7.8/10

Kritik: I Kill Giants

DIE KRAFT DER FANTASIE

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Genres: Drama, Fantasy, Mystery, Startdatum: 23.08.2018

Interessante Fakten für…

  • Nach der gleichnamigen Graphic-Novel-Serie von Image Comics 2008, geschrieben von Joe Kelly und J. M. Ken Niimura.

Ein deutsches Kino-Release gab es für „I Kill Giants“ nicht. Dafür ist das fantasievolle Familiendrama jetzt auf Netflix, Amazon Video und DVD erhältlich. Warum du dir den unterschätzten Sonderling nicht entgehen lassen darfst, liest du in dieser Kritik.

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#storysüchtig #strangerthings #schwarztee

Darum geht’s

Barbara (Madison Wolfe) macht Jagd auf fürchterliche Riesen, die ihr idyllisches Küstendorf zu zerstören drohen. Statt Dank erntet die Außenseiterin jedoch lediglich Unverständnis und Häme. Als Barbara mit ihrer neuen Nachbarin Sophia (Sydney Wade) Freundschaft schließt, hofft sie eine Mitstreiterin gefunden zu haben. Doch Sophias Zweifel an der Welt der Riesen wachsen, je mehr sie über Barbara erfährt.

Rührende Charakterstudie

I Kill Giants basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Joe Kelly und Ken Niimura* und markiert das Spielfilm-Debut des Dänen Anders Walter, der mit seinem Kurzfilm Helium 2014 bereits den Oscar für Best Live Action Short Film gewann.

Wie schon in Helium widmet sich Walters neues Werk der lebhaften Fantasie eines emotional überforderten Teenagers. Anders als es Trailer und Filmplakat suggerieren, geht es daher nicht um epische CGI-Schlachten, sondern vielmehr um sehr persönliche Charaktermomente.

Schultherapeutin Mrs. Mollé versucht zu helfen, hört aber nicht richtig hin.

Zoe Saldana als Therapeutin in I Kill Giants

Riesen, Titanen, und Kriegshämmer dienen dabei vor allem als verschlungene Metaphern, die uns Zuschauern gewähren, was Barbaras Schultherapeutin Mrs. Mollé (Zoe Saldana: Guardians of the GalaxyAvengers: Infinity War) misslingt: Wir sehen die Welt durch Barbaras Augen.

Diese vorurteilsfreie, intime Nähe zwischen Zuschauer und Protagonist ist die größte Stärke des Films und transportiert gleichzeitig eine wichtige Message: Wer helfen will, muss erst einmal zuhören, um dann besser verstehen zu können.

Bemühte Verschleierungsversuche

Einfühlsam und vorsichtig nähert sich der Film Szene für Szene dem eigentlichen Kampf, den Barbara zu führen scheut. Trotz dieser sich solide zuspitzenden Dramaturgie, lässt die Auflösung der Handlung zu wünschen übrig. Denn zu früh wird klar, in welche Richtung die Reise geht, womit I Kill Giants das eigene Worldbuilding konstant unterminiert. Hinzu kommt, dass uns Informationen äußerst offensichtlich vorenthalten werden, was spätestens dann absurd wird, als ein aufklärender Halbsatz Sophias plötzlich ausgefadet wird.

Trotz dieser bemühten Verschleierungstaktik rafft sich die Handlung schließlich doch noch zu einem Ende auf, das Realität und Fantasie würdevoll in Einklang bringt. Schlussendlich gelingt das Kunststück aus einem tieftraurigen Thema ein wohlig-warmes Gefühl zu schöpfen, ohne dass dieser vermeintliche Gegensatz künstlich oder forciert wirkt.

Hingebungsvoll inszeniert

I Kill Giants ist hingebungsvoll inszeniert, was sich vor allem im Detailgrad der Requisiten und Szenenbilder zeigt, die sich irgendwo zwischen Kinderzimmer und Voodoo-Kult bewegen. Eingefangen in stimmungsvollen, ästhetischen Kamerabildern erinnert der Look and Feel entfernt an Stranger Things, schlägt jedoch einen verträumteren Weg ein.

Zudem wird weitestgehend auf pathetische CGI verzichtet, was den gezielten Einsatz in Schlüsselszenen umso eindrucksvoller und wertiger macht. Profiteure davon sind Barbaras Riesen, die trotz des vergleichsweise kleinen 15-Million-Dollar-Budgets großen Blockbustern optisch in nichts nachstehen.

Riesenleistung von Madison Wolfe

Madison Wolfe (r.) lässt den restlichen Cast im Hintergrund verschwinden.

Madison Wolfe und Sydney Wade am Strand in I Kill Giants

I Kill Giants lebt von Madison Wolfe (Conjuring 2, True Detective), deren vielschichtige Darbietung mit Leichtigkeit den Screen füllt. Mit ihrer nahtlosen Performance, die gekonnt Verletzlichkeit, Stolz und Mut vereint, gewinnt sie das Zuschauerherz im Nu. Gerade die vielen vertraulichen Charakterszenen, die die 15-jährige Schauspielerin ganz alleine bestreiten muss, meistert sie famos.

Während die Hauptdarstellerin davon prescht, fällt der Rest des Casts weitestgehend zurück. Besonders Sydney Wade als Barbaras Sidekick Sophia beschränkt ihr Schauspiel auf befremdliches Stirnrunzeln. Aber auch Zoe Saldana bekommt wenig Chancen, sich schauspielerisch zu beweisen. Lediglich Imogen Poots (28 Weeks LaterCenturion) holt alles aus ihren wenigen Szenen als Barbaras Schwester Karen heraus, was uns rührende Momente beschert.

Fazit

7.8/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 8/10
Visuelle Umsetzung 8.5/10
Schauspiel 8/10
Emotionen 7.5/10
Spannung 7/10
Details:
Regisseur: Anders Walter,
FSK: 12 Filmlänge: 106 Min.
Besetzung: Imogen Poots, Madison Wolfe, Rory Jackson, Sydney Wade, Zoe Saldana,

I Kill Giants ist ein lebensbejahendes Familiendrama, das kindliche Fantasie und bittere Realität würdevoll vereint. Liebevolles Setdesign, gezielt eingesetzte CGI und eine trostspendende Message erschaffen einen bittersüßen Film, der trotz eines traurigen Endes, ein warmes Gefühl zurücklässt. I Kill Giants ist ein idealer Familienfilm für einen verregneten Nachmittag.

Artikel vom 13. August 2018

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