Kritik: Shadow and Bone – Staffel 1

Fantasy Mittelgewicht
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Titelbild für Kritik Shadow and Bone Staffel 1 von Netflix
  • Fantasy-Verfilmungen erleben ein großes Revival, denn Netflix und Co. stellen epischen Kostümserien mittlerweile genug Budget zu Verfügung, um nicht billig auszusehen. Doch warum 'Shadow and Bone' gleichzeitig überwältigend und vermurkst aussieht und die Geschichte ebenso genial und geistlos zugleich ist, erfährst du in der Kritik.  Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's In einem russisch angehauchten Fantasy-Setting durchtrennt eine massive, schwarze Wolke den Kontinent: der sogenannte Schattenflur. In ihm treiben sich furchtbare Monster umher, die jede Durchquerung zu einem Wagnis machen und den Handel der Nationen erschweren. Während einer Durchquerung rettet die junge Kartenzeichnerin Alina (Jessie Mei Li) die Crew ihres…
    Kritik: Shadow and Bone – Staffel 1 tba
    1
    Handlung
    65%
    Spannung
    70%
    Charaktere
    75%
    Emotionen
    60%
    Visuelle Umsetzung
    70%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 23.04.2021
    Episoden: 8 in 1+ Staffeln
    FSK: 12
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , ,
    Bildrechte: 2021 Netflix
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Gesamtbewertung:

Ganz Okay
68%

Fantasy-Verfilmungen erleben ein großes Revival, denn Netflix und Co. stellen epischen Kostümserien mittlerweile genug Budget zu Verfügung, um nicht billig auszusehen. Doch warum 'Shadow and Bone' gleichzeitig überwältigend und vermurkst aussieht und die Geschichte ebenso genial und geistlos zugleich ist, erfährst du in der Kritik. 

Darum geht's

In einem russisch angehauchten Fantasy-Setting durchtrennt eine massive, schwarze Wolke den Kontinent: der sogenannte Schattenflur. In ihm treiben sich furchtbare Monster umher, die jede Durchquerung zu einem Wagnis machen und den Handel der Nationen erschweren. Während einer Durchquerung rettet die junge Kartenzeichnerin Alina (Jessie Mei Li) die Crew ihres Schiffs, indem sie sich als Sonnenkriegerin outet und ungebändigte Macht freisetzt. Zwar gibt es viele Grisha-Talente in dieser Welt, die bestimmte Kräfte der Natur bändigen können, doch gab es noch nie zuvor eine Sonnenkriegerin. Das macht Alina zu einer Heiligen.

Der Anführer der Grisha, der "Dunkle" (Ben Barnes), möchte Alina in seine Reihen aufnehmen und ihre Kräfte dafür nutzen, die Schattenflur zu zerstören. Doch es stellt sich heraus, dass der Dunkle ganz andere Absichten verfolgt. Alinas bester Kindheitsfreund, Mal (Archie Renaux), nimmt sich vor, sie auf eigene Faust zu retten. Was er nicht weiß: Gleichzeitig veranlasst Meisterdieb Kaz (Freddy Carter) und seine Gang eine Operation, Alina zu kidnappen und das grandiose Kopfgeld einzusammeln.

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U18 Fantasy

Nein, Shadow and Bone ist kein neues Game of Thrones, auch wenn sich der Titel nach dem Hausmotto einer Familie aus Westeros anhört. Die Buchvorlage von Leigh Bardugo richtet sich viel stärker an eine jüngere Leserschaft und fällt ganz klar in die Sparte "Young Adult", in der auch populäre Franchises wie The Hunger Games, Maze Runner oder Twilight residieren. Es ist die Sparte der berühmt berüchtigten "Auserwählten" und "Liebesdreiecke".

Die typischen Tropes der YA-Fantasy werden verziert mit der Ästhetik des Steampunks, die wir letztens auch schon in His Dark Materials (Sky/HBO) und Carnival Row (Amazon) bewundern durften. Damit hat nun jeder der drei Streaming-Giganten eine eigene Steampunk-Serie produziert. Dennoch haben sie wenig gemeinsam.

Was möchte die Serie sein?

Die Wertigkeit der Kostüme und Effekte steht den epischsten Fantasy-Serien unserer Zeit in nichts hinterher, setzt aber auch keine neuen Maßstäbe. Ebenso ist die Serie nicht besonders blutig, was die Gewalt angeht, oder unkonventionell, was das Storytelling angeht. Shadow and Bone möchte episch und unterhaltsam sein, etwas für jeden Geschmack bieten. Das schafft die Serie auch, scheitert jedoch in der zweiten Hälfte an den eigenen Zielsetzungen.

Spannende Ideen

Die erste Folge kommt schnell zur Sache: eine Geisterbahnfahrt durch den Schattenflur gehört zu den spannendsten Szenen der Serie und lässt das Adrenalin wallen. Angefixt! Man versteht schnell die Mission und Motivation der Charaktere, die oft einfach nur - ganz stumpf - direkt ausgesprochen wird. Das Tempo ist hoch und die Action dauerpräsent.

