Kritik: The Good Place (Staffel 1-4)

Mit dieser Sitcom werden Sie ein besserer Mensch
Spoilerfrei!
Lesedauer: 7 Mins.
  • Titelbild zur Kritik: "The Good Place" Staffel 1-4
    © National Broadcasting Company (NBC), ProSieben Fun
  • 'The Good Place' ist ohne Zweifel die schrägste und ambitionierteste Comedyserie von Showrunner Michael Schur. Immerhin: Die Vermittlung von Moral und Philosophie steht ebenso im Vordergrund wie Komik, Charaktere und Absurdität. Verdient 'The Good Place'  den Einzug in den grünen Bereich? Kurz gesagt: Ja, und Sie erfahren jetzt wieso! Wenig Zeit? Zum Fazit! Welcome! Everything is fine. Als Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) aufwacht, stellt sie fest, dass sie sich an einem ihr unbekannten Ort befindet. Ein älterer Mann namens Michael (Ted Danson) bittet sie, ins Zimmer zu kommen. Dort offenbart er ihr die erschütternde Nachricht: Sie ist tot. Doch sie braucht sich keine Sorgen zu machen, denn aufgrund ihres tugendhaften Lebens ist sie im grünen Bereich, dem "Good Place" gelandet. Michael erzählt ihr, dass die Moral der Menschen nach einem Punktesystem bewertet wird. Gute Taten bringen Punkte und Schlechte reduzieren sie. Für die Crème de la Crème der guten Menschen hat er eine idyllische Nachbarschaft gestaltet, die er mit Janet, einer allwissenden Datenbank in Menschengestalt (D'Arcy Carden), leitet. Eleanor wird in die Nachbarschaft eingeführt und gleichzeitig wird ihr ihr Seelenverwandter vorgestellt: Chidi Anagonye (William Jackson Harper), ein Ethik-Professor, mit dem Eleanor in einem gemütlichen Haus die Ewigkeit verbringen wird. Das Jenseits ist schön. Doch es gibt da ein Problem: Nichts über Eleanor ist wahr. In ihrem Leben war sie weder selbstlos, noch tugendhaft. Tatsächlich war sie ein sehr egoistischer und abweisender Mensch, der mit seinem Verhalten viele Menschen verletzt hat. Ihr wird bewusst, dass sie nur wegen eines Fehlers im Good Place gelandet ist. Wenn sie auffliegt, geht es in den nicht so schönen roten Bereich. Als möglichen Ausweg bittet sie Chidi, dass dieser ihr Ethik und Moral beibringt, damit sie im Schnelldurchgang zu einem guten Menschen wird. Anfangs widerwillig geht Chidi auf die Bitte ein. Die ersten Verbesserungen müssen schnell kommen, denn Eleanors Nachbarn, die Philantropin Tahani Al-Jamil (Jameela Jamil) und ihr Seelenverwandter, der schweigsame Mönch Jianyu (Manny Jacinto), scheinen etwas zu vermuten... Made by Schur Michael Schur hat es einfach drauf. Mit Parks and Recreation und Brooklyn Nine-Nine produzierte Schur zwei der prägendsten Comedy-Serien der letzten 10 Jahre. Nicht nur sind die Serien saukomisch, sie haben auch hervorragende Charaktere, die sich über die Staffeln hinweg glaubhaft entwickeln, ohne ihre Marotten abzulegen und detailliert durchdachte Welten mit ihren eigenen Eigenarten - auch wenn es sich bei diesen Welten um ein Amt in einer Kleinstadt und ein Polizeirevier handelt. Mit The Good Place treibt es Schur auf eine gänzlich neue Ebene. Alleine die absurde Idee über ein himmel-ähnliches Jenseits, indem ein Eindringling ein besserer Mensch werden will, um nicht aufzufallen, zeigt, wie ambitioniert die Serie ist. Losgelöst von einem klar definierten Setting hat Schur hier alle Möglichkeiten offen, um richtig abzudrehen. Nichts ist festgelegt, nichts folgt irdischen Regeln, alles kann sich binnen kürzester Zeit verändern. Und das ist nur ein Bruchteil davon, was die Serie so genial macht: Werbung Status Quo war gestern Ich muss hier vorwarnen: Man kann nicht wirklich auf die Handlung eingehen, da man sonst sehr schnell ins Spoiler-Territorium eindringt. Soviel lässt sich allerdings sagen: Die gesamte Serie ist eine sich linear