Kritik: The White Lotus – Staffel 1

Mit Hawaii Kette um den Hals und Messer hinter dem Rücken
Spoilerfrei!
Lesedauer: 6 Mins.
  • Mit 'The White Lotus' startet auf HBO eine neue Anthologie-Serie, die uns in die luxuriösen White Lotus Hotels rund um die Welt entführt. Ob sich ein Urlaubstrip in das traumhafte Hawaii der ersten Staffel lohnt oder nicht, erfahrt ihr in dieser Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Gemächlich gleitet ein kleines Boot durch die seichten Wellen des glitzernden Wassers zwischen den traumhaften Inseln Hawaiis. An Bord befinden sich frisch verheiratete Pärchen, strahlende Urlauber:innen und glücklich verheiratete Pärchen. Die Sonne scheint und sogar majestätische Wale sind zu sehen, während sich das Boot langsam seinem Ziel nähert, welches am Horizont pompös aus dem Wasser aufzutauchen scheint. Als sie schließlich Fuß an Land setzen, thront eine riesige, paradiesische Hotelanlage vor den Reisenden. Und damit herzlich willkommen im White Lotus – dem Urlaubsziel für die reicheren als die Reichen. Über dem Zeitraum von einer Woche erleben wir hier die luxuriösen Urlaube der Familie Mosbacher, des Ehepaars auf Hochzeitsreise Rachel (Alexandra Daddario) und Shane (Jake Lacy) und der allein reisenden Tanya (Jennifer Coolidge), welche sich nach einem tragischen Ereignis auf einen Selbstfindungstrip begibt. Tagein tagaus schlendern die Gäste des White Lotus von Pool zu Pool, lassen sich auf der Massagebank durchkneten und vom allzeit bereiten Personal verwöhnen. Doch die Tage des idyllischen Urlaubs sollen nicht ewig halten. Fast augenblicklich entstehen Spannungen und Feindschaften unter den Gästen und dem Personal gegenüber, und das Paradies verwandelt sich allmählich in eine Ferienhölle, in der Reichtum und Privilegien alles andere zu unterdrücken scheinen. Werbung Was ist hier eigentlich die Aussage? Eine gelungene Gesellschaftssatire zu erzählen, gehört zu den kniffligsten Herausforderungen, vor denen ein Film im Genrebereich stehen kann. Während manche Handlungen in stumpfes Schwarz-Weiß-Denken abrutschen und durch ihre Einseitigkeit jegliche Aussagekraft einbüßen, schießen Filme wie The Hunt im wahrsten Sinne des Wortes munter gegen alle Parteien und Meinungen, bis wirklich jede denkbare Position ihr Fett wegbekommt. Man sitzt nach dem Film da und zerbricht sich den Kopf darüber, was einem die letzten 90 Minuten denn eigentlich vermitteln wollten. Nur den wenigsten Serien oder Filmen gelingt die perfekte Satire. Handlungen, die uns Lachtränen in die Augen treiben und gleichzeitig für den berühmten Kloß im Hals sorgen, wenn wir merken, worüber wir gerade lachen. Eine Balance zwischen augenzwinkernder Übertreibung und schockierender Realität, die wenige Serien präziser ins Schwarze treffen als The White Lotus. Aloha! Doch beginnen wir am Anfang: Mit eingefrorenem Lächeln und steif winkenden Handbewegungen blickt das Hotelpersonal des White Lotus Hotels den kommenden Gästen entgegen. Die Fronten sind klar abgesteckt: Der Gast ist König und die Angestellten haben alles daran zu setzten, den stinkreichen Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Und während das Personal auf diese Weise hinter den verwöhnten Urlauber:innen herjagt und sich wie überfürsorgliche Eltern um Massagetermine und Freizeitaktivitäten kümmert, fällt schnell auf, dass beinahe alle Besucher:innen des White Lotus bilderbuchreife Unsympathen sind. So sorgt Familientochter Olivia kurzerhand dafür, dass ihr Bruder Quinn statt in der luxuriösen Suite auf dem Strand schlafen muss und Ehegatte Shane beginnt, aufgrund eines Buchungsfehlers, einen beleidigten Rachefeldzug gegen den Hotelmanager zu führen. In diesen ersten Folgen ist The White Lotus vor allem eine zum Schreien komische Komödie, die von den denkbar skurrilsten Gestalten bevölkert wird. Dabei ist beeindruckend, dass die Serie konstant auf dem höchsten Unterhaltungsniveau agiert, obwohl sie jeglicher nahbarer Figuren beraubt ist. Sympathische Unsympathen Ein Grund dafür ist fraglos der Cast, welcher locker zu den besten Ensemblecasts der letzten Jahre zählt. Es ist ein wahres Fest zu beobachten, wie sehr die Darsteller:innen in ihren überzogenen Rollen aufgehen. Obwohl die Charaktere der Serie stellvertretende Rollenbilder für gesellschaftliche Schichten verkörpern, gibt das Drehbuch jeder Figur viel Tiefe und den Schauspieler:innen dementsprechend viel Raum zur Entfaltung. Vor allem Murray Bartlett als Hotelmanager und tickende Zeitbombe Armond und Jennifer Coolidge, als die vom Leben gebeutelte Tanya, stehlen ausnahmslos jede Sekunde die Show innerhalb der Screentime, die ihnen die Serie schenkt. Doch auch technisch weiß The White Lotus auf