Kritik: Chaos Walking

Chaos gähnt und schläft ein
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
  • Als großer Blockbuster des Sommers angekündigt und beworben, kommt dieser Tage Doug Limans dystopischer Scifi-Actionthriller mit Daisy Ridley und Tom Holland in die Kinos. Wieso 'Chaos Walking' ein absoluter Schuss in den Ofen ist und floppt, erfährst du in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Worum geht's? Die Ausgangssituation des Films ist altbekannt: die Menschheit hat es sich mal wieder mit der Erde versaut und auf der Suche nach einer neuen Heimat den Planeten New World entdeckt. (Hut ab für diese umwerfende Namensgebung, aber mehr dazu später.) Dort läuft allerdings nichts nach Plan. Statt ein Utopia zu erschaffen, kämpfen die wenigen überlebenden Siedler ums Überleben: gegen heimische Aliens und sie stellen sich die existenzbedrohende Frage, wie die Gesellschaft ohne Frauen überleben soll – denn diese sind alle tot (aus Gründen) – oder mit der Beherrschung der eigenen Gedanken, die einem jeden nämlich dauernd, wenn nicht unter Kontrolle, in bunten Wolken um den Kopf schweben und für jeden sicht- und hörbar sind (ebenfalls: aus Gründen). Und wem dieser Satz jetzt viel zu lang und umständlich und vollgestopft war, der hat das Grundproblem des Films erkannt. Die Welt – bitte um Verzeihung: New World, in der Chaos Walking spielt, ist viel zu überladen. Einerseits mit den unterschiedlichsten Scifi-Konzepten, die weder einzeln irgendwie gewinnbringend betrachtet, noch sinnvoll zusammengebracht werden. Stattdessen tauchen ununterbrochen neue Ideen auf und ziehen die Handlung in eine andere Richtung. Andererseits ist der Film  viel zu überladen mit Handlungswendungen und Figuren, die ebenfalls nicht wirklich be-, bzw. ergründet werden. Werbung Und worum geht's konkret? Der junge Todd Hewitt (Tom Holland) ist als Kind der Siedler auf New World aufgewachsen und kennt nur das Leben in einer von Männern wildwestartig geführten, Bauernsiedlung ähnelnden, Gemeinschaft. Doch dann kommt eine Erkundungskapsel einer neuen Generation von Siedlern an. An Board: Viola Eade (Daisy Ridley). Es geht um sehr bekannte und gleichzeitig an den Haaren herbeigezogene Konflikte zwischen Todd, der Viola in Sicherheit bringen will, und Mayor Prentiss (Mads Mikkelsen), der mit ihrer Hilfe das Raumschiff der Siedler überfallen will. Dann kommt das Übliche: fliehen, sich verstecken, Hinterhalt, und Verfolgung, irgendeine überraschende Wendung und so weiter und so weiter. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Denn Chaos Walking hat, so viel auch passieren mag, nichts zu sagen. Geht es um den Konflikt zwischen Männern und Frauen? Mensch gegen die Wildnis? Mensch gegen die Aliens, gegen das Fremde? Geht es um die existenzielle Frage nach dem Fortbestand der Zivilisation? Geht es um Identität und den Wert von Privatsphäre in Anbetracht der Tatsache, dass alle jedermanns Gedanken hören können? Um die Freiheit der Gedanken? Alle diese Fragen müssen mit nein beantwortet werden. Leider macht Chaos Walking aus keiner der Ansätze irgendwas. Alles verläuft im Sand. Schnöde neue Welt Kann denn der Film zumindest auf der reinen Oberflächenebene unterhalten? Wenn der Verstand ausgeschaltet ist und es einem nur nach knalliger Action und atemberaubender oder zumindest schöner Bilder verlangt. Leider nein. New World sieht super langweilig aus. Das ist sicher gewollt, dass sich die “fremde” Welt, auf der die Siedler leben, gar nicht so fremd anfühlt, sondern “ganz normal”. Eben wie eine zweite, bewohnbare Erde. Aber wie der Grünstreifen an der Autobahn muss es dann aber doch nicht daherkommen. Wenn Handlung, Figuren und Ideen des Films so enttäuschen, könnte er doch zumindest optisch etwas mehr her machen. So wird auch die Scifi-Trope des Planeten mit einer Stadt sehr aufdringlich sichtbar. Es ist in vielen Filmen, die im Weltraum spielen, üblich, dass der neu entdeckte Planet nur ungefähr so groß zu sein scheint wie zwei, drei Fußballfelder und eine einzige Klimazone und Vegetation zu besitzen. Das ist verzeihlich als erzählerische Schummelei, um die Handlung voranzubringen. Aber wenn die Handlung und die Charaktere… – ich wiederhole mich. Wo ist der Fehler? Es ist schwer zu sagen, wieso Chaos Walking so wenig überzeugt. Regisseur Doug Liman hat z.B. mit Die Bourne Identität (2002) oder Mr. & Mrs. Smith (2005) gezeigt, dass er einerseits spannende Action beherrscht. Andererseits hat er mit Edge of Tomorrow (2014) auch schon einen wirklich gelungenen Sciencefictionfilm mit komplexem Konzept vorgelegt. Schade, dass ihm das mit Chaos Walking nicht erneut gelungen ist. Es wären viele schöne Ansätze vorhanden gewesen. Fazit: Was ein Chaos! Man fragt sich, was da schiefgelaufen ist. Das Chaos, das der Film im Titel verspricht, liefert er. Leider in Form einer überfrachteten und absolut langweiligen Handlung. Ich habe seit langem keinen so uninteressanten Film mehr gesehen und kann ihn niemandem empfehlen. Chaos Walking ist nicht so schlecht, dass man sich ärgert oder aufregt, er ist einfach nur langweilig. Nicht anschauen, man verpasst nichts. Versprochen.
    Kritik: Chaos Walking
    Handlung
    40%
    Spannung
    45%
    Dialoge
    30%
    Atmosphäre
    45%
    Szenenbild
    55%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 17.06.2021
    Filmlänge: 109 Minuten
    FSK: 6
    Genre: , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , , ,
    Bildrechte: StudioCanal Germany
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Gesamtbewertung:

Schwach
43%

Als großer Blockbuster des Sommers angekündigt und beworben, kommt dieser Tage Doug Limans dystopischer Scifi-Actionthriller mit Daisy Ridley und Tom Holland in die Kinos. Wieso 'Chaos Walking' ein absoluter Schuss in den Ofen ist und floppt, erfährst du in der Kritik.

Worum geht's?

Die Ausgangssituation des Films ist altbekannt: die Menschheit hat es sich mal wieder mit der Erde versaut und auf der Suche nach einer neuen Heimat den Planeten New World entdeckt. (Hut ab für diese umwerfende Namensgebung, aber mehr dazu später.) Dort läuft allerdings nichts nach Plan. Statt ein Utopia zu erschaffen, kämpfen die wenigen überlebenden Siedler ums Überleben: gegen heimische Aliens und sie stellen sich die existenzbedrohende Frage, wie die Gesellschaft ohne Frauen überleben soll – denn diese sind alle tot (aus Gründen) – oder mit der Beherrschung der eigenen Gedanken, die einem jeden nämlich dauernd, wenn nicht unter Kontrolle, in bunten Wolken um den Kopf schweben und für jeden sicht- und hörbar sind (ebenfalls: aus Gründen). Und wem dieser Satz jetzt viel zu lang und umständlich und vollgestopft war, der hat das Grundproblem des Films erkannt.

Daisy Riddley und Tom Holland in Chaos Walking

Ungefähr so gelangweilt habe ich auch während des Film dreingeschaut. Zusätzlich entsteht nicht viel Spannung zwischen Daisy Ridley und Tom Holland.

Die Welt – bitte um Verzeihung: New World, in der Chaos Walking spielt, ist viel zu überladen. Einerseits mit den unterschiedlichsten Scifi-Konzepten, die weder einzeln irgendwie gewinnbringend betrachtet, noch sinnvoll zusammengebracht werden. Stattdessen tauchen ununterbrochen neue Ideen auf und ziehen die Handlung in eine andere Richtung. Andererseits ist der Film  viel zu überladen mit Handlungswendungen und Figuren, die ebenfalls nicht wirklich be-, bzw. ergründet werden.

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Und worum geht's konkret?

