Kritik: Preacher – Staffel 3

Darauf ein Amen
Spoilerfrei!
Lesedauer: 6 Mins.
Jugendgefährdende Inhalte
  • Jesse, Cassidy und Tulip vor einem schwarzen Hintergrund
  • Die Suche nach Gott geht in die dritte Runde. Denn das unheilige Trio Seth Rogen, Evan Goldberg und Sam Catlin setzen das blasphemische Werk 'Preacher' weiter fort und setzen noch eine allmächtige Schippe drauf. Ob nun heilig oder teuflisch ist nicht die Frage. Die Frage aller Fragen lautet: Ist 'Preacher' nach wie vor eine mächtige Serienerleuchtung? Wenig Zeit? Zum Fazit! Es war einmal, weit weg in Angelville Nachdem Tulip O'Hare (Ruth Negga) erschossen wurde, eilt Jesse Custer (Dominic Cooper) mit dem Vampir Cassidy (Joseph Gilgun) an den einzigen Ort, an dem sie wieder zum Leben erweckt werden kann: Die abgelegene…
    Kritik: Preacher – Staffel 3 tba
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    91%

    Meisterwerk

    Handlung
    90%
    Spannung
    90%
    Schauspieler
    95%
    Dialoge
    85%
    Visuelle Umsetzung
    95%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 25.06.2018
    Episoden: 33 in 3+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , , ,
    Showrunner: , ,
    Besetzung: , , , , , , , , , , , ,
    Bildrechte: © 2018 Amazon Instant Video Germany

Gesamtbewertung:

Meisterwerk
91%

Die Suche nach Gott geht in die dritte Runde. Denn das unheilige Trio Seth Rogen, Evan Goldberg und Sam Catlin setzen das blasphemische Werk 'Preacher' weiter fort und setzen noch eine allmächtige Schippe drauf. Ob nun heilig oder teuflisch ist nicht die Frage. Die Frage aller Fragen lautet: Ist 'Preacher' nach wie vor eine mächtige Serienerleuchtung?

Es war einmal, weit weg in Angelville

Nachdem Tulip O'Hare (Ruth Negga) erschossen wurde, eilt Jesse Custer (Dominic Cooper) mit dem Vampir Cassidy (Joseph Gilgun) an den einzigen Ort, an dem sie wieder zum Leben erweckt werden kann: Die abgelegene Plantage Angelville in Louisiana. In dieser zurückgezogenen Sumpflandschaft residiert Jesses "Gran'ma" Marie L'Angelle (Betty Buckley). Sie ist in der Kleinstadt dafür berühmt-berüchtigt, dass sie gegen Bezahlung magische Gefälligkeiten verrichtet und sich die Seelen der Kunden einverleibt, wenn diese nicht rechtzeitig bezahlen. Zwar kann sie Tulip wieder zum Leben erwecken, doch ist Jesse durch einen Blutpakt wieder an die Macht seiner verhassten Großmutter gebunden. Nun arbeitet er wieder für sie wie einst in seiner Jugend und muss sich währenddessen überlegen, wie er sich und seine Freunde von den dämonischen Fängen seiner "Gran'ma" befreien kann.

Verkompliziert wird es dadurch, dass Jesse Genesis nicht mehr verwenden kann, um anderen seinen Willen aufzuzwingen. Er muss wohl oder übel mit dem Gral, einer christliche Geheimorganisation, zusammenarbeiten, um Genesis zurückzuerhalten, während der hochrangige Agent Herr Starr (Pip Torrens) Jesse immer noch als neuen Messiahs platzieren will.

Jesse Custer (Dominic Cooper) in einem abgedunkelten Raum

Für Jesse Custer (Dominic Cooper) wird es diesmal sehr düster.

Auf Gottes Wegen mit Hindernissen

Die Suche nach Gott macht einen Stopp: Und zwar in dem Angelville Anwesen, das sehr wohl seinen eigenen Charme hat – wobei mit Charme Verdorbenheit und das kompromisslose Böse gemeint ist. Mit anderen Worten: Perfekt für das Preacher Setting. Der Fokus auf Angelville bietet eine klare Handlung, die es ermöglicht, in die wahren Abgründe des Anwesens einzutauchen, ohne dabei die Haupthandlung zu vernachlässigen.

Was die vielen Handlungsstränge an sich angeht, so gehen sie endlich ineinander ein und wirken nicht mehr lose. Ein deutlicher Progress ist sichtbar, sowohl was die Haupthandlung angeht als auch die Charakterentwicklung. Und wo wir schon dabei sind...

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Innere Dämonen austreiben

Mit Angelville haben Jesses Probleme angefangen und so ist es nur passend, dass die inneren Konflikte des Main-Casts eine neue Stufe erreichen. Vor allen Dingen ist es Jesse, der sich mit seiner düsteren Vergangenheit auseinandersetzen muss, was zu Konflikten in den eigenen Reihen führt. Dies wird ebenfalls durch Cassidy ersichtlich, der ihm die Schuld an Tulips Tod gibt und zugleich seine einsame Existenz als Vampir verarbeitet. Auch Tulip muss nach ihrer Wiedererweckung ihre Rolle im Leben neu entdecken, was sogar zu einer Auseinandersetzung mit Gott (Mark Harelik) selbst führt.

Die Charakterentwicklungen gehören zu den Highlights dieser Staffel. Die Motive der Charaktere werden deutlich stärker beleuchtet und eine klare Weiterentwicklung der Charaktere ist aktiver zu erkennen. Passend für eine Serie, dessen Hauptthematik der freie Wille ist. Auch wenn Cassidys Handlungsstrang etwas losgelöst von Rest wirkt...

