6.4/10

Kritik: The Gray Man

NOCH EIN 08/15 ACTION-THRILLER

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Genres: Action, Thriller, Startdatum: 14.07.2022

Interessante Fakten für…

  • Eigentlich sollte Chris Evans die Hauptrolle des Six übernehmen, lehnte diese jedoch ab, um den Antagonisten Lloyd Hansen zu spielen.
  • Chris Evans und Ryan Gosling improvisierten vieler ihrer Dialoge.

Mit einem Budget von knapp 200 Millionen Dollar möchte Netflix mit „The Gray Man“ dieses Jahr DEN Sommer-Blockbuster liefern. Doch so richtig aufgehen mag das Ganze nicht. In unserer Kritik erfahrt ihr, warum.

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Darum geht’s

Six (Ryan Gosling) ist Teil eines geheimen CIA-Programmes, das hochbegabte Kriminelle für einen Strafnachlass mit Undercover-Missionen beauftragt. Doch als ein Auftrag geheime Informationen ans Tageslicht bringt, gerät Six plötzlich selbst ins Visier der CIA. Gemeinsam mit Agentin Dani Miranda (Ana de Armas) flieht Six vor der CIA und dem ehemaligen Agenten Lloyd Hansen (Chris Evans), der vor nichts Halt macht, um Six zur Strecke zu bringen.

Grau ist Programm

„Die Welt braucht mehr Action-Thriller!“, mögen sich einige Netflix-Executives gedacht haben, als es für den neusten Film der Russos (Avengers: Endgame) das grüne Licht gab. Schließlich haben sich die Brüder in Hollywood für einige Studios schon mehr als bezahlt gemacht und waren zuletzt Garant für starkes Popcorn-Kino. Mit The Gray Man setzen die beiden diesen Trend fort und liefern eben genau das – aber auch nicht viel mehr. 

Ein Action-Thriller lebt von einer packenden Handlung, toll inszenierten und choreographierten Kämpfen und eben dem namensgebenden Thrill. Während The Gray Man in allen Disziplinen irgendwie funktioniert, fragt man sich, warum gerade dieser Film von Netflix so ins Schaufenster gestellt wurde. Gut, die Antwort trägt die Namen Ryan, Ana und Chris und liegt somit relativ auf der Hand.

Aber aus einer rein inhaltlichen Perspektive ist The Gray Man nichts weltbewegendes. Was bleibt ist ein weiterer Action-Thriller nach dem altbekannten Muster, der über zwei Stunden okay unterhält und die nötigen Genre-Tropes abklappert, nur um sich dann relativ zügig wieder aus dem Gedächtnis zu verabschieden.

Chris Evans Reinvented

Das Aushängeschild der drei Aushängeschilder im Cast von The Gray Man ist natürlich Ryan Gosling. Es macht Spaß, dem talentierten Schauspieler in der Rolle des mürrischen, dauer-angespannten Hitmans mit Moral zuzusehen. Doch schon nach wenigen Minuten tut sich ein Problem auf: Viel mehr als mürrisch und dauer-angespannt darf Gosling dem Drehbuch nach nicht sein. Das Resultat: So richtig kann Gosling nicht aus den vollen seines schauspielerischen Talentes schöpfen. Das gleiche gilt übrigens für Ana de Armas, die zwar als toughe Agentin unterhält, ansonsten aber nicht viel mehr zu tun bekommt. Besonders bei de Armas, die in den letzten Jahren ihre große Range unter Beweis stellen konnte, ist das ein bisschen traurig.

Aber es gibt einen Lichtblick am Ende des Tunnels und der heißt Chris Evans. Schon in Knives Out hat Evans gezeigt, dass er durchaus gut in die Rolle exzentrischer Antagonisten passt und weitaus mehr kann, als den Goodie-Two-Shoes Captain America zu spielen.

Die Beweisführung setzt er mit The Gray Man fort und liefert als Hansen wohl den unterhaltendsten und besten Charakter des Films, der nicht nur mit sitzenden One-Linern, sondern auch mit spontaner zur Schau Stellungen unglaublicher Brutalität überzeugt. Im Vergleich zu den relativ zweidimensionalen Protagonist:innen ist Evans dank seines exzentrischen Spiels das Highlight des Films, selbst wenn sein Charakter auch nicht gerade vor Tiefe strotzt.

Mehr vom bekannten Einheitsbrei

Ich bin kein Fan von Action-Thrillern. Ich meide das Genre nicht aktiv, habe aber den gesamten Hype rund um John Wick und Co. nur von der Seite verfolgt. Wenn dann selbst mir, einem bekennenden Action-Thriller-Neuling auffällt, dass The Gray Man sich hier und da vielleicht ein bisschen zu sehr auf Genre-Trends ausruht und diese in keinster Weise neu oder zumindest anders interpretiert, haben wir ein Problem. Vielleicht kein Problem, was den direkten Unterhaltungswert während des Schauens angeht, aber mit jedem Fall ein Problem, wenn man sich die Frage stellt, was nach dem Schauen des Filmes übrig bleibt.

The Gray Man erfindet den Action-Thriller nicht neu und setzt keine neuen Maßstäbe. Das muss auch nicht jeder Film tun, unabhängig vom Genre. Schließlich reicht manchmal auch ein kleiner visueller, auditiver oder inhaltlicher Kniff, um einen Film aus der Masse herausstechen zu lassen. Aber selbst das mag hier nicht so richtig gelingen, dafür wirkt alles zu gewohnt, zu sehr auf Nummer sicher. Und wenn eine Sache nicht zu Thrillern passt, dann ja wohl Nummer sicher.

Fazit

6.4/10
Mäßig
Community-Rating:
Handlung 5.5/10
Charaktere 6.5/10
Schauspiel 7/10
Spannung 6/10
Action 7/10
Details:
Regisseur: Anthony Russo, Joe Russo,
FSK: 16 Filmlänge: 129 Min.
Besetzung: Ana de Armas, Billy Bob Thornton, Chris Evans, Dhanush, Jessica Henwick, Regé-Jean Page, Ryan Gosling,

The Gray Man liefert das, was man erwartet, aber auch nicht viel mehr. Das Ergebnis ist Action-Thriller-Kost auf okayem bis guten Niveau, den nächsten Entwicklungsschritt des Genres sucht man hier aber vergebens.

Artikel vom 16. August 2022

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