Die 10 besten Arthouse-Filme

Großartige Filme abseits des Mainstreams
Spoilerfrei!
Lesedauer: 9 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
Titelbild zur Topliste "Die 10 besten Arthouse Filme"

Sobald ein neuer Hollywood-Blockbuster in die Kinos kommt, ist er natürlich sofort in aller Munde. Aber was ist mit den Filmen, die in den letzten Jahren still und leise das Licht der Welt erblickt haben, ohne in den Medien groß diskutiert oder beworben zu werden? In unserer Topliste findet ihr 10 richtig gute Filme abseits des Mainstream-Kinos.

Für diese Topliste haben wir einen besonderen Fokus auf Filme aus dem Arthouse-Bereich gelegt. Ursprünglich stammt der Begriff aus den sogenannten Programmkinos, die gegen Ende der 20er Jahre in den USA entstanden. Heute bezeichnet Arthouse diejenigen Filme, welche ohne großes Budget oder aufwendige Spezialeffekte, meist anspruchsvoller, innovativer und komplexer sind, als große Hollywood-Blockbuster.

Platz 10: Atlantique (2019)

Ada liebt den verschwundenen Suleiman.

Darum geht’s:

Eine Gruppe junger Bauarbeiter, darunter Suleiman (Traore), die an einem futuristischen Wolkenkratzer in Dakar arbeiten sollen, warten seit Wochen auf ihren Lohn. Verzweifelt beschließen sie über das Meer nach Spanien zu fliehen. Ada (Mame Bineta Sané), Suleimans Freundin, bleibt zurück und soll Omar (Babacar Sylla) heiraten. Kurz darauf geschehen seltsame, fast schon übernatürliche Dinge in Adas Leben. 

Warum ist der Film empfehlenswert?

Atlantique zeigt eine neue Perspektive rund um das stets aktuelle Thema Emigration und Flucht aus dem eigenen Land. Die Protagonistin Ada wirkt stark und entschlossen, aber auch verliebt, verträumt und verwundbar. Dieser emotionale Facettenreichtum bestimmt nicht nur die Charaktere und die Story, sondern auch das Setting, in welchem das Meer im Vordergrund steht. Die Regisseurin Mati Diop verarbeitet hier nicht nur persönliche Ereignisse, sondern auch Teile der griechischen Odysseus-Sage und afrikanische Spiritualität. Insgesamt ist Atlantique erfrischend, mitreißend, aber auch gnadenlos ehrlich und allein deshalb schon sehenswert!

Platz 9: No Turning Back (2013)

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Darum geht’s:

Der Bauleiter Ivan Locke (Tom Hardy) befindet sich in der Planung eines Gusses für ein großes Gebäudefundament in Birmingham. Am Abend bevor dieser durchgeführt werden soll, erhält er plötzlich eine Nachricht, die seine sofortige Anwesenheit in London fordert. Während seiner darauf folgenden Fahrt versucht er telefonisch die Bauplanung zu koordinieren, während er gleichzeitig mit seinem neuen Problem in London und seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Warum ist der Film so empfehlenswert?

Selten arbeitet ein Film so minimalistisch wie No Turning Back, denn der einzige Handlungsort ist der Vordersitz von Ivan Lockes Auto. Sämtliche Figuren neben Locke lernen die Zuschauer außerdem nur als Stimmen am anderen Ende eines Telefons kennen. Was im ersten Moment sehr eintönig klingt wird zur absoluten Stärke dieser kleinen Filmperle. Durch die ausschließliche Fokussierung auf Locke gelingt es dem Film eine unvergleichbar intime Geschichte zu erzählen. Auch durch die großartige Performance von Tom Hardy, sind die Zuschauer hautnah am Protagonisten dran. Ein Film wie ein kleiner berührender Einblick in das Leben eines fremden Menschen, und perfekt für alle, die eine Pause von bombastischen Blockbustern brauchen.

Platz 8: Sing Street (2016)

Was sind Bands der 80er schon ohne ihre Outfits?

