Kritik: Das Damengambit – Staffel 1

Großartig in sieben Zügen
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Junge, rothaarige Frau sitzt an einem Tisch mit einem Schachbrett an Spielfiguren und Schnapsfläschchen und schaut direkt in die Kamera
    Netflix
  • In der Serienwelt ist 'Das Damengambit' mit Sicherheit der große Überraschungshit des Jahres. Innerhalb weniger Tage war die Serienadaption des Buches über das Schachwunderkind Beth Harmon in aller Munde. Woher diese Beliebtheit kommt und ob das Netflix-Drama tatsächlich die beste Miniserie des Jahres ist, erfahrt ihr in dieser Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Durch einen Autounfall wird die achtjährige Beth Harmon plötzlich zu einem Waisenkind und lebt von einem Tag auf den anderen in einem christlichen Kinderheim. Während sie dort darauf hofft adoptiert zu werden, beginnt sie allmählich zwei Vorlieben zu entwickeln, die ihr Leben bestimmen werden. Durch eine zufällige Begegnung mit dem Schach-begeisterten Hausmeister im Schulkeller, entdeckt Beth plötzlich ihre außerordentliche Begeisterung und Begabung für das Schach spielen. Schon bald ist sie von dem eisernen Willen angetrieben, das Spiel immer besser zu beherrschen und jeden Gegner zu übertreffen. Als sie das Waisenhaus schließlich verlässt, ist ihr Ziel klar: Die beste Schachspielerin der Welt zu werden. Wären da nur nicht die kleinen, grünen Pillen, die den Kindern im Heim zur Beruhigung verabreicht werden, durch die Beth ihre zweite Vorliebe entdeckt: Rauschmittel. Werbung The Sweet Sixties Die Geschichte von Das Damengambit erstreckt sich über viele Jahre, in denen wir Beth von ihrem achten bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr im Jahr 1968 begleiten. Dabei beleuchtet jede der sieben Episoden einen anderen wichtigen Punkt in Beths Leben. Das ermöglicht es den Zuschauern sowohl die Entwicklung des jungen Schachwunders und der Leute um sie herum, als auch die der Welt die sie umgibt zu begleiten. Durch diese Zeitsprünge bleibt die Geschichte immer in Bewegung, kann sich jedoch auch etwas zerstückelt anfühlen. Dies scheint ein wenig im Mittelteil durch, in dem die Handlung nicht ganz so viel Fahrt hat wie am Anfang oder gegen Ende. Was die große Zeitspanne jedoch ermöglicht, ist eine faszinierende Reise durch die Zeit, die Das Damengambit mit viel Leidenschaft umsetzt. Die Kostüme, die Frisuren und vor allem die hinreißenden Sets lassen jeden Moment und selbst die verschiedensten Orte auf der ganzen Welt mit Leichtigkeit zum Leben erwachen und laden dazu ein sich in ihrem Detailgrad zu verlieren. Wenn die Kamera, begleitet von Musik der 60er Jahre, durch prachtvolle Hallen fährt, vorbei an etlichen Statisten in zeitgenössischer Mode, dann glänzt die Arbeit, die in das Produktionsdesign gesteckt wurde, besonders. Dabei wird die Serie stets mit einem vielseitigen Klang von emotionalen Klaviertönen bis zu spannungsgeladenen Stücken von Komponist Carlos Rafael Rivera untermalt. Die charakteristische Musik wird dabei zu einem festen Bestandteil der Serie und verleiht ihr einen ganz eigenen Klangteppich, der im Ohr bleibt. Das Spiel der Königinnen Innerhalb dieser sieben Folgen Laufzeit bedient sich die Serie verschiedenster Genres und bleibt damit, auch thematisch, immer vielseitig. So schwankt Das Damengambit zwischen einem Coming-of-Age-Drama, einer spannenden Underdog-Geschichte und sogar einer, von Rauschmitteln gezeichneten, Schach-/Rockstar Biografie. Dabei wagt die Serie nicht an all diese Elemente eine drastisch neue Herangehensweise, was die Handlung stellenweise voraussehbar macht. Manche Momente wirken dadurch ebenfalls konstruiert und reißen ab und an aus der Geschichte heraus. Doch im Gesamtbild fällt das nicht groß auf, da der große Handlungsbogen sehr gut und spannend erzählt wird. Was diese Handlung schließlich doch zu etwas Besonderem macht, ist das Element, das all diese Thematiken vereint: Das Schachspiel. Ein Spiel, das bei den meisten wohl nicht direkt mit Hochspannung assoziiert wird, ist hier der Mittelpunkt der gesamten Handlung und wird zum genialen Schachzug der Serie. Denn ihr gelingt es dieses hochkomplexe Spiel so spannend aber dennoch zugänglich in Szene zu setzen, sodass sogar die Zuschauer, die keine Berührung mit Schach haben eine Begeisterung dafür