Kritik: Fear Street – Teil 2: 1978

Ferienlager und andere Desaster
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Bereits eine Woche nach dem soliden Auftakt der Horror-Trilogie 'Fear Street' steht schon der zweite Teil in den Startlöchern. Diesmal geht es ein ganzes Stück weiter in die Vergangenheit: in das Jahr 1978. Und wie es das Horror-Klischee so will, findet die fröhliche Metzelei in einem Ferienlager statt. Wie schlägt sich 'Fear Street – Teil 2: 1978'? Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht‘s Nach den Geschehnissen 1994 finden unsere Held:innen die zurückgezogene C. Berman (Gillian Jacobs). Sie scheint die einzig Überlebende des ewigen Hexenfluchs zu sein und könnte damit den Schlüssel raus aus der verfluchten Abwärtsspirale besitzen. Doch erst, als sie ausführlich ihre Geschichte des Massakers 1978 im Camp Nightwing erzählt, wird klar, dass sich die Flucht vor dem Fluch komplizierter gestalten könnte, als erhofft. Werbung (adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({}); Back to camp! Der Ortswechsel bringt neuen Schwung in die Filmreihe. Das Setting in ein typisch amerikanisches Ferienlager zu setzen, bietet eine Menge Abwechslung, stimmiges Lokalkolorit und selbstverständlich einen immensen Querverweis an den Kult-Klassiker Freitag der 13. Dabei sieht das in Sepia-Filter getauchte Camp mit allerlei nerdigen und pubertierenden Figuren so glaubhaft aus, wie wir es hierzulande eben glauben zu kennen. Zunächst ist auch wenig vom allgegenwärtigen Hexenfluch zu spüren. Da werden Streiche gespielt (Wet Hot American Summer lässt grüßen), da wird geflirtet, da werden Machtverhältnisse ausgelotet und zwischen Bogenschießen und Putzdienst eben auch der gelegentliche Quickie in den Baracken eingeschoben. So weit, so klischeehaft. Da wir als Zuschauende natürlich den ersten Film kennen, trauen wir der Idylle schon früh nicht. Doch es braucht eine ganze Weile, bis Blut fließt. Echte Konflikte für echte Schockmomente Regisseurin Leigh Janiak nutzt die Zeit bis zur Eskalation, um die verschiedenen Figurenkonstellationen und reichlich Konflikte zu etablieren. Wie schon in Fear Street – Teil 1: 1994 ist dieses Element zentral, um sich tatsächlich einfühlen zu können. Laben sich vergleichbare Titel an möglichst expliziten Gewaltszenen, ohne, dass diese etwas auslösen, fiebern wir hier richtig mit den teils liebenswerten Charakteren mit. Neben der bereits etablierten Rivalität zwischen Sunnyvale und Shadyside lernen wir auch die Schwestern Cindy (Emily Rudd) und Ziggy (Sadie Sink) kennen. Während Cindy ein angepasstes, braves Leben führt, nimmt Ziggy die Rolle der Rebellin ein. Da fliegen regelmäßig die Fetzen, ohne, dass die Konflikte überzeichnet oder unnachvollziehbar wären. Ein Kniff, der für das starke Finale absolut notwendig ist. Auch die Sticheleien anderer Figuren dienen, obgleich gelegentlich plakativ, immer einem erzählerischen Zweck. Nice-Guy wird zum Massenmörder Wenn Fear Street – Teil 2: 1978 den Pfad einschlägt, der versprochen wurde, dann geht es auch richtig zur Sache. Gleich mehreren Gruppen folgen wir durch das nächtliche Camp, während der offenbar unter einem Fluch stehende Mörder (eigentlich der perfekte Schwiegersohn) fein säuberlich Gliedmaßen abtrennt. Das ist dann nicht nur herrlich brutal und stark referenziell, sondern auch überraschend schockierend – denn selbst der knuddeligste Außenseiter ist nicht immun gegen Äxte! Sobald der Plot Fahrt aufgenommen hat, bewegt sich Janiak wieder in bewährten Gefilden. Letztlich folgt sie auch hier einem Schema, das wir aus einschlägigen Vorbildern kennen. Doch trotz des Run-and-Hide-Musters lässt die Spannung nicht nach. Im Gegenteil: Inszenierung, Pacing, Soundtrack und Jumpscares greifen perfekt ineinander und pushen den Puls konstant gen 100. Finale mit schönem Twist Nach der ganzen Hetzjagd vergisst man schnell, dass auch Fear Street – Teil 2: 1978 einem übergreifenden Plot dient. Das kommt vor allem in den letzten Minuten zum Tragen, wenn die Figuren nicht nur knietief im Blut stehen, sondern sich auch des ewigen Fluchs von Shadyside bewusstwerden. Es ist beachtlich, wie die einzelnen Plot-Elemente hier ineinandergreifen, einen ordentlich emotionalen Punch austeilen und gleichzeitig den dritten und letzten Teil vorbereiten. Bei diesem äußerst gelungenen Sequel ist es fast schon bedauerlich, dass wir uns vom stimmigen Camp-Setting verabschieden müssen. Fazit: ‚Fear Street – Teil 2: 1978‘ überbietet den Vorgänger! Das neue Setting und das ausgeklügelte Pacing mit lauter wunderbaren Konflikten ist ein echter Mehrwert für das Horror-Sequel. Während Prämisse und Location eher als augenzwinkernder Querverweis gedeutet werden dürfen, sind es einmal mehr die gut geschriebenen (und gespielten!) Figuren, die zwischen Streitigkeiten und nacktem Überlebenskampf glänzen. Die starke Inszenierung, ein amtlicher Gore-Gehalt und eine tolle Musikauswahl machen Fear Street – Teil 2: 1978 auch losgelöst vom Vorgänger zu einer spaßigen, kurzweiligen Angelegenheit. Ob Teil 3 das überbieten kann?
    Kritik: Fear Street – Teil 2: 1978
    Handlung
    80%
    Horror
    80%
    Schauspiel
    85%
    Spannung
    85%
    Emotionen
    80%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 08.07.2021
    Filmlänge: 110
    FSK: 18
    Genre: , , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , , , , , , , , , ,
    Bildrechte: Netflix

