7.3/10

Kritik: Yesterday

Wer sind die Beatles?

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Genres: Fantasy, Komödie, Romanze, Startdatum: 11.07.2019

Interessante Fakten für…

  • Himesh Patel übernahm alle musikalischen Einsätze selbst, egal ob an Gitarre, Klavier oder Gesang.
  • Eine ursprüngliche Idee war, dass neben den Beatles auch die Farbe Lila aus der Welt verschwunden sein würde. Allerdings wurde sie bald fallengelassen, die akribische Suche nach lilalen Gegenständen oder Kleidungsstücken hätte die Vorbereitung am Set zu kompliziert gemacht.

Ungewöhnliche Idee, gewöhnlicher Film? ‚Yesterday‘ erzählt die Geschichte eines erfolglosen Musikers, der sich nach einem weltweiten Stromausfall als einziger Mensch noch an die Beatles und ihre Hits erinnern kann. Wie die Komödie diese abstruse Prämisse auskostet und woran sie dennoch scheitert, erfährst du in der Kritik.

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#PotterUltra #SchwerMetaller #Storyteller

Darum geht’s

Jack (Himesh Patel) kann von seiner Musik nicht leben. Abhängig von einem undankbaren Job im Supermarkt quält sich der Songwriter von einer kleinen Bühne zur anderen. Nur seine beste Freundin Ellie (Lily James) glaubt fest an seinen Durchbruch und motiviert Jack als ehrenamtliche Tourmanagerin.

Eines Nachts passiert etwas Unfassbares: Auf der gesamten Welt fällt aus mysteriösen Gründen für wenige Sekunden der Strom aus und am nächsten Morgen kann sich keiner mehr an die Beatles und ihre Hits erinnern. Als Jack seinen Freunden “Yesterday” vorspielt und diese zu Tränen gerührt sind, dämmert es dem Musiker, dass er der einzige Mensch auf der Welt ist, der sich noch an die Beatles erinnern kann. Natürlich nutzt Jack das aus, doch auf die Konsequenzen ist er nicht vorbereitet…

Herrlich absurde Filmidee…

Auf diese Prämisse kann sich jeder angehende Drehbuchautor einen runterholen. Die Idee ist simpel und genial, ähnlich wie beispielsweise jene von Täglich grüßt das Murmeltier. Man mische ein reales Setting mit einem übernatürlichen “Was wäre wenn”-Szenario und spinne dieses weiter, ohne sich dabei zu sehr auf Logik oder Erklärung zu verkrampfen.

Statt eines Mystery-Films ist Yesterday also viel mehr ein modernes Märchen, ausgeschmückt mit Popkultur-Referenzen der letzten 50 Jahre. Denn nicht nur die Beatles scheinen aus dem Gedächtnis der Welt gelöscht worden zu sein, sondern auch einige andere bekannte Namen der letzten Jahrzehnte – diese Enthüllungen sind die größten Lacher des Films. Wenn sich Jack im Flugzeug eine “Coke” bestellen möchte, doch die Stewardess den Namen “Coca Cola” nicht kennt und sofort an Kokain denkt, lacht man sich schon mal in die Faust.

… letztendlich aber doch formularisch erzählt

Yesterday nimmt sich nicht zu ernst. Dementsprechend erscheint die Story aber auch immer wieder als naiv und überzeichnet. Immer wieder mischen sich unangenehme Klischees in die Story mit ein, wie zum Beispiel künstlich in die Länge gezogene Missverständnisse zwischen den Charakteren, die mit zwei Zeilen Dialog aufgeklärt werden könnten, stattdessen aber einfach immer irgendetwas dazwischen kommt, wie zum Beispiel Eltern, die zum Abendessen rufen, während Jacks beste Freundin Ellie ihm gerade ein Liebesgeständnis macht.

Einige dieser Story-Schablonen, die der Handlung eigentlich Struktur geben sollen, fühlen sich mit zunehmender Laufzeit an wie Fesseln. Die verklemmte Lovestory zwischen den beiden Hauptdarstellern zieht sich schmerzhaft lange hin und natürlich muss sich Jack irgendwann zwischen Musikkarriere und Liebe entscheiden – denn für beides ist kein Platz.