Darum geht’s:

Um ein Mädchen an seiner neuen Schule, Raphina (Lucy Boynton), zu beeindrucken, bietet ihr der 15-jährige Conor (Ferdia Walsh-Peelo) an, in einem Musikvideo seiner Band mitzuspielen. Allerdings existiert diese Band überhaupt nicht. Also beschließt Conor mit ein paar anderen Kindern aus der Nachbarschaft, von einem Tag auf den anderen eine Band zu gründen. Gemeinsam schreibt die taufrische Band Sing Street rockige Songs, mischt die konservative Schule auf und versucht Raphina mit ihrer Musik zu begeistern.

Warum ist der Film so empfehlenswert?

Sing Street ist ein feel-good-movie wie er im Buche steht. Die vielen Original-Songs rocken und werden, durch das 80er-Jahre Setting zusätzlich von Musiklegenden wie “The Cure”, “Genesis” oder “The Clash” unterstützt. Neben der großartigen Musik erzählt Sing Street jedoch auch eine liebevolle und oft urkomische Coming-of-Age-Geschichte über Individualität und Selbstentfaltung. Die vielen persönlichen Momente machen Sing Street zu einem Erlebnis, das nicht nur abrockt, sondern auch die gefühlvollen Töne trifft. Ein bunter und herzerwärmender Film, der nicht nur Musikliebhaber mit seinem Groove anstecken wird.

Platz 7: I Lost my Body (2019)

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Darum geht’s:

In dem französischen Animationsfilm flieht die abgetrennte Hand von Nafouel aus einem Labor in Paris. Wie es zur Trennung von Hand und Körper kommen konnte und wer Nafouel überhaupt ist, erfährt man in Flashbacks, parallel erzählt zu den Abenteuern, die die Hand auf der Suche nach ihrem Körper erlebt.

Warum ist der Film empfehlenswert?

Trotz weniger Investoren und kleinem Budget gelang es dem französischen Regisseur Jérémy Clapin einen ganz wunderbaren Film zu schaffen. Statt aufwendigen und teuren Bildern sind hier eher einfache Animationen zu sehen, die dem Film einen Hauch Nostalgie verleihen und ihn umso träumerischer und surrealer wirken lassen. Obwohl der Film mittlerweile mehrfach ausgezeichnet wurde, ist er dem Publikum trotzdem weitgehend unbekannt geblieben. Fans von Animationsfilmen und Liebhaber abgedrehter, fantasievoller Stories sollten hier unbedingt reinschauen!

Platz 6: Shoplifters (2018)

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Darum geht’s:

Die bunt zusammengewürfelte Patchwork-Familie Shibata lebt in ärmlichen Verhältnissen und hält sich mit Ladendiebstahl und kleinen Gaunereien über Wasser. Eines Tages bringen Osamu (Lily Franky) und der junge Shota (Jyo Kairi) die kleine Yuri (Miyu Sasaki) mit nach Hause, die von ihren Eltern misshandelt wird. Das Mädchen wächst der Familie schnell ans Herz und erfährt hier zum ersten Mal Liebe und Zuneigung. Als sie jedoch nach einiger Zeit als vermisst gemeldet wird, steht das Familienglück auf dem Spiel.

Warum ist der Film empfehlenswert?

Der japanische Film von Hirokazu Koreeda schleicht sich auf liebenswerte und unkonventionelle Weise ganz subtil ins Herz und regt zum Nachdenken an. Gefühle werden hier groß geschrieben! Nebenbei stellt das Familiendrama das Konzept der klassischen Familie infrage und zweifelt gleichzeitig an modernen Werten und Modellen wie Besitz oder Konsum. Eine Empfehlung für Japan-Begeisterte, aber auch für die Romantiker unter euch.

Platz 5: Blindspotting (2018)

Collin und Miles sind schon ihr ganzes Leben beste Freunde

Darum geht’s:

Der Afroamerikaner Collin (Daveed Diggs) ist frisch auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden. Um seine Auflagen unter keinen Umständen zu brechen, lebt Collin sehr reduziert und arbeitet nur mit seinem besten Freund Miles (Rafael Casal) als Möbelpacker. Als Collin dann jedoch Zeuge davon wird, wie ein schwarzer Mann von einem Polizisten auf offener Straße erschossen wird, gerät sein geordnetes Leben allmählich außer Kontrolle.

