Topliste: Die besten Pilotfolgen

Pilotfolgen – Mittel zum Zweck oder hidden Gems?
Spoilerfrei!
Lesedauer: 16 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte

Oft sind Pilotfolgen nichts weiter als eine notwendige Hürde, die überwunden werden muss, um Zugang zu einer neuen Serie zu finden. Doch nicht selten enthalten die ersten Schritte einer Serie zahlreiche spannende Elemente, die tief in die kommende Handlung blicken lassen. Die Liste zeigt euch 14 Folgen, die die perfekte Einleitung für ihre Serie darstellen.

Aller Anfang ist schwer

Kaum einem Serienjunkie wird das Problem fremd vorkommen: Die aktuelle Lieblingsserie neigt sich dem Ende zu. Über zahlreiche Folgen, oder sogar Staffeln, haben wir mit unseren lieb gewonnen Figuren gelacht oder gelitten, schockierende Wendungen und Enthüllungen verschlugen uns den Atem und die fremde Welt der Fiktion hat sich schon beinahe wie die eigene Heimat angefühlt. Doch so sehr wir es uns wünschen mögen, keine Serie weilt ewig, und nun, nach all der Zeit, laufen unter Begleitung der altbekannten Outro Musik das letzte Mal die Credits über den heimischen Bildschirm. Schließlich dämmert spätestens nach dem Ausbleiben der heiß geliebten Netflix-Autoplay-Funktion die Erkenntnis: Eine neue Serie muss her!

Oft braucht es einiges an Zeit, Geduld und mehrere Ausflüge in den Katalog des bevorzugten Streaming-Dienstes, bis sich wieder ein ähnliches Gefühl bei einer Serie einstellt. Doch ab und an kann es passieren, dass der Begeisterungsfunken schon nach wenigen Momenten überspringt und die neu entdeckte Serie eine augenblickliche Sogwirkung entwickelt. Ob dies gelingt, liegt zum Großteil an den sogenannten Pilotfolgen. Neben ihrer ursprünglichen Funktion, einen Eindruck der Serie an potenzielle Geldgeber:innen zu vermitteln, ist eine Pilotfolge auch der zwangsläufige Startschuss einer Serie. Sie ist Ground Zero einer brandneuen Handlung, Ästhetik und Figurenkonstellation. So muss sie mit zahlreichen Elementen gleichzeitig hantieren und sie zu einer Gesamtkomposition zusammenfügen, die möglichst viele Zuschauer:innen begeistert und zum Weiterschauen animiert.

"Man erinnert sich eigentlich nie genau an den Anfang eines Traums, nicht wahr? Man ist immer plötzlich mitten drin in dem, was passiert."

Dom Cobb in Inception

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Nicht vielen Serien gelingt die Pilot-Punktlandung, wodurch erste Folgen oft nicht den besten Ruf haben, doch diese Liste soll beweisen, dass das nicht immer so sein muss. Warum die folgenden 14 Pilotfolgen auf unterschiedlichste Weisen die perfekte Einleitung für die darauffolgende Serie sind, erfahrt ihr in dieser Topliste.

14. Pilot – Arrested Development

Genre: Komödie
Staffeln der Serie: 5

Worum geht’s?

Was sind die zwei wichtigsten Werte in einer Familie? Wenn man die Mitglieder der Familie Bluth fragen würde, dann wäre die Antwort wohl „Das Firmenscheckbuch“ und „Die jeweils eigenen Interessen“. Keiner der Bluths scheint auch nur einen Gedanken an das Wohlbefinden der anderen zu verschwenden, bis Familienoberhaupt George (Jeffrey Tambor) wegen Betruges plötzlich hinter Gitter wandert, und die Familie lernen muss, zusammenzuarbeiten, um die Firma und den eigenen Wohlstand zu sichern.

