Kritik: Lucifer – Staffel 6

Ist Lucifer nun endlich der neue Gott?
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Titelbild zur Kritik: "Lucifer - Staffel 6"
  • In ganzen sechs Staffeln wurde die Geschichte von Lucifer Morningstar erzählt. Nun hat es Lucifer geschafft, zur Gottheit aufzusteigen. Und das ist auch gut so, denn die Serie 'Lucifer' muss unbedingt zu einem Ende kommen. Wieso das nötig ist, erfahrt ihr in dieser Kritik.  Wenig Zeit? Zum Fazit! Vom Teufel zum Gott Es war nicht weniger als ein Engelskrieg nötig, doch nun ist es offiziell: Lucifer (Tom Ellis) ist der neue Gott. Dafür muss er jedoch in die silberne Stadt und den göttlichen Thron für sich beanspruchen. Doch dazu kommt es noch nicht. Dafür muss Lucifer noch weitere Angelegenheiten klären, einschließlich sein Verhältnis mit Chloe Decker (Lauren German) und welche Rolle sie an der Seite des neuen Gottes spielen wird. Und in die Hölle muss er auch, denn der tote Daniel Espinoza (Kevin Alejandro) ist nämlich immer noch da. Und auch wenn Lucifer ihm die ein oder andere Folter ersparen kann, so müssen sie dennoch eine Möglichkeit finden, um ihn rauszuholen. Doch schon kommen neue Probleme auf den zukünftigen Gott zu: Ein Engel mit scharlachroten Klingenflügeln (Brianna Hildebrand) sucht nach Lucifer – und sie ist nicht gut auf ihn zu sprechen. Ein Teufel auf Selbstfindung Lucifer hat einen langen Weg hinter sich. Angefangen als eine sehr lose Adaption des DC Comics Sandman von Neil Gaiman, hat die Serienadaption von Lucifer eine unnachahmlich sympathische Version des Teufels erschaffen, ja sogar eine Heroische. Die Idee eines Teufels mit Vaterkomplexen, der zur Therapie geht und bei Morduntersuchungen hilft, war so albern, dass sie einfach funktionieren musste. Aus dieser simplen Formel hat man einen erstaunlich persönlichen und charakterfokussierten Handlungsansatz gemacht, der sich nicht nur auf Lucifer bezieht, sondern auch auf die Charaktere um ihn herum, seinen sie nun menschlich oder übernatürlich. Charakterentwicklung wurde groß geschrieben. Und nun hat Lucifer endlich seine persönlichen Dämonen besiegt, Verantwortung übernommen und ist nun bereit, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Gott zu werden. Was gibt es also noch zu erzählen? Gute Frage... Werbung Was zur Hölle? Man könnte berechtigterweise glauben, dass nun, nachdem Lucifer endlich Gott geworden ist, etwas Großes auf sie zukommt. Etwas gewaltiges, dass die Staffel sechs als DIE finale Staffel prägt. Wer das glaubt, wird bitter enttäuscht. Es ist überraschend, wie wenig man mit so viel Potenzial gemacht hat. Auch die Idee von einem Lucifer, der erst lernen muss Gott zu sein, bevor er sich auf den himmlischen Thron setzen kann, wird nicht ausgeschöpft. Stattdessen fokussieren wir uns auf den neuen Engel. Und diese entpuppt sich als niemand anderes als Lucifers Tochter Rory, von der er nichts wusste. Ja, wir gehen in diese Richtung... Gott, immer diese Vaterkomplexe! Auf Papier macht das tatsächlich Sinn. Lucifer, der mit den schwierigen Verhältnissen zu seinem Vater zu kämpfen hatte, muss sich nun selbst als Vater beweisen, bevor er der himmlische Vater der gesamten Welt werden kann. Doch in der Ausführung geht es nicht auf. Dafür wirkt es zu langatmig, zu konstruiert und ehrlich gesagt zu vorhersehbar. Auch Rory selbst macht nicht den besten Eindruck. Obwohl sie offenbar eine erwachsene Frau ist, benimmt sie sich wie ein nerviger Teenager. Das zehrt stark an der beabsichtigten emotionalen Tiefe. Und auch die aufkommende Thematik bezüglich Schicksal gegen freien Willen wird nur oberflächlich angesprochen. Von allem ein bisschen Das größte