Kritik: Outlaw King

Der Preis der Unabhängigkeit
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Chris Pine als Robert Bruce, Earl of Carrick in Titelbild für Kritik Outlaw King
  • Lang lebe die Freiheit! Die Geschichten über die erbitterten Unabhängigkeitskriege der Schotten sind in Literatur und Film enorm beliebt. Vor 23 Jahren schuf sich Mel Gibson mit 'Braveheart' ein filmisches Denkmal. Mit 'Outlaw King' kommt jetzt sozusagen ein indirekter Nachfolger als Netflix Original. Ob die Rebellion gegen die englische Krone überzeugend ausfällt, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Wir schreiben das 14. Jahrhundert. Die Verhältnisse zwischen Schottland und England sind mehr als angespannt. Da sich der schottische Adel der englischen Krone unterwirft, ist das Volk sichtlich aufgebracht. Robert The Bruce (Chris Pine, Wonder…
    Kritik: Outlaw King tba
    1

    73%

    Ordentlich

    Handlung
    55%
    Spannung
    65%
    Action
    85%
    Schauspiel
    75%
    Visuelle Umsetzung
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 09.11.2018
    Filmlänge: 121 Minuten
    FSK: 18
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , ,
    Bildrechte: © 2018 Netflix

Gesamtbewertung:

Ordentlich
73%

Lang lebe die Freiheit! Die Geschichten über die erbitterten Unabhängigkeitskriege der Schotten sind in Literatur und Film enorm beliebt. Vor 23 Jahren schuf sich Mel Gibson mit 'Braveheart' ein filmisches Denkmal. Mit 'Outlaw King' kommt jetzt sozusagen ein indirekter Nachfolger als Netflix Original. Ob die Rebellion gegen die englische Krone überzeugend ausfällt, erfahrt ihr in unserer Bewertung und Kritik.

Darum geht's

Wir schreiben das 14. Jahrhundert. Die Verhältnisse zwischen Schottland und England sind mehr als angespannt. Da sich der schottische Adel der englischen Krone unterwirft, ist das Volk sichtlich aufgebracht. Robert The Bruce (Chris Pine, Wonder Woman) spielt das Spielchen gezwungenermaßen mit: treu sammelt er beim Volk die Steuern für den König und heiratet die junge Engländerin Elizabeth (Florence Pugh), was die Beziehungen zu den englischen Adelshäusern stärken soll. Als der Rebellenanführer William Wallace (Mel Gibsons Figur aus Braveheart) jedoch getötet und dessen Körperteile im ganzen Land als Mahnmal ausgestellt werden, kippt die Stimmung des Volkes. Da kapiert auch Robert, dass sich etwas ändern muss. Zusammen mit weiteren Adligen probt er den Aufstand...

Charaktereinführung in Rekordzeit

 

Regisseur David Mackenzie (Hell or High Water) startet sein Mittelalter-Epos mit einer beeindruckenden Plansequenz, die innerhalb von zehn Minuten deutlich macht, wie die Figuren und Länder zueinander stehen. Erst wird das Bündnis zwischen dem englischen und schottischen Adel bestärkt, dann leisten sich Robert The Bruce und der englische Thronfolger Edward einen Schwanzvergleich in Form eines Duells (offensichtlich können sich die beiden nicht ausstehen) und schlussendlich schießt der englische König die letzte Rebellenfestung nieder. So rudimentär die Machtverhältnisse und Figuren dadurch auch gezeichnet werden, sie sind spektakulär in Szene gesetzt.

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Leider geht es in Outlaw King ebenso zackig mit der Figurenzeichnung und Handlung weiter, ohne jedoch den nötigen Unterbau zu liefern. Eine Tatsache, die sich später rächt. Die Einführung von Roberts Ehefrau Elizabeth ist aufgrund ihrer an sich spannenden Figur und dem schnippischen Spiel von Florence Pugh zwar in sich stimmig, aber leider viel zu hastig abgefrühstückt. Wenn Elizabeth ihrem Gatten in der ersten Szene noch die kalte Schulter zeigt und in der nächsten bereits ein Liebesgeständnis mit immensen politischen Auswirkungen macht, dann kann der Zuschauer nicht anders, als zu stolpern. Doch hier hört es nicht auf...

Elizabeth (Florence Pugh) und Robert (Chris Pine) bleibt aufgrund eines hektischen Drehbuchs keine Zeit für eine glaubhafte Beziehung.

Wer ist Robert The Bruce?

Eine ähnlich steile Entwicklungskurve legt nämlich auch unser Protagonist Robert hin. Ein kritischer Unterton seines Vaters, ein kleiner Aufruhr der Bevölkerung und ein abgeschlagenes Bein von William Wallace und schlagartig wird der einstige Konformist zum Rebellenanführer, der auch vor hinterhältigem Mord nicht zurückschreckt. Da ist es dann auch kein Wunder, wenn Robert den undurchsichtigen James Douglas in der ersten Szene noch als potenziellen Spion, in der nächsten Szene dann aber schon als Bruder bezeichnet. Wertvolle Zwischenschritte werden hier rigoros übersprungen!

