Kritik: Lucifer – Staffel 5

Zurück aus der Hölle!
Spoilerfrei!
Lesedauer: 6 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Titelbild zur Kritik: "Lucifer" Staffel 5
    © Netflix 2021; Warner Bros.
  • Eine Staffel ist für Netflix nicht genug. Deshalb wurde 'Lucifer' um eine fünfte Staffel verlängert und das auch noch in zwei Hälften. Eine teuflisch gute Idee oder hätte Lucifer doch lieber in der Hölle bleiben sollen? Mehr dazu in der Kritik. Wenig Zeit? Zum Fazit! Eine Erde ohne Teufel Lucifer (Tom Ellis) ist wieder in der Hölle, um die Dämonen unter Kontrolle zu halten. Was für die Erde gerade mal ein paar Monate sind, sind für Lucifer tausende von Jahren. Dennoch versucht er weiterhin so gut es geht dem LAPD unter die Arme zu greifen und somit Chloe Decker (Lauren German) durch Hinweise aus der Hölle zu unterstützen. Doch schlussendlich hält es Lucifer nicht mehr aus und er entschließt zu Chloe auf die Erde zurückzukehren. Oder ist Lucifer gar nicht auf die Erde zurückgekehrt? Denn der neue Lucifer ist nicht der, der er vorgibt zu sein: Es ist Erzengel Michael, Lucifer Zwillingsbruder, der heimlich Lucifers Leben übernommen hat. Michael hegt einen tiefen Groll gegen ihn, weil dieser immer in Lucifers Schatten stand und möchte sich an ihm rächen, indem er sein Leben ins Chaos stürzt, um ihn so wieder aus der Hölle zu locken. Die Frage ist: Wird diese Fassade halten? Doppelte Staffel – Doppelter Lucifer Es war klar, dass Lucifer in der Hölle nicht lange verweilen konnte und schickt ihn Netflix für eine fünfte Staffel für eine ursprünglich letzte Staffel mit Schmackes zurück auf die Erde. Was jedoch nicht klar war, war die Tatsache, dass die Serie doch um eine sechste Staffel verlängert wurde. Es kam zu einem Hin und Her und die fünfte Staffel wurde in zwei Teilen mit jeweils 8 Episoden veröffentlicht. War es eine thematisch gute Entscheidung, die Staffel in der Mitte durchzuschneiden? Naja... Raus aus der Hölle, rein in die Probleme Mit dem Erscheinen des ersten Teils waren die Erwartungen hoch, zumal Netflix seit der vierten Staffel die Erwartungen hochgeschraubt hat. Nun müssten die meisten Konflikte zwischen den Charakteren geregelt sein und diese können sich aufs Wesentliche konzentrieren, oder? Doch genau das passiert nicht. Stattdessen fühlt es sich an, dass die erste Staffel kaum eine festgelegte Richtung hat. Hin und wieder erscheint Michael und sät Zwietracht und an einer anderen Stelle kommen die Hauptcharaktere mit Ihren Vergangenheiten klar, doch es mangelt an einem klaren Konflikt. Einige Episoden funktionieren ziemlich gut,  während andere sich anfühlen wie in letzter Minute eingeworfene Filler. Am Nervigsten ist mittlerweile Die Lucifer-Chloe (Lauren German) Beziehung. Man könnte meinen, dass sich diese Spannungen nun gelöst haben, und dennoch finden die Autoren Möglichkeiten, diese künstlich in die Länge zu ziehen. Man möchte mittlerweile nur noch rufen: "Um Gotteswillen, nehmt euch ein Zimmer!" Apropos... Kommen wir nun zum zweiten Teil, denn dieser ist um einiges besser. Bereits der erste Teil endete mit einem extremen Twist und diese neue Entwicklung wird nun fortgesetzt. Auf einmal hat die Handlung eine sehr interessante Richtung eingeschlagen und Lucifer ist wieder in Höchstform. Doch dasselbe gilt auch für Michael, denn urplötzlich steht deutlich mehr auf dem Spiel als je zuvor. Jetzt heißt es, die alten Familienkonflikte so schnell wie möglich zu lösen und sich auf ein mächtigest Finale einzulassen. Und endlich können wir uns auf ein bisschen mehr Übernatürliches im Finale einstellen, zumal diese Elemente in Lucifer nur rar vorkamen. Zwar gibt es auch hier einige schwächere Episoden, doch es ist schön zu sehen, dass sich die Serie wieder etwas mehr traut. Die zweite Hälfte ist klar für ein paar Überraschungen gut – auch wenn einige der Überraschungen SEHR fragwürdig sind. Werbung Des Teufels böser Zwilling Ja, richtig gelesen: Lucifer hat einen Zwillingsbruder. Was wie ein billiges Klischee wirkt, macht hier sogar Sinn, auch wenn man sich darauf einstellen muss. Denn Michael ist... ein zweischneidiges Schwert. Als erstes muss man sagen, dass sich Michael als teuflischer Gegenspieler (ja, ich sehe die Ironie) gut halten kann. Tatsächlich ist er der gefährlichste und bedrohlichste Widersacher, gegen den es Lucifer jemals zu tun hatte. Und das will was heißen, zumal Lucifer nicht gerade bekannt war für seine einflussreichen Antagonisten, geschweige denn solche, die tatsächlich so übernatürlich sind wie er. Dieser Konflikt überzeugt auch daher, dass die beiden komplett verschieden sind: Wo Lucifer ehrlich und charmant ist und die Begierden der Menschen liest, ist Michael verschlagen, hinterlistig und nutzt die Ängste