Der junge Todd Hewitt (Tom Holland) ist als Kind der Siedler auf New World aufgewachsen und kennt nur das Leben in einer von Männern wildwestartig geführten, Bauernsiedlung ähnelnden, Gemeinschaft. Doch dann kommt eine Erkundungskapsel einer neuen Generation von Siedlern an. An Board: Viola Eade (Daisy Ridley). Es geht um sehr bekannte und gleichzeitig an den Haaren herbeigezogene Konflikte zwischen Todd, der Viola in Sicherheit bringen will, und Mayor Prentiss (Mads Mikkelsen), der mit ihrer Hilfe das Raumschiff der Siedler überfallen will.

Dann kommt das Übliche: fliehen, sich verstecken, Hinterhalt, und Verfolgung, irgendeine überraschende Wendung und so weiter und so weiter. Aber das ist auch gar nicht so wichtig. Denn Chaos Walking hat, so viel auch passieren mag, nichts zu sagen.

David Oyelowo in Chaos Walking

Die eigentlich spannende Idee der sichtbaren Gedanken bleibt völlig ungenutzt und geht bereits nach wenigen Minuten auf die Nerven.

Geht es um den Konflikt zwischen Männern und Frauen? Mensch gegen die Wildnis? Mensch gegen die Aliens, gegen das Fremde? Geht es um die existenzielle Frage nach dem Fortbestand der Zivilisation? Geht es um Identität und den Wert von Privatsphäre in Anbetracht der Tatsache, dass alle jedermanns Gedanken hören können? Um die Freiheit der Gedanken? Alle diese Fragen müssen mit nein beantwortet werden. Leider macht Chaos Walking aus keiner der Ansätze irgendwas. Alles verläuft im Sand.

Schnöde neue Welt

Kann denn der Film zumindest auf der reinen Oberflächenebene unterhalten? Wenn der Verstand ausgeschaltet ist und es einem nur nach knalliger Action und atemberaubender oder zumindest schöner Bilder verlangt.
Leider nein. New World sieht super langweilig aus. Das ist sicher gewollt, dass sich die “fremde” Welt, auf der die Siedler leben, gar nicht so fremd anfühlt, sondern “ganz normal”. Eben wie eine zweite, bewohnbare Erde. Aber wie der Grünstreifen an der Autobahn muss es dann aber doch nicht daherkommen. Wenn Handlung, Figuren und Ideen des Films so enttäuschen, könnte er doch zumindest optisch etwas mehr her machen.

Tom Holland in Chaos Walking

Optisch ist der Film die meiste Zeit ziemlich platt und grau.

So wird auch die Scifi-Trope des Planeten mit einer Stadt sehr aufdringlich sichtbar. Es ist in vielen Filmen, die im Weltraum spielen, üblich, dass der neu entdeckte Planet nur ungefähr so groß zu sein scheint wie zwei, drei Fußballfelder und eine einzige Klimazone und Vegetation zu besitzen. Das ist verzeihlich als erzählerische Schummelei, um die Handlung voranzubringen. Aber wenn die Handlung und die Charaktere… – ich wiederhole mich.

Wo ist der Fehler?

Es ist schwer zu sagen, wieso Chaos Walking so wenig überzeugt. Regisseur Doug Liman hat z.B. mit Die Bourne Identität (2002) oder Mr. & Mrs. Smith (2005) gezeigt, dass er einerseits spannende Action beherrscht. Andererseits hat er mit Edge of Tomorrow (2014) auch schon einen wirklich gelungenen Sciencefictionfilm mit komplexem Konzept vorgelegt. Schade, dass ihm das mit Chaos Walking nicht erneut gelungen ist. Es wären viele schöne Ansätze vorhanden gewesen.

Fazit:

Was ein Chaos!

Man fragt sich, was da schiefgelaufen ist. Das Chaos, das der Film im Titel verspricht, liefert er. Leider in Form einer überfrachteten und absolut langweiligen Handlung. Ich habe seit langem keinen so uninteressanten Film mehr gesehen und kann ihn niemandem empfehlen. Chaos Walking ist nicht so schlecht, dass man sich ärgert oder aufregt, er ist einfach nur langweilig. Nicht anschauen, man verpasst nichts. Versprochen.

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