Die Punktladung in kürzester Zeit

Während es herkömmliche Serien schon mehr als schwer haben, eine perfekte Pilotfolge zu erzählen, stehen Sitcoms vor einer umso größeren Herausforderung. Durch die typische Laufzeit von ca. 20 Minuten bleibt ein geringes Zeitfenster, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Zusätzlich leben Sitcoms nicht selten davon, dass die Zuschauer:innen erst mit der Zeit näher an die Figuren und Themen heranwachsen, wodurch nicht wenige Vertreter des Formats eine anfängliche Findungsphase benötigen. Doch von all diesen Problemen fehlt bei Arrested Development jede Spur. In kürzester Zeit etabliert die Serie ihren ikonischen Erzählstil und gibt einen urkomischen Eindruck in die selbstsüchtige Familie Bluth, bei dem kein Familienmitglied zu kurz kommt. Das Bild von dem, was Arrested Development zur zeitlosen Kultkomödie machen sollte, stand bereits vor und während Folge 1 felsenfest und wurde makellos umgesetzt.


13. Ein Fall von Pink – Sherlock

Genre: Krimi
Staffeln: 4

Worum geht’s?

Nach seiner Rückkehr aus dem Afghanistankrieg ist Militärarzt Dr. John Watson (Martin Freeman) auf der Suche nach einer preiswerten Unterkunft. Durch eine zufällige Begegnung mit einem alten Bekannten trifft er auf den Privatdetektiv Sherlock Holmes (Benedikt Cumberbatch), mit dem er gemeinsam in die legendäre Wohnung Baker Street 221B zieht. Schon bald nach ihrem ersten Treffen werden die beiden frisch gebackenen Mitbewohner in die Ermittlung einer mysteriösen Selbstmordreihe verwickelt.

Das Alte im neuen Gewand

Besonders durch die parallel erscheinenden Kinofilme mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle, stand Sherlock vor der großen Herausforderung, Holmes und Watson neu zu etablieren und gleichzeitig genug Neues für die eigene Daseinsberechtigung zu wagen. Ein Fall von Pink meistert diese Balance, indem die Folge bereits existierende Facetten der allseits beliebten Figuren herauspickt und komplett überspitzt. So wird der schon immer spezielle Sherlock zum selbstsüchtigen, von absurden Fällen besessenen Unsympath, den wir inzwischen lieben gelernt haben und fest mit der Rolle assoziieren. Noch besser wirkt diese Neuauflage der Figur dadurch, dass der sozial inkompetente Privatdetektiv aus der Vergangenheit in die Gegenwart katapultiert wird, was uns die herrliche Absurdität der Figur nur noch mehr vor Augen führt. Kombiniert mit einem spannenden Mordfall beweist Ein Fall von Pink, dass selbst das zwanzigste Remake nur einen cleveren Ansatz braucht, um immer noch zu fesseln.


12. Serenity – Firefly

Genre: Science-Fiction, Western, Komödie
Staffeln: 1

Worum geht’s?

Die Crew des Raumschiffs Serenity rund um Captain Malcolm Reynolds (Nathan Fillion) erbeutet bei der Plünderung eines Raumschiffswracks haufenweise Schmuggelware, die ihnen ihr Käufer überraschend nicht mehr abkaufen will. Nun muss sie alles daran setzen, die illegale Ladung schnellstmöglich loszuwerden. Um wie ein Personentransport auszusehen, nimmt die Serenity für ihre Reise zu der neuen Käuferin mehrere Passagiere auf, die sich jedoch als alles andere als gewöhnliche Mitreisende herausstellen. Auf ihrer gemeinsamen Reise sollen sich einige Geheimnisse der Crew-Neuzugänge lüften und die Familie der Serenity wird sich erweitern.

Die Familie

Die Prämisse von Firefly klingt im ersten Moment eher befremdlich. Helden im Westernlook, die in Raumschiffen durchs Weltall reisen weckt eher Assoziationen zu Trash DVDs in der 1 Euro Abteilung, als zu einem zeitlosen Serienklassiker. Doch nach der spielfilmlangen Pilotfolge, die vom Sender aus einer krassen Fehlentscheidung heraus nicht als erstes ausgestrahlt wurde, ist eines klar: Es braucht mehr Space-Cowboy Serien! Die Crew der Serenity ist so sympathisch und harmonisch inszeniert, dass sie selbst die ikonischsten Weltraumcrews in den Schatten stellt. Jede Figur bekommt innerhalb von Serenity eigene Mysterien und Motivationen und genug Zeit, um sich als alleinstehender Charakter zu behaupten, doch das feste Band, dass sie nach dieser Folge verbindet und für die kommenden Abenteuer wappnet, ist die riesige Stärke der Serie, die Fans selbst Jahrzehnte nach ihrer Absetzung noch nach einer Fortsetzung verlangen lässt. Wer Firefly gesehen hat, der wird sich kaum darüber wundern, dass Joss Whedon als Spezialist für Teamdynamik in die Geschichte einging.


