7.7/10

Kritik: Maniac – Staffel 1

EIN MERKWÜRDIGER TRIP

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Genres: Drama, Science Fiction, Startdatum: 21.09.2018

Interessante Fakten für…

  • In mehreren Episoden wird auf Cervantes und sein Buch Don Quijote Bezug genommen. In diesem Buch versucht ein Ritter mit Wahnvorstellungen die Welt zu retten, ähnlich wie Owen, der sich für den Auserwählten hält.

Mit der Miniserie ‚Maniac‘ bringt Regisseur Cary Joji Fukunaga ein Remake der gleichnamigen norwegischen Fernsehserie auf Netflix. Sollen wir uns auf den innovativen und psychedelischen Serien-Trip einlassen, oder bleiben wir lieber bei altbewährten Drogen? Mehr in der Kritik.

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#FantasyFanatic #Comicserien #AfterCredit

Darum geht’s

In einer alternativen Realität sollen sich die Wege zweier Individuen kreuzen, die scheinbar nur eines gemeinsam haben: Beide haben psychische Probleme. Annie Landsberg (Emma Stone) hat ein zerrissenes Verhältnis zu ihrer Familie, lebt von einem Tag zum nächsten und hält sich nur noch mit Pillen bei Laune. Owen Milgrim (Jonah Hill) ist der Sohn einer wohlhabenden Familie, fühlt sich jedoch wie ein Außenseiter aufgrund seiner schizophrenen Psychosen.

Doch das soll sich ändern. Beide erhoffen sich Hilfe, in Form einer experimentellen Behandlung, die angeblich jede psychische Erkrankung heilen kann. Durch die Einnahme unterschiedlicher Pillen tauchen die Probanden in die Tiefen ihres Bewusstseins ein, wobei Annie und Owen ständig aufeinander treffen. Sind sie miteinander „verbunden“?

Alle trauern, selbst der Computer

Man hätte die Geschichte genauso gut in unserer Welt erzählen können, doch das wäre nicht genug gewesen, um die Themen der fortschreitenden Entfremdung und Einsamkeit näher zu bringen. Aus diesem Grund werden wir in eine bizarre, alternative Realität eingeführt, in der die Technologie aus den letzten Jahrzehnten stammt, allerdings erhebliche Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz hervorgebracht hat. So überrascht es auch niemanden, wenn man mechanische Koalas schachspielend im Park vorfindet, oder Supercomputer mit Empathie ausgestattet werden, die daraufhin in manische Depression verfallen. Dadurch muss man auch die abgedrehteren Sci-fi-Elemente nicht wissenschaftlich rechtfertigen.

Viel satirischer wird es aber, sobald ersichtlich wird, wie sehr der Profit in die zwischenmenschliche Kommunikation eingegriffen hat. In einer Welt, in der Freunde und Ehepartner temporär angeheuert werden können und Ad Buddys Werbung vorlesen, fragt man sich, wieso nicht noch mehr Menschen Pillen gegen seelisches Leiden benötigen. Nichts wirkt real – und das kommt dem Film zugute. Noch schöner wäre es jedoch gewesen, wenn auf das Thema stärker eingegangen wäre, statt es nur am Anfang einzuführen.

Emma Stone und Jonah Hill in allen Variationen

Das Hauptgerüst der Serie sind natürlich Emma Stone und Jonah Hill, die erstmals seit Superbad zusammen agieren. Beide passen als ziellose und psychisch beanspruchte Individuen perfekt zueinander. Stone überzeugt als die abrasive Annie vor allem in ihren ruhigeren Momenten und erinnert an ihre seriöseren Rollen, wie beispielsweise in Birdman. Auch Hill schafft es, einen deutlich geschädigten und introvertierten Charakter zu verkörpern, was eine bemerkenswerte Abwechslung zu seinen vorherigen Rollen ist. Durch die melancholische und geistesabwesende Darstellung seiner Figur wirkt es gelegentlich so, als sei er nie ganz „da“ und fügt sich dadurch perfekt in das unwirkliche Setting von Maniac ein.