entwickeln werden. Die Schachsequenzen sind derartig nervenaufreibend inszeniert, dass jede einzelne Bewegung einer Schachfigur mehr Wucht zu haben scheint, als der stärkste Schlag in so manchem Boxer-Film. Zusätzlich bietet die Serie durch Beth als Hauptfigur einen interessanten Einblick in die, von Männern dominierte, Schachwelt dieser Zeit. Um sich dennoch durchsetzen zu können, muss sie sich schon früh alleine behaupten und wächst als Charakter stetig an diesen Aufgaben. Mit dieser starken Frauenfigur im Mittelpunkt erzählt Das Damengambit eine wichtige und inspirierende Geschichte, die sich stark für Gleichberechtigung positioniert. "Ich würde sagen, Schach zu spielen ist viel einfacher ohne die Bürde eines Adamsapfels." Beth Stars von morgen Handlungen, die derartig fokussiert auf eine Figur sind, stehen und fallen vor allem mit ihren Hauptdarstellern. Im Falle von Das Damengambit ist das keine leichte Aufgabe, denn Beth Harmon ist mit einer derartigen Vielschichtigkeit geschrieben, dass sie ohne Zweifel eine starke Anwärterin auf die beste und interessanteste Protagonistin dieses Serienjahres ist. Die riesige Aufgabe diese Figur zu verkörpern, tragen in der Serie gleich zwei unterschiedliche Darstellerinnen. Bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr wird Beth von der Kinderdarstellerin Isla Johnston gespielt. Dem jungen Talent gelingt es alle wichtigen Grundsteine für die weitere Handlung zu setzen und überzeugt besonders in den berührenden Szenen mit dem Hausmeister Mr. Shaibel. Hier weicht die Serie gekonnt der Falle einer nervigen Kinderdarstellerin aus. Ab der zweiten Folge übernimmt schließlich die 24-jährige Anya Taylor-Joy. Dass die Nachwuchsschauspielerin zu den großen Schauspielerinnen der Zukunft zählen wird, war schon seit der Horrorperle The VVitch abzusehen. Ihr Talent bewies sie erneut in Filmen wie Split oder dem bitterbösen Geheimtipp Vollblüter. Die populäre Breakout-Rolle blieb bisher aus, doch dies hat sich nun schlagartig geändert. Durch ihre Darstellung ist die junge Schauspielerin zurecht in aller Munde, denn sie hebt die Serie auf eine völlig neue Ebene. Taylor-Joy stellt Beth bis zu ihren zwanzigsten Lebensjahr dar und zeigt dabei nicht nur die Entwicklung des Waisenkindes zum Schachgenie, sondern zeichnet sie auch als unsicheren Teenager, liebende Tochter oder selbst als drogenabhängiges Wrack. Dabei gelingt es ihr jede dieser Facetten so authentisch zu verkörpern, dass es scheint als wären Darstellerin und Rolle eins geworden. Die anderen Darsteller der Serie überzeugen ebenfalls, besonders Adoptivmutter Alma (Marielle Heller), bleiben aber zu jeder Zeit im Schatten der grandiosen Hauptdarstellerin. Durch Anya Taylor-Joy fühlen die Zuschauer jeden Schritt mit Beth Harmon mit, egal in welche Richtung sie gerade geht. Nichts zeichnet Das Damengambit mehr aus als das. Fazit: Die Überraschung des Jahres Jedes lobende Wort das diese Serie erhält, hat sie verdient. Das Damengambit erzählt eine emotionale Geschichte, bestehend aus vielen packenden Elementen. Dabei begeistert besonders die exzellente und spannende Inszenierung der Schachspiele und die herausragende schauspielerische Leistung von Anya Taylor-Joy. Beth Harmons Reise an die Spitze der Schachwelt geht wie im Flug vorbei und am Ende entsteht der Eindruck man sei, trotz kleineren Schwächen in der Handlung, Teil der Geschichte eines wirklich außergewöhnlichen Lebens gewesen. Eine klare Empfehlung für alle Besitzer eines Netflix Accounts, ob Schach-Enthusiast oder nicht.
    Kritik: Das Damengambit – Staffel 1
    Handlung
    75%
    Schauspiel
    95%
    Visuelle Umsetzung
    85%
    Spannung
    80%
    Emotionen
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 23.10.2020
    Episoden: 7 in einer Staffel
    FSK: noch nicht bekannt
    Genre: , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: Netflix
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Gesamtbewertung:

Sehr gut
85%

In der Serienwelt ist 'Das Damengambit' mit Sicherheit der große Überraschungshit des Jahres. Innerhalb weniger Tage war die Serienadaption des Buches über das Schachwunderkind Beth Harmon in aller Munde. Woher diese Beliebtheit kommt und ob das Netflix-Drama tatsächlich die beste Miniserie des Jahres ist, erfahrt ihr in dieser Kritik.