fortentwickelnde Handlung, bei der keine Episode wie die andere ist. Damit hebt sich The Good Place von anderen episodischen Sitcoms ab. Noch gravierender sind die Charaktere, die nicht mehr dieselben Personen sind, die sie noch eine Episode zuvor waren. Das Beste an der Handlung jedoch ist, dass sie es immer schafft originell zu bleiben. Wenn ein Handlungsstrang zu lange andauert und droht abgestanden zu werden, geschieht etwas Drastisches, was die aktuelle Lage komplett verändert und eine neue Ausgangssituation mit einem neuen Konflikt präsentiert. Die Serie ist auf eine gute Weise unberechenbar, bleibt seinen Charakteren und Grundprinzipien aber immer treu. Kaum eine andere Serie traut sich, vertraute Konzept so schnell über Bord zu werfen und dabei immer noch so einheitlich zu wirken, wie The Good Place. Himmlisches Dream-Team Schur's Stärke waren schon immer seine Charaktere und wie sie aufeinander einwirken. Und hier setzt er nochmal einen drauf. Allein die Ausgangssituation über ein egoistisches Arschloch gepaart mit einem Ethik-Professor als ihr Gewissen ist Gold wert. Und wenn man noch Tahani und Jianyu in den Mix reinwirft, erhält man die perfekte Kombination aus Menschen, die haargenau zueinander passen. Es ist vor allem ihre andauernde Weiterentwicklung als Hauptcharaktere, die in dieser Serie so hervorragend herüberkommt. Denn wie sich herausstellt, ist nicht nur Eleanor die mit Charakterfehlern: Chidi ist so davon besessen, immer das zweifellos "Richtige" zu tun, dass er nicht in der Lage ist, auch nur die einfachsten Entscheidungen zu treffen. Währenddessen wird klar, das Tahani nicht immer so selbstlos agiert, wie sie es sich einredet und Jianyu ist auch nicht unbedingt der weise Mönch, für den er sich ausgibt - oder weise im Generellen. Doch nicht nur die Menschencharaktere ziehen die Serie mit sich. Ted Danson spielt den himmlischen Architekten Michael einfach fantastisch. Als Control Freak mit einer Vorliebe für Komplexität versucht Michael in der Nachbarschaft alles perfekt zu halten - nur um dann durchzudrehen, wenn alles aus den Fugen gerät. Dabei ist es faszinierend, wie menschlich Michael wirkt, obwohl er nur wenig Ahnung von Menschen hat. Doch das hindert in nicht daran, seine Faszination und Neugier gegenüber den Menschen auszuleben und sei es auch nur in Form von banalen Dingen, wie etwa sich die Haare nass zu machen oder ein Salzcracker zu probieren. Seine Assistentin Janet ist dabei nicht weniger überzeugend. Ihre freundliche Art kann schnell darüber hinwegtäuschen, dass sie eine Maschine ist, die nur zu oberflächlichen sozialen Interaktionen fähig ist. Doch auch das hält sie nicht davon ab, an Tiefe zu gewinnen und zum absoluten Sympathieträger zu werden. What the Fork?! Der Humor. Dear Lord, der Humor! In dem Bereich hat es Schur geschafft, sogar seine anderen Comedyserien zu überbieten. Dadurch, dass die Handlung nicht auf der Erde spielt, hat man hier viel mehr Freiheiten. Clevere und bitterböse Dialoge sind genauso präsent, wie absurde Komik: So ist es auch normal, wenn durch einen Glitch ein Riesen-Marienkäfer durch die Nachbarschaft rennt oder die Zerstörung einer Torte in einem riesigen Erdloch resultiert. Immerhin: Das Verhalten der Einwohner beeinflusst die Umgebung. Und geflucht wird im Übrigen auch nicht. Macht euch daher schonmal auf viele "Forks" und "Shirts" gefasst. Dasselbe gilt auch für die übernatürlichen Einwohner. Sei es Janets mehr als bizarre Biologie und Funktionsweise oder Michaels alles andere als optimalen Entschlüsse. Kleines Beispiel: Ein Hund entpuppt sich offenbar als Glitch. Die Lösung: Einfach in die Sonne kicken! Logisch! Genauso absurd und ebenso beängstigend satirisch