11. Happy Birthday – This is Us

Genre: Tragikomödie
Staffeln: 5

Worum geht’s?

Jack (Milo Ventimiglia) und seine Frau Rebecca (Mandy Moore) erwarten die Geburt ihrer Drillinge, Kate (Chrissie Metz) leidet unter ihrem starken Übergewicht, Kevin (Justin Hartley) schmeißt aus einem Impuls heraus die Hauptrolle in einer erfolgreichen Fernsehserie und Randall (Sterling K. Brown), der bei Adoptiveltern aufwuchs, nimmt nach Jahren Kontakt mit seinem biologischen Vater auf. Auf den ersten Blick scheint nichts die Charaktere zu verbinden, außer ihr gemeinsamer Geburtstag. Denn Jack, Kevin, Kate und Randall werden alle gleichzeitig 36. Davon wie unterschiedlich sie ihren großen Tag verbringen und wie viel sie eventuell doch gemeinsam haben, erzählt Happy Birthday.

Der geniale rote Faden

Das Herzstück von This is Us sind ohne Frage die Figuren und deren emotionale Reise. Daraus folgt ein klares Ziel, welches die Pilotfolge erreichen muss: uns für die Charaktere und ihr Innenleben zu begeistern. Allerdings droht bei der Zahl an verschiedenen Einzelschicksalen das Risiko einer komplett überfrachteten Folge. Die Lösung, die Happy Birthday dafür findet, ist eine thematische Verknüpfung aller Handlungsstränge, die wie ein roter Faden durch die Episode führt: der namensgebende Geburtstag aller Figuren. Entlang dieser Kernthematik gelingt es der Folge, die einzelnen Schauplätze wie aus einem Guss zu erzählen und clevere Berührungspunkte zwischen den Figuren zu schaffen. Durch diese grandiose Rahmung gelingt es der Folge, alle wichtigen Elemente zu etablieren und gleichzeitig eine gefühlvolle Kurzgeschichte über die unsichtbaren Brücken scheinbar Fremder zu erzählen, die in einer fantastischen Schlusssequenz endet.


10. Desfred – The Handmaid's Tale

Genre: Drama, Dystopie
Staffeln: 4

Worum geht’s?

Als der Großteil der Frauen durch eine sexuell übertragbare Krankheit plötzlich ihre Furchtbarkeit verlieren, bricht die Gesellschaft rapide in sich zusammen. Aus dem Chaos eines darauffolgenden Bürgerkrieges formt sich in den ehemaligen vereinigten Staaten der religiös faschistische Staat Gilead, der Frauen brutal unterdrückt. Desfred (Elisabeth Moss), eine der wenigen noch fruchtbaren Frauen, gerät in dieses System und wird der wohlhabenden Familie Waterford als Magd zugeordnet. Still erduldet Desfred den unmenschlichen Terror, der ihr täglich widerfährt und wartet auf ihre Chance, auszubrechen, um ihre verlorene Familie wiederzufinden.

Die hypnotisierende Dystopie

The Handmaids Tale wandert auf einem schmalen Grat, der die Serie immer wieder in Gefahr laufen lässt, durch ihre erdrückende Grausamkeit zu überfordern. Der Anfang von Desfreds Geschichte ist fast ausschließlich negativ und bis zum Ende überwältigend hoffnungslos. Doch die atemberaubend ästhetische Inszenierung, die die Welt von Gilead in ruhige Bilder der melancholischen Grausamkeit hüllt, macht es unmöglich, den Blick abzuwenden. So bleibt die erste Folge von The Handmaids Tale als ein unglaublich eindrucksvolles und intensives Seherlebnis im Gedächtnis, das zahlreiche relevante Themen anspricht und mit einer beispiellos komplex ausgearbeiteten dystopischen Welt besticht.


9. _hellofriend.mov – Mr Robot

Genre: Thriller, Drama
Staffeln: 4

Worum geht’s?