ganzer Linie zu überzeugen. Die paradiesischen Insellandschaften und farbenfrohen Unterwasserwelten werden in ruhigen und malerischen Bildern eingefangen, die für augenblickliches Fernweh sorgen. Damit wir uns jedoch nicht zu wohlfühlen, spielt die Serie eine ihrer größten Trumpfkarten aus: den Soundtrack. Komponist Cristobal Tapia De Veer vermischt für die musikalische Untermalung hektische Trommeln, kehlige Gesänge und traditionelle Elemente zu einer musikalischen Achterbahnfahrt, die die Urlaubsatmosphäre mit einem konstanten Stress- und Adrenalinpegel kontert. Schon durch die technische Umsetzung wissen wir schnell: Hinter der strahlenden Fassade der Serie steckt mehr, als man ahnt. Fremdscham war selten so unterhaltsam Was The White Lotus allerdings erst zu einem Satire-Meisterwerk macht, ist das geniale und vielschichtige Drehbuch. In den ersten Folgen stellt Regisseur und Drehbuchautor Mike White besonders sein brillantes Feingefühl für Situationskomik zuzüglich einer ordentlichen Portion Fremdscham unter Beweis. In immer wieder neuen Kombinationen bringt White seine Figuren in die absurdesten Situationen und Dialoge, bei denen man nie so richtig weiß, ob man laut lachen oder sich peinlich berührt verkriechen sollte. Hier offenbart sich eine der größten Stärken der Serie: Trotz aller urkomischen Momente fühlt man sich als Zuschauer nicht selten unwohl. So witzig die katastrophalen Interaktionen zwischen den Gästen auch sind, sie offenbaren gleichzeitig die zwischenmenschliche Kälte, die im vermeintlichen Paradies längst zur Tagesordnung gehört. "Offensichtlich war der Imperialismus schlecht. Man sollte keine Menschen töten, ihr Land stehlen und sie dann tanzen lassen. Das weiss jeder. Aber so ist die Menschheit." Mark Moosbacher in The White Lotus. Schluss mit lustig Diese Facetten der Serie nehmen über die Laufzeit der Serie rapide zu, bis wir als Zuschauer:innen bemerken, dass uns unser Lachen allmählich im Halse stecken bleibt. Subtil und komplett organisch gelingt der Handlung der Wechsel in eine derart angespannte, Thriller-artige Stimmung, die man mit dem kleinsten Piksen eines Cocktailschirmchens zum Platzen bringen könnte. Ein Grund dafür ist die Rahmung der Serie, durch die wir bereits in Szene eins erfahren, dass am Ende der Handlung einer unserer Protagonisten in einer mit „menschlichen Überresten“ beschrifteten Holzkiste landen wird. Ähnlich wie bei Big Little Lies wissen wir nichts Genaues über Täter und Opfer, doch der düstere Vorausblick zum Serienende wird gemeinsam mit den langsam eskalierenden Konflikten der Urlauber:innen immer präsenter. Auf wessen Seite stehst du? Allerdings bleibt diese Erkenntnis bis zum Ende intelligenterweise im Hintergrund, denn die Serie erzeugt auch ohne das Intro mehr als genug Spannung. The White Lotus ist eben keine Krimi-esqeue „Whodunnit Story“, sondern eine mitreißende Gesellschaftssatire, die ihre Dramatik aus den Reibungen zwischen den Figuren zieht. Das zeigt sich besonders in den späteren Episoden. Es lassen sich die Charaktere anfangs noch leicht in „Gut“ und "Böse“ einteilen, bis Konflikte entstehen, die unsere Position als Zuschauer:in immer aufs Neue herausfordern und uns von Szene zu Szene zum neu denken anregen. Mit eiskalter Präzision seziert Mike White zahlreiche hochrelevante Themen wie Postkolonialismus, Rassismus und Gender-Identitäten und offenbart dadurch traurige Wahrheiten und die Scheinheiligkeit seiner Protagonist:innen. Durch die provokante und vieldeutige Machart der Serie wird gegen Ende jeder etwas anderes von The White Lotus mitnehmen, doch unberührt werden die wenigsten sein. Fazit: Ein Miniserienhighlight des Jahres Auf den ersten Blick kann The White Lotus durchaus abschreckend wirken. Das Erzähltempo ist langsam, die Figuren gewöhnungsbedürftig und einige Momente scheuen nicht vor direkter Provokation zurück. Doch mit der Zeit kristallisieren sich die genialen Intentionen hinter der eigenwilligen Machart hervor und es entsteht das Bild einer unfassbar witzigen, vielschichtigen und brillant gespielten Miniserie. Mit The White Lotus schuf Mike White ein wahres Satire-Feuerwerk voll von bissigen Dialogen und haarscharfen Beobachtungen. Wer auch nur im Ansatz ein Fan des Genres ist, sollte sich diese kleine Serienperle um keinen Preis entgehen lassen.
    Kritik: The White Lotus – Staffel 1
    Handlung
    85%
    Schauspiel
    100%
    Dialoge
    95%
    Humor
    85%
    Tiefgang
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 12.07.2021
    Episoden: 6 Episoden in 1 Staffel
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , , ,
    Bildrechte: HBO
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Gesamtbewertung:

