Kritik: Preacher – Staffel 4

Das Ende naht!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Plakat zu der Serie "Preacher" - Staffel 4
  • Mit der vierten Staffel schließt die Serie 'Preacher' ab und beendet ihre alles andere als heilige Gottessuche. Alles baut sich zu einem monumentalen Finale auf – mit einer letzten Frage: Ist Gott nun endlich gefunden, oder geht es doch auf direktem Weg zur Hölle? Mehr dazu in der letzten Kritik zu 'Preacher'. Wenig Zeit? Zum Fazit! Gemeinsam Richtung Untergang Jesse Custer (Dominic Cooper) hat Genesis wieder erlangt und hat sich mit Tulip O'Hare (Ruth Negga) nach Masada aufgemacht, um ihren Vampirfreund Cassidy (Joseph Gilgun) aus den Fängen des Grals zu befreien. Der neue Allvater Herr Starr (Pip Torrens) erwartet ihn da bereits, während er zugleich das "versprochene" Ende der Welt plant. Doch so einfach wird es für ihn nicht: Der schwachsinnige Nachfahre von Jesus Christus "Humperdoo" (Tyson Ritter) ist immer noch verschwunden. Und ohne ihn gibt es keinen Weltuntergang. Die Gruppen sollten sich beeilen, denn ihnen stehen nun Problemen biblischer Ausmaße gegenüber. Gott (Mark Harelik) ist endlich da – und er ist nicht unbedingt gut auf die Menschen zu sprechen … Unheilig - Die Serie Explodierende Prediger, inzestuöse Jesus-Nachfahren und ein wortwörtliches Arschgesicht - Preacher hat einen beeindruckenden Weg hinter sich. Kaum einer hätte es Seth Rogen und Evan Goldberg zugetraut, eine solch authentische Adaption des gleichnamigen Comics in Amazons Streamingdienst zu bringen. Ein herrlich böses Abenteuer, dass dennoch nicht vergaß, die nötige Portion Herz reinzubringen. Jesse, Tulip und Cassidy sind nach wie vor herrlich dysfunktionale Irre, die ihre eigenen Probleme beheben müssen, bevor sie Gott finden und die Erde retten können. Dennoch fragt man sich dabei langsam, ob man sich hier nicht schneller hätte versöhnen können. Ihre Probleme sind bereits bekannt und hätten in Anbetracht der Lage schneller gelöst werden können. Man hat das Gefühl, dass sich die Handlung gelegentlich in die Länge zieht. Nichts gegen die faszinierenden Hauptfiguren versteht sich. Werbung Aus großer Kraft ... ... folgt für gewöhnlich massiver Größenwahn. Glücklicherweise kann Jesse Custer hier immer noch die Waage halten. Nachdem er nun endlich Genesis zurück bekommen hat, müsste es doch wieder einfacher für ihn laufen. Doch genau hier ergibt sich eine sehr clevere Charakterentwicklung. Jesse, der immer noch mit einer gewissen religiösen Überlegenheit nach Gott suchen will, muss sich damit auseinandersetzen, dass allein Genesis nicht reicht, um alles zum Besten zu wenden. Sei es einen Konflikt im Orient zu lösen, oder einem Piloten auf hoher See die Qualen zu lindern, so richtig klappen tut es nicht. Jesse ist schließlich nur ein Mensch. Hinzu kommt, dass die Nutzung von Genesis den Heiligen der Killer (Graham McTavish) auf seine Fersen zieht. Kann Jesse weiterhin seine Macht ausnutzen, wissend, dass er sich dadurch immer mehr zur Zielscheibe macht? Wie viel Menschlichkeit kann er am Schluss noch behalten? Das sind innere Dämonen, die Jesse noch zu klären hat. Denn schon bald steht er Gott gegenüber. Und wo wir schon bei Gott sind ... Wo ist Gott? Da ist er ja! Der Allmächtige, der große Boss! Gott ist endlich erschienen ... und er ist böse! Ganz ehrlich, hättet ihr von Preacher etwas anderes erwartet? Die Fassade des liebenden, allmächtigen Vaters ist schnell verflogen und heraus kommt ein narzisstisches und manipulatives Manchild, das mit Vergnügen die Apokalypse vorantreibt - und das nicht zum ersten Mal. Ein schlechter Vater ist er auch, der Jesus (Tyson Ritter) ignoriert und nur Augen für den schwachsinnigen Humperdoo hat. Das hat Gott auch verbockt. Allein seine Darstellung sagt alles, was man über seine Heuchelei wissen muss: Statt einer überwältigenden Entität werden wir ganz und gar mit dem klassischen, weißbärtigen, alten Mann konfrontiert, der aussieht wie ein Obdachloser. Auch seinen Aufenthaltsort mit seinen Schöpfungen beschränkt er auf ein dreckiges Wohnmobil in der Wüste (ein Setting, mit dem vor allem Sam Catlin, als Co-Produzent von Breaking Bad, bestimmt seine Freude hatte). Gott passt somit perfekt in das unheilige Image, dass die Serie bereits aufgebaut hat. Doch man wird stutzig ... Ist die Spitze der Blasphemie bereits erreicht? Auch in der vierten Staffel mangelt es an diesem Punkt nicht. Die Serie ist nach wie vor schockierend, herrlich respektlos und vergisst nicht die nötige Portion unnötiger Gewalt. Die Serie vergisst auch nicht zu überraschen, so wie sie es zuvor mit unerwarteten Rückblenden in letzter Minute gemacht hat. So entdecken wir beispielsweise urplötzlich Herr Starrs "verletzlichere" Seite, die man garantiert so nicht erwartet hätte. Spätestens wenn Jesus und Adolf Hitler (Noah Taylor) als jeweilige Vertreter von Himmel und Hölle über die Seelen nach der Apokalypse verhandeln, weiß man, dass auch die vierte Staffel herrlich blasphemisch bleibt. Dennoch bohrt sich zum Schluss hin folgende Frage ans Tageslicht: Wars das schon? Der Wow-Effekt ist nicht mehr derselbe, wie er noch in den ersten drei Staffeln präsent war. Zudem ist die Handlung an einigen Stellen recht unfokussiert und das Finale erweist sich als etwas abrupt. Das Ende ist zwar kathartisch und höchst befriedigend, dennoch fragt man sich, ob man am Schluss nicht stärker den Zynismus runtergeschraubt hätte und dafür stärker "All Out" gegangen wäre? Doch keine Sorge: Auf die finale Wertung hat das kaum Einfluss! Fazit: 'Preacher - Staffel 4' ist ein würdevolles Staffelfinale. Darauf ein Amen! Preacher war eine der einprägsamsten Serien-Erfahrungen der letzten Jahre. Blasphemisch, respektlos und einfach nur urkomisch. Die figurative und buchstäbliche Suche nach Gott ist nun vorbei und wir haben mit unserem Lieblings-Prediger bemerkenswerte Erfahrungen gemacht. Zwar sind im Staffelfinale nicht mehr allzu viele derbe Überraschungen gegeben und der Weg zum Finale hätte etwas weniger holprig verlaufen können, doch das vergibt man, angesichts des befriedigenden Endes. Da fängt man doch an, an einen Serien-Gott zu glauben. An einen Gütigen, versteht sich.
    Kritik: Preacher – Staffel 4
    Handlung
    80%
    Spannung
    75%
    Charaktere
    90%
    Action
    80%
    Visuelle Umsetzung
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 05.08.2020
    Episoden: 43 in 4 Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
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    Besetzung: , , , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2018 Amazon Instant Video Germany
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Gesamtbewertung:

Stark
82%

Mit der vierten Staffel schließt die Serie 'Preacher' ab und beendet ihre alles andere als heilige Gottessuche. Alles baut sich zu einem monumentalen Finale auf – mit einer letzten Frage: Ist Gott nun endlich gefunden, oder geht es doch auf direktem Weg zur Hölle? Mehr dazu in der letzten Kritik zu 'Preacher'.

Gemeinsam Richtung Untergang

Jesse Custer (Dominic Cooper) hat Genesis wieder erlangt und hat sich mit Tulip O'Hare (Ruth Negga) nach Masada aufgemacht, um ihren Vampirfreund Cassidy (Joseph Gilgun) aus den Fängen des Grals zu befreien. Der neue Allvater Herr Starr (Pip Torrens) erwartet ihn da bereits, während er zugleich das "versprochene" Ende der Welt plant. Doch so einfach wird es für ihn nicht: Der schwachsinnige Nachfahre von Jesus Christus "Humperdoo" (Tyson Ritter) ist immer noch verschwunden. Und ohne ihn gibt es keinen Weltuntergang.

Jesse Custer (Dominic Cooper) mit einem Maschinengewehr

Jesse Custer (Dominic Cooper) muss noch ein paar letzte Hürden überwinden, um Gott zu erreichen.

Die Gruppen sollten sich beeilen, denn ihnen stehen nun Problemen biblischer Ausmaße gegenüber. Gott (Mark Harelik) ist endlich da – und er ist nicht unbedingt gut auf die Menschen zu sprechen …

Unheilig - Die Serie

Explodierende Prediger, inzestuöse Jesus-Nachfahren und ein wortwörtliches Arschgesicht - Preacher hat einen beeindruckenden Weg hinter sich. Kaum einer hätte es Seth Rogen und Evan Goldberg zugetraut, eine solch authentische Adaption des gleichnamigen Comics in Amazons Streamingdienst zu bringen. Ein herrlich böses Abenteuer, dass dennoch nicht vergaß, die nötige Portion Herz reinzubringen. Jesse, Tulip und Cassidy sind nach wie vor herrlich dysfunktionale Irre, die ihre eigenen Probleme beheben müssen, bevor sie Gott finden und die Erde retten können.

Dennoch fragt man sich dabei langsam, ob man sich hier nicht schneller hätte versöhnen können. Ihre Probleme sind bereits bekannt und hätten in Anbetracht der Lage schneller gelöst werden können. Man hat das Gefühl, dass sich die Handlung gelegentlich in die Länge zieht. Nichts gegen die faszinierenden Hauptfiguren versteht sich.

