeinde wegzuducken. Ein toller und wichtiger Schritt in Sachen Repräsentation, von dem sich andere Filme und Serien gerne eine Scheibe abschneiden können!

Folge 3: ‚Bestimmung‘

Originaltitel: Crushed

Erscheinungsdatum: 22.06.2022

Darum geht’s

Im letzten Moment schafft es Kamran Kamala vor der Polizei zu retten. Doch er ist nicht der Einzige im Auto. Najma (Nimra Bucha), die Kamala zuvor in einer Vision gesehen hat, sitzt auf der Rückbank. Als ob das noch nicht reicht, eröffnet er Kamala, dass Najma seine Mutter sei. Sie und Kamran erklären ihr, dass sie einer anderen Dimension angehören, der Noor Dimension (ein Alias der Light Dimension aus den Comics). Sie selbst bezeichnen sich als sogenannte „Djinn“.

Die ein oder anderen verbinden mit diesem Begriff den netten Flaschengeist aus Aladdin. Doch eigentlich ist dieser Begriff sehr negativ belastet, da sie im Islam als Dämonen bekannt sind. Kamalas Reaktion nach zu urteilen, ist auch sie nicht übermäßig begeistert von der Tatsache, selbst ein Djinn zu sein. Dies erklärt jedoch, dass die Kräfte von ihr kamen und das Armband diese nur verstärkt und entfesselt. Nun will die Gruppe an Djinn mithilfe von Kamalas Kräften in ihre Dimension zurückkehren… um jeden Preis.

Kamala bespricht sich mit Bruno, der ihr bei der Recherche helfen soll. Es stellt sich schnell heraus, dass das Öffnen eines solchen Portals viele Risiken mit sich bringt. Najma wird jedoch ungeduldig. Sie versucht, Kamala auf der Hochzeit ihres Bruders zu überraschen und sie zu zwingen. Kamran kann Kamala rechtzeitig warnen, die den Feueralarm auslöst und damit die Gäste in Sicherheit bringt.

Es folgt ein Kampf, dem Kamala und Bruno gerade so entkommen können. Die beiden Detectives nehmen die Gruppe an Djinns fest und durch Zufall kriegt später Nakia mit, wie Kamala ihre Kräfte nutzt.

Zurück zu Hause bekommt sie einen Anruf ihrer Oma Sana (Samina Ahmed), die etwas im Zusammenhang mit Kamalas Kräften zu wissen scheint und ihre Mutter und sie anweist, nach Karatschi zu reisen.

Wholesome Tragedy

Langsam nimmt die Handlung Fahrt auf! Marvel versucht hier geschickt die Inhuman-Hürde zu umgehen und Ms. Marvel eine neue Entstehungsgeschichte zu geben. Stellt man nun den Terrigen-Nebel, der in den Comics Kamala ihre Kräfte gibt, Djinns aus der Noor Dimension gegenüber, würde ich glatt die Djinns wählen! Leider entschieden sich hier die Macher:innen die meisten Informationen zu erklären als zu zeigen, wodurch die Folge an einigen Stellen etwas durchhängt. Doch der Ausgleich folgt schnell. Mit einer grandiosen Bollywood Szene bekommt die Hochzeit von Kamalas Bruder einen witzigen und schönen Familienmoment, wodurch einem Kamalas Familie nur noch mehr ans Herz wächst. Schnell schlägt hier jedoch die Stimmung um und es folgt ein heftiger Kampf. Hier büßt die Serie durch ihre süße, Disney-Wholesome Art an Spannung ein. Man erwartet an keinen Punkt, dass jemand ernsthaft verletzt wird oder gar umkommt. Das trägt natürlich wieder zu der geliebten Leichtigkeit bei und kann daher als negativer und positiver Punkt gesehen werden.

Dazu kommen noch clever verpackte, gesellschaftskritische Themen mit tollen „hat er nicht gesagt!“-Momenten. Ms. Marvel setzt hier Themen wie Racial Profiling ein und regt damit zum Denken an, ohne dabei seinen leichten Teenager-Charakter zu verlieren.

Folge 4: ‚Rot sehen‘

Originaltitel: Seeing Red

Erscheinungsdatum: 29.06.2022

Darum geht’s

Dem Anruf von Oma Sana folgend reist Kamala mit ihrer Mutter Muneeba nach Karatschi, Pakistan. Dort durchlebt Kamala nicht nur eine kleine Identitätskrise: von Sana erfährt sie, dass das Armband ihr eine wichtige Nachricht zu vermitteln versucht.

Während Sana und Muneeba versuchen, alte familiäre Wunden zu heilen und Kamala den für ihre Familie so prägenden Bahnhof in Karatschi streift, trifft sie auf Kareem (Aramis Knight), der sich nach anfänglichem Kampf als Mitglied der Red Bagger zu erkennen gibt, die seit Jahrhunderten einen Kampf gegen die Clandestines, zu denen auch Najma gehört führt. Waleed (Farhan Akhtar), Anführer der Red Dagger, erklärt Kamala, dass die Rückkehr der Clandestines in die Noor-Dimension das Ende von dieser Dimension bedeuten würde – ein Grund mehr Najmas Wunsch nicht folge zu leisten.

Leider haben es die Clandestine inzwischen geschafft, aus der Gefangenschaft des DODCs auszubrechen und gelangen nach Karatschi, wo sie bei der Jagd nach Kamala Waleed scheinbar ermorden. Als Najma versehentlich Kamalas Armband beschädigt, wird die verwirrte Teenagerin scheinbar in der Zeit zurückgeworfen und findet sich inmitten der Teilung Indiens wieder.

Das beste aus zwei Welten 

Rot sehen überzeugt in vielerlei Hinsicht: Zum einen erweitert die vierte Episode das Mysterium und die Geschichte rund um Kamalas Kräfte und deren Verstrickungen mit dem großen Multiversumsthema, welches das MCU in Phase 4 hauptsächlich beschäftigt, auf spannende Art und Weise. Wermutstropfen bleiben einige Plots (Stichwort Red Dagger), die etwas zu schnell abgefrühstückt werden, die sich etwas schleppend entwickelnde Handlung und die Problematik rund um das Thema „Ms. Marvel ist ein Djinn“, die nach wie vor relativ unkommentiert und unreflektiert bleibt.

Zum anderen, und das ist es, was Ms. Marvel von Beginn an so besonders gemacht hat, bleibt Rot sehen unglaublich nah an Kamala und ihren Gedanken, Gefühlen und Problemen. Selten wurde beispielsweise die Identitätskrise, die Menschen und Familien mit Migrationsgeschichte haben, so verständlich aufgegriffen – die Gespräche zwischen Sana, Muneeba und Kamala sind die wahren Highlights der Episode. Das sowas in einer Marvel-Serie passiert – wir sind positiv überrascht!

Durch die Kombination dieser Erzählstränge, die zum einen sehr persönlich wirken und sich zugleich aber gut in Phase 4 einfügen, formt sich Ms. Marvel immer mehr zu einer Serie, die sowohl für Neueinsteiger:innen als auch für alteingesessene MCU-Fans etwas zu bieten hat und zugleich einer neuen Heldin einen hoffentlich lange währenden Platz im MCU sichert.

7.5/10
Ordentlich
Community-Rating: (1 Votes)
Folge 1 7.1/10
Folge 2 7.6/10
Folge 3 7.5/10
Folge 4 7.9/10
Details:

Artikel vom 2. Juli 2022

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