Kritik: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Marvelous Fantasy
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Nach dem erfolgreichen Solodebüt 'Black Widow' startet nun auch 'Shang-Chi' seine Karriere im MCU. Als erster asiatischer Marvel-Held soll auch hier ein Teil zu einer repräsentativeren Filmlandschaft beigetragen werden. Doch auch darüber hinaus kann der neue Actionfilm aus dem Hause Marvel vollkommen überzeugen. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings startet mit einer Rückblende: Vor mehreren tausend Jahren fand Xu Wenwu (Tony Leung Chiu-wai) alias "Der Mandarin" die mystischen zehn Ringe, die ihm Kraft und ewiges Leben verliehen. Machthungrig wie er ist, unterwandert er viele Großmächte und Regierungen bis zum heutigen Tag. Sein Ego beruhigte sich jedoch, als er sich in eine Wächterin des mysteriösen Dorfes Ta Lo verliebte und eine Familie gründete. Sie bekamen einen Sohn: Shang-Chi. Heute wohnt Shang-Chi (Simu Liu) in San Francisco und nennt sich Shaun. Er arbeitet mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) für einen Parkservice. Als Shaun schließlich in einem Bus angegriffen wird und ihm eine Horde von Assassins auf den Fersen ist, muss er sich seiner Vergangenheit stellen. So machen sich Katy und Shaun auf eine Reise von Macau bis Ta Lo, wo sie weitaus mehr erwartet als nur Xu Wenwu und die "Ten Rings". Werbung Marvel Studios wusste schon immer, wie wichtig es ist, Abwechslung auf die Leinwand zu bringen. Die ersten Filme aus dem MCU, wie beispielsweise die ersten Solofilme von Iron Man, Thor und Captain America haben noch sehr ähnliche Farbgebungen und unterscheiden sich hauptsächlich im Setting. Doch zunehmend haben die Filme angefangen ihre eigene Marke zu werden. So ist Spider-Man eher eine quirlige Teenager/ Coming-of-Age Geschichte, Black Panther spielt mit Sci-Fi und Utopie, gepaart mit einem unglaublichen Soundtrack und Ant-Man ist der Comic Relief der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt. Dadurch wiederholen sich die Stile der Filme nicht immer wieder und der:die Zuschauer:innen müssen bei jedem Film aufs neue für sich entscheiden, ob sie ihn gut finden oder eben nicht. Vor allem die Solofilme können von Menschen geschaut werden, die bisher noch keine der Vorgänger gesehen haben. Werbung Erwartet unerwartet Daher ist es auch kein Wunder, dass bei Shang-Chi versucht wurde, eine neue Richtung einzuschlagen. Mit einem überwiegend asiatischen Cast spielt Shang-Chi auch hauptsächlich in China. Wenn man schließlich aus dem westlichen San Francisco in das von Neonlichtern und Nachtleben dominierte Macau entführt wird, erlebt der Film eine drastische Wendung. Inhaltlich fängt hier der Film erst richtig an, doch auch optisch wurde eine 180° Richtung hingelegt. Der Actionfilm mutiert nun schnell zum Fantasyfilm und die gedeckten Farben von San Francisco werden zu satten, schimmernden Farben auf Drachenschuppen und Fellen der vielen Wesen, die Ta Lo zu bieten hat. Eine mutige Wende, aber durchaus nicht zu abrupt. Ein negativer Aspekt wäre hierbei, dass es spätestens ab dem Punkt in Ta Lo sehr CGI-lastig wird. Selbst auf jemanden, dem CGI nicht allzu viel ausmacht, könnten diese Szenen teilweise sehr überladen wirken. Schon für Marvel ist die Welt von Ta Lo ungewöhnlich bunt doch nichtsdestotrotz unglaublich ästhetisch. Repräsentation mit Köpfchen Alles in allem wirkt Shang-Chi jedoch vor allem authentisch. Dabei ist der wichtigste Punkt mitunter die Tatsache, dass meistens Chinesisch gesprochen wird. Wenn dies mal nicht der Fall war, wurde diese Situation in