Meisterwerk
91%

Mit 'The White Lotus' startet auf HBO eine neue Anthologie-Serie, die uns in die luxuriösen White Lotus Hotels rund um die Welt entführt. Ob sich ein Urlaubstrip in das traumhafte Hawaii der ersten Staffel lohnt oder nicht, erfahrt ihr in dieser Kritik.

Darum geht's

Gemächlich gleitet ein kleines Boot durch die seichten Wellen des glitzernden Wassers zwischen den traumhaften Inseln Hawaiis. An Bord befinden sich frisch verheiratete Pärchen, strahlende Urlauber:innen und glücklich verheiratete Pärchen. Die Sonne scheint und sogar majestätische Wale sind zu sehen, während sich das Boot langsam seinem Ziel nähert, welches am Horizont pompös aus dem Wasser aufzutauchen scheint. Als sie schließlich Fuß an Land setzen, thront eine riesige, paradiesische Hotelanlage vor den Reisenden. Und damit herzlich willkommen im White Lotus – dem Urlaubsziel für die reicheren als die Reichen.

Über dem Zeitraum von einer Woche erleben wir hier die luxuriösen Urlaube der Familie Mosbacher, des Ehepaars auf Hochzeitsreise Rachel (Alexandra Daddario) und Shane (Jake Lacy) und der allein reisenden Tanya (Jennifer Coolidge), welche sich nach einem tragischen Ereignis auf einen Selbstfindungstrip begibt. Tagein tagaus schlendern die Gäste des White Lotus von Pool zu Pool, lassen sich auf der Massagebank durchkneten und vom allzeit bereiten Personal verwöhnen. Doch die Tage des idyllischen Urlaubs sollen nicht ewig halten. Fast augenblicklich entstehen Spannungen und Feindschaften unter den Gästen und dem Personal gegenüber, und das Paradies verwandelt sich allmählich in eine Ferienhölle, in der Reichtum und Privilegien alles andere zu unterdrücken scheinen.

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Was ist hier eigentlich die Aussage?

