Kritik: The Last Kingdom – Staffel 2

Nach Staffel 2 immer noch ein absoluter Geheimtipp

FSK 16

Spoilerfrei!

Uhtred sitzt auf einem weiten Pferd vor dem Schildwall einer Armee und dreht sich um

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.


Erste Staffel noch nicht gesehen? Hier geht's zur Kritik von The Last Kingdom - Staffel 1


Woher kommen eigentlich die Engländer?

Im Gegensatz zur Baby-Frage wird die Antwort auch in Staffel 2 nicht unschuldig ausfallen: Die Entstehung Englands war blutig und dunkel. Dänen haben sich in den sächsischen Königreichen heimisch gemacht und rauben und morden was das Zeug hält. Die neuen acht Folgen sind genauso derb wie der erste Wurf. 

Die Romanverfilmung der Uhtred-Buchreihe von Bernard Cornwell folgt, wie schon die Staffel zuvor, dem stolzen Uhtred von Bebbanburg (Alexander Dreymon). In den Diensten von König Alfred (David Dawson) ist er der Mann für alle Fälle: Der Sachse/Däne-Hybrid regelt jede brenzlige Situation zwischen den beiden Völkern. Die Dänen haben sich nämlich noch nicht geschlagen gegeben.

Die stolzen Wikinger-Brüder Erik (Christian Hillborg) und Siegfried (Björn Bengtsson) wollen ganz England unterjochen. Doch ein sächsischer Abt verkündet eine Prophezeiung: Ein Sklave namens Guthred soll König von Northumbria werden und die sächsischen und dänischen Völker in Frieden vereinen. Hoffnung oder Hirngespinst? Oder hat der Abt ein stummes G in seiner Erleuchtung missinterpretiert und Uthred war eigentlich gemeint?

Höllenritt mit Startschwierigkeiten

Während die erste Staffel ohne Warten und Zögern mit vollem Tempo los galoppierte, lassen sich die ersten zwei Folgen der zweiten Staffel ungewöhnlich viel Zeit. Zu Beginn wirken die verschiedenen Handlungsstränge noch zerfasert und der Erzählfluss stockend. Doch kurz bevor sich ein kleines Gefühl der Enttäuschung einstellt, werden spätestens ab Folge Drei alle Ketten gesprengt. The Last Kingdom ist zurück – nach überwundenen Startschwierigkeiten sogar noch mächtiger und mitreißender als zuvor.

Uhtred ist der typische RPG-Held

Alexander Dreymon als posterschmückender Badass-Krieger gibt physisch immer noch mehr her als schauspielerisch. Sein Charakter wirkt wie die Musterschablone eines Rollenspiel-Charakters, der von einem ebenso musterhaften Nerd stets vor Beginn eines Computerspiels zusammengestellt wird. Stattliche Größe, lange Haare, geschmeidige Rüstung – und immer die lässigsten Dialogoptionen parat. Wenn Uhtred mit immer der selben Erscheinung und immer dem selben griffbereiten Schwert an seinem Rücken durch Wälder und Königshallen läuft, dann wirkt das wie eine Realverfilmung der Witcher-Spiele.

Uhtred zückt ein Schwert in der zweiten Staffel von The Last Kingdom
"Uhtred" Charakterwerte: Schwertkampf Lvl. 98 / Charisma Lvl. 90 / Redekunst Lvl. 48 / Schauspiel Lvl. 45"

Auch beim Supporting Cast alles beim Alten?

Während Dreymons trashige Darstellung dennoch ganz charmant ist, überzeugt der restliche Cast mit schauspielerischen Glanzleistungen – allen voran wieder einmal David Dawson als König Alfred. Er ist einer der Schauspieler, die auch mit minimalster Gestik tiefbrodelnde Konflikte innerhalb des Charakters darstellen können.

Die Neuzugänge Christian Hillborg und Björn Bengtsson verkörpern die neuen Gesichter auf Seite der Dänen. Die Brüder Eric und Siegfried sind weniger eindimensionale Gegenspieler als Kontrahent Ubba aus der ersten Staffel und sorgen vor allem im Finale für dramatische Wendungen in der Geschichte.

Christian Hillborg und Björn Bengtsson als Eric und Siegfried
Mit den dänischen Brüder Eric (vorne) und Siegfried (hinten) legt man sich besser nicht an – es sei denn, man heißt Uhtred.

Altbekannte Gesichter wie Brida (Emily Cox) und Ragnar (Tobias Santelmann) haben nur kurze Auftritte. Der gutmütige Priester Beocca (Ian Hart) bekommt dagegen genauso viel Screentime wie in der ersten Staffel. 

Zwischen Realität und Aberglaube

Eine der interessantesten Thematiken der ersten Staffel war der Einfluss von Religion auf die mittelalterliche Gesellschaft. Dieser Glaube war in den frühen Tagen eng verwoben mit Märchen und Aberglauben. The Last Kingdom verwebt diese Themen immer wieder mit der Story, ohne dabei auf die Suche nach der „Wahrheit“ zu gehen.

Ein feuriges Finale 

Auch Staffel 2 schafft es, einen furiosen Showdown heraufzubeschwören. Nicht nur die Action, auch die Dramatik erreicht einen Klimax, der die acht Folgen mit einem befriedigenden Knall verabschiedet. Auch wenn die Action etwas zu sehr durch Shaky-Cam beschleunigt werden soll, muss man vor den Schauwerten in The Last Kingdom den Hut ziehen. Die Serie muss sich zwischen den Riesen Game of Thrones und Vikings nicht in Scham verstecken.  

Fazit: 'The Last Kingdom – Staffel 2' sind acht hochunterhaltende Geschichtsstunden

Es ist eine Frechheit, dass sich diese Serie immer noch als Underdog geschlagen geben muss. Die explosive Mischung aus Action, Epos und historischen Fakten zündet auch in der zweiten Runde – wenn auch etwas später als von Staffel 1 gewohnt. Dafür verabschieden sich die neuen Folgen mit einem umso spektakuläreren Finale, das ungeheuer Lust auf eine dritte Staffel macht. Fans von Formaten wie Vikings werden besonders großen Spaß haben.

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