8.7/10

Kritik: Findet Dorie

PALETTEN-DOKTORFISCH MIT ANTEROGRADER AMNESIE

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Genres: Animation, Familie, Komödie, Startdatum: 29.09.2016

Interessante Fakten für…

  • Hank hat nur sieben Tentakel, weil die Animatoren feststellten, dass sie nicht acht an seinen Körper anpassen konnten. Seine Hintergrundgeschichte wurde umgeschrieben, um das fehlende Glied zu berücksichtigen. Aus ähnlichen Gründen konnte das Spezialeffekte-Genie Ray Harryhausen in dem Science-Fiction-Klassiker Das Grauen aus der Tiefe (1955) einen Stop-Motion-Riesenkraken nur mit sechs Armen erschaffen.

Nach Findet Nemo ist nun also auch Dorie verschwunden. Dabei scheint das Konzept der Geschichte sowieso viel besser zur vergesslichen Doktorfisch-Dame zu passen – denn wie soll man jemanden finden, der schon längst vergessen hat, dass er verloren gegangen ist? Das ist tatsächlich eine interessante Idee für ein Sequel. Und mittlerweile ist es schon Routine, dass die Halbgötter von Pixar aus interessanten Ideen Meisterwerke erschaffen. Ständig. Schafft es auch Findet Dorie in die Hall of Fame der Animationsfilme?

key
#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Haben wir Dories Vergangenheit wirklich hinterfragt? Im Vorgänger aus dem Jahr 2003 rempelte sie Clownfisch Marlin (Albert Brooks, im Deutschen Christian Tramitz) aus Versehen an und war ab dann eben Teil der Geschichte. Aber wie überlebt ein Fisch, der sich nicht einmal an die letzten 30 Sekunden erinnern kann, im großen, weiten Ozean? Hier eine spoilerfreie Einführung in die Geschichte:

Vor „Findet Nemo“: Habt ihr zufällig Dories Eltern gesehen?

Dorie (Ellen DeGeneres, im Deutschen Anke Engelke) war schon immer ein Sorgenkind – und das wortwörtlich. Die Eltern von Dorie verzweifelten an ihrem „Gedächtnisverschwund“ und ließen sich Dinge einfallen, die dem kleinen Fisch-Mädchen das selbstständige Leben erleichtern könnten. So versuchten sie, ihrer Tochter Merk-Lieder beizubringen – ohne großen Erfolg. Dorie lebt nur im Moment und kennt keine Vergangenheit.

Auf einmal findet sich die junge Dorie alleine im dunklen Ozean wieder. Die Eltern sind weg. Natürlich weiß sie nicht, wie sie dort hingekommen ist. Irgendwann vergisst sie dann, dass sie überhaupt auf der Suche nach ihren Eltern ist, gefolgt davon, dass sie überhaupt Eltern hat. Dorie irrt durchs Meer, stößt mit fremden Fischen zusammen und bittet sie um Hilfe, die aber nur genervt weiterschwimmen. Dorie ist so verloren, wie man es nur sein kann.

Während „Findet Nemo“: Habt ihr ein Boot gesehen?

Irgendwann stößt Dorie mit dem nervösen Clownfish Marlin zusammen, der soeben seinen Sohn Nemo (Hayden Rolence) an ein Fischerboot verloren hat. Hier setzt die Geschichte von Findet Nemo ein. Nach einem weiteren Zeitsprung wird die Handlung ein Jahr in die Zukunft katapultiert und Dorie bekommt einen urplötzlichen Flashback: Sie kann sich an ihre Eltern erinnern!

„Findet Dorie“ und Dories Eltern!

Dorie überredet Marlin und Nemo, ihr bei der Suche ihrer verschwundenen Eltern zu helfen. Oder war es doch Dorie, die verschwunden ist? Wer weiß. Auf ihrem neuen Trip quer durch den Ozean, bekommt Dorie immer mehr Flashbacks. Ihre Reise führt sie zum Marine Life Institute in Kalifornien, ein Sanatorium und Zoo für Meerestiere. Hier lauern Antworten, Gefahren und seltsame Gestalten. Und dann geht Dorie natürlich verloren – scho

Auf einmal schießt es Dorie (Anke Engelke) in den Kopf: Sie hat Eltern und sie muss sie finden! Marlin (Christian Tramitz) und Nemo sind skeptisch.

Nemo, Dorie und Marlin in Findet Dorie

Wie schreibt man eine gute Fortsetzung?

Im Gegensatz zu Disney, sind Fortsetzungen für das Partnerstudio Pixar ein Härtefall. Während wir vom besten Animationsstudio der Welt jedes Jahr einen neuen Klassiker geschenkt bekommen, der vollkommen unabhängig von anstrengenden Sequel-, Reboot– und Remake-Konstruktionen ist, kommt man manchmal eben doch nicht dran vorbei. Findet Nemo war einfach zu erfolgreich. Die Geschichte „sequel-los“ zu lassen, wäre ein Verbrechen. Doch die Toy Story-Trilogie hat uns eindrucksvoll bewiesen, dass Pixar auch Fortsetzungen produzieren kann, die noch besser sind als die Vorgänger. Diesen „Der Pate 2 -Effekt“ konnte man mit Die Monster Uni zwar nicht wiederholen – aber mit Findet Dorie vielleicht?

