7.5/10

Kritik: Chip und Chap: Die Ritter des Rechts

VON META-EBENEN UND STREIFENHÖRNCHEN

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Genres: Animation, Komödie, Krimi, Startdatum: 20.05.2022

Interessante Fakten für…

  • Jimmy der Eisbär hat keine Cartoon-Vorlage und geht auf den Eisbären zurück, der in zahlreichen Coca Cola Werbungen zu sehen ist.
  • Tenacious D haben ihren Song „Friendship“ für den Film in einer kinderfreundlicheren Version neu aufgenommen.

Der „Chip und Chap – Die Ritter des Rechts“-Cartoon war ein weltweiter Hit. Natürlich macht sich Disney das Verlangen nach nostalgischen Momenten zu nutze und serviert ein Meta-Reboot, das mehr richtig macht, als man zunächst glauben mag.

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#ComingOfAge #Dramedy #BesterHobbyKoch

Darum geht’s

Die Streifenhörnchen Chip (John Mulaney) und Chap (Andy Samberg) waren mit ihrer Show Chip und Chap: Die Ritter des Rechts echte Stars – bis Chap sich erfolglos an einer Solo-Karriere versuchte und Ritter des Rechts abgesetzt wurde. Seitdem gehen die ehemals besten Freunde und ihre Co-Stars getrennte Wege.

Doch als Jahre später nach einer Reihe von Entführungen berühmter Cartoon-Figuren schließlich auch ein enger Freund von Chip, inzwischen ein erfolgreicher Versicherungsvertreter, und Chap, der versucht das letzte bisschen Geld und Ruhm aus seinen Tagen als TV-Star zu holen, spurlos verschwindet, tun sich die beiden zusammen, um ihren Freund wiederzufinden.

Metaebene mit Sinn

Nostalgie ist nach wie vor ein beliebter Trend im Film- und Fernsehbusiness. Gefühlt vergeht keine Woche ohne die Ankündigung eines Reboots, Spin-Offs oder Sequels – und natürlich lässt sich das auch Disney nicht entgehen. Anstatt wie bereits mit Susi und Strolch (2019), einem nahezu 1:1-Live-Action-Remake des Animationsklassikers von 1955, entschied man sich in diesem Fall allerdings für eine andere Route und setzt voll auf Meta-Comedy: Herausgekommen ist eine Geschichte mit doppeltem Boden über alternde Stars, Nostalgie und Popkultur, die ganz nebenbei nicht nur sich selbst, sondern auch alles, was das Business in den letzten Jahrzehnte zu bieten hatte, ordentlich durch den Kakao zieht.

Schon nach dem ersten Teaser war klar: Entweder funktioniert dieses selbstreferenzielle Cameo-Projekt oder das Ganze geht gehörig in die Hose. Und Chipmunk im Himmel sei dank, es funktioniert! Zu verdanken hat man das zu großen Teilen Regisseur Akiva Schaffer, der als Mitglied der Comedy-Gruppe The Lonely Island sein Talent für guten, popkulturellen Humor erneut unter Beweis stellt.

Das Skript von Dan Gregor und Doug Mand setzt erwartbarerweise sehr auf den Nostalgie-Effekt. Glücklicherweise ist Nostalgie aber nicht das einzige, was das Skript zu bieten hat, den die Geschichte rund um die entfremdeten und zerstrittenen besten Freunde Chip und Chap ist stellenweise überraschend emotional. Richtige Gutpunches bleiben zwar aus, aber wer hätte gedacht, dass in den toll von John Mulaney und Andy Samberg gesprochenen Streifenhörnchen so viel Tiefe steckt!

Das wirklich besondere an der Handlung ist aber, dass die ganzen Cameos mit Hinblick auf das Thema der schwindenden Relevanz altbekannter Stars einen tatsächlichen Sinn zu haben scheint.  Einige der Referenzen dienen nicht nur dem Selbstzweck, sie bereichern den Film auf narrativer Ebene und fügen sich stimmig in den Handlungsverlauf ein. Dem Gag-Gimmick kommt so eine Meta-Ebene zu, die man so bisher nur bei wenigen anderen Filmen dieser Art gesehen hat.

Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass der Film ziemlich genau weiß, wer sein Publikum ist. Fans von Cartoons und Animation im Allgemeinen werden ihren Spaß daran haben, gefühlt alle halbe Sekunde auf Pause zu drücken um die Referenzen zu analysieren. Alle anderen erwartet ein Film, der zwar nicht unbedingt mit Originalität, aber sicherlich mit dem ein oder anderen Lacher, der auch ohne Popkulturkenntnisse verständlich ist, und herzigem Moment unterhält.

Falsches Spiel mit Chip und Chap

Und an dieser Stelle ist es an der Zeit, den Hasen im Raum anzusprechen. Denn einige von euch werden vielleicht sagen „Hey! So einen Mix aus Live-Action und Animation gab es doch schonmal!“ Und damit hätte man nicht unrecht: Man merkt dem Film mehr als einmal das große Genre-Vorbild Falsches Spiel mit Roger Rabbit an, der auch aus dem Hause Disney stammte und schon im Jahr 1988 die Animations- und Realfilmwelt miteinander verband.

An die satirischen und schwarzhumorigen Höhen des Kultklassikers kommt Chip und Chap: Die Ritter des Rechts nicht heran, da kann selbst ein Cameo von Roger höchstpersönlich nicht helfen. Der Film ist immer frech genug, um für zahlreiche, teilweise wirklich gute Lacher zu sorgen, aber wird eben nie zu frech, um irgendwem ernsthaft auf den Schlips zu treten. Natürlich macht Chip und Chap Spaß und zieht tatsächlich auch den ein oder anderen mehr als unerwarteten Gag aus dem Hut. Man fragt sich aber, was hätte sein können, wenn man sich noch mehr getraut hätte.

Lass dich CGI-operieren!

Was man natürlich auch nicht außer Acht lassen darf ist der unglaubliche Aufwand, der hinter so einem Mixed-Media-Film steckt. Und das gilt für einen Film wie Chip und Chap: Die Ritter des Rechts besonders, denn hier werden schließlich nicht nur Realaufnahmen und 2D-Animationen, sondern gleich mehrere Animationsstile miteinander gemixt. Und das gelingt weitestgehend echt gut, selten haben Knetfiguren, CGI-Monster und Menschen, so gut nebeneinander ausgesehen. Besonders schön ist, dass der Film für die verschiedenen Animationstechniken oder Charaktere, die wie Chap eigentlich 2D sein sollten, jetzt aber in CGI umgesetzt wurden, auch wieder eine Erklärung liefert, die sich schön in die Gesamtthematik des Filmes einfügt.

Aber einen kleinen Wermutstropfen gibt es in Sachen Animation dann doch: Während Chap in seinem neuen CGI-Gewand eine tolle Figur macht, fallen Chip und andere Charaktere, die 2D-animiert sein sollten, es aber eigentlich gar nicht sind, ein wenig ab. Zugegeben ist das ein kleiner Kritikpunkt mit Blick auf das große Ganze und auf das eigentlich kleine Budget von 70 Millionen US-Dollar, aber den Extra-Kick Nostalgie und 2D-Animationscharme hat man sich hier entgehen lassen.

Fazit

7.5/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Humor 8/10
Charaktere 7/10
Animation 7.5/10
Visuelle Umsetzung 7.5/10
Details:
Regisseur: Akiva Schaffer,
FSK: 6 Filmlänge: 98 Min.
Besetzung: Andy Samberg, J. K. Simmons, John Mulaney, KiKi Layne, Seth Rogen, Will Arnett,

Chip und Chap: Die Ritter des Rechts ist, wie von der Marketing-Kampagne angekündigt, kein Reboot, sondern ein Comeback der besonderen Art. Der Film rund um die zwei Streifenhörnchen überzeugt mit Witz, Emotionen und schier endlos vielen Referenzen, an denen sich Fans von Animation erfreuen werden. Für alle anderen bleibt die leichte, unterhaltsame Story und einige Witze, die auch ohne Abschluss in Popkultur verständlich sind.

Artikel vom 28. Mai 2022

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