ist das strikte Punktesystem, dass die menschliche Moral bewertet. Anhand dieser sind selbst Essensgewohnheiten und Musikgeschmäcker Faktoren, die einen objektiven Eindruck über einen Menschen hinterlassen. Tatsächlich zählt JEDE Entscheidung, die man macht: Ein Sandwich essen, Facebook als Verb verwenden, unaufgefordert über Veganismus reden - all das trägt dazu bei, ob man im grünen Bereich landet, oder... woanders. Der Humor ergänzt hervorragend die philosophischen und existenziellen Themen der Serie und lenkt zudem davon ab, wie düster The Good Place werden kann. Diese Kombination aus bürokratischer Satire und kompletter Absurdität macht die Serie so sauwitzig. Und ich spreche nicht von Laut-Lachen-Witzig. Ich spreche von so witzig, dass du um 2 Uhr morgens beim Nachbarn klingen möchtest, um ihm den Witz zu erzählen. Das schafft wirklich nicht jede Serie. Du kannst doch nicht Janet töten. Töten ist eines der berühmtesten... moralischen... Nein-Neins! Chidi Anagonye Ethik für Dummies Plato, Aristoteles, Kant, Kierkegaard - The Good Place kennt seine Philosophen. Denn Moral und Ethik sind zentrale Elemente der Serie. In vielen Episoden erläutert Chidi ein philosophisches Konzept, dass im späteren Verlauf eine Bedeutung haben wird. Statt es jedoch bei einer Vorlesung zu belassen, werden die Charaktere mit dem vollen Ausmaß dieser moralischen Zwickmühlen konfrontiert. Da die Good-Place-Welt nicht von irdischen Zwängen beschränkt ist, können sie diese Szenarien buchstäblich durchführen. Dabei erleben wir nicht nur die praktischen Resultate dieser Moral, sondern auch ihre negativen Konsequenzen. Nehmen wir mal das Trolley-Problem: Ein Gedankenexperiment, bei dem ein Zug unkontrolliert auf fünf Leute zurast. Der Fahrer kann die Weichen umstellen, sodass der Zug nur eine Person überfährt, die sich auf dem anderen Gleis befindet. Ziemlich selbsterklärend in der Theorie. Doch wie sieht es aus, wenn man tatsächlich selber im Zug sitzt und die Entscheidung wieder und immer wieder treffen muss, mit ständig anderen Faktoren? Dann entsteht ein ganz anderes Bild. Diese direkte Konfrontation mit der Thematik lässt die Episoden originell bleiben. Durch die Kombination aus Humor und moralischer Ambivalenz erscheinen diese Lehren nie predigend. Allein schon diese Balance treibt die Serie ganz weit nach oben. Daher kann man schlussendlich nur noch sagen: Fazit: 'The Good Place' sollte heißen 'The Fantastic Place" Michael Schur hat sich selbst übertroffen. Kaum eine andere Serie schafft komplexe philosophische Themen so einwandfrei in eine Comedyserie einzubringen, wie The Good Place. Geistreiche Dialoge, existenzielle Fragen, emotionale Entwicklungen und absolute Absurditäten wechseln sich gleichmäßig ab und wirken nicht unnatürlich. Das surreale Setting ermöglicht zudem eine unberechenbare Handlung, in der alles möglich ist und die mit einer schockierenden Wendung nach der anderen mit sich wirft. Zusammengefasst ist The Good Place eine der cleversten, originellsten und absurdesten Comedyserien, die einfach mal alles bricht, was man von Sitcoms erwartet. Wenn man durch eine Serie lernen möchte, was einen guten Menschen ausmacht, ist The Good Place eine nicht zu unterschätzende Wahl. Und immer daran denken: Everything is fine.
    Kritik: The Good Place (Staffel 1-4)
    Handlung
    90%
    Schauspiel
    100%
    Humor
    100%
    Tiefgang
    95%
    Visuelle Umsetzung
    90%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 01.07.2017
    Episoden: 52 in 4 Staffeln
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © National Broadcasting Company (NBC), ProSieben Fun
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Meisterwerk
95%

