9.1/10

Kritik: Stranger Things- Staffel 4 Volume 2

DER STURM VOR DEM STURM

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Genres: Coming-Of-Age, Horror, Mystery, Science Fiction, Startdatum: 01.07.2022

Interessante Fakten für…

  • Der Look von Vecna ist beinahe ausschließlich durch practical Effects und Make up entstanden. Lediglich die Nase musste nachträglich am Computer entfernt werden.

Endlich sind sie wieder zurück, unsere Helden aus Hawkins. Klar, diesmal musste man nur fünf Wochen warten, aber bei dem Cliffhanger in Folge sieben fühlte sich das beinahe auch an wie drei Jahre. Die große Frage: Kann das epische Finale von Staffel 4 überzeugen?

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#kinogänger #humorvoll #enthusiastisch

Darum geht’s

Nachdem die etlichen Handlungsstränge aus den ersten vier Folgen unterschiedlicher nicht sein könnten, wird nun langsam daran gearbeitet, diese wieder zusammenzuführen. Mike und Will sind auf der Suche nach Eleven; Hopper, Joyce und Co. wollen zurück nach Amerika und die Truppe um Nancy versucht Vecna mit allen Mitteln zu schwächen.

Eine große und bombastische Konfrontation, die auf das Zusammentreffen von Eleven und Vecna abzielt, scheint unausweichlich, denn diese entscheidet die Zukunft Hawkins und der ganzen Welt.

Hier verzichte ich aber auch bewusst auf eindeutige Spoiler, für diejenigen, die zwar Interesse an der Review haben, aber noch nicht die erste Hälfte der vierten Staffel gesehen haben.

Immer noch größer = besser?

Wie zu erwarten war: Der Production Value der letzten beiden Episoden hält locker mit den ersten Folgen mit, übertrifft diese sogar noch in einigen Momenten.

Auch wenn der Start mit der rund 90-minütigen Folge „Papa“ anfangs noch ein wenig ruhiger scheint, als man erwartet hatte, nimmt die Handlung gerade im letzten Drittel so unglaublich viel Fahrt auf und Ausmaße an, dass gezeigt Action Sequenzen und Momente ganz locker aus einem Big Budget Hollywood Streifen stammen könnten. Der Look, der Einsatz von Musik und die hervorragenden Special Effects kommen aber in der wirklich monumental langen, letzten Folge „Huckepack“ (ca. 150 Minuten) so richtig zur Geltung. Hier feuern die Duffer Brothers aus allen Rohren, kredenzen gänsehauterzeugende Momente am laufenden Band, die wahnsinnig gut klingen und aussehen.

Die Beziehung zwischen Eleven (Millie Bobby Brown) und Dr. Brenner alias Papa (Matthew Modine) steuert auf eine finale Konfrontation zu…

Stranger Things Staffel 4.2 Kritik Beitragsbild1

Da von Anfang klar war, dass gerade die vierte Staffel in eine neue Richtung geht und ihre Geschichte um einiges „größer“ und „opulenter“ erzählen will, geht für mich der Stilwechsel daher auch vollkommen in Ordnung. Mit den letzten knapp vier Stunden der neusten Staffel haben wir nicht unbedingt die reduziertesten und intimsten Charaktermomente geschenkt bekommen, sondern ein Abschluss, der so dolle kracht, wie schon lange nicht mehr. Und dabei trotzdem in seinem Größenwahn geschmackvoll, nahbar und emotional ansprechend ist, ohne durch seine Liebe zum Bombast zu langweilen oder abzustumpfen.

Kann der Handlungsstrang um Mike (Finn Wolfhard) und Co. schlussendlich überzeugen?

Stranger Things Staffel 4.2 Kritik Beitragsbild2

Wie mitreißend soll es sein?  JA!

Nur sollte man sich nicht täuschen lassen. Wie ich schon in meinem Gedanken zu erster Hälfte der neuen Staffel festhielt, bleiben das größte Highlight der Serie immer noch die Figuren, deren Geflechte und Interaktionen. Dass das in den letzten beiden Folgen nicht vergessen wird und zum Teil sogar auf die Spitze getrieben wird, ist daher für mich erfreulich gewesen. Selten habe ich so um das Schicksal von liebgewonnenen und fiktiven Figuren gebangt, bei den zuspitzenden und dramatischen Momenten verkrampft und mir ein erleichterndes Lachen verkniffen. Klar, man kann bei Stranger Things keine Konsequenz erwarten wie in anderen großen Serien, trotz ihren andersartig enormen Stakes in dieser Staffel. Dennoch werden die Spannungsmomente so überragend inszeniert und belohnend aufgelöst, dass mir wiederholt der Atem wegblieb. Das setzt zwar voraus, dass man in die Figuren investiert ist, ist aber auf einer handwerklichen Ebene, gerade was die Montagen betrifft, hochwertig umgesetzt.

Ich habe lauthals gelacht, musste mir ein paar Tränen verkneifen, war gerührt und hatte häufig eine wohltuende Gänsehaut: Das Spektrum an Reaktionen, die ein Staffelfinale bei mir auslösen sollte, wurde damit erfolgreich abgedeckt.

