8.1/10

Kritik: Sully

Vorbeugen! Köpfe runter! Unten lassen!

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Genres: Biografie, Drama, Thriller, Startdatum: 01.12.2016

Interessante Fakten für…

  • Chesley „Sully“ Sullenberger war während des Drehs vor Ort im Studio und stand beratend zur Seite, um die Geschehnisse realistisch und detailgetreu darzustellen.
  • Das Übersetzen auf das Rettungsfloß wurde ohne Probe gefilmt, um die besondere, chaotische Situation ungestellt einfangen zu können. Alle Reaktionen sind spontan.

Gibt es echte Helden? Clint Eastwood hätte mit seinem neuesten Biopic ‚Sully‘ diese Fragen sehr leicht mit „Ja“ beantworten können. Macht er aber nicht. Eastwood sucht die Wahrheit: Was ist am 15. Januar 2009 wirklich passiert?

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#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Darum geht’s

Für Pilot Chesley B. Sullenberger aka Sully (Tom Hanks) ist das Fliegen nach 40 Jahren Routine. Flug 1549 der US Airways hat mit Routine jedoch nichts zu tun. Nach einem Vogelschlag durch Wildgänse verliert der Airbus A320 beide Triebwerke. Sully und sein Co-Piloten Jeffrey B. Skiles (Aaron Eckhart) müssen eine folgenschwere Entscheidung treffen: Zum Flughafen zurück kehren und bei einer Notlandung den Totalcrash riskieren, oder eine Notwasserung im Hudson River wagen? Sully entscheidet sich für’s Wasser.

„Das Wunder vom Hudson“ kennt vermutlich jeder aus den Nachrichten: Captain Sully rettete mit seiner spektakulären Bruchlandung alle 155 Menschenleben an Bord. Der Pilot war von heute auf morgen ein Held. Nur das National Transportation Safety Board war skeptisch und verpasste Sullys Ruhm einen Dämpfer. Experten, unter anderem Elizabeth Davis (Anna Gunn, Breaking Bad), bezweifeln, dass die Notwasserung wirklich nötig war. Hat der erfahrene Pilot seine 155 Insassen umsonst in Lebensgefahr gebracht?

Fünf Minuten Action und 90 Minuten Langweile?

Flugzeugabstürze dauern nun einmal nicht lange. Die Bruchlandung von Flug 1549 war nach drei Minuten vorbei. Das sind keine guten Voraussetzungen für einen Spielfilm. Offiziell ist Sully auch kein Flugzeug-Katastrophenfilm, sondern die Verfilmung der Autobiographie Highest Duty: My Search for what really matters von Chesley B. Sullenberger. Dementsprechend fällt das Gesamtbild des Films mehr personenbezogen, statt actiongeladen aus, auch wenn der autobiographische Ansatz nur durch wenige Flashbacks weitergeführt wird. 

Der Film Flight aus dem Jahr 2012 mit Denzel Washington sprach die gleiche Thematik an, war jedoch fiktiv: Ein Pilot rettet durch eine gewagte Notlandung viele Menschenleben, doch Unfallermittlungen bezweifeln seine Heldentat. Flight machte dabei jedoch einen Fehler, den Sully zum Glück gekonnt umging: Er erzählte die Ereignisse in einer chronologischen Reihenfolge und machte aus einer spannenden Geschichte einen antiklimatischen Film. Heißt: Cooler Absturz, langweiliger Rest.

In Sully wird die Geschichte aufgebrochen. Der Film setzt ein, als das Beinahe-Unglück bereits geschehen ist. Über die kommende Laufzeit wird schließlich das Ereignis durch Flashbacks, Rekonstruktionen und Simulationen in die Handlung eingeworfen. Damit schafft der Film das Unmögliche: Er baut die Spannung immer weiter auf, obwohl das spannendste Ereignis ganz am Anfang der Geschichte steht, kommt es ganz zum Schluß.