Problem ist, dass es sich anfühlt, als hätte man von allen möglichen Handlungssträngen ein bisschen von allem genommen. Wir haben ein bisschen Göttlichkeit, ein bisschen Familiendrama, ein bisschen Wiedergutmachung, ein bisschen Seelentherapie à la The Good Place, ein bisschen Apokalypse und so weiter. Immer wenn man glaubt, es geht in eine Richtung, bricht es ab und thematisiert etwas anderes, nur um dann wieder etwas anderes zu machen. Kaum einer Sache wird die nötige Zeit gewidmet, um es glaubhaft zu machen. Einfallsreichtum sucht man vergebens. Man kann buchstäblich sehen, was davon Filler ist, der die Handlung unnötig in die Länge zieht. Dann kommt auch noch die klassische Hollywood-Moral hinzu, weshalb natürlich auch rassistische Polizeigewalt und toxische Männlichkeit thematisiert werden – mit der Subtilität einer Dampfwalze versteht sich. Wer kurzzeitig vergisst, dass es in der Serie um himmlische Geschöpfe und den Aufstieg eines neuen Gottes geht, dem sei verziehen. Die Lösung wäre klar gewesen: Entweder beschränkt man die finale Handlung auf das Wesentliche und kürzt den Rest, oder man macht mehr Episoden und gibt den Handlungsansätzen die Zeit, die sie verdienen. Ein melancholisches Lebwohl Was Staffel sechs jedoch einigermaßen richtig macht, sind die einigermaßen emotionalen Abschlüsse der einzelnen Charaktere. Ihre Charakterentwicklungen haben wir über die Jahre hinweg verfolgt und trotz allem ist es schön mit anzusehen, dass jeder von ihnen den Abschied bekommt, der zu ihnen passt. Auch wenn einige Handlungsentscheidungen fragwürdig sind, funktionieren viele der Abschlüsse. Der wahrscheinlich beste Handlungsstrang galt zweifelsohne Daniel Espinoza. Gegen Ende der fünften Staffel wurde er unzeremoniell getötet und landete in der Hölle. Umso erfreulicher ist die Aufmerksamkeit, die Dan in dieser Staffel gegolten wurde. Daniels Versuche, als Geist die Quelle seiner Schuld zu finden, um in den Himmel aufzusteigen, gehören zu den wenigen Highlights der sechsten Staffel. Doch auch hier hätte man mehr machen können... Fazit: Kein biblischer Abschluss – stattdessen ein Epilog So sehr man es auch dreht und wendet, Staffel sechs ist einfach überflüssig. Sehr viele Themen wurden aufgegriffen, doch kaum was davon wurde anständig behandelt – von ein paar sehr fragwürdigen Entscheidungen mal abgesehen. Tatsächlich fühlt es sich weniger wie eine eigenständige Staffel an, sondern eher wie ein Epilog, denn man am Ende der fünften Staffel hätte einfügen können. Zwar bietet die sechste Staffel ein paar emotionale Abschlüsse, vor allem die von Daniel Espinoza, der endlich das nötige Rampenlicht erhält. Doch abgesehen davon gibt es in der sechsten Staffel kaum etwas Originelles. Und auch wenn die sechste Staffel trotz allem zum Gesamteindruck der Serie mehr oder weniger positiv beiträgt, kann man nach dem Finale nur noch sagen: "Gott sei Dank, es ist vorbei!"
    Kritik: Lucifer – Staffel 6
    Handlung
    50%
    Spannung
    40%
    Charaktere
    65%
    Emotionen
    70%
    Visuelle Umsetzung
    55%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 25.10.2021
    Episoden: 93 in 6+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner: ,
    Besetzung: , , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2021 Netflix, Warner Bros.
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Gesamtbewertung:

Enttäuschend
56%

In ganzen sechs Staffeln wurde die Geschichte von Lucifer Morningstar erzählt. Nun hat es Lucifer geschafft, zur Gottheit aufzusteigen. Und das ist auch gut so, denn die Serie 'Lucifer' muss unbedingt zu einem Ende kommen. Wieso das nötig ist, erfahrt ihr in dieser Kritik. 