'The Good Place' ist ohne Zweifel die schrägste und ambitionierteste Comedyserie von Showrunner Michael Schur. Immerhin: Die Vermittlung von Moral und Philosophie steht ebenso im Vordergrund wie Komik, Charaktere und Absurdität. Verdient 'The Good Place'  den Einzug in den grünen Bereich? Kurz gesagt: Ja, und Sie erfahren jetzt wieso!

Welcome! Everything is fine.

Als Eleanor Shellstrop (Kristen Bell) aufwacht, stellt sie fest, dass sie sich an einem ihr unbekannten Ort befindet. Ein älterer Mann namens Michael (Ted Danson) bittet sie, ins Zimmer zu kommen. Dort offenbart er ihr die erschütternde Nachricht: Sie ist tot. Doch sie braucht sich keine Sorgen zu machen, denn aufgrund ihres tugendhaften Lebens ist sie im grünen Bereich, dem "Good Place" gelandet. Michael erzählt ihr, dass die Moral der Menschen nach einem Punktesystem bewertet wird. Gute Taten bringen Punkte und Schlechte reduzieren sie. Für die Crème de la Crème der guten Menschen hat er eine idyllische Nachbarschaft gestaltet, die er mit Janet, einer allwissenden Datenbank in Menschengestalt (D'Arcy Carden), leitet. Eleanor wird in die Nachbarschaft eingeführt und gleichzeitig wird ihr ihr Seelenverwandter vorgestellt: Chidi Anagonye (William Jackson Harper), ein Ethik-Professor, mit dem Eleanor in einem gemütlichen Haus die Ewigkeit verbringen wird. Das Jenseits ist schön.

Doch es gibt da ein Problem: Nichts über Eleanor ist wahr. In ihrem Leben war sie weder selbstlos, noch tugendhaft. Tatsächlich war sie ein sehr egoistischer und abweisender Mensch, der mit seinem Verhalten viele Menschen verletzt hat. Ihr wird bewusst, dass sie nur wegen eines Fehlers im Good Place gelandet ist. Wenn sie auffliegt, geht es in den nicht so schönen roten Bereich. Als möglichen Ausweg bittet sie Chidi, dass dieser ihr Ethik und Moral beibringt, damit sie im Schnelldurchgang zu einem guten Menschen wird. Anfangs widerwillig geht Chidi auf die Bitte ein.

Die ersten Verbesserungen müssen schnell kommen, denn Eleanors Nachbarn, die Philantropin Tahani Al-Jamil (Jameela Jamil) und ihr Seelenverwandter, der schweigsame Mönch Jianyu (Manny Jacinto), scheinen etwas zu vermuten...

Made by Schur

Michael Schur hat es einfach drauf. Mit Parks and Recreation und Brooklyn Nine-Nine produzierte Schur zwei der prägendsten Comedy-Serien der letzten 10 Jahre. Nicht nur sind die Serien saukomisch, sie haben auch hervorragende Charaktere, die sich über die Staffeln hinweg glaubhaft entwickeln, ohne ihre Marotten abzulegen und detailliert durchdachte Welten mit ihren eigenen Eigenarten - auch wenn es sich bei diesen Welten um ein Amt in einer Kleinstadt und ein Polizeirevier handelt.

Mit The Good Place treibt es Schur auf eine gänzlich neue Ebene. Alleine die absurde Idee über ein himmel-ähnliches Jenseits, indem ein Eindringling ein besserer Mensch werden will, um nicht aufzufallen, zeigt, wie ambitioniert die Serie ist. Losgelöst von einem klar definierten Setting hat Schur hier alle Möglichkeiten offen, um richtig abzudrehen. Nichts ist festgelegt, nichts folgt irdischen Regeln, alles kann sich binnen kürzester Zeit verändern. Und das ist nur ein Bruchteil davon, was die Serie so genial macht:

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Status Quo war gestern

Ich muss hier vorwarnen: Man kann nicht wirklich auf die Handlung eingehen, da man sonst sehr schnell ins Spoiler-Territorium eindringt. Soviel lässt sich allerdings sagen: Die gesamte Serie ist eine sich linear fortentwickelnde Handlung, bei der keine Episode wie die andere ist. Damit hebt sich The Good Place von anderen episodischen Sitcoms ab. Noch gravierender sind die Charaktere, die nicht mehr dieselben Personen sind, die sie noch eine Episode zuvor waren.