Die Regisseure Andrew Stanton und Angus MacLane machen im Bezug auf die Story (fast) alles richtig. Statt die gleiche Idee noch einmal im Dorie-Format aufzuwärmen, baut der Film die Nemo-Geschichte weiter aus. So gibt es in Findet Dorie Schnittstellen zum Vorgängerfilm, Flashbacks und Hintergrundwissen. Das alles ist elegant und ungezwungen in die Haupthandlung integriert, könnte für kleine Kinder aber dennoch etwas verwirrend sein. Doch für die 90er–Kids, die 2003 den ersten Teil mindestens drei Mal im Kino gesehen haben, wird die neue Erzählweise bestimmt ein großer Spaß.

Raus aus dem Meer, rein ins Aquarium

Nicht nur der Erzählton ist anders, auch das Setting. Denn vom Ozean sehen wir im zweiten Teil gar nicht mehr so viel. Stattdessen begeben sich Dorie, Marlin und Nemo in die Welt an Land – und begegnen Menschen. Zwar hat die Zahnarztpraxis aus Findet Nemo einen ähnlichen Bezug zur Menschenwelt gesucht, doch in Findet Dorie wird die Thematik auf ein ganz neues Level gehoben: Statt einem kleinen Aquarium gibt’s jetzt einen riesigen Aquarien-Zoo zu bestaunen. Eine künstliche Meereswelt, die aber in ihrer Optik nicht weniger beeindruckend ist, als die Korallenriffs aus Findet Nemo.

Bayrisch sprechende Seelöwen helfen Marlin und Nemo, in das Sanatorium einzubrechen, um Dorie zu finden.

Nemo, Marlin und die Seotter in Findet Dorie

Dorie kann erneut ihr „Walisch“ auspacken: Denn in Findet Dorie gibt es gleich mehrere neue und kommunikationslustige Wal-Kumpels. Die Walhai Destiny ist kurzsichtig und der Beluga-Wal Bailey hat ein kaputtes Echolot. Dorie ist also nicht die Einzige mit einem Handicap. Jeder Charaktere kämpft seinen eigenen Kampf und fühlt sich selbst nicht im Stande, das eigene Leben ohne Hilfe zu bewältigen. Doch in Findet Dorie geht es um das „Über sich hinaus wachsen“. Die Aussage ist subtil, und fällt (mal wieder) nur den erwachsenen Pixar-Fans bewusst auf.

Dorie und ihre Wal-Freunde Destiny und Bailey haben alle ihre Macken. Doch sie helfen sich gegenseitig, um im Ozean überleben zu können.

Dorie, Destiny und Bailey in Findet Dorie

Die 97 Minuten Spielzeit sind selbst für einen Animationsfilm eher kurz. Trotzdem fühlt sich Findet Dorie nicht wie ein kleiner Film an, denn die Ereignisse überschlagen sich in jeder Filmminute. Besonders in der zweiten Hälfte werden der Story jedoch etwas zu viele Hürden in den Weg gestellt, die es vor dem Ende noch zu bewältigen gibt. Dadurch fühlt es sich mehrmals so an, als ob der Film seinen Höhepunkt erreicht hat – bis eine weitere, noch dramatischere Szene folgt.

Neben einer emotionalen Auflösung der Geschichte erwartet uns ein rasanter Showdown an Land, der verrückter nicht sein könnte. Ohne zu viel zu verraten: Das Finale endet mit einer Slowmotion inklusive „What a wonderful world“ von Louis Armstrong und einem gewaltigen *PLATSCH*. Genial.

Fazit

8.7/10
Sehr Gut
Community-Rating:
Handlung 8.5/10
Animation 9/10
Charaktere 9/10
Emotionen 8.5/10
Humor 8.5/10

Nemo-Fans dürfen sich freuen: Findet Dorie macht genauso viel Spaß wie das Original vor 13 Jahren. Die Fortsetzung unterscheidet sich vom Vorgänger mit einem frischen Erzählstil und einem unbenutzten Setting. Findet Nemo und Findet Dorie harmonieren dadurch perfekt miteinander und ergänzen sich gegenseitig. Darüber hinaus gibt es wieder die üblichen Pixar-Qualitäten zu bewundern: Lupenreine und fantasievolle Animationen, knackiger Humor und eine Geschichte, bei der junge und ältere Fans voll auf ihre Kosten kommen. Pixar und Disney haben mal wieder routiniert eine kleine Perle aus dem Ärmel geschüttelt. Genau so muss ein Sequel sein.

Artikel vom 11. September 2016

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