Während der geniale Hacker Elliot (Rami Malek) tagsüber bei einer Cybersicherheitsfirma arbeitet, nutzt er nachts seine Talente, um Kriminellen aus seiner von Bildschirmen erhellten Wohnung das Handwerk zu legen. Als er während eines besonders schweren Hackangriffs auf einen Klienten seines Arbeitgebers eine versteckte Nachricht zwischen den Zeilen des Hacks findet, stößt er auf die geheime Hackergruppe F-Society, die die kapitalistischen Grundpfeiler der Gesellschaft durch einen Hackangriff niederreißen will.

Das Mastermind

So interessant und packend der Beginn von Elliot Aldersons Geschichte inszeniert und gespielt ist, so herkömmlich scheinen die Handlungsmuster, derer sich die Folge bedient. So würde man denken, wenn man sich kaum oder nur wenig über _hellofriend.mov hinauswagt. Wie genial der erste Schritt der vier Staffeln umfassenden Charakterstudie jedoch tatsächlich ist, ergibt sich in der Retrospektive und durch den Kontext der gesamten Serie.  Wir alle kennen diese Filme, die bei jedem Rewatch zu neuen Entdeckungen einladen und immer wieder durch ihre Detailverliebtheit beeindrucken. Doch wenn es darum geht, bereits mit der allerersten Serienfolge auf Staffeln entfernte Entwicklungen anzuspielen und sogar Bezüge zu den letzten Folgen der gesamten Serie herzustellen, kann niemand Mr. Robot das Wasser reichen. Die Pilotfolge von Mr Robot ist ein Paradebeispiel für haargenaue Planung und steckt voller tiefschürfender Relevanz für die gesamte Handlung.


8. Das Original – Westworld

Genre: Science-Fiction, Western
Staffeln: 3

Worum geht’s?

Willkommen in Westworld, ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten, wo du alles sein oder werden kannst, wonach deine Träume verlangen! Westworld entführt uns in den titelgebenden „Vergnügungspark“, der es sich zum Ziel macht, den Besucher:innen die Welt des wilden Westens bis ins kleinste Detail erlebbar zu machen. Dafür entwickelten die Schöpfer des Parks sogenannte Hosts, künstliche Intelligenzen in täuschend echten menschlichen Hüllen, die den Park in vorgeschriebenen Rollen bevölkern. Der Park läuft reibungslos, bis ein kleiner Glitch innerhalb eines Updates der Hosts Veränderungen hervorruft, mit denen niemand gerechnet hätte.

A whole new World

Eine der schönsten Seiten am Entdecken einer neuen Serie ist das Eintauchen in eine neue Welt. Die Details und Regeln eines fremden Universums zu erforschen und mit Begeisterung über gigantische, wunderschöne Schauplätze zu staunen. Dafür, dass das gelingt, braucht es eine fesselnde Grundidee und gutes Wordlbuilding, zwei der größten Stärken von Westworld, die besonders in Das Original zum Ausdruck kommen. Anstatt uns ungeschützt vor den gigantischen Berg an Ideen und Konzepten zu setzen, beginnt Westworld im Kleinen und lässt uns die Welt vorerst nur durch die Augen der Hosts betrachten. Dadurch lernen wir den faszinierenden Park kennen, bevor die Serie allmählich immer weiter herauszoomt, um uns eine Facette der Welt nach der anderen vorzustellen. So gelingt es der Serie eine hochkomplexe Welt in nur einer Folge perfekt zu etablieren und gleichzeitig für einige überraschende Wendungen zu sorgen, die uns die Regeln dieser Welt auf oft schockierende Art und Weise vor Augen führen.


7. Das Krokodil-Dilemma – Fargo

Genre: Krimi, Drama
Staffeln: 4

Worum geht’s?

Zu behaupten, dass Lester Nygaard (Martin Freeman) eine kleine Pechsträhne hat, wäre noch maßlos untertrieben. Seine Frau verabscheut ihn, sein Bruder hat im Gegensatz zu ihm das große Geld gemacht und zu allem Überfluss bricht er sich bei einer Konfrontation mit seinem alten Schulfeind Sam Hess (Kevin O’Grady) noch die Nase. Als er während des darauffolgenden Krankenhausbesuches jedoch den geheimnisvollen Fremden Lorne Malvo (Billy Bob Thronton) kennenlernt, nimmt Lesters Leben und sein Selbstbewusstsein eine radikale Wendung. Was mit einem beiläufigen Wartezimmergespräch beginnt, führt bald zu einem tödlichen Dominoeffekt, auf den die verschneite Kleinstadt in Minnesota kaum vorbereitet ist.