Warum ist der Film so empfehlenswert?

Trotz der heftigen Materie, die Blindspotting behandelt, wirkt der Film nie erdrückend schwer oder als ob er den Zuschauern eine politische Botschaft aufzwingen will. Denn Blindspotting ist sowohl eine Tragikomödie als auch ein Drama. Humorvolle Dialoge und Situationskomik zwischen Collin und Miles wechseln sich ab mit Themen wie Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit. Was zuerst klingt wie eine unpassende und respektlose Mischung verleiht dem Film eine ganz besondere Authentizität, da es die beiden Protagonisten lebensecht zeichnet. Wie die Botschaft des Filmes dann letztendlich vermittelt wird, ist subtil und zeigt damit die große Finesse des Drehbuches, da alle Thematiken vielschichtig und von allen Seiten beleuchtet werden. Ein Film der tatsächlich viel Licht in die “blind spots” der Gesellschaft werfen kann, ohne dabei dem Zuschauer etwas vorpredigen zu wollen.

Platz 4: Wind River (2017)

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Darum geht’s:

Tief in der verschneiten Wildnis Wyomings findet der Wildhüter Cory Lambert (Jeremy Renner) bei der Jagd auf Raubtiere die Leiche eines jungen Mädchens. Um den Fall zu lösen schickt das FBI die Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) nach Wyoming, die jedoch sowohl mit der sozialen als auch naturbedingten Umgebung keine Erfahrung hat. Um den Fall trotzdem lösen zu können, engagiert sie Lambert als Guide, welcher ihr die Tür zu einer der trostlostesten Umgebungen dieser Welt öffnet. 

Warum ist der Film so empfehlenswert?

Mit seiner Frontier Trilogie hat es sich Drehbuchautor Taylor Sheridan zur Mission gemacht, Geschichten über die lebensfeindlichen und einsamen Grenzgebiete Amerikas zu erzählen. Nach den großartigen Filmen Sicario und Hell Or High Water nimmt er bei Wind River schließlich das erste mal auch selber den Regiestuhl ein und inszeniert eigenhändig den Höhepunkt der Trilogie. Die Einöde der weitläufigen, schneebedeckten Landschaften und die damit einhergehende Kälte der gesamten Umgebung, verleiht dem Film eine fast schon unheimliche Atmosphäre. Ob die eisige Umwelt oder die Menschen, die sie bewohnen, alles in dem Film scheint von einer schweren Kälte befallen zu sein. Diese unangenehme Stimmung verleiht dem Thriller stellenweise eine nervenaufreibende Hochspannung. Zudem behandelt Wind River wichtige soziale Themen dieser Grenzgebiete, wie Armut, Rassismus und Perspektivlosigkeit, und endet mit einer wichtigen und relevanten Botschaft. Ein sehr ernster Film, der hochspannend erzählt und inszeniert ist und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

Neugierig geworden? Hier geht's zur Kritik

Platz 3: The Killing of a Sacred Deer (2017)

Martin bedroht Steven und seine Familie.

Darum geht’s: 

Steven Murphy (Colin Farrell), ein angesehener Herzchirurg, scheint mit seiner Frau Anna (Nicole Kidman) und den beiden Kindern Kim (Raffey Cassidy) und Bob (Sunny Suljic) ein harmonisches Familienleben zu führen - wäre da nicht die seltsame väterliche Beziehung zu dem jungen Martin (Barry Keoghan), der etwas gegen Steven in der Hand zu haben scheint. Nach und nach kommen Stevens Geheimnisse ans Licht und die Ereignisse nehmen eine fatale Wendung. 

Warum ist der Film empfehlenswert? 