Die Quasi-Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonist:innen Alina und Mal entwickelt sich rasch zum Dauermotiv und der verwegene Gauner Kaz zum Lieblingscharakter der Serie. Die beiden Handlungsstränge laufen nebeneinander, ohne sich gegenseitig viel Platz wegzunehmen. Doch leider gibt es noch einen weiteren Handlungsstrang, der schnell zum Problem wird.

Ygritte und Jon 2.0

Nina Zenik (Danielle Galligan) und Matthias (Calahan Skogman) in einem Szenenbild aus Shadow and Bone Staffel 1

Mit Nina und Matthias erlaubt sich die Geschichte eine sehr deutliche Referenz zu 'Game of Thrones'.

Nach den ersten Folgen wächst plötzlich eine weitere Verästelung aus dem Story-Konstrukt heraus: Die gemeinsame Flucht der Grisha Nina (Danielle Galligan) und dem Grisha-Jäger Matthias (Calahan Skogman), die derart penetrant an die Chemie zwischen Ygritte und Jon aus Game of Thrones erinnert, dass man schon beinahe auf den Oneliner You know nuthin', Matthias Helvar wartet. Einige Szenen sind sogar 1:1 identisch. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, denn aufgewärmtes Essen ist immer noch gutes Essen, doch es schmeckt einfach nicht. Zum Glück nehmen die Szenen zwischen Nina und Matthias die wenigste Screentime ein, doch sie bremsen die Handlung unnötig aus.

 

 

Diverser Cast, zu wenig Fokus

Neben den eben genannten, sehr blass gezeichneten Charakteren Nina und Matthias, ist der restliche Cast die große Stärke der Serie. Alle Hauttöne und sexuelle Orientierungen werden in die Handlung geworfen, mit einer ungezwungenen Selbstverständlichkeit, von der sich andere Serien etwas abschauen können.

Das Problem: Die übliche Kennenlernphase mit den Charakteren fällt sehr flach aus. Die meisten Charaktere erscheinen zu Beginn cool und gewitzt, wie zum Beispiel der lässige Revolverheld Jesper (Kit Young), doch wachsen sie einem nicht so sehr ans Herz, wie sie es tatsächlich verdient hätten. Schuld daran ist ein Skript, das versucht, zu viel Plot in zu wenig Laufzeit zu stopfen. Die Charaktere bekommen keine Luft mehr. Die kleinen Nuancen, die einen Charakter zu einem "echten" Menschen machen, bleiben auf der Strecke. Zwei Folgen mehr hätten der Staffel bereits gut getan.

Wenige Überraschungen, wenige Fehlschritte

General Kirigan (Ben Barnes), aka Der Dunkle, und Alina Starkov (Jessie Mei Li) in einem Szenenbild aus Shadow and Bone Staffel 1

General Kirigan, aka "Der Dunkle" und Alina Starkov, aka die Sonnenkriegerin, symbolisieren, wer hätte es gedacht, das Böse und das Gute.

Die Geschichte startet vielversprechender, als sie letztendlich fortgeführt wird. Sobald die üblichen Klischees des dunken Lords, der Auserwählten und dem Liebesdreieck ausgepackt werden, verliert die Story an Spannung und Momentum. Letztendlich sind die Ereignisse dennoch souverän erzählt und in Szene gesetzt, sodass die acht Folgen gut genug unterhalten, ohne wirklich jemals mitfiebern zu müssen. Ausnahmen sind jene schweißtreibenden Szenen, die sich im dunklen Schattenflur abspielen.

Zu viele Schatten

Was mich an Shadow and Bone am meisten stört, ist auch gleichzeitig der unnötigste Fehltritt, den die Serie genommen hat: Jedes einzelne Szenenbild ist unglaublich dunkel. Jedes Mal, wenn Alina die Sonne beschwört, keimt in mir ein Glücksgefühl, da ich endlich wieder etwas sehen kann. Für die Szenen bei Nacht musste ich mein komplettes Zimmer abdunkeln und selbst die weißen Untertitel abschalten, um von keiner anderen Lichtquelle abgelenkt zu werden; und selbst mit diesen Maßnahmen konnte ich in einigen Szenen einfach nicht sehen, wer gerade mit wem kämpft. Selbst auf den neuesten OLED-Fernsehern sind die konstanten Schatten in den Gesichtern der Charaktere eine Zumutung. Ich erinnere mich an die berühmt berüchtigte Schlacht um Winterfell aus Game of Thrones, die ebenfalls versuchte, den tiefsten aller Schwarztöne zu zelebrieren. Woher kommt dieser Trend? Können wir ihn ganz schnell wieder begraben?

Fazit:

'Shadow and Bone' enttäuscht, ohne eine Enttäuschung zu sein

Ich habe mehr erwartet. Leider hat mich die erste Staffel zum Finale hin eher verloren als fester gepackt. Grund dafür waren die abgedroschenen Klischees, die Überhand nehmen und die spannenden Ideen dieser ausgefallenen Fantasy-Welt ersticken. Letztendlich ist Shadow and Bone mehr Schatten als Knochen, denn es fehlt an Substanz und Rückgrat, diese episch inszenierte Geschichte mit großen Emotionen und packenden Momenten zu füllen. Dennoch sind die acht Folgen kurzweilige Unterhaltung und erfrischende Abwechslung zum sonst eher monotonen Superhelden-Wahnsinn in unseren Streaming-Mediatheken.

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