8.3/10

Kritik: Entergalactic

NETFLIX‘ SPECIAL PROMO

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Genres: Animation, Drama, Komödie, Musical, Startdatum: 30.09.2022

Interessante Fakten für….

  • Parallel zum Film veröffentlichte Kid Cudi ein gleichnamiges Album.
  • Der Film wurde zuerst als Serie angekündigt.
  • Entergalactic ist dem verstorbenen Designer Virgil Abloh gewidmet – der Film erschien an seinem Geburtstag, dem 30. September.

Serie, Film oder TV-Special – wie auch immer man ‚Entergalactic‘ nennen will, bleibt es eine eineinhalbstündige romantische Komödie in einem von ‚Into the Spider-Verse‘ inspirierten Animationsstil. Ist der Film nur Promo für das neue Album von Kid Cudi, oder kann er auch als eigenes Werk überzeugen?

Darum geht’s

Künstler Jabari (Scott Mescudi/Kid Cudi) hat es geschafft: Seine Graffiti-Figur Mr. Rager soll zu einer eigenen Comic-Reihe werden. Bisher sprühte er sie überall in New York an die Wände, Geld verdiente er damit nicht. Jetzt aber steht er kurz vor dem Durchbruch als Künstler. Schöner Nebeneffekt: Von seinem Vorschuss zieht er in ein schickes Apartment in Manhattan.

Eigentlich will er hier jetzt sein Leben erfolgreicher Junggeselle genießen – doch erst trifft er zufälligerweise auf seine Ex-Freundin Carmen (Laura Harrier). Zwischen den beiden funkt es wieder, aber Jabari ist unsicher, wie es weitergehen soll. Und dann lernt er eines Nachts auch noch seine Nachbarin Meadow Watson (Jessica Williams) kennen…

Aufbruchstimmung

Entergalactic startet mit einem Blick ins Universum. Asia-Nudeln, eine Graffiti-Dose, ein Feuerzeug und ein brennender Joint fliegen durch Zeit und Raum und landen in der Hand des Protagonisten Jabari. Er sitzt auf der Kante eines Hochhauses, ist aber weit davon entfernt zu springen. Denn für ihn läuft es super: Seine Figur Mr. Rager wird der Hauptcharakter einer Comic-Serie und von dem Geld konnte er in ein neues Apartment in Manhattan ziehen, auf dessen Dach er gerade sitzt.

Visuell haben sich Kid Cudi und Regisseur Fletcher Moules bei ihrem Werk eindeutig von Into the Spider-Verse inspirieren lassen – und das sieht großartig aus. Leicht abgehackte Bewegungen und die weichen Linien und Farben verleihen dem animierten New York eine Wärme, die man sonst eher selten mit der Stadt in Verbindung bringt.

Zu Jabari und seinem neuen Leben passt das aber hervorragend. Kid Cudi spielt und spricht hier eine jüngere Version von sich selbst, einen Künstler am Anfang seiner Karriere. Statt Musik zeichnet er Comics und sprüht Graffiti. Die Welt, besser gesagt: New York, steht ihm offen, er freut sich auf das neue Kapitel seines Lebens. Auch wenn es harte Entscheidungen fordert, zum Beispiel ehrlich zu seiner Ex-Freundin zu sein.

Nur ein bisschen Promo

Die Szenen werden immer wieder durch Kid Cudis Musik unterlegt, die erstaunlich gut zum Animationsstil passt. Wenn der Sänger und Rapper zu den ätherischen Beats summt während Jabari auf dem Fahrrad durch die überraschend wenig befahrenen New Yorker Straßen fährt und diese sich langsam zu Sternen und einem lila-blauen Universum verwandeln, kreiert der Film seine ganz eigene Atmosphäre. Auch ohne den Joint, der fast immer in Jabaris Hand ist, kann man sich hier fallen lassen und abschalten.

Es fühlt sich oft an, als würde man einem Kid Cudi-Album zuschauen. Das hat leider auch zur Folge, dass die musikalischen Einlagen etwas zu häufig vorkommen. Aber fast immer erfüllen sie einen Zweck und bringen entweder die Story voran oder zeigen ein wenig mehr von Jabaris Gedankenwelt. Angenehm auch, dass nicht nur Songs seines neuen Albums auf dem Soundtrack zu finden sind. Auch ältere Lieder kommen zum Einsatz, wenn sie passen.

Das Sounddesign generell gehört zu den großen Stärken des Films. New York klingt, wie New York klingen soll. Neben Kid Cudi-Songs und den Straßengeräuschen überzeugen auch die Synchronsprecherinnen und Synchronsprecher. An dieser Stelle die klare Empfehlung, den Film auf Englisch zu schauen – fast alle Darsteller sind Afro-Amerikaner und deren Wortwahl und Aussprache klingen in der deutschen Synchronisation manchmal zu gewollt.

Eine klassische Love-Story

Nicht nur der Animationsstil, die Synchronsprecherinnen und die musikalischen Zwischenspiele überzeugen, überraschenderweise schlägt auch die Geschichte von Entergalactic in seinen Bann.

Eigentlich erzählt der Film nichts Neues und verpackt das Altbekannte auch noch in Klischees. Doch das Drehbuch von Entergalactic verleiht den Hauptcharakteren echte Tiefe und schafft es, dass der Humor die romantische, wohlige und spacige Atmosphäre unterstützt. Ähnlich wie bei Top Gun: Maverick macht es so einfach Spaß, wenn eine klassische Hollywood-Formel handwerklich so gut umgesetzt wird, dass dabei tatsächlich Gefühle transportiert werden. Nichts Neues, aber das macht viel vom Charme des Films aus.

Fazit

8.3/10
Stark
Community-Rating:
Handlung 7/10
Animation 9.5/10
Emotionen 7.5/10
Atmosphäre 9/10
Soundtrack 8.5/10
Details:
Regisseur: Fletcher Moules,
FSK: 0 Filmlänge: 92 Min.
Besetzung: Jessica Williams, Kid Cudi, Laura Harrier, Timothée Chalamet,

Entergalactic ist kein Meisterwerk, dazu bedient er in seiner Geschichte dann doch zu viele Klischees und setzt ein wenig zu sehr auf die Musik von Kid Cudi. Aber die Netflix-Produktion schafft für eineinhalb Stunden eine warme Atmosphäre, die man gar nicht mehr verlassen will. Die Einheit aus eigenwilliger, aber schöner Animation, der aufs Weltall gerichteten Musik und dem klassischen Plot überzeugt auf jeder Ebene. Entergalactic gehört zu den kleinen Überraschungen des Jahres.

Artikel vom 15. Dezember 2022

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