Zahmer, britischer Humor

Regisseur Danny Boyle, der unter anderem die beiden kompromisslosen Trainspotting-Filme drehte, liefert mit Yesterday den “nettesten” Film seiner Karriere ab. Der Humor ist nicht wirklich britisch und schon gar nicht bösartig, sondern zahm und familientauglich. Es ist mehr einer dieser Schmunzel-Filme, inklusive Feel-Good-Faktor. Attacken aufs Zwerchfell gibt es selten.

Einzig und allein die kommerzgeile Musikindustrie bekommt mit ein oder zwei schwungvollen Seitenhieben ihr Fett weg. Sobald Jack die Hits der Beatles rekonstruiert, um für sein neues Plattenlabel Hits zu produzieren, verfällt der Film schon beinahe einer Schwarz-Weiß-Zeichnung und die Musikindustrie stellt sich immer mehr dar wie das Imperium aus Star Wars. Wie verkommen muss man bitteschön sein, um “Hey Jude” in “Hey Dude” umwandeln zu wollen, weil es mehr dem aktuellen Zeitgeist entspricht?

Diese Kritik kann man aber kaum noch ernst nehmen, sobald Ed Sheeran höchstpersönlich nicht nur ein Cameo, sondern eine vollwertige Nebenrolle im Film einnimmt. Dennoch ist der unterschwellige Konkurrenzkampf zwischen Jack und Ed, die zusammen auf Tour gehen, sympathisch und unterhaltsam.

Baden in Sentimentalität

Im Kern ist Yesterday neben der witzigen Prämisse und der verhaltenen Gesellschaftskritik dann eben doch eine Lovestory. Werden die langjährigen “besten Freunde” Jack und Ellie zusammenfinden, oder treibt Jacks großes Geheimnis hinter seiner boomenden Musikkarriere einen Keil zwischen die beiden?

Beide Schauspieler, Himesh Patel und Lily James, besitzen die nötige Chemie und einige Szenen, vor allem zu Beginn des Films, sind tatsächlich süß; doch tatsächlich romantisiert der Film viel lieber, statt wirklich romantisch zu sein. Derart süße und unbeholfene Liebesgeschichten gehören eher in einen Pixar-Film, wirken in einem Realfilm aber unecht und gewollt. Das emotionale Finale trägt die Butter drei Zentimeter dick auf, inklusive einer extra Schicht Nutella – süß, aber einfach zu viel.

Die Konflikte lösen sich gegen Ende praktisch in Luft auf, lang aufgebaut Konflikte lösen sich konfliktfrei und jeder ist zufrieden mit seiner Situation. Das auf den ersten Blick einfallslose Ende wird jedoch gerettet mit einem letzten Story-Gag, der so blöd und dennoch so gelungen ist, dass man tatsächlich kurz Lust auf einen zweiten Teil bekommt, den wir allerdings niemals sehen werden.

Fazit

7.3/10
Ordentlich
Community-Rating:
Handlung 7.5/10
Spannung 6.5/10
Humor 7/10
Emotionen 7.5/10
Musik 8/10
Details:
Regisseur: Danny Boyle,
FSK: 0 Filmlänge: 116 Min.
Besetzung: Ed Sheeran, Ellise Chappell, Himesh Patel, Lily James, Sophia Di Martino,

In seiner Essenz ist Yesterday ein Weihnachtsfilm. Es gibt ein Wunder, eine Liebesgeschichte, familientaugliche Witze und ein kompromissloses Happy End. Die geniale Prämisse ist gespickt mit cleveren Popkultur-Referenzen, doch die Romantik-/Musikkomödie ist leider zu zahnlos und formularisch, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Dennoch ist Yesterday eine überdurchschnittlich kreativer und durchweg sympathischer Feel-Good-Film, der nicht nur für Beatles-Fans interessant ist, sondern für jeden, der zwei Stunden einfach nur abschalten und Spaß haben will.

Artikel vom 11. August 2019

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