Die Extravaganz

Was den ursprünglichen Fargo-Film so ikonisch machte, waren die skurrilen Gestalten und die Handlung, die meist von unglücklichen Zufällen oder Missgeschicken vorangetrieben wurde. Ansätze, die die Serie besonders in Staffel 1 so brillant umsetzt, dass sie den Film sogar übertrifft. Das Krokodil-Dilemma beginnt mit einer trügerischen Ruhe, einer fast schon trägen Harmlosigkeit. Doch schon bald ist der erste Schritt in Richtung Katastrophe getan, was ein Lauffeuer von Ereignissen entzündet, welches die Normalität in Windeseile vor uns in Flammen aufgehen lässt. Dabei gehört Übertreibung zu den typischen Stilmitteln der Serie, die die Absurdität der Welt perfekt etabliert und für einige ikonische WTF-Momente sorgt. Für diejenigen, die mit der schrägen, Fargo-typischen Stimmung viel anfangen können, gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie die ruhige Welt allmählich ins Chaos kippt und mit einer derartigen Wucht aufkommt, dass der Rest der Staffel damit beschäftigt ist, die Katastrophe aufzuarbeiten.


6. Fisher und Söhne – Six Feet Under

Genre: Drama, Schwarze Komödie
Staffeln: 5

Worum geht’s?

Mehr Anlässe zu einem gemeinsamen Treffen als das gemeinsame Weihnachtsfest gibt es bei Familie Fisher kaum noch. Sohn und Freigeist Nate (Peter Krause) wohnt nach ausgedehnten Reisen durch die ganze Welt entfernt von der Familie in Seattle, während sein Bruder David (Michael C. Hall) in der Heimat zurückblieb. Dort kümmert er sich um das Familiengeschäft (ein Bestattungsunternehmen) und wohnt gemeinsam mit der jüngsten Schwester Claire (Lauren Ambrose), Mutter Ruth (Frances Conroy) und Vater Nathaniel (Richard Jenkins) in seinem Elternhaus. Obwohl die Fishers unter einem Dach wohnen, leben sie zum Großteil für sich allein und zurückgezogen. Doch als Nathaniel am Weihnachtsmorgen bei einem Autounfall ums Leben kommt, muss sich die Familie von einem Augenblick auf den anderen zusammenreißen und allmählich wieder zueinander finden.

Der brillante Kurzfilm

Obwohl eine Pilotfolge vor allem anderen heiß auf den Rest der Serie machen soll, erzählt Fisher und Söhne eine derartig stimmige und beinahe in sich abgeschlossene Geschichte, dass man sie fast schon als perfekten Kurzfilm unangetastet lassen sollte. Die verschiedenen Trauerprozesse der Familie rund um den verstorbenen Nathaniel Fisher zeichnen ein komplexes und menschliches Bild von Kummer und dem Umgang mit der fremden und eigenen Sterblichkeit. Das führt besonders in den letzten Szenen der Folge zu einer emotionalen Katharsis, auf die übliche Filmschnulzen nur neidisch sein können. Zusätzlich gelingt es der Folge noch einen eigenwilligen, aber präzisen schwarzen Humor an den Tag zu legen, der Six Feet Under weit von vergleichbaren Serien abhebt. Fisher und Söhne könnte theoretisch für sich selbst stehen, jedoch wird niemand nach dieser grandiosen Einleitung abschalten.


5. Der Einstieg – Breaking Bad

Genre: Drama
Staffeln: 5

Worum geht’s?

Man könnte meinen, das Leben von Walter White (Bryan Cranston) wäre schon trist genug. Der inzwischen 50-jährige hochtalentierte Chemiker verpasste seine Chance, mithilfe seiner Leidenschaft erfolgreich zu werden und verschwendet sein Talent nur noch als frustrierter Chemielehrer an einer Highschool. Als er jedoch zusätzlich mit inoperablem Lungenkrebs diagnostiziert wird, entscheidet Walter sich dazu, den rechtschaffenen Weg zu verlassen und mit seinem ehemaligen Schüler Jesse (Aaron Paul) Chrystal Meth zu kochen, um seine Familie über den eigenen Tod hinaus finanziell abzusichern.