Doch so richtig gehen sie in ihrem Schauspiel auf, wenn sie von einer Traumsequenz in die Nächste springen und dabei zusammen mit dem jeweiligen Genre ihre Rollen wechseln. Mal sind sie ein 80er-Jahre-Pärchen, mal sind sie zwei Trickbetrüger in einem 40er-Jahre-Anwesen und dann plötzlich wechselt die Handlung zu einer Fantasywelt à la Der Herr der Ringe. Und so sehr sich die Szenarien ändern und so sehr Stone und Hill ihr Schauspiel dementsprechend anpassen, es bleibt stets etwas Vertrautes erhalten. Hier ist alles wegen eines bestimmten Grundes da und wirkt nicht unnötig aufgesetzt. Annies und Owens surreale Reise ist klar die größte Stärke der Serie.

Ein Plot hinter den Kulissen

Weniger gelungen ist allerdings der zweite Handlungsstrang. Dieser handelt von der Wissenschaftlerin Dr. Azumi Fujita (Sonoya Mizuno) und dem Erfinder des pharmazeutischen Experimentes, Dr. James K. Mantleray (Justin Theroux), der wieder ins Projekt eingeführt wird, da das Experiment sehr große und gefährliche Makel aufweist. Schnell wird ersichtlich, dass beide ebenso labil wie ihre Probanden sind. Vor allem Letzterer ist ein Nervenbündel, dessen Mutterkomplexe ein zentrales Element des Handlungsstrangs werden. Hier kann man nur noch von Overacting sprechen. Und selbst wenn dies nicht der Fall wäre, wirkt dieser Handlungsstrang doch zu sehr von der eigentlichen Handlung abgeschirmt. Das lässt die Serie langsamer und weniger konsistent erscheinen.

Mindfuck, oder nicht Mindfuck?

Aus der Beschreibung heraus kann man sich schon denken, dass die Handlung auf einen großen „Mindfuck“ hinausläuft. Die Weichen sind dafür gelegt: Eine surreale Welt, psychedelische Traumreisen und eine Detailverliebtheit, um den Zuschauer zu verwirren und gleichzeitig in die Welt einzuführen. Und ja, man muss sagen Maniac ist clever, durchdacht und bringt eine starke Aussage über Psychologie und das menschliche Wesen an den Tag. Allerdings ist die Serie nicht wirklich der unerwartete Mindfuck, den man sich vielleicht vorstellt. Die absurde Weltdarstellung soll davon ablenken, dass die Handlung selbst simpler aufgebaut ist, als sie vorgibt zu sein. Tatsächlich gibt es Momente, die einem bekannt vorkommen werden und bestimmte Ereignisse lassen sich bereits erahnen.

Doch Maniac zeichnet sich nicht durch seine unerwarteten Wendungen aus. Viel mehr geht es um die charakteristische Entwicklung zweier seelisch belasteter Individuen in einer voneinander isolierten Welt, die zueinander finden.

Fazit

7.7/10
Gut
Community-Rating:
Handlung 7/10
Schauspieler 8/10
Emotionen 8.5/10
Visuelle Umsetzung 8/10
Mindfuck 7/10
Details:
Showrunner: Cary Joji Fukunaga,
FSK: 16 Episoden: 10
Besetzung: Billy Magnussen, Emma Stone, Jonah Hill, Julia Garner, Justin Theroux, Sally Field, Sonoya Mizuno,

‚Maniac – Staffel 1‘ ist mehr als nur ein psychedelischer Trip

Maniac ist eindeutig eines der merkwürdigeren Produkte, die man auf Netflix konsumieren kann. Von den ersten Minuten an gibt sich die Serie erfolgreich die größte Mühe, den Zuschauer in ein unwirkliches Setting einzuführen, in dem alles möglich ist. Doch so clever die Serie auch ist, sie ist nicht ganz so komplex und unerwartet, wie sie anfangs noch vorgibt zu sein. Zu viele Ereignisse abseits der beiden Hauptcharaktere und eine lose Parallelhandlung lenken etwas von der nahtlosen Traumreise ab. Tatsächlich könnte man sich fragen, wie gut Maniac als Spielfilm funktioniert hätte, denn der Fokus liegt klar auf der spirituellen Reise beider Charaktere. Wenn man etwas vom Sci-fi-Mindfuck absieht und sich stattdessen auf die psychologischen und emotionalen Aspekte der Protagonisten fokussiert, dann hat Maniac die größte Wirkung auf unseren labilen Verstand.

Artikel vom 21. Oktober 2018

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