Kritik: Venom: Let There Be Carnage

Eine toxische Beziehung
Spoilerfrei!
Lesedauer: 4 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Wir sind Venom" – Mit diesem Satz verabschiedete sich Eddie Brock (Tom Hardy) und sein symbiotischer Alter-Ego 2018 von den Marvel Fans. Nun ist endlich der zweite 'Venom' Film auf deutschen Leinwänden zu sehen und gibt uns eine Beziehungskrise der etwas anderen Art. Ob er über einfache Unterhaltung hinauswachsen kann? Wenig Zeit? Zum Fazit! Antihelden-Filme haben schon immer ihren Reiz. Sei es der brutale Marv aus Sin City (2005, 2014), der sarkastische Alleinkämpfer Deadpool (2016,2018), oder die diebische Catwoman (2004): Sie alle zeigen, dass die Welt nicht in Gut und Böse aufgeteilt ist. Venom ist in der Reihe der Antihelden eine sehr wandelbare Figur. Eingeführt wurde der Symbiont in den Comics 1988 als Bösewicht/ toxischer Anzug von Spider-Man (The Amazing Spider-Man #299), was er auch im dritten Teil der Spider-Man-Trilogie (2002-2007) mit Tobey Maguire ist. Der wahre Wandel von Bösewicht zum Antihelden startete jedoch erst mit Eddie Brock, der erste Mensch, der den Symbionten als Teil von ihm und Partner akzeptierte. Filmisch wurde dies am Ende von Venom (2018) mit den Worten „Wir sind Venom“ umgesetzt. Doch das ist erst der Anfang einer schwierigen Beziehung… Darum geht's Jede Beziehung hat ihre Hoch- und Tiefpunkte. In Venom: Let there be Carnage befinden sich Eddie Brock (Tom Hardy) und der außerirdische Symbiont in einer Krise. Der eine will mehr Freiraum, der andere darf seinen makaberen Essgewohnheiten nicht nachgehen. Die beiden Hälften haben daher schon einiges zu klären, bis es zu einem ordentlichen Krach kommt. Doch sie müssen sich schnell wieder versöhnen, denn nur gemeinsam können sie sich dem Psychopathen und Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson) entgegenstellen, der durch Eddie Brock selbst in Kontakt mit dem Symbionten kam. Als Carnage arbeitet er langsam seine Abschussliste ab und auch mit Eddie Brock hat er ein Hühnchen zu rupfen. Zunächst ist wichtig, mit welcher Erwartungshaltung man in den Film geht. Wer anspruchsvolles Kino, mit tiefgründigen Dialogen und ausgefuchster Handlung erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Da ich jedoch die Figur mag, sowie Schauspieler und Comic-Action, war der Film für mich vor allem eines: pure Unterhaltung. In mehr als einer Situation, fing das Kino an zu lachen. Zwar sind die Witze recht flach und simpel, doch mit der düster raspelnden autotune-Stimme von Venom bieten sie den idealen Kontrast. So viel Potential… Doch hier liegen bereits die ersten Kritikpunkte. Venom hält das Potential düstere Horror- und Splatterelemente mit Unterhaltung zu paaren. Eine Kombination, die vor allem die Macher:innen von Deadpool verstanden haben. Jetzt gebe noch etwas Alien-Horror dazu und voilá: du hast Venom. Aber nein. Dieses Potential wurde kaum ausgenutzt. Das gruseligste Element ist die Optik der Symbionten. An diesem Punkt ist zwar das CGI positiv hervorzuheben, aber ein FSK16 mit mehr Blut hätte eben diesen Kontrast verstärken können und der Filmreihe ein Alleinstellungsmerkmal gegeben. Werbung Irgendwas mit Psychiatrie und Liebe Augenscheinlich hat man versucht mit dem Liebespaar bestehend aus Serienkiller Cletus Kasady, alias Carnage und Shriek (Naomie Harris) einige Psycho-Horror Elemente einzubringen. Das Resultat ist eine gehetzte Charakterentwicklung und eine zerfaserte Handlung, mit stark erzwungen wirkender Liebesgeschichte. An diesem Punkt lässt sich noch die stereotypische Darstellung psychischer Krankheiten aufgreifen. Sie werden als böse, unheilbar und teilweise naiv und dumm dargestellt. Darstellungen wie diese verfestigen Vorurteile und sollten heutzutage nicht mehr unreflektiert verbreitet werden. Weniger ist mehr Zweifellos setzt der Cast die Charaktere fantastisch um. Doch wenn einem als Zuschauer:in nicht die Zeit gegeben wird, diese Figuren kennen zu lernen, kann das Spiel noch so gut sein. Es nimmt einen nicht mit. Wofür wurde die Zeit genutzt? Viel Raum wird in der Handlung vom inneren Konflikt zwischen Eddie und dem Symbionten eingenommen. Dieser wird jedoch nicht zu Ende geführt. Das Zusammenfinden der beiden kommt abrupt und lediglich aus der Motivation heraus, Carnage zu besiegen. Solche Handlungsstränge funktionieren vielleicht in den Comics (siehe Venom – Planet of the Symbiotes), aber nicht auf der Leinwand. Selbst Versöhnungen in Netflix-Original Romanzen sind besser ausgearbeitet. Man hätte sich entscheiden müssen, ob man den Konflikt zwischen dem Bösewicht Carnage und Venom, oder den zwischen Eddie und Venom in den Fokus stellen will. Man hat beides versucht und nichts davon zufriedenstellend umgesetzt. Fazit: Wenigstens ist Venom dabei ... Venom: Let there be Carnage ist gespickt mit unfertigen Handlungssträngen und Charakterentwicklungen, sowie problematischen Stereotypen. Der Star-Cast holt aus den Charakteren heraus, was er kann. Liebhaber:innen der Figuren bekommen, was sie wollen, doch das volle Potential von Venom wurde leider nicht ausgenutzt. Dennoch bietet der Film streckenweise gute Unterhaltung und einige eindrucksvolle Alien-Action. Fans von Comic-Action und Marvel werden über die Kritikpunkte teilweise hinwegsehen können, für andere kann ich an dieser Stelle nicht sprechen.
    Kritik: Venom: Let There Be Carnage
    Handlung
    50%
    Schauspiel
    80%
    Tiefgang
    40%
    Visuelle Umsetzung
    75%
    Humor
    70%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 21.10.2021
    Filmlänge: 97 Minuten
    FSK: 12
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    Bildrechte: Sony Pictures Releasing GmbH
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Gesamtbewertung:

Mäßig
63%

Wir sind Venom" – Mit diesem Satz verabschiedete sich Eddie Brock (Tom Hardy) und sein symbiotischer Alter-Ego 2018 von den Marvel Fans. Nun ist endlich der zweite 'Venom' Film auf deutschen Leinwänden zu sehen und gibt uns eine Beziehungskrise der etwas anderen Art. Ob er über einfache Unterhaltung hinauswachsen kann?

Antihelden-Filme haben schon immer ihren Reiz. Sei es der brutale Marv aus Sin City (2005, 2014), der sarkastische Alleinkämpfer Deadpool (2016,2018), oder die diebische Catwoman (2004): Sie alle zeigen, dass die Welt nicht in Gut und Böse aufgeteilt ist.

Venom ist in der Reihe der Antihelden eine sehr wandelbare Figur. Eingeführt wurde der Symbiont in den Comics 1988 als Bösewicht/ toxischer Anzug von Spider-Man (The Amazing Spider-Man #299), was er auch im dritten Teil der Spider-Man-Trilogie (2002-2007) mit Tobey Maguire ist. Der wahre Wandel von Bösewicht zum Antihelden startete jedoch erst mit Eddie Brock, der erste Mensch, der den Symbionten als Teil von ihm und Partner akzeptierte. Filmisch wurde dies am Ende von Venom (2018) mit den Worten „Wir sind Venom“ umgesetzt. Doch das ist erst der Anfang einer schwierigen Beziehung…

Darum geht's

Jede Beziehung hat ihre Hoch- und Tiefpunkte. In Venom: Let there be Carnage befinden sich Eddie Brock (Tom Hardy) und der außerirdische Symbiont in einer Krise. Der eine will mehr Freiraum, der andere darf seinen makaberen Essgewohnheiten nicht nachgehen. Die beiden Hälften haben daher schon einiges zu klären, bis es zu einem ordentlichen Krach kommt. Doch sie müssen sich schnell wieder versöhnen, denn nur gemeinsam können sie sich dem Psychopathen und Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson) entgegenstellen, der durch Eddie Brock selbst in Kontakt mit dem Symbionten kam. Als Carnage arbeitet er langsam seine Abschussliste ab und auch mit Eddie Brock hat er ein Hühnchen zu rupfen.