einen passenden Kontext gesetzt (Katys Chinesisch ist zum Beispiel zu schlecht, weshalb mit ihr, oder wenn sie dabei ist, zum größten Teil Englisch gesprochen wird). Doch auch in Sachen Setdesign oder der Darstellung verschiedener Traditionen und Mythologien kam mir der Film als nicht-asiatische Zuschauerin sehr glaubwürdig herüber. Dabei bildete der Soundtrack ein Gegenpol zu den traditionell wirkenden Settings. Auch hier wurde darauf geachtet, möglichst viele asiatische Künstler:innen zu inkludieren. Anderson .Paak hat aber, wie in vielen Disney Produktionen, auch seinen obligatorischen Track. Qualitativ machte mir das wiederholte Hören des Albums zum Film ähnlich viel Spaß, wie es einst bei Black Panther der Fall war. Eine weitere Stärke von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings findet sich in den ruhigen und scheinbar irrelevanten Momenten. Sei es das Frühstück oder Abendessen mit der Familie, mit der Oma, die Freundschaften zwischen Männern und Frauen nicht versteht, oder die unangenehme Stille, wenn Shang-Chis Vater Xu Wenwu Katy am Esstisch direkt anspricht. An diesen Momenten merkt man, dass Wert auf Einzelheiten gelegt wurde und das schlägt sich sehr positiv auf die Qualität des Filmes aus. Zwischen Kitsch und Ästhetik Doch jetzt zum besten Aspekt von Shang-Chi: die Action! So anmutig wie die Kämpfe choreographiert wurden, scheint es, als würden die Kontrahent:innen nicht gegeneinander, sondern miteinander Kämpfen. Zwar führte diese romantische Darstellung der Kämpfe innerhalb einzelner Sequenzen zu ein paar kitschigen Momenten, aber darüber lässt sich hinwegsehen. Etwas was dabei nie kitschig oder zu gewollt herüberkam, war die weibliche Darstellung. An keinem Punkt wurde die Frauenrolle überzogen dargestellt, sodass die Mutter Jiang Li (Fala Chen) sowohl liebend und fürsorglich, als auch im Kampf dem Vater ebenbürtig sein konnte. "Du warst immer in meinem Schatten. Ich trainierte dich, so dass nicht einmal die gefährlichsten Männer der Welt dich töten könnten. Sohn, es ist Zeit deinen Platz einzunehmen – an meiner Seite." Wenwu / The Mandarin in Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings In Punkto Vaterrolle finden wir im Gegensatz dazu das alte Narrativ. Sohn wird es Vater nie recht machen können, Vater liebt Sohn, kann es aber nicht richtig zeigen, Sohn hasst Vater und so weiter und so fort. Das Resultat: Daddy Issues. Die nicht-klischeehafte, sehr natürliche Beziehung zwischen Katy und Shaun/ Shang-Chi hilft dabei, nicht allzu sehr die Augen verdrehen zu müssen. Fazit: Marvels Hoch bleibt Wie auch bei Black Panther wurde hier vieles richtig gemacht. Der Soundtrack ist Wahnsinn und bietet einen tollen Kontrast zu den traditionellen Eindrücken. Die Vielfalt an mystischen Wesen in Ta Lo erinnert an Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, wobei diese Welt auch CGI-überladen wirken kann. Das Highlight sind jedoch die Kampfszenen, welche eher Tänzen als Gewaltakten gleichen. Vielleicht hätte man den Vater-Sohn Komplex ein bisschen abwechslungsreicher gestalten können, doch alles in allem lässt sich sagen: Marvel kann auch Fantasy!
    Kritik: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
    Action
    90%
    Visuelle Umsetzung
    70%
    Szenenbild
    85%
    Soundtrack
    80%
    Dialoge
    75%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 02.09.2021
    Filmlänge: 132 Minuten
    FSK: 12
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    Besetzung: , , , , , ,
    Bildrechte: Marvel Studios
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Gesamtbewertung:

Gut
80%

Nach dem erfolgreichen Solodebüt 'Black Widow' startet nun auch 'Shang-Chi' seine Karriere im MCU. Als erster asiatischer Marvel-Held soll auch hier ein Teil zu einer repräsentativeren Filmlandschaft beigetragen werden. Doch auch darüber hinaus kann der neue Actionfilm aus dem Hause Marvel vollkommen überzeugen.

Darum geht's

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings startet mit einer Rückblende: Vor mehreren tausend Jahren fand Xu Wenwu (Tony Leung Chiu-wai) alias "Der Mandarin" die mystischen zehn Ringe, die ihm Kraft und ewiges Leben verliehen. Machthungrig wie er ist, unterwandert er viele Großmächte und Regierungen bis zum heutigen Tag. Sein Ego beruhigte sich jedoch, als er sich in eine Wächterin des mysteriösen Dorfes Ta Lo verliebte und eine Familie gründete. Sie bekamen einen Sohn: Shang-Chi.

Heute wohnt Shang-Chi (Simu Liu) in San Francisco und nennt sich Shaun. Er arbeitet mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) für einen Parkservice. Als Shaun schließlich in einem Bus angegriffen wird und ihm eine Horde von Assassins auf den Fersen ist, muss er sich seiner Vergangenheit stellen. So machen sich Katy und Shaun auf eine Reise von Macau bis Ta Lo, wo sie weitaus mehr erwartet als nur Xu Wenwu und die "Ten Rings".

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Marvel Studios wusste schon immer, wie wichtig es ist, Abwechslung auf die Leinwand zu bringen. Die ersten Filme aus dem MCU, wie beispielsweise die ersten Solofilme von Iron Man, Thor und Captain America haben noch sehr ähnliche Farbgebungen und unterscheiden sich hauptsächlich im Setting. Doch zunehmend haben die Filme angefangen ihre eigene Marke zu werden. So ist Spider-Man eher eine quirlige Teenager/ Coming-of-Age Geschichte, Black Panther spielt mit Sci-Fi und Utopie, gepaart mit einem unglaublichen Soundtrack und Ant-Man ist der Comic Relief der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt. Dadurch wiederholen sich die Stile der Filme nicht immer wieder und der:die Zuschauer:innen müssen bei jedem Film aufs neue für sich entscheiden, ob sie ihn gut finden oder eben nicht. Vor allem die Solofilme können von Menschen geschaut werden, die bisher noch keine der Vorgänger gesehen haben.

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Erwartet unerwartet

Daher ist es auch kein Wunder, dass bei Shang-Chi versucht wurde, eine neue Richtung einzuschlagen. Mit einem überwiegend asiatischen Cast spielt Shang-Chi auch hauptsächlich in China. Wenn man schließlich aus dem westlichen San Francisco in das von Neonlichtern und Nachtleben dominierte Macau entführt wird, erlebt der Film eine drastische Wendung. Inhaltlich fängt hier der Film erst richtig an, doch auch optisch wurde eine 180° Richtung hingelegt. Der Actionfilm mutiert nun schnell zum Fantasyfilm und die gedeckten Farben von San Francisco werden zu satten, schimmernden Farben auf Drachenschuppen und Fellen der vielen Wesen, die Ta Lo zu bieten hat. Eine mutige Wende, aber durchaus nicht zu abrupt. Ein negativer Aspekt wäre hierbei, dass es spätestens ab dem Punkt in Ta Lo sehr CGI-lastig wird. Selbst auf jemanden, dem CGI nicht allzu viel ausmacht, könnten diese Szenen teilweise sehr überladen wirken. Schon für Marvel ist die Welt von Ta Lo ungewöhnlich bunt doch nichtsdestotrotz unglaublich ästhetisch.