Der Blick in die Zukunft

Der Lieblingsserie nach einiger Zeit einen neuen Besuch abstatten, um die Geschichte erneut und mit anderen Augen erleben zu können gehört im TV-Junkie Leben mindestens genauso dazu wie das Entdecken neuer Serien. Doch während der Pilotfolge kommt es manchmal zu der schockierenden Erkenntnis: Was? Das passiert schon so früh? Das Paradebeispiel ist Breaking Bad. In knapp 60 Minuten spannt die Serie einen Handlungsbogen, der vom schüchternen Walter auf Familiengeburtstagen bis zum Möchtegernkriminellen in tighty whities reicht, der, vom eigenen Tod überzeugt, eine letzte Nachricht auf einem Camcorder aufnimmt, reicht. In nur einer Folge ebnet die Serie den Weg für Walters titelgebenden Abstieg in die kriminelle Welt Alberquerques und trifft die Breaking Bad typische Mischung aus schwarzer Comedy und bitterernstem Drama direkt ins Schwarze.


4. Die Gabe – Pushing Daisies

Genre: Komödie
Staffeln: 2

Worum geht’s?

Als kleiner Junge entdeckt Ned (Lee Pace) plötzlich, dass er tote Lebewesen durch eine simple Berührung das Leben zurückschenken kann. Doch schnell lernt er auf bittere Art und Weise von den Einschränkungen seiner besonderen Gabe. Denn wer einmal von Ned zurück ins Leben geholt wurde, kann ihn niemals erneut berühren, ansonsten winkt der nächste – und diesmal endgültige – Tod. Jahre später tut sich der erwachsene Ned mit einem Privatdetektiv (Chi McBride) zusammen, um Mordopfer persönlich nach den Umständen ihres Ablebens zu befragen.

Wie ein bunter Hund

Obwohl Pushing Daisies auf dem Papier eher düster klingt, ist die Serie selbst das genaue Gegenteil. Die quietschbunten Bilder und verspielten Schauspieler:innen erinnern viel mehr an ein Märchen im Stil von Tim Burtons Big Fish als an ein todernstes Drama. Die Serie etabliert die vielen übernatürlichen Elemente der Serie und ihre außergewöhnliche Optik, ohne überfordernd oder zu bizarr zu wirken. Die Gabe dreht sich primär um eine zuckersüße und berührende Liebesgeschichte, die alle Facetten der Serie durch ihre sympathischen Charaktere erdet und zu einem Gesamtpaket verpackt. Die Gabe zeigt eindrücklich wie absurd und außergewöhnlich eine Serie daherkommen kann und es gleichzeitig schafft zu berühren und zu begeistern.


3. Das Geheimnis von Twin Peaks – Twin Peaks

Genre: Krimi, Mystery
Staffeln: 3

Worum geht’s?

Eines nebelverhangenen Morgens wird die in Plastik eingewickelte Leiche der Schülerin Laura Palmer (Sheryl Lee) ans Ufer der Kleinstadt Twin Peaks angespült. Während das Dorf in tiefe Trauer versinkt, beginnt der eigenwillige FBI-Detective Dale Cooper (Kyle McLachlan) die geheimnisvollen und weitreichenden Hintergründe des Mordes zu untersuchen.

Das große Mysterium

Es steht außer Frage, dass Twin Peaks eine der einflussreichsten und bedeutsamsten Serien aller Zeiten ist und die Filmwelt für immer verändert hat. Das zentrale Geheimnis um den mysteriösen Mord an Laura Palmer entwickelte sich zu einer Geschichte, die über viele Jahre hinweg in Filmen und Serien untersucht werden sollte. Sorgfältig taucht Das Geheimnis von Twin Peaks in die Kleinstadtatmosphäre von Twin Peaks ein. Sie wirft zahlreiche Mysterien auf und lässt uns an genau den richtigen Stellen im Dunkeln, um unsere eigenen Detektivsinne anzuregen. Dabei hebt vor allem David Lynchs einzigartige Handschrift die Serie von herkömmlichen Krimi-Geschichten ab, da sie die Serie über den Mord hinaus zu einer der bizarrsten und seltsamsten Seherlebnisse aller Zeiten machte.


