7/10

Kritik: The Afterparty – Staffel 1

Killer-Kopfkino

▶ Jetzt direkt streamen auf:

Genres: Komödie, Krimi, Startdatum: 28.01.2022

Interessante Fakten für…

  • Die Kleidung jeder Hauptfiguren entspricht der Farbe jeweils einer Figur in Cluedo.
  • Indigo (Genevieve Angelson) wurde der Sängerin und Songschreiberin Tori Amos nachempfunden.

Aus dem Hause Apple kommt mit „The Afterparty“ eine prominent besetzte Murder-Mystery aus den Köpfen der „Spider-Man: A New Universe“-Schöpfer Lord und Miller. Lohnt es sich für den Krimi durchzumachen oder will man bei „The Afterparty“ doch schon vor zwölf nach Hause gehen?

daniel 1
#ILikeToMoveIt #Mindfuck #Klassikernerd

Darum geht’s

Jeder und jede kommt mit einem bestimmten Grund zu einem Highschool-Treffen. Sei es, um den erfolgreichen Job und die/den gutaussehenden Ehepartner:in zur Schau zu stellen, oder um mit dem unbezahlbaren Auto zu prahlen, die unausgesprochenen Gründe können vielfältig sein. 

Die meisten dieser Antriebe sind harmloser Natur, doch im Falle der Abschlussklasse 2006 soll ein Beweggrund am Ende der Nacht zu einem Mord führen. Auf der Afterparty nach der Hauptveranstaltung fällt Ex-Klassenkamerad und inzwischen weltberühmter Sänger Xavier (Dave Franco) von einem Balkon und stürzt metertief  in seinen Tod. Der Verdacht fällt schnell auf den unbeholfenen Aniq (Sam Richardson), doch bevor ein Urteil gefällt wird, untersucht die misstrauische Detective Danner (Tiffanny Haddish) die Geschichte jedes Partygastes bis auf die kleinste Ungereimtheit.

8 Blickwinkel

Arglistige Blicke, verschwörerische Gespräche hinter vorgehaltener Hand und schräge Figurenkonstellationen – Murder-Mystery Geschichten haben ihren eigenen unwiderstehlichen Charme. Wie ein eigener Detective tappen die Zuschauer:innen durch ein Labyrinth an widersprüchlichen Zeugenaussagen und kleinen Hinweisen und nähern sich Schritt für Schritt der Lösung des mörderischen Krimi-Rätsels.

The Afterparty erfindet das Genre-Rad kaum neu und setzt zum Großteil auf die altbewährten Story-Elemente. Ein Haus, ein Toter, viele Verdächtige und noch mehr verschiedene Zeugenberichte desselben Abends: Um das Krimi-Knäuel nach und nach zu entwirren, zeigt die Serie in jeder Episode die Perspektive eines neuen Verdächtigen. Acht Mal begleiten die Zuschauer:innen jeweils eine Figur auf ihrem Weg durch das Highschool-Treffen, während sich das Gesamtpuzzle von Aussage zu Aussage allmählich verändert. 

Mind Movies

Serien, die dieselbe Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, gehören schon lange nicht mehr zu den innovativsten Party-Tricks. Was die Serie allerdings spannend macht, ist das Konzept, mit dem sie die einzelnen Blickwinkel umsetzt: die sogenannten Mind-Movies.

„Die gleichen Geschehinsse sieht jeder von uns auf seine Weise. Ich will den Film in ihren Köpfen sehen.“

Detective Danner in The Afterparty

The Afterparty zeigt die einzelnen Zeugenaussagen nicht in neutralen Rückblenden, sondern verändert das Genre der Episode, je nachdem, von wessen Aussage diese handelt. Konkret kann das beispielsweise so aussehen: Während der Erzählung des naiv verliebten Aniq wird The Afterparty zur kitschigen RomCom, die Geschichte von Möchtegern-Macho Brett (Ike Barinholtz) kommt als pseudo cooler Testosteron-Actionkracher daher und die prätentiöse Künstlerin Indigo berichtet in dramatischem Schwarz-Weiß, samt 4:3 Format –  Der Leuchtturm lässt grüßen. 

Nächste Episode und auf einmal ist „The Afterparty“ ein Animationsfilm.

The Afterparty Kritik Beitragsbild2

Dieser verspielte Umgang mit verschiedenen filmischen-Konventionen ist die riesige Stärke der Serie. Jede Folge gibt sich vollkommen dem jeweiligen Genre hin, und setzt dieses mit unendlich viel Leidenschaft und Liebe zum Detail um. Denn nicht nur die Story wechselt durch die Genres, sondern auch technische Aspekte wie Kameraarbeit, Farbgebung und Schnitt verändern sich deutlich, je nachdem in wessen Mind-Movie man sich gerade befindet. So wird eine eigentlich normale Autofahrt in Bretts Episode plötzlich zu einer rasant geschnittenen Verfolgungsjagd inklusive Fremdscham-Onliner und dramatischen Heldenposen. 