The Killing of a Sacred Deer wimmelt nur so von literarischen Anspielungen. Im Vordergrund steht der Mythos der Iphigenie in Aulis, der nicht nur die Story prägt, sondern auch explizit im Film erwähnt wird. Die Kameraeinstellungen, mit oft zu großer Distanz zum Geschehen, tragen nachhaltig zur unbehaglichen Atmosphäre des Films bei. Abgerundet werden die fast schon absurden Ereignisse von der herausragenden Filmmusik, die sich durch Dissonanz auszeichnet und oft deplatziert wirkt. Insgesamt ist der Film auch in Deutschland sehr erfolgreich gewesen, hat es aber nie in den Diskurs des Mainstream-Kinos geschafft, was wohl der Tiefe des Plots und der künstlerischen Umsetzung vieler Faktoren geschuldet ist. Wer also Lust auf eine groteske Version eines literarischen Stoffs hat, sollte sich The Killing of a Sacred Deer auf keinen Fall entgehen lassen.

Platz 2: Suspiria

Suspirias Tanzszenen sind atemberaubend.

Darum geht's:

Die junge Susie Bannion (Dakota Johnson) reist während der 1970er von Amerika nach Berlin, um an einer renommierten Tanzschule ausgebildet zu werden. Durch ihr außergewöhnliches Talent erregt sie sofort Aufmerksamkeit und steht immer mehr im Fokus der mysteriösen Tanzlehrerin Madame Blanc (Tilda Swinton). Doch in der Tanzschule ist nichts wie es scheint und allmählich treten düstere Geheimnisse ans Licht.

Warum ist der Film so empfehlenswert?

Das Remake des originalen Horror Klassikers von Dario Argento aus dem Jahr 1977 ist eines der außergewöhnlichsten Remakes der Filmwelt. Suspiria (2018) versucht gar nicht erst das Original zu kopieren oder die Geschichte neu aufzusetzen, sondern übernimmt ausschließlich das Grundkonzept. Argento beginnt auf dieser Basis mit seiner eigenen Interpretation des Stoffes und ergänzt diesen durch mehrere politische und gesellschaftliche Ebenen.  Somit verschafft er dem Film eine große Tiefe und viel Interpretationsspielraum. Neben der thematischen Vielfalt sitzt hier aber auch der Horror. Komplett ohne billige Schockmomente und nur durch eine beklemmende Atmosphäre, phänomenale Inszenierung der Umgebung und malerisch grausame Tanzszenen, schafft es Suspiria die Zuschauer konstant zu fesseln.

Platz 1: Victoria (2015)

Victoria ahnt nicht, was ihr bevorsteht...

Darum geht's:

Die junge Spanierin Victoria (Laia Costa) lernt beim Feiern die vier Berliner Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yiğit) und Fuß (Maximilian Mauff) kennen. Zunächst verläuft die Nacht der Freunde lustig, turbulent und zwischen Sonne und Victoria sogar romantisch , bis Boxer einen Anruf von einer alten Knast-Bekanntschaft erhält. Ehe sie sich versieht, ist Victoria plötzlich Komplizin eines Bankraubs und muss den  geklauten Fluchtwagen steuern. 

Warum ist der Film empfehlenswert?

140 Minuten ohne Cut - muss man da noch mehr sagen? Als deutscher Film sticht Victoria gerade durch seine Authentizität und heraus, die Dialoge sind oft spontan an das Geschehen angepasst und die Schauspieler schaffen es durch ihre sympathische Art, dass die Charaktere besonders echt wirken. Dazu ist die Handlung spannend, lustig, emotional und natürlich mitreißend. Trotzdem wirkt alles so leicht, dass man fast vergessen könnte, wie viel Arbeit hinter diesem großartigen Experiment von Sebastian Schipper steckt. Für Freunde des guten deutschen Kinos und für experimentierfreudige Filmfans ist Victoria ein absolutes Muss.

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Ein Kommentar
  • Theresia BEDNORZ
    24 November 2020 at 19:33

    Die Kurzbeschreibungen wecken das Interesse die Filme anzuschauen. Einfach mal was anderes als die sonst üblichen, bekannten Filme. Wind River lief schon mal im öffentlichen Fernsehprogramm, die hier verfasste Beschreibung ist mehr als zutreffend, kann ich persönlich bestätigen, sehr empfehlenswerter Film.

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