Gesamtbewertung:

Stark
82%
Bereits eine Woche nach dem soliden Auftakt der Horror-Trilogie 'Fear Street' steht schon der zweite Teil in den Startlöchern. Diesmal geht es ein ganzes Stück weiter in die Vergangenheit: in das Jahr 1978. Und wie es das Horror-Klischee so will, findet die fröhliche Metzelei in einem Ferienlager statt. Wie schlägt sich 'Fear Street – Teil 2: 1978'?

Darum geht‘s

Nach den Geschehnissen 1994 finden unsere Held:innen die zurückgezogene C. Berman (Gillian Jacobs). Sie scheint die einzig Überlebende des ewigen Hexenfluchs zu sein und könnte damit den Schlüssel raus aus der verfluchten Abwärtsspirale besitzen. Doch erst, als sie ausführlich ihre Geschichte des Massakers 1978 im Camp Nightwing erzählt, wird klar, dass sich die Flucht vor dem Fluch komplizierter gestalten könnte, als erhofft.

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Back to camp!

Der Ortswechsel bringt neuen Schwung in die Filmreihe. Das Setting in ein typisch amerikanisches Ferienlager zu setzen, bietet eine Menge Abwechslung, stimmiges Lokalkolorit und selbstverständlich einen immensen Querverweis an den Kult-Klassiker Freitag der 13. Dabei sieht das in Sepia-Filter getauchte Camp mit allerlei nerdigen und pubertierenden Figuren so glaubhaft aus, wie wir es hierzulande eben glauben zu kennen.

Zunächst ist auch wenig vom allgegenwärtigen Hexenfluch zu spüren. Da werden Streiche gespielt (Wet Hot American Summer lässt grüßen), da wird geflirtet, da werden Machtverhältnisse ausgelotet und zwischen Bogenschießen und Putzdienst eben auch der gelegentliche Quickie in den Baracken eingeschoben. So weit, so klischeehaft. Da wir als Zuschauende natürlich den ersten Film kennen, trauen wir der Idylle schon früh nicht. Doch es braucht eine ganze Weile, bis Blut fließt.