2. Gestrandet - Lost

Genre: Thriller
Staffeln: 6

Worum geht’s?

Ohne erkennbare Ursache bricht das Flugzeug des Oceanic Fluges 815 über einer weit abgelegenen Insel mitten im Ozean auseinander und stürzt ab. Zwar überlebt ein Großteil der Passagiere wie durch ein Wunder, doch Rettung scheint unerreichbar. Denn nachdem sie die Gefahren des brennenden Flugzeugwracks überstanden haben, realisieren die Überlebenden, dass die Insel weder bewohnt, noch auf irgendeiner Karte verzeichnet zu sein scheint. Der Überlebenskampf auf der mysteriösen und bedrohlichen Insel nimmt seinen Lauf.

Die Adrenalinspritze

Herabstürzende Flugzeugteile, Verfolgungsjagden durch den bedrohlichen Urwald, Intrigen und Geheimnisse: Kaum eine Pilotfolge beginnt so explosiv und gleichzeitig hochspannend wie Lost. Vor dem Hintergrund, was aus den späteren Staffeln später werden sollte, vergessen viele, mit welcher Intensität und Brillanz Lost einst aus der Startbox sprintete. Ohne lang zu fackeln steigt die Serie direkt mit einer zehnminütigen Adrenalinsequenz ein, die unsere Blicke gnadenlos an den Bildschirm fesselt. Anschließend wechseln sich langsame Charaktermomente, die bereits das Serien-typische Misstrauen der Figuren etablieren, und hochspannende Nervenkitzel-Sequenzen ab, die uns die Gefahren der Insel hautnah erleben lassen. Viele Serien versuchen einen ähnlichen Einstieg, der von Sekunde eins durch Spannung fesseln soll, doch die Lost-Kombination aus nervenzerreißender und mysteriöser Gefahr, argwöhnischen Blicken und einem unverbrauchten Setting bleibt unerreichbar.


1. Die strahlende Dunkelheit – True Detective

Genre: Drama, Thriller
Staffeln: 3

Worum geht’s?

17 Jahre in der Vergangenheit, kurz nachdem die Detectives Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Martin Hart (Woody Harrelson) Partner wurden, ermittelten sie gemeinsam im Fall des krankhaften Ritualmordes an Dora Lange (Amanda Rose Batz). Gleichzeitig versucht der scheinbar stabil im Leben stehende Familienvater Hart, seinen neuen Partner näher kennenzulernen. Dieser ist jedoch von einer düsteren Vergangenheit gezeichnet und bietet außer nihilistischen Monologen kaum Kontaktmöglichkeiten. Jahre später werden die beiden Ermittler getrennt voneinander zu den vergangenen Ereignissen befragt, da der finstere Schatten der gemeinsamen Geschichte noch lange nicht verblasst zu sein scheint.

Die Charakterstudie

Mit Die strahlende Dunkelheit liefert Regisseur Cary Fukunaga eine Pilotfolge, die zahlreiche geniale Aspekte miteinander vereint. Auf der Handlungsebene legt die Folge alle Fakten auf den Tisch, die wir für die weitere Entwicklung der Ermittlung benötigen. Dabei ist sie so dicht inszeniert, dass uns die Unmenschlichkeit des Mordes so tief unter die Haut kriecht, als wäre der Detective-Thriller erbarmungsloser Psycho-Horror im Krimi-Gewand. Doch die wahre Glanzleistung ist die Dynamik zwischen den beiden genial geschriebenen Protagonisten. Primär bekommen wir Einblicke in das jeweilige Innenleben von Hart und Cohle, und lernen beide in ihren ersten Wochen der gemeinsamen Arbeit kennen. Dadurch, dass wir jedoch auch einen Blick in die Gegenwart erhalten, suggeriert die Serie ein düsteres Geheimnis auf dem Weg zwischen Vergangenheit und Gegenwart, was die Spekulationen und Theorien in unseren Köpfen augenblicklich anfeuert. Warum arbeiten beide nicht mehr gemeinsam?  Warum werden beide Jahre später zu ihrer vergangenen Partnerschaft befragt? Wer nach Antworten auf diesen Fragen sucht, wird nach dem brillanten Einstieg nicht mal die fünf Sekunden des Netflix-Autoplays abwarten können.

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