Kritik: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache

Ein totes Franchise erzählt keine Geschichten?

FSK 12

Spoilerfrei!

Titelbild für die Kritik Pirates of the Caribbean Salazars Rache mit Jack Sparrow, Henry Turner und Carina Smyth

Wenig Zeit? Am Textende gibt's das Fazit.


Brauchst du einen 'Fluch der Karibik'-Rückblick? In unserer Fluch der Karibik-Zusammenfassung findest du die wichtigsten Infos aus den letzten fünf Filmen!


Keep it simple

Gore Vebrinskis überambitionierte Fortsetzungen Fluch der Karibik 2 und Am Ende der Welt ernteten bei einigen aufgrund der verworrenen Geschichte harsche Kritik. Rob Marshalls Fremde Gezeiten machte genau das Gegenteil und warf alles über Bord, was das Franchise so besonders machte. Nur Salazars Rache, in den USA Dead Men Tell No Tales, schafft es letztendlich, den Geist des Original-Films einzufangen. Warum nicht gleich so?

Flüche der Karibik

Die Kreativität der neuen Geschichte hält sich in Grenzen, dennoch ist sie effektiv: Henry Turner (Brenton Thwaites), Sohn von Will Turner, will seinen Vater von dem Fluch der Flying Dutchman befreien. Seine Lebensaufgabe kreuzt sich mit jener von Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die rastlos nach dem Dreizack des Poseidon sucht. Dieses Relikt kann „jeden Fluch auf See“ zunichte machen und ist Henrys einzige Chance für die Rettung seines Vaters.

Will Turner (Orlando Bloom, links) mit seinem Sohn Henry (Lewis McGowan)
Henry Turner (Lewis McGowan) schwor schon als Kind, seinen Vater Will Turner (Orlando Bloom) von der Flying Dutchman zu befreien.

Will ist jedoch nicht die einzige arme Sau auf See, die auf ewig verflucht wurde. Der Geist von Captain Salazar (Javier Bardem) bricht aus dem Bermuda-Dreieck aus und geht auf Piraten-Jagd. Sein Ziel: Rache an Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) üben, der ihm das ganze Elend eingebrockt hat. Jack schließt sich der Jagd nach dem Dreizack also nur zu gerne an.

Dieser Film nimmt’s persönlich

Das neue Regisseurteam Joachim Rønning und Espen Sandberg nimmt nicht nur die Kritik an  den vorherigen Teilen persönlich: Sie erzählen darüber hinaus den bisher persönlichsten und emotionalsten Film der Reihe, der sich vorbildlich auf die Charaktere fokussiert und das Franchise auf neues Territorium bringt.

Jeder Charakter hat persönliche Gründe, weshalb er dem sogenannten MacGuffin hinterher jagt. Dabei spielt Johnny Depp als Captain Jack nichtmehr die Hauptrolle, sondern wird erneut zum unterstützenden Charakter der beiden Neuzugänge Brenton Thwaites und Kaya Scodelario. Die Konstellation erinnert stark an das Will/Elizabeth/Jack-Dreieck des ersten Fluch der Karibik-Films und funktioniert um einiges besser als Jack in der alleinigen Hauptrolle, wie es in Fremde Gezeiten der Fall war.

Jack Sparrow (Johnny Depp) setzt Segel mit der "Dying Gull"
Jack Sparrow (Johnny Depp) setzt die Segel mit dem provisorischen Schrott-Schiff "The Dying Gull", um irgendwann seine geliebte "Black Pearl" zurückzubekommen.

Thwaites als Henry Turner ist dabei eine 1:1 Kopie von Orlando Bloom als Will Turner aus den früheren Filmen. Da sie als Sohn und Vater in Verbindung stehen, ist diese Ähnlichkeit aber viel mehr ein Pluspunkt. Scidelario als Carina Smyth, die sich zu Beginn noch etwas zu sehr als „starker Frauencharakter“ beweisen will, wird gegen Ende des Films in der Tat zum stärksten Frauencharakter der Fluch der Karibik-Reihe.

Depp so gut wie schon lange nicht mehr

Johnny Depp durchlitt in den letzten Monaten eine persönliche Krise im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Aufgrund der Missbrauchsvorwürfe seiner Ex-Frau und dem anschließenden Alkoholmissbrauch drohte dem Superstar der totale Absturz. Doch davon lässt sich Johnny Depp in seiner fünften Rückkehr als Jack Sparrow absolut nichts anmerken. Im Gegenteil: Depp liefert die bisher stärkste Performance seiner Paraderolle ab.