Vom Teufel zum Gott

Es war nicht weniger als ein Engelskrieg nötig, doch nun ist es offiziell: Lucifer (Tom Ellis) ist der neue Gott. Dafür muss er jedoch in die silberne Stadt und den göttlichen Thron für sich beanspruchen. Doch dazu kommt es noch nicht. Dafür muss Lucifer noch weitere Angelegenheiten klären, einschließlich sein Verhältnis mit Chloe Decker (Lauren German) und welche Rolle sie an der Seite des neuen Gottes spielen wird. Und in die Hölle muss er auch, denn der tote Daniel Espinoza (Kevin Alejandro) ist nämlich immer noch da. Und auch wenn Lucifer ihm die ein oder andere Folter ersparen kann, so müssen sie dennoch eine Möglichkeit finden, um ihn rauszuholen.

Lucifer (Tom Ellis) im Zentrum einer Vorführung

Lucifer (Tom Ellis) bereitet sich auf das Grande Finale vor!

Doch schon kommen neue Probleme auf den zukünftigen Gott zu: Ein Engel mit scharlachroten Klingenflügeln (Brianna Hildebrand) sucht nach Lucifer – und sie ist nicht gut auf ihn zu sprechen.

Ein Teufel auf Selbstfindung

Lucifer hat einen langen Weg hinter sich. Angefangen als eine sehr lose Adaption des DC Comics Sandman von Neil Gaiman, hat die Serienadaption von Lucifer eine unnachahmlich sympathische Version des Teufels erschaffen, ja sogar eine Heroische. Die Idee eines Teufels mit Vaterkomplexen, der zur Therapie geht und bei Morduntersuchungen hilft, war so albern, dass sie einfach funktionieren musste. Aus dieser simplen Formel hat man einen erstaunlich persönlichen und charakterfokussierten Handlungsansatz gemacht, der sich nicht nur auf Lucifer bezieht, sondern auch auf die Charaktere um ihn herum, seinen sie nun menschlich oder übernatürlich. Charakterentwicklung wurde groß geschrieben.

Und nun hat Lucifer endlich seine persönlichen Dämonen besiegt, Verantwortung übernommen und ist nun bereit, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Gott zu werden. Was gibt es also noch zu erzählen?

Gute Frage...

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Was zur Hölle?

Man könnte berechtigterweise glauben, dass nun, nachdem Lucifer endlich Gott geworden ist, etwas Großes auf sie zukommt. Etwas gewaltiges, dass die Staffel sechs als DIE finale Staffel prägt. Wer das glaubt, wird bitter enttäuscht. Es ist überraschend, wie wenig man mit so viel Potenzial gemacht hat. Auch die Idee von einem Lucifer, der erst lernen muss Gott zu sein, bevor er sich auf den himmlischen Thron setzen kann, wird nicht ausgeschöpft.

Stattdessen fokussieren wir uns auf den neuen Engel. Und diese entpuppt sich als niemand anderes als Lucifers Tochter Rory, von der er nichts wusste. Ja, wir gehen in diese Richtung...

Gott, immer diese Vaterkomplexe!

Auf Papier macht das tatsächlich Sinn. Lucifer, der mit den schwierigen Verhältnissen zu seinem Vater zu kämpfen hatte, muss sich nun selbst als Vater beweisen, bevor er der himmlische Vater der gesamten Welt werden kann. Doch in der Ausführung geht es nicht auf. Dafür wirkt es zu langatmig, zu konstruiert und ehrlich gesagt zu vorhersehbar.

Rory (Brianna Hildebrand) mit roten Klingenflügeln

Rory (Brianna Hildebrand) mit ihren blutroten Klingenflügeln. Viel interessanter wird es allerdings nicht.

