7.0/10

Kritik: The Rain – Staffel 2

I BLESS THE RAINS DOWN IN DENMARK

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Genres: Drama, Mystery, Science Fiction, Startdatum: 17.05.2019

Interessante Fakten für…

  • The Rain ist das erste dänische Netflix Original.
  • Zahlreiche Schauspieler:innen der Serie standen schon für andere dänische Produktionen gemeinsam vor der Kamera.

Dänemarks erstes Netflix Original ‚The Rain‘ konnte weltweit trotz teilweise durchwachsener Kritiken gut genug überzeugen, um eine zweite Staffel zu rechtfertigen. Haben die Macher aus den Fehlern gelernt oder ist die neue Apokalypse-Staffel nur ein weiterer Aufguss? Erfahrt es hier in unserer Bewertung und Kritik.

micha 1
#NetflixAndChill #Meta #AdvocatusDiaboli

Darum geht’s

Die zweite Staffel beginnt so rasant, wie die erste Staffel aufgehört hat: Simone (Alba August), ihr Bruder Rasmus (Lucas Lynggaard Tønnesen), Martin (Mikkel Boe Følsgaard) und der Rest der neu formierten Gruppe sind auf der Flucht. Offenbar ist Rasmus der Schlüssel zur Erklärung, warum der todbringende Regen Dänemark heimgesucht hat – und wie man das Virus darin bekämpfen könnte. Das ist natürlich nicht nur für Simone ein Lichtblick, sondern auch für diverse gut- und böswillige Gruppierungen, die das Schicksal ihres Landes in ihre Hand nehmen wollen. Während Stück für Stück neue Erkenntnisse über das Virus gewonnen werden, bekommen sich auch einige Figuren gehörig in die Haare …

Stringente Erzählung, knackig verpackt

Mit nur sechs Folgen ist The Rain – Staffel 2 um einiges kompakter als zuvor. Und das tut der Serie sehr gut. Im Vergleich zur ersten Staffel wird die Geschichte sehr geradlinig und klar erzählt. Wir haben unsere Sympathieträger, wir haben einen klaren Antagonisten – und ein paar Figuren in der Grauzone, um die Konflikte spannend und überraschend zu halten. Wer mit dem Genre vertraut ist, wird zwar keine überdimensionalen Twists serviert bekommen, aber die eher dünne Handlung ist insgesamt abwechslungsreich genug, um durchgehend zu unterhalten.

Optisch hat vor allem das Kamera- und CGI-Department ordentlich zugelegt. Die etwas häufiger eingesetzten Spezialeffekte sehen glaubwürdig aus und fügen sich nahtlos in die Umgebung ein. Sogar einige opulente Kamera- und Drohnenfahrten werden uns auf dem Homescreen serviert. Das stilisierte Colour Grading und die sehr detailverliebte Ausstattung sorgt in nicht wenigen Szenen zudem für beeindruckende Schauwerte. Ja, optisch macht The Rain – Staffel 2 absolut keinen verwässerten Eindruck.

Besonders visuell legt The Rain – Staffel 2 mächtig zu.

Rasmus in The Rain Staffel 2 auf Netflix

Vom Regen in die Traufe

Leider wurden drei der größten Schwächen aus Staffel 1 wiederholt. Einerseits gibt es da immer wieder Dialoge, die hörbar ächzen. Zu oft werden Motive, Gedankengänge und Handlungselemente in Dialogform gepresst, ohne dem Zuschauer zuzumuten, dass er 1 und 1 zusammen zählen kann. Die Faustregel „Show, don’t tell“ gilt in The Rain – Staffel 2 offenbar nicht. Schwierig wird es vor allem deshalb, weil das deutsche Dialogbuch auch diesmal keine Natürlichkeit in die Dialoge bringt. So wirkt der eine oder andere Austausch ziemlich hölzern.

Auch die angedeuteten und dargestellten Romanzen entziehen sich jeglicher Glaubwürdigkeit. Wenn im einen Moment noch eine Person verflucht, aber im nächsten Augenblick knutschend in den Händen gehalten wird, dann bekommen Konflikte einfach nicht die Schwere, die sie in einem solchen Setting bräuchten. Fast schon absurd wird es gegen Ende der Staffel, wenn sich die Macher für eine Liebesgeschichte (Stichwort: „Sarah“) entscheiden, die so weit entfernt ist von menschlicher Logik wie der regengraue Himmel von der Erde.

