9.3/10

Kritik: The End of the F***ing World – Staffel 2

WÜRDIGER ABSCHLUSS FÜR DIE DÜSTERE KOMÖDIE

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Genres: Drama, Komödie, Startdatum: 04.11.2019

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Voller Spannung konnten Zuschauer von ‚The End of the F***ing World‘ die Erlebnisse zweier problembelasteter Teenager über acht kurze aber intensive Episoden hinweg verfolgen. Lange war unklar, ob es wirklich eine Fortsetzung geben wird. Inzwischen steht auch die zweite Staffel zum Streamen auf Netflix bereit. Weshalb es sich lohnt, das Teenie-Abenteur weiterzuverfolgen, erfährst du in der Kritik.

Ungeschliffener Diamant

Alle Jahre wieder entdeckt man Serien, die aus der Menge hervorstechen und einen nicht mehr loslassen. The End of the F***ing World ist eine davon und das, obwohl ihre Folgen kurz und ihre visuelle Umsetzung recht „simple“ gestaltet scheinen. Ein kleiner Hype hat sich entwickelt um die Geschichte und ihre problematischen Anti-Helden, die einen trotz oder gerade wegen ihrer persönlichen Konflikte mitten im Herz treffen. Staffel 2 setzt die interessante Coming-of-Age Story fort und bleibt dabei ihrer besonderen Linie treu.

Darum geht’s

Die Faszination von The End of the F***ing World war bereits in Staffel 1 in ungewöhnlichen Geschehnissen und exzentrischen Charakteren begründet. Als Liebesgeschichte von zwei jugendlichen Außenseitern mit schwierigen persönlichen Hintergründen punktete die Serie von Beginn an durch ihre Mischung aus trotziger Wut, schrägem Verhalten, beißend traurigen Storylines und düsterem Humor, kurz: dem unnachgiebigen Beobachten von grotesken und tragischen Momenten des Lebens zweier Teenager. Diese Atmosphäre ist in Staffel 2 wie gewohnt vorherrschend, allerdings reiht sich nun eine neue Charakterin in den Vordergrund der Erzählung ein: Bonnie (Naomi Ackie), die frühere Geliebte des ermordeten Serienvergewaltigers Clive Koch (Jonathan Aris), möchte Rache nehmen für den Liebhaber, der ihr genommen wurde.

Mit ihrer Jagd nach Vergeltung setzt sie eine harte familiäre Tradition fort: Auch Bonnie war zuhause ständiger Bestrafung ausgesetzt. Eine weitere unstabile Persönlichkeit wird somit in den Fokus gerückt und dient als Ausgangspunkt für eine spannende Erzählung, in der Alyssa (und James?) bedrohter sind denn je.

Schauspielerisch und narrativ ein Meisterwerk

Wenn groteske Situationen und exzentrische Charaktere gleichzeitig Mitgefühl und Komik vermitteln sollen, können sie leicht ins Lächerliche abrutschen. Zum Glück der internationalen Serienlandschaft ist das in The End of the F***ing World nicht der Fall, dieser Umstand ist einer geschickten Narration und tiefsinnigen Verkörperung der Protagonisten durch die Schauspieler geschuldet.

Die Leistungen von Alex Lawther und Jessica Barden in den Rollen des mordbesessenen Teenagers James und der von allem genervten Alyssa haben schon die erste Staffel getragen, die dazu gestoßene Schauspielerin Naomi Ackie steht dem um nichts nach: Ihre Rolle als unscheinbare und psychisch labile Killerin ist so überzeugend dargestellt, dass es schwer fällt, sich nicht mit Bonnie’s Gefühlslage zu identifizieren, auch wenn sie sich gegen die eigentlichen Protagonisten der Serie richtet – mit denen man als Zuschauer ebenfalls über die letzten acht Folgen hinweg mitgefiebert hat und es noch immer tut. Ob James mit dem Ende der letzten Staffel auch sein eigenes gefunden hat, wird hier natürlich nicht gespoilert. Man kann aber festhalten, dass Alyssa’s Gefühlszustand chaotischer ist denn je und sie die Zuschauer immer noch mit ihrer patzigen Art unterhält. Um es auf ihre Weise auszudrücken: Die Sch**** in ihrem Leben will einfach kein Ende nehmen.

Dass nun ein neuer Seriencharakter dazukommt und Alyssa die Schrecken ihrer Vergangenheit vor Augen führt, macht ihren Selbstfindungsprozess nicht einfacher.

Comic-Verfilmung in Manier der 70er

Serien, deren Atmosphäre einer Zeitreise gleicht, erfreuen sich momentan generell großer Beliebtheit. Genauso wie die Netflix-Serien Stranger Things oder Dark ist an The End of the F***ing World ersichtlich, weshalb das so ist: Die Serie hat einen fesselnden 70er Vibe, der von düsterer und gelbstichiger Optik und einem Soundtrack aus etwa dieser Zeit getragen wird. Melancholische Country und Blues Musik untermalt das triste und einsame ländliche Setting der Geschichte, sanfte und überschwängliche Songs entrücken an sich schon extreme Szenen ins Groteske, wenn sie während tragischer oder aggressiver Handlungen eingeblendet werden.

Hier und da erinnert die Serie an Filmklassiker wie Die Reifeprüfung (1967) oder Harold und Maude (1971). Wer von der Serie nicht genug bekommt, kann die Geschehnisse der ersten Staffel auch in gezeichneter Form erleben: The End of the F***ing World basiert auf dem gleichnamigen Graphic Novel von Charles Forsman. Der Erfinder und Regisseur der Serie stieß durch Zufall auf die Geschichte, als er sie aus dem Papiermüll eines Comic-Ladens fischte.

Fazit

9.3/10
Meisterwerk
Community-Rating:
Handlung 9.5/10
Schauspiel 10/10
Spannung 8/10
Atmosphäre 9/10
Dialoge 10/10
Details:
Showrunner: Jonathan Entwistle,
FSK: 16 Episoden: 16
Besetzung: Alex Lawther, Jessica Barden, Jonathan Aris, Naomi Ackie,

Coming-of-Age Story mit Kultpotenzial

The End of the F***ing World – Staffel 2 überzeugt mit schauspielerischer Leistung, schlagfertigen Dialogen und cleverer Narration. Die zweite Staffel bleibt dem Seriencharakter treu und wird dominiert von Exzentrik, grotesken Situationen und erstaunlichem Scharfsinn für die Beweggründe und Gefühlswelten der psychisch labilen Protagonisten. Trotz ihrer extremen Charakteristika bleiben Handlung und Charaktere authentisch und nahbar, die Geschichte ist fesselnd und originell. Der triste 70er Stil der Serie schafft einen besonderen Rahmen mit Wiedererkennungswert und eine faszinierend düstere Atmosphäre. Insgesamt hebt sich The End of the F***ing World von vielen anderen Serien auf dem Markt ab und stellt eine unterhaltsame Abwechslung dar. Auch wenn eine dritte Staffel noch nicht offiziell ausgeschlossen wurde, deuten Bemerkungen der Drehbuchautorin Charlie Covell darauf hin, dass es keine Fortsetzung mehr geben wird. Einen zufriedenstellenden Abschluss würde die zweite Staffel auf jeden Fall darstellen.

Artikel vom 13. Juni 2020

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