Auch Rory selbst macht nicht den besten Eindruck. Obwohl sie offenbar eine erwachsene Frau ist, benimmt sie sich wie ein nerviger Teenager. Das zehrt stark an der beabsichtigten emotionalen Tiefe. Und auch die aufkommende Thematik bezüglich Schicksal gegen freien Willen wird nur oberflächlich angesprochen.

Von allem ein bisschen

Das größte Problem ist, dass es sich anfühlt, als hätte man von allen möglichen Handlungssträngen ein bisschen von allem genommen. Wir haben ein bisschen Göttlichkeit, ein bisschen Familiendrama, ein bisschen Wiedergutmachung, ein bisschen Seelentherapie à la The Good Place, ein bisschen Apokalypse und so weiter. Immer wenn man glaubt, es geht in eine Richtung, bricht es ab und thematisiert etwas anderes, nur um dann wieder etwas anderes zu machen. Kaum einer Sache wird die nötige Zeit gewidmet, um es glaubhaft zu machen. Einfallsreichtum sucht man vergebens.

Man kann buchstäblich sehen, was davon Filler ist, der die Handlung unnötig in die Länge zieht. Dann kommt auch noch die klassische Hollywood-Moral hinzu, weshalb natürlich auch rassistische Polizeigewalt und toxische Männlichkeit thematisiert werden – mit der Subtilität einer Dampfwalze versteht sich. Wer kurzzeitig vergisst, dass es in der Serie um himmlische Geschöpfe und den Aufstieg eines neuen Gottes geht, dem sei verziehen.

Lucifer (Tom Ellis) und Chloe Decker (Lauren German) als Cartoons

Wir hatten schon ein Film Noir, ein Musical und eine Meta-Folge. Natürlich darf da auch ein Cartoon nicht fehlen.

Die Lösung wäre klar gewesen: Entweder beschränkt man die finale Handlung auf das Wesentliche und kürzt den Rest, oder man macht mehr Episoden und gibt den Handlungsansätzen die Zeit, die sie verdienen.

Ein melancholisches Lebwohl

Was Staffel sechs jedoch einigermaßen richtig macht, sind die einigermaßen emotionalen Abschlüsse der einzelnen Charaktere. Ihre Charakterentwicklungen haben wir über die Jahre hinweg verfolgt und trotz allem ist es schön mit anzusehen, dass jeder von ihnen den Abschied bekommt, der zu ihnen passt. Auch wenn einige Handlungsentscheidungen fragwürdig sind, funktionieren viele der Abschlüsse.

Der wahrscheinlich beste Handlungsstrang galt zweifelsohne Daniel Espinoza. Gegen Ende der fünften Staffel wurde er unzeremoniell getötet und landete in der Hölle. Umso erfreulicher ist die Aufmerksamkeit, die Dan in dieser Staffel gegolten wurde. Daniels Versuche, als Geist die Quelle seiner Schuld zu finden, um in den Himmel aufzusteigen, gehören zu den wenigen Highlights der sechsten Staffel. Doch auch hier hätte man mehr machen können...

Fazit:

Kein biblischer Abschluss – stattdessen ein Epilog

So sehr man es auch dreht und wendet, Staffel sechs ist einfach überflüssig. Sehr viele Themen wurden aufgegriffen, doch kaum was davon wurde anständig behandelt – von ein paar sehr fragwürdigen Entscheidungen mal abgesehen. Tatsächlich fühlt es sich weniger wie eine eigenständige Staffel an, sondern eher wie ein Epilog, denn man am Ende der fünften Staffel hätte einfügen können. Zwar bietet die sechste Staffel ein paar emotionale Abschlüsse, vor allem die von Daniel Espinoza, der endlich das nötige Rampenlicht erhält. Doch abgesehen davon gibt es in der sechsten Staffel kaum etwas Originelles.

Und auch wenn die sechste Staffel trotz allem zum Gesamteindruck der Serie mehr oder weniger positiv beiträgt, kann man nach dem Finale nur noch sagen: "Gott sei Dank, es ist vorbei!"

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