von allen zu seinem Vorteil aus. Hier muss man schon zugeben: Es kommt nicht oft vor, dass gerade der Teufel einen BÖSEN Zwilling hat. Doppelter Tom Ellis Dennoch gibt es Schwierigkeiten mit Michael. Als erstes wäre da seine löchrige Motivation. Die Serie beginnt damit, dass er einen langen Groll gegen Lucifer hegt und diesen wieder als den gefallenen Engel darstellen möchte. Dann stellt man fest, dass er zugleich von Neid getrieben ist und Lucifers Leben übernehmen möchte. Und selbst danach ist Michael von Lucifer besessen und versucht alle gegen ihn aufzubringen. Erst ab der zweiten Hälfte wird klar, dass er bedeutend größere Pläne hat, doch bis dahin hat er es einfach nur auf Lucifer abgesehen. Hier hätte man ruhig mehr auf Michael und seine Vergangenheit eingehen können, um seine Motivation besser zu verstehen. Denn so wirkt er... kleinlich. Eine andere Schwierigkeit kommt von folgender Frage: Muss es wirklich ein Zwilling sein? Und ja, Tom Ellis versucht sein bestes, um Michael, den verlogenen Ränkeschmieder komplett anders zu spielen. Und das merkt man ihm an: Schlechte Haltung, buckelig und eine Bosheit, an die man so nicht gewohnt ist. Und dennoch hat man gelegentlich immernoch Probleme, Michael als eine seperate Person zu sehen. Das kann man Ellis nicht verübeln. Dieser hat über fünf Staffeln lang die Rolle des charmanten Teufels perfektioniert. Da so schnell rauszubrechen wird schwierig. Hier kann man sich fragen: Was wäre, wenn man einen anderen Schauspieler für Michael angeheuert hätte? Einen, der von Anfang an auf die Rolle des heimtückischen Wiesels eingeht, der nur kurzzeitig Lucifers Gestalt annimmt weil er diesen beneidet? Einen Versuch wäre es zumindest wert gewesen. Höllische Achterbahnfahrt Mit Netflix wurde die Serie Lucifer nicht nur wiederbelebt, man hat sich auch einiges mehr zugetraut. Und auch die fünfte Staffel gibt das hervorragend wieder. Neben den ganzen episodischen Krimifällen, die immernoch die aktuellen Konflikte der Charaktere wiederspiegeln, wurde auch stärker rumexperimentiert. So gibt es mal eine Meta-Episode, eine Rückblende im Film Noir Stil und man hat es sogar geschafft, eine Musical-Episode reinzuquetschen. An Abwechslung mangelt es hierbei zwar nicht, doch man erkennt Qualitätsschwankungen zwischen den Episoden. Einige funktionieren hervorragend und diese gehören auch zu den emotionalen oder auch einprägsamen Highlights. Andere Episoden jedoch wirken albern, unabgeschlossen oder einfach nur überflüssig. Vor allem ist es ärgerlich, wenn mehrere Episoden eine bestimmte Spannung aufbauen, die dann von einer darauf folgenden, mittelmäßigen Episode gedämpft wird. Ähnlich geht es mit vielen der Nebencharaktere. Zwar zeigen sie viele neue Facetten von sich, doch nicht alle führen zu einer befriedigenden Charakterentwicklung. Das gilt beispielsweise für die heitere Forensikerin Ella Lopez (Aimee Garcia). Die fünfte Staffel hat große Längen auf sich genommen, um zu zeigen, dass sie eine unterdrückte dunkle Seite hat – Nur um am Schluss nichts damit anzufangen. Genauso hätte man Dan Espinozas (Kevin Alejandro) existenzielle Krise oder Mazikeens (Lesley-Ann Brandt) Verlassensängste etwas besser beleuchten und eine passendere Auflösung geben können. Und ja, bei den hohen Einsätzen himmlischer Ausmaße bleibt nicht viel Zeit für Normalsterbliche (oder Dämonen). Dennoch wirkt es etwas lose. Das Finale ist zwar das Warten wert, doch bis dahin ist es ein ziemliches Hin und Her. Fazit: 'Lucifer' ist einen gewagten Deal eingegangen Mit der fünften Staffel ist die Serie Lucifer viele Risiken eingegangen: Zweigeteilte Staffel, surreale Episoden, ein böser Zwillingsbruder und einige fragwürdige Entscheidungen. Dennoch hat sich Lucifer gut gehalten, auch wenn es gelegentlich unausgeglichen wirkte. Während die erste Hälfte noch planlos wirkt, kann die zweite Hälfte umso mehr überzeugen. Und auch wenn sich zwischendurch schwächere Episoden einmischen, so sind die Wege klar geebnet für ein episches Finale. Schlussendlich kann sich Lucifer selbst in der fünften Staffel nach wie vor gut halten und immernoch teuflisch überraschen, auch wenn gelegentlich Abnutzungserscheinungen auftreten. Zwar ist die neuentfachte Netflix-Wirkung nicht mehr so präsent wie in Staffel 4, dennoch zeigt Lucifer weiterhin, dass der Teufel nach wie vor das Sagen hat. Da wartet man doch gerne auf eine wahrlich göttliche Staffel 6.
    Kritik: Lucifer – Staffel 5
    Handlung
    70%
    Spannung
    70%
    Charaktere
    85%
    Emotionen
    80%
    Visuelle Umsetzung
    75%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 21.08.2020
    Episoden: 83 in 5+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2021 Netflix, Warner Bros.
  • YouTube