„Ich dramatisiere nur meinen inneren Konflikt.“
„Sollte ich mir deswegen Sorgen machen?“

Zoe und Detective Danner in The Afterparty

Die grundverschiedenen Genres jonglieren dabei so gekonnt mit Klischees und kleinen filmischen-Anspielungen, dass die Mind-Movies schnell zur Hauptattraktion der gesamten Serie werden. Sobald der Abspann einer Folge über den Bildschirm rollt, fragt man sich bereits, in welche Richtung die nächste Folge geht und spekuliert, welches Genre zu welcher Figur passen könnte.

Zu viel Genre, zu wenig Geschichte

Was einerseits die große Stärke der Serie ist, steht ihr an anderer Stelle leider im Weg. Da ein Großteil der gesamten Laufzeit für die Ausgestaltung der einzelnen Genres verwendet wird, kommen andere essenzielle Story-Aspekte viel zu kurz. Besonders ins Gewicht fällt dies bei der zentralen Murder-Mystery, die eigentlich der Mittelpunkt der gesamten Handlung sein sollte. Doch statt zu raten, welche der Figuren der Killer sein könnte, macht es viel bereits nach Folge zwei mehr Spaß auf den Stil der nächsten Episode zu pokern. Und das reicht leider nicht für eine gesamte Serie. 

Worum ging’s nochmal? Ach ja! Xavier (Dave Franco) ist ja gestorben.

The Afterparty Kritik Beitragsbild1

Denn so spaßig, das Genre-Gimmik auch ist, so sehr schränkt es die übergeordnete Struktur der Serie ein. Hat man gerade Gefallen an einer Folge gefunden, sind die 35 Minuten Laufzeit auch schon vorbei und die Atmosphäre der Serie macht mit der nächsten Episode eine 180 Grad Wende. Es wäre die Aufgabe der zentralen Murder-Mystery gewesen, die einzelnen Versatzstück-Folgen mit einem roten Story-Faden zu verbinden, doch The Afterparty investiert zu viel Zeit in die Ausgestaltung der verschiedenen Genres und zu wenig in die eigentliche Handlung. 

So kommt im Endeffekt jeder Aspekt von The Afterparty zu kurz, da durch die unterentwickelte Handlung auch die kreativen Genre-Ideen von Folge zu Folge an Gewicht verlieren.

Freundliche Verdächtige

Was The Afterparty letztendlich davor rettet, komplett auseinanderzufallen, ist der sympathische Cast und deren Rollen. Natürlich sollte man hier keine kilometertiefe Charakterzeichnung im Breaking Bad-Stil erwarten, doch die Figuren tragen durch ihren sympathischen Charme leichtfüßig durch die acht Folgen. Auch hier zeigt sich das Genie der Mind-Movies, die die Zuschauer:innen schnell an die verschiedensten Charaktere und deren Eigenheiten binden. So bleiben selbst die kleinsten Einblicke in den Kopf mancher Figuren noch Folgen weiter hängen, selbst, wenn diese Charaktere mehr in den Hintergrund rücken.

Detective Danner (Tiffany Haddish) ist sich sicher, dass sie den Fall im Handumdrehen knacken wird.

The Afterparty Kritik Beitragsbild3

Aus dem gemischten Figurenensemble bleibt vor allem die von Tiffany Haddish gespielte Detective Danner im Gedächtnis. Besonders erfrischend an der Figur ist, dass Danner ausnahmsweise nicht im Sherlock Holmes-Style nach den kleinsten Hinweisen schnüffelt, sondern viel mehr über die Zwischenmenschlichkeit mit den verschiedenen Zeugen arbeitet. So wird sie schnell nahbarer als der altbackene Detektiv mit Sozialproblemen und bringt durch ihren Witz einiges an Schwung in die Gespräche mit den Figuren. 

Fazit

7/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 5.5/10
Charaktere 7/10
Humor 7.5/10
Visuelle Umsetzung 8.5/10
Spannung 6.5/10
Details:
Showrunner: Chris Miller,
FSK: 12 Episoden: 8
Besetzung: Ben Schwartz, Dave Franco, Ilana Glazer, Sam Richardson, Tiffany Haddish,

The Afterparty ist das perfekte Unterhaltungsprogramm für einen gemütlichen Sonntagnachmittag. Der charmante Witz und das sympathische Figurenensemble lassen die Folgen kurzweilig vorbeischweben und die vielen kreativen Genrewechsel sorgen für einige Überraschungsmomente. Doch eben diese Kreativität zeigt gleichzeitig, wie viel ungenutztes Potenzial im Konzept der Serie steht. Für die bereits bestätigte zweite Staffel braucht es eine deutlich fokussiertere Geschichte, die geschickt mit dem Konzept der Mind-Movies verknüpft wird. Mit ein klein wenig Kurskorrektur hat The Afterparty die Chance vom kurzweiligen Pop-Song zum unsterblichen Party-Hit zu werden.

Artikel vom 20. März 2022

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4001Reviews.de (V4) – Seit 2015