Eine gelungene Gesellschaftssatire zu erzählen, gehört zu den kniffligsten Herausforderungen, vor denen ein Film im Genrebereich stehen kann. Während manche Handlungen in stumpfes Schwarz-Weiß-Denken abrutschen und durch ihre Einseitigkeit jegliche Aussagekraft einbüßen, schießen Filme wie The Hunt im wahrsten Sinne des Wortes munter gegen alle Parteien und Meinungen, bis wirklich jede denkbare Position ihr Fett wegbekommt. Man sitzt nach dem Film da und zerbricht sich den Kopf darüber, was einem die letzten 90 Minuten denn eigentlich vermitteln wollten.

In HBOs neuer Satire begleiten wir den dekadenten Lebensstil der Superreichen aus erster Reihe.

Nur den wenigsten Serien oder Filmen gelingt die perfekte Satire. Handlungen, die uns Lachtränen in die Augen treiben und gleichzeitig für den berühmten Kloß im Hals sorgen, wenn wir merken, worüber wir gerade lachen. Eine Balance zwischen augenzwinkernder Übertreibung und schockierender Realität, die wenige Serien präziser ins Schwarze treffen als The White Lotus.

Aloha!

Doch beginnen wir am Anfang: Mit eingefrorenem Lächeln und steif winkenden Handbewegungen blickt das Hotelpersonal des White Lotus Hotels den kommenden Gästen entgegen. Die Fronten sind klar abgesteckt: Der Gast ist König und die Angestellten haben alles daran zu setzten, den stinkreichen Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Und während das Personal auf diese Weise hinter den verwöhnten Urlauber:innen herjagt und sich wie überfürsorgliche Eltern um Massagetermine und Freizeitaktivitäten kümmert, fällt schnell auf, dass beinahe alle Besucher:innen des White Lotus bilderbuchreife Unsympathen sind.

Aloha! Die Mitarbeiter:innen des White Lotus holen ihre Gäste sogar persönlich vom Schiff ab.

So sorgt Familientochter Olivia kurzerhand dafür, dass ihr Bruder Quinn statt in der luxuriösen Suite auf dem Strand schlafen muss und Ehegatte Shane beginnt, aufgrund eines Buchungsfehlers, einen beleidigten Rachefeldzug gegen den Hotelmanager zu führen. In diesen ersten Folgen ist The White Lotus vor allem eine zum Schreien komische Komödie, die von den denkbar skurrilsten Gestalten bevölkert wird. Dabei ist beeindruckend, dass die Serie konstant auf dem höchsten Unterhaltungsniveau agiert, obwohl sie jeglicher nahbarer Figuren beraubt ist.

Sympathische Unsympathen

Ein Grund dafür ist fraglos der Cast, welcher locker zu den besten Ensemblecasts der letzten Jahre zählt. Es ist ein wahres Fest zu beobachten, wie sehr die Darsteller:innen in ihren überzogenen Rollen aufgehen. Obwohl die Charaktere der Serie stellvertretende Rollenbilder für gesellschaftliche Schichten verkörpern, gibt das Drehbuch jeder Figur viel Tiefe und den Schauspieler:innen dementsprechend viel Raum zur Entfaltung. Vor allem Murray Bartlett als Hotelmanager und tickende Zeitbombe Armond und Jennifer Coolidge, als die vom Leben gebeutelte Tanya, stehlen ausnahmslos jede Sekunde die Show innerhalb der Screentime, die ihnen die Serie schenkt.

Figuren wie Olivia (Sydney Sweeney) oder ihre beste Freundin Paula (Brittany O'Grady) kann man eigentlich nicht gerne haben – irgendwie tut man es dann allerdings doch.

Doch auch technisch weiß The White Lotus auf ganzer Linie zu überzeugen. Die paradiesischen Insellandschaften und farbenfrohen Unterwasserwelten werden in ruhigen und malerischen Bildern eingefangen, die für augenblickliches Fernweh sorgen. Damit wir uns jedoch nicht zu wohlfühlen, spielt die Serie eine ihrer größten Trumpfkarten aus: den Soundtrack. Komponist Cristobal Tapia De Veer vermischt für die musikalische Untermalung hektische Trommeln, kehlige Gesänge und traditionelle Elemente zu einer musikalischen Achterbahnfahrt, die die Urlaubsatmosphäre mit einem konstanten Stress- und Adrenalinpegel kontert. Schon durch die technische Umsetzung wissen wir schnell: Hinter der strahlenden Fassade der Serie steckt mehr, als man ahnt.