Voodoo Grannys, fette Allväter und das unsagbar Böse

Woran es auch dieser Staffel nicht mangelt sind bizarre und verstörende Charaktere, wobei vor allem Madame L'Angelle hervor sticht. Die Fassade der alten, gebrechlichen Frau ist schnell gebrochen und raus kommt eine bösartige Voodoohexe, der man alles zutrauen kann. Es ist vor allem auch das Gefühl des ansteigenden Horrors, da die kontrollsüchtige Matriarchin des gottverlassenen Angelvilles nur Schrittweise die Ausmaße ihrer Grausamkeiten demonstriert. Zuvor bekommen Querolanten es jedoch mit dem bärenstarken Jody (Jeremy Childs) und der schwachsinnigen Hillbilly-Karikatur T.C. (Colin Cunningham) zu tun.

Doch in Anbetracht der Schurkengalerie von Preacher ist es erneut Herr Starr, der alle Szenen dominiert, in denen er zu sehen ist. Der gnadenlose Verschwörer kämpft in seinem eigenen Handlungsstrang darum, die Führung des Grals von dem comichaft verfressenen Allvater (Jonny Coyne) an sich zu reißen und agiert diesmal als Feind und als Verbündeter zu Jesse Custer. Starr überzeugt wieder mal als emotionsloser und sarkastischer Widersacher, der selbst in den absurdesten Situation sein "Ich-bin-von-Idioten-umgeben"-Gesichtsausdruck beibehält. Hiermit offenbart er sich endgültig als ikonischster Schurke in Preacher.

Herr Starr (Pip Torrens) bei einer Schießerei

Herr Starr (Pip Torrens) verbreitet die Gnade des Herrn.

Genre-Irrfahrt

Preacher hat sich schon seit jeher durch seinen unverfrorenen und "blasphemischen" Genre-Mix ausgezeichnet, dessen Serienadaption noch zusätzlichen den hauseigenen Stempel von Seth Rogen und Evan Goldberg bekam. Die dritte Staffel führt dies zu einem Extrem weiter. Die Serie ist Horror, Neo-Western, Mystery-Thriller und dreiste Religionssatire in einem, gepaart mit einem pechschwarzen Humor, der sich bei der Grenzüberschreitung stets selbst übertrifft. Durch die passend platzierten Storyelemente ist Preacher in der Lage, einen ruhigen aber intensiven Spannungsaufbau zu ermöglichen, nur um dann wieder Absurditäten zuzulassen, bei der sich selbst die Showrunner von Happy! noch orientieren könnten. Sich eine solch charakteristische Identität aufzubauen, schaffen nur die wenigsten Serien.

Dasselbe gilt auch für den Stil der Serie, der niemals berechenbar bleibt. Anfangs ist noch damit zu rechnen, dass die übernatürlichen Elemente in einer mehr oder weniger subtilen Weise präsentiert werden. Doch plötzlich ändert sich das Szenario zu einer übertriebenen Darstellung der flammenden Hölle mit einer alles andere als subtilen Darstellung des Teufels (Jason Douglas) (Zumindest anders als wir es gewohnt sind). Preacher wechselt konsequent seine Stilmittel und bleibt unberechenbar, ohne seinen Fokus und seine Grundthematik zu verfälschen.

T.C. (Colin Cunningham) bedroht einen angeketteten Mann

T.C. (Colin Cunningham) demonstriert, wieso du deine Schulden bei Gran'ma lieber pünktlich bezahlen solltest.

Alles bereit zum jüngsten Gericht

Wo die erste Staffel noch mit einer gigantischen Explosion endete, war die zweite Staffel von einem erstaunlich generischen Cliffhanger geprägt. Umso erfreulicher ist es, dass die dritte Staffel an genau der richtigen Stelle endet. Ohne zu spoilern muss hierbei erwähnt werden, dass die Handlungsstränge und die jeweiligen Charakterentwicklungen zu ihren logischen Abschlüssen kommen. Vor allen Dingen mangelt es jedoch dem Finale nicht an seinen ganz eigenen "WTF!"- und "Geht's noch!?"-Momenten, die aufs Neuste präsentieren, wie weit Preacher gehen kann. Doch vor allem Dingen ist das Finale von Preacher eines: Erstaunlich befriedigend.

Ob Preacher nun vier, fünf oder mehr Staffeln haben wird, eines ist klar: Die Weichen sind gelegt für ein göttliches Finale.

Fazit:

'Preacher' - Staffel 3 ist ein göttliches Spektakel - und nicht nur, weil Genesis es befiehlt

Preacher wird garantiert nicht jeden problemlos ansprechen. Selbst nicht-religiöse Zuschauer können von dem unverfrorenen Stil der Serie schnell abgeschreckt werden, was die dritte Staffel aufs Neuste demonstriert. Doch wenn man tatsächlich einwilligt, die Konventionen zu biegen und der Serie seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, der lässt sich auf ein einzigartiges Serienerlebnis ein. Die dritte Staffel übertrifft sich nochmal selbst mit seinem surrealen Setting und seiner unangefochtenen Individualität, in der die größten Absurditäten möglich sind, ohne die Handlung in irgendeiner Weise zu vernachlässigen. Alle Charaktere kommen zusammen und laufen auf ein übernatürliches Finale zu. Nun kann Gott endlich gefunden werden!

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