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Gesamtbewertung:

Gut
76%

Eine Staffel ist für Netflix nicht genug. Deshalb wurde 'Lucifer' um eine fünfte Staffel verlängert und das auch noch in zwei Hälften. Eine teuflisch gute Idee oder hätte Lucifer doch lieber in der Hölle bleiben sollen? Mehr dazu in der Kritik.

Eine Erde ohne Teufel

Lucifer (Tom Ellis) ist wieder in der Hölle, um die Dämonen unter Kontrolle zu halten. Was für die Erde gerade mal ein paar Monate sind, sind für Lucifer tausende von Jahren. Dennoch versucht er weiterhin so gut es geht dem LAPD unter die Arme zu greifen und somit Chloe Decker (Lauren German) durch Hinweise aus der Hölle zu unterstützen. Doch schlussendlich hält es Lucifer nicht mehr aus und er entschließt zu Chloe auf die Erde zurückzukehren.

Oder ist Lucifer gar nicht auf die Erde zurückgekehrt?

Lucifer (Tom Ellis) steht freudig in einem beleuchteten Gang

Lucifer (Tom Ellis) ist wieder da! Oder etwa doch nicht?

Denn der neue Lucifer ist nicht der, der er vorgibt zu sein: Es ist Erzengel Michael, Lucifer Zwillingsbruder, der heimlich Lucifers Leben übernommen hat. Michael hegt einen tiefen Groll gegen ihn, weil dieser immer in Lucifers Schatten stand und möchte sich an ihm rächen, indem er sein Leben ins Chaos stürzt, um ihn so wieder aus der Hölle zu locken.

Die Frage ist: Wird diese Fassade halten?

Doppelte Staffel – Doppelter Lucifer

Es war klar, dass Lucifer in der Hölle nicht lange verweilen konnte und schickt ihn Netflix für eine fünfte Staffel für eine ursprünglich letzte Staffel mit Schmackes zurück auf die Erde. Was jedoch nicht klar war, war die Tatsache, dass die Serie doch um eine sechste Staffel verlängert wurde. Es kam zu einem Hin und Her und die fünfte Staffel wurde in zwei Teilen mit jeweils 8 Episoden veröffentlicht.

War es eine thematisch gute Entscheidung, die Staffel in der Mitte durchzuschneiden? Naja...

