Kritik: The Commuter

S-Bahn fahren ist aufregender
Spoilerfrei!
Lesedauer: 3 Mins.
  • Liam Neeson und Vera Farmiga in einem Zug in einem Szenenbild für Kritik The Commuter
  • Das Bündnis zwischen Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra geht in die vierte Runde. Wer 'Non-Stop' und 'Unknown Identity' grandios fand, darf gerne einsteigen. Doch für den Rest ist 'The Commuter' so routiniert und langweilig wie das Pendeln. Mehr dazu in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht’s: Liam Neeson (im Film nennt man ihn Michael MacCauley) ist ein tüchtiger Familienvater, der für seinen Job regelmäßig zwischen Vorort und Großstadt pendelt. Der Pendlerzug ist sein zweites Zuhause. Leider wird Liam Neeson, pardon, „Michael“ eines Tages völlig unerwartet gefeuert. Ein letztes Mal steigt er also in den Zug, voller Scham,…
    Kritik: The Commuter tba
    1

    66%

    Ganz okay

    Handlung
    60%
    Spannung
    65%
    Action
    60%
    Schauspieler
    70%
    Visuelle Umsetzung
    75%

    'The Commuter' ist überkonstruiert und arm an Nervenkitzel. Der Cast ist routiniert und gelangweilt. Immerhin hat Collet-Serra ein Auge für clevere Kamerafahrten.

    User Rating: 3.68 ( 2 votes)
  • Erscheinungsdatum: 11.01.2018
    Filmlänge: 104 Minuten
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Regisseur:
    Besetzung: , , ,
    Bildrechte: © 2018 Studio Canal

Gesamtbewertung:

Ganz okay
66%

Das Bündnis zwischen Liam Neeson und Regisseur Jaume Collet-Serra geht in die vierte Runde. Wer 'Non-Stop' und 'Unknown Identity' grandios fand, darf gerne einsteigen. Doch für den Rest ist 'The Commuter' so routiniert und langweilig wie das Pendeln. Mehr dazu in der Kritik.

Darum geht’s:

Liam Neeson (im Film nennt man ihn Michael MacCauley) ist ein tüchtiger Familienvater, der für seinen Job regelmäßig zwischen Vorort und Großstadt pendelt. Der Pendlerzug ist sein zweites Zuhause. Leider wird Liam Neeson, pardon, „Michael“ eines Tages völlig unerwartet gefeuert. Ein letztes Mal steigt er also in den Zug, voller Scham, seiner Familie von der Kündigung zu erzählen. Doch eine mysteriöse Frau (Vera Farmiga) weiht Michael während der Fahrt in eine weitreichende Verschwörung ein. Um sich und seine Familie in Sicherheit zu wissen muss Michael eine als Fahrgast getarnte Zielperson auffinden und töten…

Liam Neeson wird zum Schubladen-Schauspieler

Ähnlich wie Tom Hanks (Sully), der sich nur noch hinter Dan Brown-Verfilmungen und Good-Guy-Charakteren versteckt, hat auch Liam Neeson seine Komfortzone gefunden: Generische Thriller. Nicht nur ist Neeson wieder Opfer einer Verschwörung und komplett auf sich allein gestellt, er ist auch schon wieder ein ausrangierter Cop. Neeson ist so overpowered wie eh und je. Wenn wir das nicht schon 20 Mal gesehen hätten, wäre Neesons Performance durchaus lobenswert. Doch dieses Mal hat er sich am Set gelangweilt. Das kann er kaum überspielen. 

Liam Neeson steht vor einem Zugabteil in Szenenbild für Kritik The Commuter

Vielleicht sehen wir Liam Neeson als nächstes auf einem Schiff? Wobei. Lieber nicht. 'Speed 2'.

Leider ist der restliche Cast nicht mehr als Beiwerk. Vera Farmiga und Patrick Wilson (Hauptcharaktere aus den Conjuring-Filmen) müssen sich der Neeson-One-Man-Show unterwerfen und bekommen kaum Screentime. Auch Jonathan Banks (Mike aus Breaking Bad und Better Call Saul) muss sich einer undankbaren Rolle fügen.

Malen nach Zahlen

Genauso altbacken wie ein Liam Neeson auf Pfaden der Selbstjustiz ist auch der restliche Film. The Commuter ist Non-Stop ohne Flugzeug. Während dieser immerhin gut unterhielt und seine Albernheit einigermaßen überspielen konnte, ist The Commuter so ermüdend wie das Pendeln selbst.

Dabei ist die Exposition recht vielversprechend. Neesons Pendelroutine wird mit Zeitraffern und Überblendungen innovativ visualisiert. Traurig, wenn der Vorspann der interessanteste Teil des Films ist.

Wo ist der Nervenkitzel?

Regisseur Jaume Collet-Serra scheint vergessen zu haben, wie man Spannung erzeugt. Die Situation und die Gefahr wirken künstlich. Zwar benutzt The Commuter alle Werkzeuge der Suspense, kann aber nichts mit ihnen anfangen. Sie sind obligatorische Elemente eines vorhersehbaren Thrillers, der so überraschungsarm ist, dass man meint, man habe ihn schonmal irgendwann gesehen. Es passiert zwar genug um wach zu bleiben, doch als Thriller entgleist The Commuter gewaltig.

Überkonstruiertes Finale

Wo wir schon bei Entgleisung sind: Natürlich entgleist am Ende der Zug. Das ist auch kein Spoiler, denn Trailer und Marketing kündigen diesen Crash mit Vorfreude an. Im Gegensatz zum Flugzeugabsturz in Non-Stop, wirkt das Zugunglück in The Commuter natürlich langweilig. Aber was wäre ein Flugzeug-Film schon ohne Absturz und ein Zug-Film ohne Entgleisung? Vielleicht hat ja deswegen Mord im Orient-Express so viele enttäuscht. Lasst den gottverdammten Zug entgleisen!

Liam Neeson steht an einer Zugtür und zielt mit einer Pistole in einem Szenenbild für Kritik The Commuter

Was für ein Badass.

Ganz am Ende versucht The Commuter noch einmal, die Handlung auf den Kopf zu stellen. Doch der Zug ist schon abgefahren (genug Zug-Wortspiele jetzt, versprochen), jede Szene wirkt wie aus einer Bauanleitung entnommen. Deswegen ist der Film kein Verbrechen am guten Geschmack, er ist nur herzlich überflüssig und nach zwei Stunden aus dem Gedächtnis gelöscht – solange man nicht eine Kritik dazu schreiben muss. 

Fazit:

'The Commuter' ist annehmbar, wenn nichts anderes im Kino läuft

Dieser Neeson-Thriller ist nicht derart unterirdisch wie die beiden 96 Hours-Fortsetzungen, kann aber nur eingefleischte Fans begeistern. The Commuter ist weder besonders spannend, noch überraschend, ist aber derart routiniert und konstruiert, dass man immerhin das Minimum an Unterhaltung herauspressen kann – sobald man das Hirn auf Autopilot geschalten hat. Non-Stop hatte wenigstens noch ein Flugzeug. Ein Pendlerzug als Schauplatz für einen Mystery-Film ist eben doch nicht so interessant wie erwartet.

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