7.3/10

Kritik: Bullet Train

WENIG FRAUEN, VIELE DADDY ISSUES

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Genres: Action, Comic, Komödie, Startdatum: 04.08.2022

Interessante Fakten für…

  • Regisseur David Leitch und Brad Pitt hatten bereits vor Bullet Train (2022) eine lange Arbeitsbeziehung. Leitch hat als Pitts Stunt-Double in mehreren Filmen gearbeitet, darunter Fight Club (1999), Ocean’s Eleven (2001), Troja (2004) und Mr. & Mrs. Smith (2005). Pitt hatte auch einen Gastauftritt in Leitchs zweiter Regiearbeit Deadpool 2 (2018).
  • Der Name der Figur von Bad Bunny – Benito Antonio Martínez Ocasio – ist sein richtiger Name.

Ein cooler Soundtrack, fantastische Action und ein Star-Cast – das versprach bereits der Trailer zum neuen Film des „Deadpool“-Regisseurs David Leitch. Kann der Action Blockbuster halten, was er verspricht und kann er auch darüber hinaus überzeugen?

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#Marvelgeek #Genießerin #Trash

Darum geht’s

Der Söldner Ladybug (Brad Pitt) hat die Zeiten gewalttätiger Morde hinter sich gelassen und nimmt nur noch „einfache“ Jobs an. So soll er für seinen Kollegen Carver einspringen und einen Koffer mit Geld aus dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug „Bullet Train“ stehlen. Was er nicht weiß ist, dass er damit die Pläne einiger anderer an Bord durchkreuzt. Darunter das Geschwisterpaar Lemon (Brian Tyree Henry) und Tangerine (Aaron Taylor-Johnson), die den Sohn des mysteriösen „Weißen Tod“ zurückbringen sollen und dann sind da noch der „Wolf“ (Bad Bunny), Prince (Joey King) oder Kimura (Andrew Koji) die alle eine persönliche Vendetta planen. Bei so vielen Parteien ist ein Chaos vorprogrammiert.

Action, die sitzt

Eines muss man dem Film direkt lassen: Er hält was er im Trailer verspricht. Er verspricht einen witzigen Actionfilm mit Top Besetzung und wir bekommen genau das. Jede Kampfsequenz sitzt und selbst die Slow Mos sind an jeder Stelle perfekt gesetzt. Wenn man David Leitchs Handschrift schon durch Deadpool kennt und liebt, der wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen.

Und nicht nur die Action stimmt. Auch der Humor sitzt in alter Deadpool-Manier: komplett überzogen und blutig. Man sollte hier nicht die hochwertigsten Witze erwarten, doch manchmal kann es helfen, sein Hirn auszuschalten und auch einfach mal über die einfachen Dinge zu lachen.

Hier zu viel, da zu wenig

Und doch geht das nicht an jeder Stelle. Dass die Handlung nicht besonders tiefgründig sein würde, sollte den Kinogänger:innen hoffentlich bereits vor betreten des Saals klar gewesen sein. Und doch scheinen die Filmemacher:innen versucht zu haben, eine verstrickte Geschichte mit einem Wow-Effekt am Ende auf die Leinwand zu bringen. Doch die mittelmäßige Auflösung, einen viel zu mager etablierten Bösewicht und zu vielen Fragezeichen im Mittelteil stehen dem Ganzen im Weg. Da ein Großteil der Motivationen von Daddy Issues geprägt sind, ist hier nichts Originelles zu finden. Aber ganz vorhersehbar ist Bullet Train nun auch nicht! Lange wiegt man sich in Sicherheit, dass den Charakteren schon nichts Schlimmes passieren wird. Diese Sicherheit wird jäh gebrochen. Doch es folgen schließlich so viele Schockmomente, dass man sich schnell wieder an die neue Logik gewöhnt.

Dabei sie haben es aber glücklicherweise geschafft, sehr liebenswerte Charaktere zu etablieren, dass man dann doch an ihnen hängt. Besonders herauszustellen ist hier die witzige Dynamik zwischen den Brüdern Lemon und Tangerine. Sie sorgt nicht selten für Lacher und gleichzeitig lernt man die Charaktere sehr schnell so zu lieben, wie sie sich gegenseitig lieben. Auch Brad Pitt trägt die Hauptrolle als Ladybug mit Bravour. Dem Typen, der endlich ein gewaltfreies Leben führen möchte, wünscht man als Zuschauer:in mit jeder Minute mehr seinen verdienten Ruhestand!

Mann, Mann, Mann, Frau, Mann…

Es stellt sich jedoch auch schnell heraus, dass die nennenswerten und liebenswürdigen Charaktere hauptsächlich männlich besetzt wurden. Mit dem Bechdel Test, der in sich schon sehr ironisch gemeint ist, muss man hier gar nicht erst anfangen.

Die weiblichen Rollen sind entweder unsympathisch und nervig, haben kaum Text oder sind nur wenige Minuten zu sehen. Als Nebenrolle wurde beispielsweise die The Boys-Schauspielerin Karen Fukuhara verbraten, sowie Zazie Beetz, die gerade mal eine nennenswerte Szene bekam. Sandra Bullock, die groß beworben wurde, ist hauptsächlich stimmlich vertreten und Joey King, als einzige wirkliche weibliche Hauptrolle, hat kaum Tiefe und vertritt das Spoiled-Brat Klischee. Von einem Film, der 2022 veröffentlicht wird, kann man zwecks Diversität eindeutig mehr erwarten.

Bekannt wurde der Test durch die amerikanische Comic-Zeichnerin und Autorin Alison Bechdel. Er wird herangezogen, um zu prüfen, ob eigenständige, weibliche Charaktere vorkommen und auf Sexismus in der Filmindustrie aufmerksam zu machen.

Der Bechdel-Test besteht aus drei simplen Fragen. Können diese alle mit „Ja“ beantwortet werden, hat der Film den Test bestanden.

  • Gibt es mindestens zwei Frauenrollen?
  • Sprechen sie miteinander?
  • Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

Fazit

7.3/10
Ordentlich
Community-Rating:
Action 9/10
Charaktere 6/10
Handlung 6/10
Soundtrack 8/10
Humor 7.5/10
Details:
Regisseur: David Leitch,
FSK: 16 Filmlänge: 127 Min.
Besetzung: Aaron Taylor-Johnson, Andrew Koji, Brad Pitt, Brian Tyree Henry, Joey King,

Wer Action, einen tollen Cast und Humor, der sitzt, will, dem wird Bullet Train gefallen! Blutig und rasant geht der Film vorbei und Langeweile kommt nicht auf. Handlungstechnisch ist er teils etwas verwirrend und die Auflösung reicht nicht für den erwarteten Wow-Effekt. Und auch wenn einige Charaktere viel Spaß machen anzuschauen, hätte dem Film mehr weibliche Repräsentation gutgetan.

Artikel vom 11. August 2022

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