Der Main-Cast guckt erstaunt.

Ein guter Ort voller guter Menschen... mehr oder weniger...

Das Beste an der Handlung jedoch ist, dass sie es immer schafft originell zu bleiben. Wenn ein Handlungsstrang zu lange andauert und droht abgestanden zu werden, geschieht etwas Drastisches, was die aktuelle Lage komplett verändert und eine neue Ausgangssituation mit einem neuen Konflikt präsentiert. Die Serie ist auf eine gute Weise unberechenbar, bleibt seinen Charakteren und Grundprinzipien aber immer treu.

Kaum eine andere Serie traut sich, vertraute Konzept so schnell über Bord zu werfen und dabei immer noch so einheitlich zu wirken, wie The Good Place.

Himmlisches Dream-Team

Schur's Stärke waren schon immer seine Charaktere und wie sie aufeinander einwirken. Und hier setzt er nochmal einen drauf. Allein die Ausgangssituation über ein egoistisches Arschloch gepaart mit einem Ethik-Professor als ihr Gewissen ist Gold wert. Und wenn man noch Tahani und Jianyu in den Mix reinwirft, erhält man die perfekte Kombination aus Menschen, die haargenau zueinander passen. Es ist vor allem ihre andauernde Weiterentwicklung als Hauptcharaktere, die in dieser Serie so hervorragend herüberkommt. Denn wie sich herausstellt, ist nicht nur Eleanor die mit Charakterfehlern: Chidi ist so davon besessen, immer das zweifellos "Richtige" zu tun, dass er nicht in der Lage ist, auch nur die einfachsten Entscheidungen zu treffen. Währenddessen wird klar, das Tahani nicht immer so selbstlos agiert, wie sie es sich einredet und Jianyu ist auch nicht unbedingt der weise Mönch, für den er sich ausgibt - oder weise im Generellen.

Doch nicht nur die Menschencharaktere ziehen die Serie mit sich. Ted Danson spielt den himmlischen Architekten Michael einfach fantastisch. Als Control Freak mit einer Vorliebe für Komplexität versucht Michael in der Nachbarschaft alles perfekt zu halten - nur um dann durchzudrehen, wenn alles aus den Fugen gerät. Dabei ist es faszinierend, wie menschlich Michael wirkt, obwohl er nur wenig Ahnung von Menschen hat. Doch das hindert in nicht daran, seine Faszination und Neugier gegenüber den Menschen auszuleben und sei es auch nur in Form von banalen Dingen, wie etwa sich die Haare nass zu machen oder ein Salzcracker zu probieren. Seine Assistentin Janet ist dabei nicht weniger überzeugend. Ihre freundliche Art kann schnell darüber hinwegtäuschen, dass sie eine Maschine ist, die nur zu oberflächlichen sozialen Interaktionen fähig ist.

Lichbrechung kommt aus Janet's Ohr (D'Arcy Carden), als Michael (Ted Danson) sie untersucht.

Was dachtet Ihr den würde passieren, wenn man Janet (D'Arcy Carden) untersucht?

Doch auch das hält sie nicht davon ab, an Tiefe zu gewinnen und zum absoluten Sympathieträger zu werden.

What the Fork?!

Der Humor. Dear Lord, der Humor! In dem Bereich hat es Schur geschafft, sogar seine anderen Comedyserien zu überbieten. Dadurch, dass die Handlung nicht auf der Erde spielt, hat man hier viel mehr Freiheiten. Clevere und bitterböse Dialoge sind genauso präsent, wie absurde Komik: So ist es auch normal, wenn durch einen Glitch ein Riesen-Marienkäfer durch die Nachbarschaft rennt oder die Zerstörung einer Torte in einem riesigen Erdloch resultiert. Immerhin: Das Verhalten der Einwohner beeinflusst die Umgebung. Und geflucht wird im Übrigen auch nicht. Macht euch daher schonmal auf viele "Forks" und "Shirts" gefasst.