Eddie Munson (Joseph Quinn) wickelt nicht nur Steve (Joe Keery) mit seiner direkten und herzlichen Art um den Finger, er bleibt weiterhin der beste Neuzugang der gesamten Serie.

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Doch neben den höchstdramatischen und großen Momenten der letzten Folgen schleichen sich auch immer wieder Szenen ein, die das Geschehen tatsächlich ein wenig strecken und einzelne kleine Handlungsstränge größer machen, als sie sind. Oder diese tauchen in den Momenten auf, wenn es für meinen Geschmack ein wenig fehl am Platz wirkte. Das bezieht sich hauptsächlich auf die wenigen, eingestreuten Momente, die im Kern immer eine Art Liebelei andeuten, aber im Vergleich zu eigentlichem Plot etwas haltlos und unverhältnismäßig daherkommen. Ob diese Sequenzen in der neusten Staffel noch Früchte tragen, wird sich zeigen. Das Staffelfinale zu nutzen, um dort die Samen zu pflanzen war für mich aber nicht unbedingt die beste Entscheidung, da man schon das ein oder andere Mal vom Wesentlichen abgelenkt wird.

Nichtsdestotrotz ist die Nähe zu den Figuren wieder spürbar und lässt keine Wünsche offen,  jeder Figur wird mindestens ein großer oder rührender Moment spendiert und die Geschehnisse nehmen sich auch mal für die etwas ruhigeren Szenen zurück. Und auch wenn ich nicht mit jeder Entscheidung zufrieden war und mir einige Konsequenzen mehr weggetan haben als andere: Es macht Sinn, fügt sich ansprechend, wenn auch nicht immer logisch, zusammen und lässt mir immer das Gefühl, dass Leute am Hebel sind, die diese Serie mit Leib und Seele kreieren.

So muss das sein.

Der Anfang vom Ende

Dass die letzte Folge noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft der letzten Staffel wirkt, war für mich an diesem Punkt genauso unerwartet, wie es eigentlich zu erwarten war. Die vermeintlich finale Konfrontation ließ in Sachen Effektivität und visuellen Spielereien keine Wünsche offen und bot für mich sogar einen der ikonischsten und lässigsten Momente der ganzen Serie (ich sage nur Hopper und Schwert).

Doch genauso wie die gesamte erste Hälfte der vierten Staffel die Konfrontation mit Vecna aufbaut, nimmt sich die letzte Folge ebenfalls ein wenig Zeit, um der letzten und finalen Staffel ein wenig die Weichen zu stellen.

Ich möchte gar nicht lügen, das kann auf der ersten Watch ein wenig antiklimatisch wirken, gerade auch weil die Logik nicht an jeder Ecke und Kante mitspielen will.

Wird es Hawkins und seinen Mitbewohner gelingen, Eleven (Millie Bobby Brown) im Kampf gegen Vecna (Jamie Campbell Bower) zu unterstützen?

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Trotzdem konnte ich mich mit dieser Idee doch mehr anfreunden als ich anfangs dachte, da sie mir noch vehementer das Gefühl gegeben hat, dass die Creator genau wissen, wie sie diese Geschichte enden lassen, aufteilen und erfolgreich strukturieren.

Das Ende der vierten Staffel ist nicht zwangsläufig das stilvollste und konsequenteste, heizt aber die Vorfreude auf das kommende Finale so gewaltig an, dass es unterm Strich in Ordnung geht, diesen Kompromiss gemacht zu haben.

Nur haben die Duffer Brothers mit Staffel 4 gewaltig vorgelegt. Ich für meinen Teil habe Vertrauen, dass uns eine zufriedenstellende und große Zusammenführung erwartet. Wie groß und ausladend die finale Staffel dann schlussendlich ausfallen wird, steht leider noch in den Sternen.

Fazit

9.1/10
Meisterwerk
Community-Rating: (1 Votes)
Handlung 9/10
Spannung 10/10
Humor 8.5/10
Visuelle Umsetzung 10/10
Horror 8/10
Details:
Showrunner: Matt Duffer, Ross Duffer,
FSK: 16 Episoden: 2
Besetzung: David Harbour, Gaten Matarazzo, Joe Keery, Millie Bobby Brown, Winona Ryder,

Das war es also, das versprochene und epochale Finale der vorletzten Season.

Ich bin hin und weg, wie es bewerkstelligt wurde mit solch einem enormen Cast zu jonglieren, deren parallele Handlungen hervorragend zu gewichten und eine Art Signifikanz für jeden dieser Stränge zu entwickeln. Das Finale besteht aus enorm vielen Teilen, die ein großes ganzes ergeben und ist nicht nur eine narrativ gemeisterte Herausforderung, sondern lässt trotzdem die Figuren, deren Schicksale und Dynamiken glänzen wie noch nie. So durchgeschüttelt fühlte ich mich selten.

Diese Masse an verschiedenen Settings und Szenen kann auch dazu führen, dass man das Finale als ein wenig überladen und ausgefranst empfindet, für mich war es aber eine perfekte Achterbahn und ein Wechselbad der Gefühle. Und eigentlich hasse ich Achterbahnen.

Artikel vom 8. Juli 2022

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