Worum geht's?

Durch einen Autounfall wird die achtjährige Beth Harmon plötzlich zu einem Waisenkind und lebt von einem Tag auf den anderen in einem christlichen Kinderheim. Während sie dort darauf hofft adoptiert zu werden, beginnt sie allmählich zwei Vorlieben zu entwickeln, die ihr Leben bestimmen werden. Durch eine zufällige Begegnung mit dem Schach-begeisterten Hausmeister im Schulkeller, entdeckt Beth plötzlich ihre außerordentliche Begeisterung und Begabung für das Schach spielen. Schon bald ist sie von dem eisernen Willen angetrieben, das Spiel immer besser zu beherrschen und jeden Gegner zu übertreffen. Als sie das Waisenhaus schließlich verlässt, ist ihr Ziel klar: Die beste Schachspielerin der Welt zu werden. Wären da nur nicht die kleinen, grünen Pillen, die den Kindern im Heim zur Beruhigung verabreicht werden, durch die Beth ihre zweite Vorliebe entdeckt: Rauschmittel.

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The Sweet Sixties

Die Geschichte von Das Damengambit erstreckt sich über viele Jahre, in denen wir Beth von ihrem achten bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr im Jahr 1968 begleiten. Dabei beleuchtet jede der sieben Episoden einen anderen wichtigen Punkt in Beths Leben. Das ermöglicht es den Zuschauern sowohl die Entwicklung des jungen Schachwunders und der Leute um sie herum, als auch die der Welt die sie umgibt zu begleiten. Durch diese Zeitsprünge bleibt die Geschichte immer in Bewegung, kann sich jedoch auch etwas zerstückelt anfühlen. Dies scheint ein wenig im Mittelteil durch, in dem die Handlung nicht ganz so viel Fahrt hat wie am Anfang oder gegen Ende.

Was die große Zeitspanne jedoch ermöglicht, ist eine faszinierende Reise durch die Zeit, die Das Damengambit mit viel Leidenschaft umsetzt. Die Kostüme, die Frisuren und vor allem die hinreißenden Sets lassen jeden Moment und selbst die verschiedensten Orte auf der ganzen Welt mit Leichtigkeit zum Leben erwachen und laden dazu ein sich in ihrem Detailgrad zu verlieren. Wenn die Kamera, begleitet von Musik der 60er Jahre, durch prachtvolle Hallen fährt, vorbei an etlichen Statisten in zeitgenössischer Mode, dann glänzt die Arbeit, die in das Produktionsdesign gesteckt wurde, besonders.

Das Damengambit entführt die Zuschauer zu immer neuen Schauplätzen.

Dabei wird die Serie stets mit einem vielseitigen Klang von emotionalen Klaviertönen bis zu spannungsgeladenen Stücken von Komponist Carlos Rafael Rivera untermalt. Die charakteristische Musik wird dabei zu einem festen Bestandteil der Serie und verleiht ihr einen ganz eigenen Klangteppich, der im Ohr bleibt.

Das Spiel der Königinnen

Innerhalb dieser sieben Folgen Laufzeit bedient sich die Serie verschiedenster Genres und bleibt damit, auch thematisch, immer vielseitig. So schwankt Das Damengambit zwischen einem Coming-of-Age-Drama, einer spannenden Underdog-Geschichte und sogar einer, von Rauschmitteln gezeichneten, Schach-/Rockstar Biografie. Dabei wagt die Serie nicht an all diese Elemente eine drastisch neue Herangehensweise, was die Handlung stellenweise voraussehbar macht. Manche Momente wirken dadurch ebenfalls konstruiert und reißen ab und an aus der Geschichte heraus. Doch im Gesamtbild fällt das nicht groß auf, da der große Handlungsbogen sehr gut und spannend erzählt wird.