Die Trailer haben bereits verraten, dass im Film ein junger CGI-Jack Sparrow zu sehen sein wird. Wie schon in Star Wars, ist auch in Pirates of the Caribbean die moderne Technik noch weit weg von Perfektion. Während der junge Jack in einigen Szenen unfassbar gut aussieht, schreien andere Szenen gerade zu nach dem „Uncanny Valley“-Effekt.

Trotz des ganzen Hypes um Captain Jack, muss Depp erneut aufpassen, dass ihm die Show nicht von Geoffrey Rush als zynischer Piraten-Opi Barbossa geklaut wird. Rush ist ein Segen für das Franchise und bekommt zum Ende des Films den größten Charakter-Moment, der ihn schon beinahe offiziell zum eigentlich Star der Fluch der Karibik-Reihe macht.

¡Hola, Jack Sparrow!

Captain Barbossa (Geoffrey Rush, links) und Captain Salazar (Javier Bardem, rechts) machen reden gemeinsam auf einem Schiff
Captain Barbossa (Geoffrey Rush, links) und Captain Salazar (Javier Bardem, rechts) machen gemeinsam Jagd auf Sparrow.

Nicht weniger genial ist Javier Bardem als verbitterter Geister-Kapitän Salazar. Wie bereits in James Bond: Skyfall, gelingt es Bardem, seine superfiese Schurken-Performance mit einer humoristischen Note zu verbinden. Das macht Captain Salazar zu einem gruseligen und unterhaltsamen Widersacher, der Bill Nighys Davy Jones in nichts nachsteht. Dazu sieht das Design der Geister, inklusive der schwebenden Unterwasser-Haare, unheimlich stylisch aus.

Visuelle Ästhetik und innovative Action

Rønning und Sandberg zeichnen zusammen mit Kameramann Paul Cameron grandiose Bilder auf die Kinoleinwand. Egal ob weite Aufnahmen der See oder hübsch designte Filmsets an Land: Jede Einstellung wäre ein hübsches Wallpaper, das man sich neben sein DVD-Regal hängen könnte. Die Regisseur-Wahl hat sich ausgezahlt: Das eher unbekannte Regisseur-Duo des Segler-Abenteuers Kon-Tiki inszenierte seinen ersten großen Hollywood-Blockbuster mit größter Sorgfalt.

Szene aus PIRATES OF THE CARIBBEAN: SALAZARS RACHE mit einer Seeschlacht
Malerische Bilder: So muss ein Sommer-Blockbuster aussehen!

Auch wenn die Action-Setpieces nicht ganz so abgefahren wie zu Vebrinski-Zeiten sind (ich sage nur der Kraken oder der Riesen-Mahlstrom), überzeugen sie durch eine saubere und ästhetische Inszenierung. Die erste Action-Szene sticht besonders heraus, die einen Bankraub in bester Fast & Furious-Manier choreographiert.

Fans reagierten enttäuscht, als bekannt gegeben wurde, dass Hans Zimmer nicht die Musik komponieren wird, sondern einer seiner Lehrlinge. Doch Geoff Zanelli imitiert den typischen Zimmer-Style so gekonnt, dass kein Unterschied auffallen sollte. Alles beim Alten!

Rückkehr von bekannten Gesichtern

Sind Orlando Bloom und Keira Knightley als Will und Elizabeth oft zu sehen? Nein. Dennoch spielen sie eine wichtige Rolle für die Handlung des Films. Ihre alleinige Präsenz sorgt dafür, alte Nostalgie aufflackern zu lassen. Das großangekündigte Kameo von Beatles-Sänger Paul McCartney fällt ebenso unterhaltsam aus wie jenes von Keith Richards in Am Ende der Welt. Darüber hinaus darf man sich auf weitere bekannte Gesichter aus der Original-Trilogie freuen.

Fazit: 'Pirates of the Caribbean: Salazars Rache' ist das beste Sequel der Reihe

Auch wenn der erste Film vermutlich für immer unerreicht bleiben wird, kommt Salazars Rache unter allen Fortsetzungen am nächsten an das Original heran. Der Film lernt aus den Fehlern der Vorgänger und macht in jeder einzelnen seiner erstaunlich kurzen 129 Minuten saumäßig Spaß. Glücklicherweise verzichtet der Film auf einen Cliffhanger und könnte als wohlverdienter Schlusspunkt des Piraten-Franchises für sich alleine stehen. Dennoch gibt es, wie immer, eine kleine Post-Credit-Szene, für die es sich zu warten lohnt. Aufgrund der fantastischen Abspann-Musik sollte das aber keine Tortur sein.

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