Echte Konflikte für echte Schockmomente

Regisseurin Leigh Janiak nutzt die Zeit bis zur Eskalation, um die verschiedenen Figurenkonstellationen und reichlich Konflikte zu etablieren. Wie schon in Fear Street – Teil 1: 1994 ist dieses Element zentral, um sich tatsächlich einfühlen zu können. Laben sich vergleichbare Titel an möglichst expliziten Gewaltszenen, ohne, dass diese etwas auslösen, fiebern wir hier richtig mit den teils liebenswerten Charakteren mit.

Trotzen gemeinsam dem Bösen: Nick (Ted Sutherland) und Ziggy (Sadie Sink)

Neben der bereits etablierten Rivalität zwischen Sunnyvale und Shadyside lernen wir auch die Schwestern Cindy (Emily Rudd) und Ziggy (Sadie Sink) kennen. Während Cindy ein angepasstes, braves Leben führt, nimmt Ziggy die Rolle der Rebellin ein. Da fliegen regelmäßig die Fetzen, ohne, dass die Konflikte überzeichnet oder unnachvollziehbar wären. Ein Kniff, der für das starke Finale absolut notwendig ist. Auch die Sticheleien anderer Figuren dienen, obgleich gelegentlich plakativ, immer einem erzählerischen Zweck.

Nice-Guy wird zum Massenmörder

Wenn Fear Street – Teil 2: 1978 den Pfad einschlägt, der versprochen wurde, dann geht es auch richtig zur Sache. Gleich mehreren Gruppen folgen wir durch das nächtliche Camp, während der offenbar unter einem Fluch stehende Mörder (eigentlich der perfekte Schwiegersohn) fein säuberlich Gliedmaßen abtrennt. Das ist dann nicht nur herrlich brutal und stark referenziell, sondern auch überraschend schockierend – denn selbst der knuddeligste Außenseiter ist nicht immun gegen Äxte!

Auch im Camp Nightwing treiben Äxte schwingende Mörder ihr Unwesen!

Sobald der Plot Fahrt aufgenommen hat, bewegt sich Janiak wieder in bewährten Gefilden. Letztlich folgt sie auch hier einem Schema, das wir aus einschlägigen Vorbildern kennen. Doch trotz des Run-and-Hide-Musters lässt die Spannung nicht nach. Im Gegenteil: Inszenierung, Pacing, Soundtrack und Jumpscares greifen perfekt ineinander und pushen den Puls konstant gen 100.

Finale mit schönem Twist

Nach der ganzen Hetzjagd vergisst man schnell, dass auch Fear Street – Teil 2: 1978 einem übergreifenden Plot dient. Das kommt vor allem in den letzten Minuten zum Tragen, wenn die Figuren nicht nur knietief im Blut stehen, sondern sich auch des ewigen Fluchs von Shadyside bewusstwerden. Es ist beachtlich, wie die einzelnen Plot-Elemente hier ineinandergreifen, einen ordentlich emotionalen Punch austeilen und gleichzeitig den dritten und letzten Teil vorbereiten. Bei diesem äußerst gelungenen Sequel ist es fast schon bedauerlich, dass wir uns vom stimmigen Camp-Setting verabschieden müssen.

Fazit:

‚Fear Street – Teil 2: 1978‘ überbietet den Vorgänger!

Das neue Setting und das ausgeklügelte Pacing mit lauter wunderbaren Konflikten ist ein echter Mehrwert für das Horror-Sequel. Während Prämisse und Location eher als augenzwinkernder Querverweis gedeutet werden dürfen, sind es einmal mehr die gut geschriebenen (und gespielten!) Figuren, die zwischen Streitigkeiten und nacktem Überlebenskampf glänzen. Die starke Inszenierung, ein amtlicher Gore-Gehalt und eine tolle Musikauswahl machen Fear Street – Teil 2: 1978 auch losgelöst vom Vorgänger zu einer spaßigen, kurzweiligen Angelegenheit. Ob Teil 3 das überbieten kann?

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