In Staffel 2 nimmt der Virus neue Formen an – Auslöschung lässt grüßen.

Rasmus und Simone begutachten einen Baum, der vom Virus befallen ist in The Rain Staffel 2

Womit wir beim dritten Kritikpunkt wären: auch in Staffel 2 setzen die Showrunner nicht auf die tödliche Gefahr aus der Luft. Zwar bekommt das Virus eine neue gefährliche Form (Auslöschung lässt grüßen), doch Regengüsse kommen faktisch gar nicht vor. Das ist nicht nur eine vertane Chance – es ist auch eine äußerst fragwürdige Entscheidung, wenn man mal auf den Titel der Serie schielt. Diese Wiederholungstat ist zwar zu verschmerzen, aber nicht sonderlich elegant.

Mehr Spielraum für Akteure

Eine der Stärken in Staffel 1 war die ausführliche Behandlung der Figuren. Jede einzelne wurde mit einer verhältnismäßig ausgiebigen Background-Story versehen, was die Glaubwürdigkeit der Entscheidungen sehr nachvollziehbar machte. Darauf müssen wir nun bis auf eine Ausnahme verzichten, doch kennen wir unsere Charaktere gut genug, um mit ihnen mitzufiebern. Vor allem in moralischen Grauzonen kommt echte Spannung auf: bleibt der chronisch unterschätzte Außenseiter loyal? Entscheidet sich das Alpha-Männchen für die Liebe oder für den rationalen Ausweg? Wie weit sind die Figuren bereit zu gehen, um sich und ihre Freunde zu schützen?

Trotz dieser undurchsichtigen Spannungsfelder kommt es doch gelegentlich zu hinterfragenswürdigen Aussagen, die dem Autorenteam geschuldet sind. Etwa, als eine Figur ihren ersten Mord begeht und eine andere nur meint:

„Das geht vorbei!“

Lassen wir diese Ausrutscher beiseite, rücken vor allem die Schauspieler wieder in den Fokus. Diese agieren wie zuvor sehr glaubwürdig und holen selbst aus den wackligen Dialogen durch Spielfreude einiges heraus. Während Alba August immer noch häufig gegen das Drehbuch ankämpen muss, bekommt Lucas Lynggaard Tønnesen glücklicherweise mehr Freiraum, um sein schauspielerisches Talent zu zeigen. Der Jungdarsteller sorgt klar für die intensivsten, emotionalsten und furchteinflößendsten Momente der Serie. Ein großer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass er in der ersten Staffel nur etwas unbeholfen durch die Gegend stapfte.

Fazit

7/10
Ganz okay
Community-Rating:
Handlung 7/10
Schauspiel 8/10
Dialoge 5/10
Visuelle Umsetzung 8/10
Spannung 7/10

Die Stärken wurden gestärkt, die Schwächen wurden übernommen. So könnte man The Rain – Staffel 2 zusammenfassen. Die kompaktere Laufzeit dient der insgesamt stringenteren, jedoch rudimentären Handlung, auch wenn diese einmal mehr unter hölzernen Dialogen und dem gelegentlichen Logikloch leidet. Optisch haben die Macher einen sichtbaren Schritt nach vorne gemacht: die Spezialeffekte und Kameraarbeit sind erstklassig. Leider sind einige Handlungsentscheidungen äußerst fragwürdig und wenig nachvollziehbar. Ein Umstand, der immer wieder für Stirnrunzeln sorgt, aber vom glaubwürdigen Cast weitestgehend überspielt werden kann. Mit ein wenig mehr Gespür für logische Spannungselemente und effizienterem Einsatz der Bedrohung aus der Luft könnte sich The Rain zu einer sehr starken Serie entwickeln. Doch auch nach Staffel 2 ist klar: sie bleibt (vorerst) eine solide Katastrophenvision mit starker Prämisse und deftigem Abzug in der B-Note.

Artikel vom 8. Juni 2019

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