Es gibt einen Halbgott und sein Name ist Tom Hanks

Fragen, auf die es keine Antwort gibt:

„Nenne mir einen Film, in dem Tom Hanks schlecht geschauspielert hat.“

Er ist der Fels in der Brandung Hollywoods. Selbst durch schlechte Filme lässt sich Tom Hanks nicht herunterziehen. Sein Ruf in der Filmwelt ist so erhaben, dass Mr. Hanks es überhaupt nicht mehr nötig hat, sich zu beweisen. In Sully spielt er den gleichnamigen Captain mit subtiler und selbstbewusster Zurückhaltung, die sein Schausielstil auszeichnet: Seine Gestik ist minimal und sein emotionaler Einsatz weniger intensiv, als man es von anderen Hollywoodgrößen wie Leonardo Di Caprio (The Revenant) gewöhnt ist, die für ihre Rolle alle verfügbaren Kraftreserven investieren (müssen). Aber es funktioniert. Hanks macht aus „Sully“ einen sympathischen, liebenswerten und hochgradig authentischen Hauptcharakter, der dem echten Captain Sullivan alle Ehre macht.

Spektakulärer als die Notlandung sind nur die Piloten-Schnauzer

Aaron Eckhart als Co-Pilot Jeff Skiles liefert – wie auch Tom Hanks – eine angenehm zurückhaltende Darstellung. Die Chemie der beiden Schnauzer tragenden Piloten ist das Herz der Geschichte und dessen emotionaler Ankerpunkt. Das Drehbuch drückt nie zu sehr auf die Kitsch- und Pathos-Knöpfe, sondern zeigt uns eine verhaltene „Bromance“, die während den wenigen dramatischen Minuten im Cockpit geschmiedet wurde. Sullys Beziehung zu seiner Frau Lorraine Sullenberger (Laura Linney) fällt hingegen eher ins Wasser – *badumtzz*.

Trotzdem schleichen sich hier und da einige kitschige Dialogzeilen ein, die in der dokumentarisch wirkenden Authentizität des Drehbuchs wie Fremdkörper wirken. Wollte Clint Eastwood doch ein bisschen Amerika-Kitsch und Helden-Getue einstreuen?

Clint Eastwood lernt dazu

Auch sein vorheriger Film American Sniper behandelte die Helden-Thematik und zeigte dabei beide Seiten der Medaille, war aber langatmig und traf gegen Ende nicht den richtigen Ton. Stattdessen verlor sich das Kriegsdrama in amerikanischem Patriotismus. Sully endet hingegen mit einem klaren Statement, dass der Thematik absolut würdig ist .

Eastwood ist aber nicht nur im hohen Kontext souveräner geworden, sondern hat auch bezüglich der Dramaturgie dazugelernt. Denn Sully läuft nur knapp über 90 Minuten. Warum sollte man eine „kleine“ Geschichte auch unnötig episch aufpusten? Der kompakte Film lässt nie Langweile aufkommen und fesselt stattdessen durch unterschwellige Suspense.

Fazit

8.1/10
Stark
Community-Rating: (2 Votes)
Handlung 8.5/10
Spannung 8/10
Schauspieler 8.5/10
Emotionen 7/10
Visuelle Umsetzung 8.5/10
Details:
Regisseur: Clint Eastwood,
FSK: 12 Filmlänge: 96 Min.
Besetzung: Aaron Eckhart, Anna Gunn, Laura Linney, Tom Hanks,

Clint Eastwood hat alles richtig gemacht: Von der Besetzung bis zum Drehbuch, ist Sully ein Paradebeispiel für kluge Entscheidungen. Tom Hanks und Aaron Eckhart manövrieren das leise, aber spannungsvolle Biopic sicher ins Ziel. Wer einen Film mit nur einem kurzen Highlight (den Absturz) erwartet, der liegt falsch: Durch intelligente erzählerische Kniffe verhindert die Handlung jede Langeweile und sorgt für konstantes Interesse am Geschehen.

Artikel vom 5. Dezember 2016

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