Raus aus der Hölle, rein in die Probleme

Mit dem Erscheinen des ersten Teils waren die Erwartungen hoch, zumal Netflix seit der vierten Staffel die Erwartungen hochgeschraubt hat. Nun müssten die meisten Konflikte zwischen den Charakteren geregelt sein und diese können sich aufs Wesentliche konzentrieren, oder? Doch genau das passiert nicht. Stattdessen fühlt es sich an, dass die erste Staffel kaum eine festgelegte Richtung hat. Hin und wieder erscheint Michael und sät Zwietracht und an einer anderen Stelle kommen die Hauptcharaktere mit Ihren Vergangenheiten klar, doch es mangelt an einem klaren Konflikt. Einige Episoden funktionieren ziemlich gut,  während andere sich anfühlen wie in letzter Minute eingeworfene Filler. Am Nervigsten ist mittlerweile Die Lucifer-Chloe (Lauren German) Beziehung. Man könnte meinen, dass sich diese Spannungen nun gelöst haben, und dennoch finden die Autoren Möglichkeiten, diese künstlich in die Länge zu ziehen. Man möchte mittlerweile nur noch rufen: "Um Gotteswillen, nehmt euch ein Zimmer!"

Apropos...

Kommen wir nun zum zweiten Teil, denn dieser ist um einiges besser. Bereits der erste Teil endete mit einem extremen Twist und diese neue Entwicklung wird nun fortgesetzt. Auf einmal hat die Handlung eine sehr interessante Richtung eingeschlagen und Lucifer ist wieder in Höchstform. Doch dasselbe gilt auch für Michael, denn urplötzlich steht deutlich mehr auf dem Spiel als je zuvor. Jetzt heißt es, die alten Familienkonflikte so schnell wie möglich zu lösen und sich auf ein mächtigest Finale einzulassen. Und endlich können wir uns auf ein bisschen mehr Übernatürliches im Finale einstellen, zumal diese Elemente in Lucifer nur rar vorkamen. Zwar gibt es auch hier einige schwächere Episoden, doch es ist schön zu sehen, dass sich die Serie wieder etwas mehr traut.

Die zweite Hälfte ist klar für ein paar Überraschungen gut – auch wenn einige der Überraschungen SEHR fragwürdig sind.

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Des Teufels böser Zwilling

Ja, richtig gelesen: Lucifer hat einen Zwillingsbruder. Was wie ein billiges Klischee wirkt, macht hier sogar Sinn, auch wenn man sich darauf einstellen muss. Denn Michael ist... ein zweischneidiges Schwert.

Als erstes muss man sagen, dass sich Michael als teuflischer Gegenspieler (ja, ich sehe die Ironie) gut halten kann. Tatsächlich ist er der gefährlichste und bedrohlichste Widersacher, gegen den es Lucifer jemals zu tun hatte. Und das will was heißen, zumal Lucifer nicht gerade bekannt war für seine einflussreichen Antagonisten, geschweige denn solche, die tatsächlich so übernatürlich sind wie er.

Lucifer (Tom Ellis), Amenadiel (D.B. Woodside) und Michael mit Engelsflügeln

Ein Krieg biblischer Ausmaße oder angespanntes Familientreffen. Bei den Dreien kann man nie sicher sein.

Dieser Konflikt überzeugt auch daher, dass die beiden komplett verschieden sind: Wo Lucifer ehrlich und charmant ist und die Begierden der Menschen liest, ist Michael verschlagen, hinterlistig und nutzt die Ängste von allen zu seinem Vorteil aus. Hier muss man schon zugeben: Es kommt nicht oft vor, dass gerade der Teufel einen BÖSEN Zwilling hat.

Doppelter Tom Ellis

Dennoch gibt es Schwierigkeiten mit Michael. Als erstes wäre da seine löchrige Motivation. Die Serie beginnt damit, dass er einen langen Groll gegen Lucifer hegt und diesen wieder als den gefallenen Engel darstellen möchte. Dann stellt man fest, dass er zugleich von Neid getrieben ist und Lucifers Leben übernehmen möchte. Und selbst danach ist Michael von Lucifer besessen und versucht alle gegen ihn aufzubringen. Erst ab der zweiten Hälfte wird klar, dass er bedeutend größere Pläne hat, doch bis dahin hat er es einfach nur auf Lucifer abgesehen. Hier hätte man ruhig mehr auf Michael und seine Vergangenheit eingehen können, um seine Motivation besser zu verstehen. Denn so wirkt er... kleinlich.