Repräsentation mit Köpfchen

Alles in allem wirkt Shang-Chi jedoch vor allem authentisch. Dabei ist der wichtigste Punkt mitunter die Tatsache, dass meistens Chinesisch gesprochen wird. Wenn dies mal nicht der Fall war, wurde diese Situation in einen passenden Kontext gesetzt (Katys Chinesisch ist zum Beispiel zu schlecht, weshalb mit ihr, oder wenn sie dabei ist, zum größten Teil Englisch gesprochen wird). Doch auch in Sachen Setdesign oder der Darstellung verschiedener Traditionen und Mythologien kam mir der Film als nicht-asiatische Zuschauerin sehr glaubwürdig herüber. Dabei bildete der Soundtrack ein Gegenpol zu den traditionell wirkenden Settings. Auch hier wurde darauf geachtet, möglichst viele asiatische Künstler:innen zu inkludieren. Anderson .Paak hat aber, wie in vielen Disney Produktionen, auch seinen obligatorischen Track. Qualitativ machte mir das wiederholte Hören des Albums zum Film ähnlich viel Spaß, wie es einst bei Black Panther der Fall war.

Regisseur Destin Daniel Cretton legt viel Wert auf Einzelheiten und authentische, zwischenmenschliche Beziehungen.

Eine weitere Stärke von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings findet sich in den ruhigen und scheinbar irrelevanten Momenten. Sei es das Frühstück oder Abendessen mit der Familie, mit der Oma, die Freundschaften zwischen Männern und Frauen nicht versteht, oder die unangenehme Stille, wenn Shang-Chis Vater Xu Wenwu Katy am Esstisch direkt anspricht. An diesen Momenten merkt man, dass Wert auf Einzelheiten gelegt wurde und das schlägt sich sehr positiv auf die Qualität des Filmes aus.

Zwischen Kitsch und Ästhetik

Doch jetzt zum besten Aspekt von Shang-Chi: die Action! So anmutig wie die Kämpfe choreographiert wurden, scheint es, als würden die Kontrahent:innen nicht gegeneinander, sondern miteinander Kämpfen. Zwar führte diese romantische Darstellung der Kämpfe innerhalb einzelner Sequenzen zu ein paar kitschigen Momenten, aber darüber lässt sich hinwegsehen.

Einige Szenen schwanken zwischen schön und kitschig.

Etwas was dabei nie kitschig oder zu gewollt herüberkam, war die weibliche Darstellung. An keinem Punkt wurde die Frauenrolle überzogen dargestellt, sodass die Mutter Jiang Li (Fala Chen) sowohl liebend und fürsorglich, als auch im Kampf dem Vater ebenbürtig sein konnte.

"Du warst immer in meinem Schatten. Ich trainierte dich, so dass nicht einmal die gefährlichsten Männer der Welt dich töten könnten. Sohn, es ist Zeit deinen Platz einzunehmen – an meiner Seite."

Wenwu / The Mandarin in Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

In Punkto Vaterrolle finden wir im Gegensatz dazu das alte Narrativ. Sohn wird es Vater nie recht machen können, Vater liebt Sohn, kann es aber nicht richtig zeigen, Sohn hasst Vater und so weiter und so fort. Das Resultat: Daddy Issues. Die nicht-klischeehafte, sehr natürliche Beziehung zwischen Katy und Shaun/ Shang-Chi hilft dabei, nicht allzu sehr die Augen verdrehen zu müssen.

Die Vaterrolle verfolgt ein alt bekanntes Narrativ.

Fazit:

Marvels Hoch bleibt

Wie auch bei Black Panther wurde hier vieles richtig gemacht. Der Soundtrack ist Wahnsinn und bietet einen tollen Kontrast zu den traditionellen Eindrücken. Die Vielfalt an mystischen Wesen in Ta Lo erinnert an Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, wobei diese Welt auch CGI-überladen wirken kann. Das Highlight sind jedoch die Kampfszenen, welche eher Tänzen als Gewaltakten gleichen. Vielleicht hätte man den Vater-Sohn Komplex ein bisschen abwechslungsreicher gestalten können, doch alles in allem lässt sich sagen: Marvel kann auch Fantasy!

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