Was diese Handlung schließlich doch zu etwas Besonderem macht, ist das Element, das all diese Thematiken vereint: Das Schachspiel. Ein Spiel, das bei den meisten wohl nicht direkt mit Hochspannung assoziiert wird, ist hier der Mittelpunkt der gesamten Handlung und wird zum genialen Schachzug der Serie. Denn ihr gelingt es dieses hochkomplexe Spiel so spannend aber dennoch zugänglich in Szene zu setzen, sodass sogar die Zuschauer, die keine Berührung mit Schach haben eine Begeisterung dafür entwickeln werden. Die Schachsequenzen sind derartig nervenaufreibend inszeniert, dass jede einzelne Bewegung einer Schachfigur mehr Wucht zu haben scheint, als der stärkste Schlag in so manchem Boxer-Film.

Die Schachszenen gehören zu den intensivsten Szenen des Jahres.

Zusätzlich bietet die Serie durch Beth als Hauptfigur einen interessanten Einblick in die, von Männern dominierte, Schachwelt dieser Zeit. Um sich dennoch durchsetzen zu können, muss sie sich schon früh alleine behaupten und wächst als Charakter stetig an diesen Aufgaben. Mit dieser starken Frauenfigur im Mittelpunkt erzählt Das Damengambit eine wichtige und inspirierende Geschichte, die sich stark für Gleichberechtigung positioniert.

"Ich würde sagen, Schach zu spielen ist viel einfacher ohne die Bürde eines Adamsapfels."

Beth

Stars von morgen

Handlungen, die derartig fokussiert auf eine Figur sind, stehen und fallen vor allem mit ihren Hauptdarstellern. Im Falle von Das Damengambit ist das keine leichte Aufgabe, denn Beth Harmon ist mit einer derartigen Vielschichtigkeit geschrieben, dass sie ohne Zweifel eine starke Anwärterin auf die beste und interessanteste Protagonistin dieses Serienjahres ist. Die riesige Aufgabe diese Figur zu verkörpern, tragen in der Serie gleich zwei unterschiedliche Darstellerinnen. Bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahr wird Beth von der Kinderdarstellerin Isla Johnston gespielt. Dem jungen Talent gelingt es alle wichtigen Grundsteine für die weitere Handlung zu setzen und überzeugt besonders in den berührenden Szenen mit dem Hausmeister Mr. Shaibel. Hier weicht die Serie gekonnt der Falle einer nervigen Kinderdarstellerin aus.

Isla Johnston als die junge Beth.

Ab der zweiten Folge übernimmt schließlich die 24-jährige Anya Taylor-Joy. Dass die Nachwuchsschauspielerin zu den großen Schauspielerinnen der Zukunft zählen wird, war schon seit der Horrorperle The VVitch abzusehen. Ihr Talent bewies sie erneut in Filmen wie Split oder dem bitterbösen Geheimtipp Vollblüter. Die populäre Breakout-Rolle blieb bisher aus, doch dies hat sich nun schlagartig geändert. Durch ihre Darstellung ist die junge Schauspielerin zurecht in aller Munde, denn sie hebt die Serie auf eine völlig neue Ebene.

Taylor-Joy stellt Beth bis zu ihren zwanzigsten Lebensjahr dar und zeigt dabei nicht nur die Entwicklung des Waisenkindes zum Schachgenie, sondern zeichnet sie auch als unsicheren Teenager, liebende Tochter oder selbst als drogenabhängiges Wrack. Dabei gelingt es ihr jede dieser Facetten so authentisch zu verkörpern, dass es scheint als wären Darstellerin und Rolle eins geworden. Die anderen Darsteller der Serie überzeugen ebenfalls, besonders Adoptivmutter Alma (Marielle Heller), bleiben aber zu jeder Zeit im Schatten der grandiosen Hauptdarstellerin. Durch Anya Taylor-Joy fühlen die Zuschauer jeden Schritt mit Beth Harmon mit, egal in welche Richtung sie gerade geht. Nichts zeichnet Das Damengambit mehr aus als das.

Fazit:

Die Überraschung des Jahres

Jedes lobende Wort das diese Serie erhält, hat sie verdient. Das Damengambit erzählt eine emotionale Geschichte, bestehend aus vielen packenden Elementen. Dabei begeistert besonders die exzellente und spannende Inszenierung der Schachspiele und die herausragende schauspielerische Leistung von Anya Taylor-Joy. Beth Harmons Reise an die Spitze der Schachwelt geht wie im Flug vorbei und am Ende entsteht der Eindruck man sei, trotz kleineren Schwächen in der Handlung, Teil der Geschichte eines wirklich außergewöhnlichen Lebens gewesen. Eine klare Empfehlung für alle Besitzer eines Netflix Accounts, ob Schach-Enthusiast oder nicht.

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