Werbung



Aus großer Kraft ...

... folgt für gewöhnlich massiver Größenwahn. Glücklicherweise kann Jesse Custer hier immer noch die Waage halten. Nachdem er nun endlich Genesis zurück bekommen hat, müsste es doch wieder einfacher für ihn laufen. Doch genau hier ergibt sich eine sehr clevere Charakterentwicklung. Jesse, der immer noch mit einer gewissen religiösen Überlegenheit nach Gott suchen will, muss sich damit auseinandersetzen, dass allein Genesis nicht reicht, um alles zum Besten zu wenden. Sei es einen Konflikt im Orient zu lösen, oder einem Piloten auf hoher See die Qualen zu lindern, so richtig klappen tut es nicht. Jesse ist schließlich nur ein Mensch. Hinzu kommt, dass die Nutzung von Genesis den Heiligen der Killer (Graham McTavish) auf seine Fersen zieht. Kann Jesse weiterhin seine Macht ausnutzen, wissend, dass er sich dadurch immer mehr zur Zielscheibe macht? Wie viel Menschlichkeit kann er am Schluss noch behalten?

Das sind innere Dämonen, die Jesse noch zu klären hat. Denn schon bald steht er Gott gegenüber.

Und wo wir schon bei Gott sind ...

Wo ist Gott? Da ist er ja!

Der Allmächtige, der große Boss! Gott ist endlich erschienen ... und er ist böse! Ganz ehrlich, hättet ihr von Preacher etwas anderes erwartet? Die Fassade des liebenden, allmächtigen Vaters ist schnell verflogen und heraus kommt ein narzisstisches und manipulatives Manchild, das mit Vergnügen die Apokalypse vorantreibt - und das nicht zum ersten Mal. Ein schlechter Vater ist er auch, der Jesus (Tyson Ritter) ignoriert und nur Augen für den schwachsinnigen Humperdoo hat. Das hat Gott auch verbockt.

Allein seine Darstellung sagt alles, was man über seine Heuchelei wissen muss: Statt einer überwältigenden Entität werden wir ganz und gar mit dem klassischen, weißbärtigen, alten Mann konfrontiert, der aussieht wie ein Obdachloser. Auch seinen Aufenthaltsort mit seinen Schöpfungen beschränkt er auf ein dreckiges Wohnmobil in der Wüste (ein Setting, mit dem vor allem Sam Catlin, als Co-Produzent von Breaking Bad, bestimmt seine Freude hatte).

(Mark Harelik) Gott steht vor seinem Wohnwagen in der Wüste.

Da braut sich etwas in Gottes (Mark Harelik) Wohnwagen zusammen - und es ist kein Meth.

Gott passt somit perfekt in das unheilige Image, dass die Serie bereits aufgebaut hat. Doch man wird stutzig ...

Ist die Spitze der Blasphemie bereits erreicht?

Auch in der vierten Staffel mangelt es an diesem Punkt nicht. Die Serie ist nach wie vor schockierend, herrlich respektlos und vergisst nicht die nötige Portion unnötiger Gewalt. Die Serie vergisst auch nicht zu überraschen, so wie sie es zuvor mit unerwarteten Rückblenden in letzter Minute gemacht hat. So entdecken wir beispielsweise urplötzlich Herr Starrs "verletzlichere" Seite, die man garantiert so nicht erwartet hätte. Spätestens wenn Jesus und Adolf Hitler (Noah Taylor) als jeweilige Vertreter von Himmel und Hölle über die Seelen nach der Apokalypse verhandeln, weiß man, dass auch die vierte Staffel herrlich blasphemisch bleibt.

Dennoch bohrt sich zum Schluss hin folgende Frage ans Tageslicht: Wars das schon?

Der Wow-Effekt ist nicht mehr derselbe, wie er noch in den ersten drei Staffeln präsent war. Zudem ist die Handlung an einigen Stellen recht unfokussiert und das Finale erweist sich als etwas abrupt. Das Ende ist zwar kathartisch und höchst befriedigend, dennoch fragt man sich, ob man am Schluss nicht stärker den Zynismus runtergeschraubt hätte und dafür stärker "All Out" gegangen wäre?

Doch keine Sorge: Auf die finale Wertung hat das kaum Einfluss!

Fazit:

'Preacher - Staffel 4' ist ein würdevolles Staffelfinale. Darauf ein Amen!

Preacher war eine der einprägsamsten Serien-Erfahrungen der letzten Jahre. Blasphemisch, respektlos und einfach nur urkomisch. Die figurative und buchstäbliche Suche nach Gott ist nun vorbei und wir haben mit unserem Lieblings-Prediger bemerkenswerte Erfahrungen gemacht. Zwar sind im Staffelfinale nicht mehr allzu viele derbe Überraschungen gegeben und der Weg zum Finale hätte etwas weniger holprig verlaufen können, doch das vergibt man, angesichts des befriedigenden Endes. Da fängt man doch an, an einen Serien-Gott zu glauben. An einen Gütigen, versteht sich.

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