Diese schwer nachvollziehbaren Entwicklungen machen sich gerade im Schlussdrittel deutlich bemerkbar. Wenn der selbsternannte "König der Schotten" auf der Flucht vor den Engländern ist, dann fiebert man einfach nicht so sehr mit, wie man das noch bei Gibsons Braveheart tat. Hier hätte es den Figuren deutlich besser getan, wenn man ein wenig länger in sie investiert hätte. Denn nur durch die Identifikation mit den Protagonisten wirkt die Hetzjagd nach dem "Outlaw" erst richtig stimmig. So sieht das zwar alles ganz nett aus – aber so richtig gepackt ist man nur streckenweise.

Düsteres Mittelalter: blutig und grau

Schade, dass die brutalen Schlachten so deutlich an Bedeutung einbüßen. Denn was Mackenzie und Kameramann Barry Ackroyd hier auf die Beine stellen, ist ziemlich beachtlich. Das brutale Gemetzel zwischen den Oppositionen ist heftig, realistisch und wenig romantisiert. Während die kleineren Scharmützel in der Mitte des Films schon ganz ansehnlich sind, ist es vor allem das große Finale, das wirklich beeindruckt. Die blutige Schlacht ist packend und hochwertig inszeniert; die Spezialeffekte fügen sich nahtlos ein und zwischendurch ergibt sich eine ähnlich beklemmende Atmosphäre wie in der legendären Schlacht der Bastarde. Hier schafft es Outlaw King tatsächlich, dem großen Bruder Braveheart ansatzweise das Wasser zu reichen.

Eine Schlacht in einem Szenenbild für Kritik Outlaw King

Echtes 'Game of Thrones'-Feeling: Die Schlachten in 'Outlaw King' sind dreckig und authentisch.

Auch sonst ist die Ausstattung üppig, die Settings authentisch und das derbe Mittelalter ziemlich glaubhaft getroffen. Besonders löblich ist, dass die Produzenten nicht vor derber Gewalt zurückschrecken, um diese düstere Zeit eben als solche darzustellen. Dabei ist Outlaw King so kompromisslos, wie wenige Historienfilme. Wenn ein Rebell bei lebendigem Leib aufgehängt und förmlich ausgeweidet wird, dann hält die Kamera knallhart drauf. Und erschafft somit eine Atmosphäre, die zeitweise unter die Haut geht.

 

"The Black Douglas" stiehlt die Show

Wie sich Mel Gibson damals der Rolle des William Wallace annahm, war schon eine Wucht! Chris Pine spielt in Outlaw King als Robert The Bruce leider einige Ligen darunter. Sein mau imitierter schottischer Akzent ist ebenso fragwürdig, wie der von Gibson, dazu blitzt sein typischer Charme nur in wenigen Szenen wirklich auf. Ansonsten interpretiert er die Rolle des Rebellen weitestgehend glaubhaft, mehr aber auch nicht. Dies liegt sicherlich auch maßgeblich am sprunghaften Drehbuch, das ihm eine nachvollziehbare Entwicklung fast schon untersagt.

Krasser Kontrast dazu ist Aaron Taylor-Johnson (Avengers: Age of Ultron), der als "Black Douglas" eine im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnige Performance hinlegt. Sein an der Grenze zum Psychopathen angelegte Figur ist richtig kantig, kompromisslos und gleichzeitig überaus loyal. Die Präsenz und das intensive Spiel von Taylor-Johnson würzen Outlaw King massiv. Lobende Worte soll auch James Cosmo (ist mit Braveheart, Troja und Ben Hur längst Epos-erprobt) finden, der in seinen wenigen Szenen brillant aufspielt und für eine anschließend fast nicht mehr erreichte Emotionalität sorgt. Ein immer noch zu wenig gewürdigter Schauspieler! 

Fazit:

'Outlaw King' springt durch seine blutige Handlung

Mit Outlaw King wirft Netflix mal wieder ein insgesamt gelungenes Original in die Runde. Die historisch weitestgehend akkurate Nacherzählung des schottischen Rebellen Robert The Bruce ist fantastisch inszeniert und bleibt über die Laufzeit von zwei Stunden immer unterhaltsam. Leider verhindert das oft zu sprunghafte Drehbuch, dass die brutalen Schlachten ihre wirkliche Bedeutung transportieren. Zu skizzenhaft sind die Protagonisten gezeichnet, als dass man wirklich mit ihnen mitfiebert. Hätte man etwas länger in die Exposition und die Figuren des Films investiert, so wäre Outlaw King womöglich annähernd an sein großes Vorbild Braveheart herangekommen. Was nun aber bleibt, ist ein realistisches Mittelalter-Epos mit tollen Schauwerten, das jedoch in seiner Erzählung nicht vollends überzeugt. Und das ist für einen historischen Stoff leider zentral.

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