Fremdscham war selten so unterhaltsam

Was The White Lotus allerdings erst zu einem Satire-Meisterwerk macht, ist das geniale und vielschichtige Drehbuch. In den ersten Folgen stellt Regisseur und Drehbuchautor Mike White besonders sein brillantes Feingefühl für Situationskomik zuzüglich einer ordentlichen Portion Fremdscham unter Beweis. In immer wieder neuen Kombinationen bringt White seine Figuren in die absurdesten Situationen und Dialoge, bei denen man nie so richtig weiß, ob man laut lachen oder sich peinlich berührt verkriechen sollte. Hier offenbart sich eine der größten Stärken der Serie: Trotz aller urkomischen Momente fühlt man sich als Zuschauer nicht selten unwohl. So witzig die katastrophalen Interaktionen zwischen den Gästen auch sind, sie offenbaren gleichzeitig die zwischenmenschliche Kälte, die im vermeintlichen Paradies längst zur Tagesordnung gehört.

"Offensichtlich war der Imperialismus schlecht. Man sollte keine Menschen töten, ihr Land stehlen und sie dann tanzen lassen. Das weiss jeder. Aber so ist die Menschheit."

Mark Moosbacher in The White Lotus.

Schluss mit lustig

Diese Facetten der Serie nehmen über die Laufzeit der Serie rapide zu, bis wir als Zuschauer:innen bemerken, dass uns unser Lachen allmählich im Halse stecken bleibt. Subtil und komplett organisch gelingt der Handlung der Wechsel in eine derart angespannte, Thriller-artige Stimmung, die man mit dem kleinsten Piksen eines Cocktailschirmchens zum Platzen bringen könnte.

Friede, Freude, Sonnenschein waren gestern. Die Stimmung im White Lotus kippt langsam in gefährliche Gewässer.

Ein Grund dafür ist die Rahmung der Serie, durch die wir bereits in Szene eins erfahren, dass am Ende der Handlung einer unserer Protagonisten in einer mit „menschlichen Überresten“ beschrifteten Holzkiste landen wird. Ähnlich wie bei Big Little Lies wissen wir nichts Genaues über Täter und Opfer, doch der düstere Vorausblick zum Serienende wird gemeinsam mit den langsam eskalierenden Konflikten der Urlauber:innen immer präsenter.

Auf wessen Seite stehst du?

Allerdings bleibt diese Erkenntnis bis zum Ende intelligenterweise im Hintergrund, denn die Serie erzeugt auch ohne das Intro mehr als genug Spannung. The White Lotus ist eben keine Krimi-esqeue „Whodunnit Story“, sondern eine mitreißende Gesellschaftssatire, die ihre Dramatik aus den Reibungen zwischen den Figuren zieht. Das zeigt sich besonders in den späteren Episoden. Es lassen sich die Charaktere anfangs noch leicht in „Gut“ und "Böse“ einteilen, bis Konflikte entstehen, die unsere Position als Zuschauer:in immer aufs Neue herausfordern und uns von Szene zu Szene zum neu denken anregen. Mit eiskalter Präzision seziert Mike White zahlreiche hochrelevante Themen wie Postkolonialismus, Rassismus und Gender-Identitäten und offenbart dadurch traurige Wahrheiten und die Scheinheiligkeit seiner Protagonist:innen. Durch die provokante und vieldeutige Machart der Serie wird gegen Ende jeder etwas anderes von The White Lotus mitnehmen, doch unberührt werden die wenigsten sein.

Fazit:

Ein Miniserienhighlight des Jahres

Auf den ersten Blick kann The White Lotus durchaus abschreckend wirken. Das Erzähltempo ist langsam, die Figuren gewöhnungsbedürftig und einige Momente scheuen nicht vor direkter Provokation zurück. Doch mit der Zeit kristallisieren sich die genialen Intentionen hinter der eigenwilligen Machart hervor und es entsteht das Bild einer unfassbar witzigen, vielschichtigen und brillant gespielten Miniserie. Mit The White Lotus schuf Mike White ein wahres Satire-Feuerwerk voll von bissigen Dialogen und haarscharfen Beobachtungen. Wer auch nur im Ansatz ein Fan des Genres ist, sollte sich diese kleine Serienperle um keinen Preis entgehen lassen.

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