Eine andere Schwierigkeit kommt von folgender Frage: Muss es wirklich ein Zwilling sein? Und ja, Tom Ellis versucht sein bestes, um Michael, den verlogenen Ränkeschmieder komplett anders zu spielen. Und das merkt man ihm an: Schlechte Haltung, buckelig und eine Bosheit, an die man so nicht gewohnt ist. Und dennoch hat man gelegentlich immernoch Probleme, Michael als eine seperate Person zu sehen. Das kann man Ellis nicht verübeln. Dieser hat über fünf Staffeln lang die Rolle des charmanten Teufels perfektioniert. Da so schnell rauszubrechen wird schwierig.

Hier kann man sich fragen: Was wäre, wenn man einen anderen Schauspieler für Michael angeheuert hätte? Einen, der von Anfang an auf die Rolle des heimtückischen Wiesels eingeht, der nur kurzzeitig Lucifers Gestalt annimmt weil er diesen beneidet? Einen Versuch wäre es zumindest wert gewesen.

Höllische Achterbahnfahrt

Mit Netflix wurde die Serie Lucifer nicht nur wiederbelebt, man hat sich auch einiges mehr zugetraut. Und auch die fünfte Staffel gibt das hervorragend wieder. Neben den ganzen episodischen Krimifällen, die immernoch die aktuellen Konflikte der Charaktere wiederspiegeln, wurde auch stärker rumexperimentiert. So gibt es mal eine Meta-Episode, eine Rückblende im Film Noir Stil und man hat es sogar geschafft, eine Musical-Episode reinzuquetschen.

Lucifer und Chloe (Lauren German) im FIlm Noir Stil

Die Frage ist nicht, wieso Lucifer in einem Film Noir ist. Die Frage ist, wieso es so lange gedauert hat?

An Abwechslung mangelt es hierbei zwar nicht, doch man erkennt Qualitätsschwankungen zwischen den Episoden. Einige funktionieren hervorragend und diese gehören auch zu den emotionalen oder auch einprägsamen Highlights. Andere Episoden jedoch wirken albern, unabgeschlossen oder einfach nur überflüssig. Vor allem ist es ärgerlich, wenn mehrere Episoden eine bestimmte Spannung aufbauen, die dann von einer darauf folgenden, mittelmäßigen Episode gedämpft wird.

Ähnlich geht es mit vielen der Nebencharaktere. Zwar zeigen sie viele neue Facetten von sich, doch nicht alle führen zu einer befriedigenden Charakterentwicklung. Das gilt beispielsweise für die heitere Forensikerin Ella Lopez (Aimee Garcia). Die fünfte Staffel hat große Längen auf sich genommen, um zu zeigen, dass sie eine unterdrückte dunkle Seite hat – Nur um am Schluss nichts damit anzufangen. Genauso hätte man Dan Espinozas (Kevin Alejandro) existenzielle Krise oder Mazikeens (Lesley-Ann Brandt) Verlassensängste etwas besser beleuchten und eine passendere Auflösung geben können. Und ja, bei den hohen Einsätzen himmlischer Ausmaße bleibt nicht viel Zeit für Normalsterbliche (oder Dämonen). Dennoch wirkt es etwas lose.

Das Finale ist zwar das Warten wert, doch bis dahin ist es ein ziemliches Hin und Her.

Fazit:

'Lucifer' ist einen gewagten Deal eingegangen

Mit der fünften Staffel ist die Serie Lucifer viele Risiken eingegangen: Zweigeteilte Staffel, surreale Episoden, ein böser Zwillingsbruder und einige fragwürdige Entscheidungen. Dennoch hat sich Lucifer gut gehalten, auch wenn es gelegentlich unausgeglichen wirkte. Während die erste Hälfte noch planlos wirkt, kann die zweite Hälfte umso mehr überzeugen. Und auch wenn sich zwischendurch schwächere Episoden einmischen, so sind die Wege klar geebnet für ein episches Finale.

Schlussendlich kann sich Lucifer selbst in der fünften Staffel nach wie vor gut halten und immernoch teuflisch überraschen, auch wenn gelegentlich Abnutzungserscheinungen auftreten. Zwar ist die neuentfachte Netflix-Wirkung nicht mehr so präsent wie in Staffel 4, dennoch zeigt Lucifer weiterhin, dass der Teufel nach wie vor das Sagen hat.

Da wartet man doch gerne auf eine wahrlich göttliche Staffel 6.

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