Dasselbe gilt auch für die übernatürlichen Einwohner. Sei es Janets mehr als bizarre Biologie und Funktionsweise oder Michaels alles andere als optimalen Entschlüsse. Kleines Beispiel: Ein Hund entpuppt sich offenbar als Glitch. Die Lösung: Einfach in die Sonne kicken! Logisch!

Genauso absurd und ebenso beängstigend satirisch ist das strikte Punktesystem, dass die menschliche Moral bewertet. Anhand dieser sind selbst Essensgewohnheiten und Musikgeschmäcker Faktoren, die einen objektiven Eindruck über einen Menschen hinterlassen. Tatsächlich zählt JEDE Entscheidung, die man macht: Ein Sandwich essen, Facebook als Verb verwenden, unaufgefordert über Veganismus reden - all das trägt dazu bei, ob man im grünen Bereich landet, oder... woanders.

Der Humor ergänzt hervorragend die philosophischen und existenziellen Themen der Serie und lenkt zudem davon ab, wie düster The Good Place werden kann. Diese Kombination aus bürokratischer Satire und kompletter Absurdität macht die Serie so sauwitzig.

Und ich spreche nicht von Laut-Lachen-Witzig. Ich spreche von so witzig, dass du um 2 Uhr morgens beim Nachbarn klingen möchtest, um ihm den Witz zu erzählen. Das schafft wirklich nicht jede Serie.

Du kannst doch nicht Janet töten. Töten ist eines der berühmtesten... moralischen... Nein-Neins!

Chidi Anagonye

Ethik für Dummies

Plato, Aristoteles, Kant, Kierkegaard - The Good Place kennt seine Philosophen. Denn Moral und Ethik sind zentrale Elemente der Serie. In vielen Episoden erläutert Chidi ein philosophisches Konzept, dass im späteren Verlauf eine Bedeutung haben wird. Statt es jedoch bei einer Vorlesung zu belassen, werden die Charaktere mit dem vollen Ausmaß dieser moralischen Zwickmühlen konfrontiert. Da die Good-Place-Welt nicht von irdischen Zwängen beschränkt ist, können sie diese Szenarien buchstäblich durchführen. Dabei erleben wir nicht nur die praktischen Resultate dieser Moral, sondern auch ihre negativen Konsequenzen.

Nehmen wir mal das Trolley-Problem: Ein Gedankenexperiment, bei dem ein Zug unkontrolliert auf fünf Leute zurast. Der Fahrer kann die Weichen umstellen, sodass der Zug nur eine Person überfährt, die sich auf dem anderen Gleis befindet. Ziemlich selbsterklärend in der Theorie. Doch wie sieht es aus, wenn man tatsächlich selber im Zug sitzt und die Entscheidung wieder und immer wieder treffen muss, mit ständig anderen Faktoren? Dann entsteht ein ganz anderes Bild.

Chidi (William Jackson Harper), Eleanor (Kristen Bell) und Michael (Ted Danson) in einem Zug

So liefen Chidi's (William Jackson Harper) Ethik-Vorlesungen garantiert nicht ab.

Diese direkte Konfrontation mit der Thematik lässt die Episoden originell bleiben. Durch die Kombination aus Humor und moralischer Ambivalenz erscheinen diese Lehren nie predigend. Allein schon diese Balance treibt die Serie ganz weit nach oben.

Daher kann man schlussendlich nur noch sagen:

Fazit:

'The Good Place' sollte heißen 'The Fantastic Place"

Michael Schur hat sich selbst übertroffen. Kaum eine andere Serie schafft komplexe philosophische Themen so einwandfrei in eine Comedyserie einzubringen, wie The Good Place. Geistreiche Dialoge, existenzielle Fragen, emotionale Entwicklungen und absolute Absurditäten wechseln sich gleichmäßig ab und wirken nicht unnatürlich. Das surreale Setting ermöglicht zudem eine unberechenbare Handlung, in der alles möglich ist und die mit einer schockierenden Wendung nach der anderen mit sich wirft.

Zusammengefasst ist The Good Place eine der cleversten, originellsten und absurdesten Comedyserien, die einfach mal alles bricht, was man von Sitcoms erwartet. Wenn man durch eine Serie lernen möchte, was einen guten Menschen ausmacht, ist The Good Place eine nicht zu unterschätzende Wahl.

Und immer daran denken: Everything is fine.

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