Eddie Brock (Tom Hardy) und der außerirdische Symbiont haben eine Menge zu klären.

Zunächst ist wichtig, mit welcher Erwartungshaltung man in den Film geht. Wer anspruchsvolles Kino, mit tiefgründigen Dialogen und ausgefuchster Handlung erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Da ich jedoch die Figur mag, sowie Schauspieler und Comic-Action, war der Film für mich vor allem eines: pure Unterhaltung.

In mehr als einer Situation, fing das Kino an zu lachen. Zwar sind die Witze recht flach und simpel, doch mit der düster raspelnden autotune-Stimme von Venom bieten sie den idealen Kontrast.

So viel Potential…

Doch hier liegen bereits die ersten Kritikpunkte. Venom hält das Potential düstere Horror- und Splatterelemente mit Unterhaltung zu paaren. Eine Kombination, die vor allem die Macher:innen von Deadpool verstanden haben. Jetzt gebe noch etwas Alien-Horror dazu und voilá: du hast Venom. Aber nein. Dieses Potential wurde kaum ausgenutzt. Das gruseligste Element ist die Optik der Symbionten. An diesem Punkt ist zwar das CGI positiv hervorzuheben, aber ein FSK16 mit mehr Blut hätte eben diesen Kontrast verstärken können und der Filmreihe ein Alleinstellungsmerkmal gegeben.

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Irgendwas mit Psychiatrie und Liebe

Augenscheinlich hat man versucht mit dem Liebespaar bestehend aus Serienkiller Cletus Kasady, alias Carnage und Shriek (Naomie Harris) einige Psycho-Horror Elemente einzubringen. Das Resultat ist eine gehetzte Charakterentwicklung und eine zerfaserte Handlung, mit stark erzwungen wirkender Liebesgeschichte.

Shriek (Naomie Harris) wurde zwar fantastisch gespielt, aber schlecht etabliert.

An diesem Punkt lässt sich noch die stereotypische Darstellung psychischer Krankheiten aufgreifen. Sie werden als böse, unheilbar und teilweise naiv und dumm dargestellt. Darstellungen wie diese verfestigen Vorurteile und sollten heutzutage nicht mehr unreflektiert verbreitet werden.

Weniger ist mehr

Zweifellos setzt der Cast die Charaktere fantastisch um. Doch wenn einem als Zuschauer:in nicht die Zeit gegeben wird, diese Figuren kennen zu lernen, kann das Spiel noch so gut sein. Es nimmt einen nicht mit. Wofür wurde die Zeit genutzt? Viel Raum wird in der Handlung vom inneren Konflikt zwischen Eddie und dem Symbionten eingenommen. Dieser wird jedoch nicht zu Ende geführt. Das Zusammenfinden der beiden kommt abrupt und lediglich aus der Motivation heraus, Carnage zu besiegen.

Serienkiller und Psychopath Cletus Kasady (Woody Harrelson) wird in Verbindung mit dem Symbionten zum bekanntesten Widersacher Venoms: Carnage.

Solche Handlungsstränge funktionieren vielleicht in den Comics (siehe Venom – Planet of the Symbiotes), aber nicht auf der Leinwand. Selbst Versöhnungen in Netflix-Original Romanzen sind besser ausgearbeitet. Man hätte sich entscheiden müssen, ob man den Konflikt zwischen dem Bösewicht Carnage und Venom, oder den zwischen Eddie und Venom in den Fokus stellen will. Man hat beides versucht und nichts davon zufriedenstellend umgesetzt.

Fazit:

Wenigstens ist Venom dabei ...

Venom: Let there be Carnage ist gespickt mit unfertigen Handlungssträngen und Charakterentwicklungen, sowie problematischen Stereotypen. Der Star-Cast holt aus den Charakteren heraus, was er kann. Liebhaber:innen der Figuren bekommen, was sie wollen, doch das volle Potential von Venom wurde leider nicht ausgenutzt. Dennoch bietet der Film streckenweise gute Unterhaltung und einige eindrucksvolle Alien-Action. Fans von Comic-Action und Marvel werden über die Kritikpunkte teilweise hinwegsehen können, für andere kann ich an dieser Stelle nicht sprechen.

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